Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 1
II. Die Herausforderungen des demographischen Wandels für Städte. 3
A. Der Begriff der Stadt. 3
B. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf der
Ebene der Gemeinden. 4
C. Die Konsequenzen des demographischen Wandels für die
traditionelle Stadtplanung. 6
III. Die Reaktionen der Städte auf die sich verändernden
Rahmenbedingungen von Stadtplanung. 8
A. „Urban Governance“ als neues Konzept zur Steuerung
von Städten. 8
B. Das Good Urban Governance-Instrumentarium. 10
1. New Public Management. 10
2. Liberalisierung und Privatisierung kommunaler Aufgaben. 11
3. Public Private Partnerships. 11
4. Bürgerorientierte Kommune. 12
5. Bürgerschaftliches Engagement. 13
IV. Corporate Citizenship. 15
A. Das Corporate Social Responsibility Begriffssystem. 15
1. Die traditionelle Rolle von Unternehmen. 15
2. Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. 17
3. Die verschiedenen Formen von Corporate Citizenship. 19
B. Unternehmen als Bürger einer Stadt. 22
C. Zwischenfazit. 24
V. Fazit - Die Erfolgsaussichten von CC zur Lösung der Probleme
des demographischen Wandels in Städten. 25
Literaturverzeichnis. 30
II
Einleitung I.
Der demographische Wandel ist derzeit das Megathema in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion, und das zu Recht, „[...] denn die Bevölkerungszahl [Deutschlands] würde ohne Wanderungen bei konstanter Geburtenzahl pro Frau von 1 1995 bis 2050 von 81,8 Mio. auf 50,7 Mio. und bis 2100 auf 22,4 Mio. abnehmen.“ Gleichzeitig altert die Bevölkerung. Während 1960 nur 17% der Menschen älter als
2 60 Jahre waren, wird dieser Anteil im Jahr 2030 vermutlich rund 36% erreichen. Die Veränderung der Altersstruktur und die Schrumpfung der Wohnbevölkerung haben gravierende soziale, politische und ökonomische Auswirkungen, besonders 3 auf die Städte. Diese stehen im Zeitalter der Globalisierung in einem verschärften Wettbewerb zueinander und buhlen vor allem um die Gunst von Unternehmen, denn nur deren vermehrte Ansiedlung stellt für viele Städte einen Ausweg aus ihren aku- ten Finanzproblemen dar, welche wiederum die Handlungsspielräume von Sozial- und Strukturpolitik, mit denen die Städte auf den demographischen Wandel reagie- 4 ren müssen, erheblich einschränken.
Als Reaktion auf die derzeitige Gemengelage von Problemen kommen für die Städte verschiedene Vorgehensweisen in Frage, unter anderem die Förderung von freiwilligem, gemeinwohlorientierten Engagement von Unternehmen. Der erst seit kurzem vermehrt in der wissenschaftlichen Literatur auftauchende Begriff „Corporate Citizenship“ (CC) ist für das Verständnis dieses Ansatzes von entscheidender Bedeutung, wie so oft bei neu auftauchenden Begriffen besteht allerdings auch im Fall von CC in der Literatur eine enorme Unstimmigkeit bezüglich einer theoretisch überzeu- 5 genden Definition des Ausdrucks. Daher soll in dieser Arbeit zunächst Corporate
Citizenship charakterisiert und von anderen Begriffen abgegrenzt werden. Danach wird aber auch diskutiert, inwieweit das mit dem Begriff im Zusammenhang stehende „Urban Governance-Instrument“ potentiell geeignet ist, um die akuten Probleme der Städte zu lösen. Genauer gesagt soll eine wissenschaftliche Theorie der Wirksamkeit von Corporate Citizenship im Rahmen der Steuerung von Städten unter den oben beschriebenen Rahmenbedingungen des demographischen Wandels entwickelt und im Anschluss daran kritisch diskutiert werden. Damit dieses Vorhaben gelingen
1 BIRG, 1998, S.23. 2 TEGTMEIER, 1998, S. 50. 3 SARCINELLI/STOPPER, 2006, S. 3. 4 SINNING, 2004, S. 239. 5 TWICKEL, 2001, S. 90.
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kann, ist es notwendig, einige Spielregeln der Wissenschaftstheorie einzuhalten. Vor allem muss zunächst genau festgelegt werden, was unter einer Theorie zu verstehen ist, bzw. aus welchen Elementen eine solche bestehen muss, damit sie als vollständig gelten kann. Werden diese Spielregeln nicht eingehalten, so besteht die Gefahr, dass die Beliebigkeit bezüglich des wissenschaftstheoretischen Vorgehens die Gewinnung von Erkenntnis schon im Ansatz, d.h. unabhängig vom eigentlichen Inhalt 6 einer Untersuchung, erheblich erschwert.
Es wird hier der Auffassung von BACHARACH gefolgt, wonach sich eine Theorie aus einer abstrakten und einer konkreten Ebene zusammensetzt. Die erstgenannte Ebene besteht aus Konstrukten, die selbst weder direkt noch indirekt beobachtet werden können. Zwischen ihnen existieren Beziehungen, welche von BACHA-RACH als abstrakte, allgemeine Verhältnisse oder Wirkungszusammenhänge charakterisiert werden. Um die Operationalisierung einer Theorie zu ermöglichen und um sie empirisch prüfen zu können, müssen die Konstrukte auf einer konkreten Ebene in messbare Variablen überführt werden, die dann als praktikable Referenzgrö- 7 ßen für die Phänomene der abstrakten Theorieebene dienen. Allerdings wird in dieser Untersuchung auf die Behandlung der konkreten Theorieebene verzichtet, da es der beschränkte Umfang der vorliegenden Arbeit nicht erlaubt, beide Bereiche hinreichend ausführlich darzustellen.
Der oben beschriebene grobe Bauplan einer Theorie dient als Grundgerüst dieser Arbeit. So beschäftigt sich das folgende zweite Kapitel zunächst kurz mit dem ersten Konstrukt der Theorie, dem Begriff der Stadt, ehe dann auf den demographischen Wandel eingegangen wird, der als eine der Theorie zu Grunde liegende Annahme verstanden werden kann. Annahmen, so BACHARACH, begrenzen in Form von 8 expliziten oder impliziten Restriktionen die Gültigkeit einer Theorie. Das heißt, der
demographische Wandel liefert die Rahmenbedingungen für die angenommene Beziehung zwischen den Konstrukten, Rahmenbedingungen, die sich vor allem in erheblichen strukturellen und finanziellen Problemen der Städte niederschlagen. Kapitel III ist ebenfalls dem Konstrukt der Stadt gewidmet und liefert eine Übersicht über die verschiedenen zu beobachtenden Reaktionen von Städten auf eben diese Probleme. Die Übersicht umfasst neben einigen bereits seit längerem bekannten Konzepten auch den eher neuen Ansatz, freiwillige Aktivitäten der privaten Wirt-
6 PITSCHNER, 7 BACHARACH, 1989, S. 498. 8 BACHARACH, 1998, S. 498.
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schaftsakteure zu stimulieren, welche die Maßnahmen der Stadtverwaltung ergänzen oder sogar ersetzen sollen.
Um ein begründetes Urteil darüber abgeben zu können, wie erfolgsversprechend dieser Ansatz ist, muss im vierten Kapitel zunächst untersucht werden, durch welche Eigenschaften sich Unternehmen, das zweite Konstrukt der zu analysierenden Theorie, allgemein auszeichnen. Diese Analyse ergibt, dass Unternehmen die Kommunen bei der Bewältigung der durch den demographischen Wandel verursachten Probleme nur dann freiwillig unterstützen werden, wenn das Engagement den Eigenschaften von Corporate Citizenship entspricht, d.h. dadurch vor allem auch der Unternehmenserfolg positiv beeinflusst wird.
Im fünften und letzten Kapitel der Arbeit werden dann die Ergebnisse der vorangegangene Kapitel zusammengeführt und es wird danach gefragt, wie die Gemeinden Unternehmen zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung motivieren können, und inwieweit die Aktivierung der Unternehmen eine mögliche Lösung für die aktuellen Probleme der Städte, die sich vor allem durch den demographischen Wandel ergeben, darstellen könnte.
Die Herausforderungen des demographischen Wan- II.
dels für die Städte
A. Der Begriff der Stadt
Es ist sehr schwierig das Konstrukt Stadt allgemeingültig zu definieren, denn was genau als Stadt verstanden wird, unterscheidet sich je nach Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsraum, ist aber vor allem auch anhängig von der Wissenschaftsdisziplin, in der eine Definition entwickelt wird. Dieses Problem hat HOFMEISTER durch die Zusammenstellung eines kombinierten geographischen Stadtbegriffs gelöst. Dieser beruht auf einem umfangreichen Bündel von Kriterien wie z.B. der Größe der Siedlung, der Geschlossenheit der Siedlung und der Intensität des „städtischen Lebens“ 9 in der Siedlung. Der Stadtbegriff nach HOFMEISTER erscheint aber zu breit und wenig zweckdienlich für die Verwendung in der hier zu analysierenden spezifischen Theorie. Diese Theorie stellt, da es die einer staatsrechtlichen Einheit zur Verfügung stehenden politischen und administrativen Institutionen sind, mit denen auf die strukturellen und sozialen Folgen des demographischen Wandels reagiert werden
9 HOFMEISTER, 1984.
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muss, eher auf die die Stadt als Verwaltungbereich ab. Es bietet sich daher an, Stadt im Folgenden im Sinne einer Gemeinde zu verstehen, wobei es sich dabei nach SCHUBERT/KLEIN um die unterste staatliche Verwaltungseinheit handelt, die als 10 Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltungsaufgaben betraut ist. Nun gibt es aber sehr unterschiedliche Arten von Gemeinden, die nach dem Grad ihrer Unabhängigkeit im Verwaltungsaufbau des föderalistischen Staates unterschieden werden können. So fallen unter den Begriff sowohl nur wenige Einwohner umfassende ländliche Siedlungen als auch kreisfreie Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Eine für diese Arbeit sinnvolle Definition von Stadt scheint somit auch auf diesem Wege nur schwer möglich. Stattdessen soll im Folgenden eine negative politisch-administrative Definition von Stadt gelten, d.h., wenn von Stadt gesprochen wird, dann sind damit all diejenigen räumlichen Einheiten gemeint, die über politische und administrative Institutionen verfügen, die zusätzlich zu den Institutionen des Landes und des Bundes eingesetzt werden können, um den negativen Folgen des demographischen Wandels zu begegnen. Bei diesen räumlichen Einheiten handelt es sich im Prinzip um alle Gemeinden, gleich welcher Größe und Art als auch um Verbünde von Gemeinden bzw. Regionen. Jedoch stehen, wenngleich andere Gemeindearten nicht explizit von der folgenden Analyse ausgeschlossen werden sollen, vor allem kreisfreie Gemeinden im Fokus dieser Arbeit, da diese die größte politisch-administrative Unabhängigkeit und somit auch den größten Handlungsspielraum bezüglich der Reaktionen auf den demographischen Wandel aufweisen. Der Begriff Kommune wird im Folgenden als Synonym zum Begriff Gemeinde verstanden.
B. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf der
Ebene der Gemeinden
In Zusammenarbeit mit den 16 statistischen Landesämtern hat das statistische Bundesamt zuletzt im Juni 2003 eine koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung vorgelegt. Gemäß dieser Projektion wird die Bevölkerung Deutschlands abhängig von der Entwicklung des Wanderungssaldos spätestens im Jahr 2024 beginnen, längerfristig zu schrumpfen. Aber nicht nur die Anzahl der Menschen in Deutschland, sondern auch deren Zusammensetzung wird sich nach den Berechnungen des Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik der Universität Bielefeld bis 2050
10 SCHUBERT/KLEIN, 2003, S. 114.
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erheblich verändern. So wird die Bevölkerungsgruppe der Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 25 Millionen sinken, während die Gruppe der zugewanderten Bevölkerung und deren Nachkommen von 7,4 auf 19 Millionen Menschen wachsen wird. Ein dritter Aspekt des demographischen Wandels ist die demographische Alterung: Der Anteil als auch die absolute Zahl der über 60-Jährigen wird erheblich steigen, während die Zahl der unter 60-Jährigen deutlich fallen 11 wird.
Gerade in den Städten wird der demographische Wandel unmittelbar und unaus- 12 weichlich zu spüren sein , denn er ist im Zusammenspiel mit der Suburbanisierung, also der Abwanderung von Einwohnern der Kernstädte in das Stadtumland und der Abwanderung von Menschen in andere Regionen dafür verantwortlich, dass viele Städte in Deutschland bereits jetzt schrumpfen oder in naher Zukunft schrumpfen 13 werden. So gab die „Bertelsmann Stiftung“ im Februar dieses Jahres in einer Pressemitteilung bekannt, dass bis zum Jahr 2020 50 Prozent aller deutschen Kommunen 14 Einwohner verlieren und alle Kommunen altern werden. Allerdings muss man in
diesem Zusammenhang auch erwähnen, dass die demographische Entwicklung wohlmöglich nicht in allen Städten einheitlich verlaufen wird. Vor allem bedingt durch eine ungleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung ist zum Beispiel zu erwarten, dass wirtschaftlich prosperierende Regionen, wie z.B. die Zentren des Südens und Südwestens erst deutlich später als andere Städte in Deutschland schrumpfen 15 werden, aber auch im kleinräumigen, intraregionalen Vergleich, so SARCINEL- 16 LI/STOPPER, sind ungleichmäßige Bevölkerungsentwicklungen zu erwarten. Der
demographische Wandel bedeutet für die Städte also zum einen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Stadtplanung in den nächsten Jahren mit großer Sicherheit stark verändern werden, denn ein erhebliches Schrumpfen der Bevölkerung Deutschlands scheint unausweichlich. Zum anderen ist aber auch damit zu rechnen, dass die Planbarkeit von Städten aufgrund der nur schwer zu prognostizierenden inter- und intraregionalen Entwicklungen abnehmen wird.
11 BIRG, 2004, S. 20-21. 12 o.V., 2006a. 13 GÖSCHEL, 2004, S. 6. 14 o.V., 2006a. 15 GÖSCHEL, 2004, S. 6. 16 SARCINELLI/STOPPER, 2006, S. 4.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Pitschner, 2006, Die Erfolgsaussichten der Aktivierung von Unternehmen zur Lösung der durch den demographischen Wandel verursachten Probleme in Städten, München, GRIN Verlag GmbH
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