Danksagung
Mein besonderer Dank gilt meinem Diplombetreuer, Herrn Prof. Dr. Alexander Cisik. Ihm möchte ich für die hervorragende und zuverlässige Betreuung sowie für die zeitnahen Reaktionszeiten bei Terminvergaben danken.
Für die schnelle und unkomplizierte Übernahme des Korreferats danke ich Fr. Dr. Barbara Grabow-von Dahlen, insbesondere für ihre konstruktiven inhaltlichen Verbesserungsvorschläge.
Ein großer Dank gebührt ebenso Herrn Norbert Walden-Faymonville für seinen gewissenhaften Einsatz beim Kampf mit dem Fehlerteufel.
Ebenfalls möchte ich mich herzlich bei Frau Sabine Weichert bedanken, die mir zahlreiche Kontakte zu Unternehmen hergestellt hat.
Für die kooperative und sehr nette Zusammenarbeit im Rahmen der Interviews bedanke ich mich auch bei den Ansprechpartnern und Experten der jeweiligen Unternehmen.
Wieder einmal hat sich erwiesen, dass ohne Freunde viele Situationen im Leben nicht erfolgreich gestaltet werden können. Ein großes Dankeschön möchte ich aus diesem Grund an meine Freunde Vesna Pravdic und Tim Weiler richten.
Zum Schluss möchte ich noch meinem Vater, Willi Jöris, besonders danken. Er hat mich jederzeit in allen Belangen tatkräftig unterstützt und trug entscheidend zum Gelingen dieser Arbeit bei.
Mönchengladbach, im Juli 2006 André Jöris
II
Inhaltsverzeichnis
Danksagung II
Inhaltsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis. VI
Abk ürzungsverzeichnis. VI
Abbildungsverzeichnis. VII
Tabellenverzeichnis. IX
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Zielsetzung 3
1.3 Aufbau der Arbeit. 4
2 Warum Wissensmanagement? Der Paradigmenwechsel 10
2.1 Die Entwicklung von der Industriegesellschaft zur
Wissensgesellschaft 10
2.2 Wissensarbeit 15
2.3 Wissen als komplementärer Produktionsfaktor. 17
3 Der Kernbestandteil: Wissen. 19
3.1 Definitionen von Wissen 19
3.2 Die Wissenstreppe 20
3.3 Explizites Wissen und implizites Wissen 22
3.4 Formen der Wissensumwandlung 23
4 Herausforderung Wissensmanagement. 26
4.1 Begriff des Wissensmanagements 26
4.2 Abgrenzung zum Informationsmanagement 28
4.3 Aufgabenfelder eines Wissensmanagements. 30
4.4 Ziele eines Wissensmanagements 35
4.5 Barrieren im Wissensmanagement. 37
5 Grundlagen zur Organisationsstruktur 40
5.1 Begriff der Organisation und Organisationsstruktur. 40
5.2 Die formale Organisationsstruktur 41
III
5.3 Die informale Organisationsstruktur 45
5.4 Gründe für den Transformationsprozess traditioneller
Organisationsstrukturen. 47
5.5 Modelle zur Neugestaltung von Organisationsstrukturen 51
5.5.1 Die Hypertextorganisation. 51
5.5.2 Die Netzwerkorganisation 53
6 Grundlagen zur Organisationskultur 55
6.1 Begriff der Organisationskultur 55
6.2 Elemente der Organisationskultur 56
6.3 Entwicklungsphasen der Organisationskultur 59
6.4 Funktionen der Organisationskultur. 60
6.4.1 Originäre Funktionen. 61
6.4.2 Derivative Funktionen 64
7 Empirische Untersuchung 65
7.1 Hypothesen 65
7.2 Erhebungsmethode 67
7.2.1 Zur Wahl der Methode 67
7.2.2 Das leitfadengestützte Interview 68
7.2.3 Der Interviewleitfaden 69
7.3 Auswahl der Unternehmen 75
7.4 Durchführung der Interviews. 77
7.5 Auswertung der Interviews 79
7.6 Ergebnisse der Untersuchung 82
8 Diskussion der Ergebnisse. 104
8.1 Hypothese 1 a 104
8.2 Hypothese 1 b 105
8.3 Hypothese 1 c. 107
8.4 Hypothese 2 a 108
8.5 Hypothese 2 b 109
8.6 Hypothese 2 c. 110
9 Resümee. 113
Anhang 117
Literaturverzeichnis 151
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung akt. aktualisiert(e) Aufl. Auflage Bd. Band bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa d. h. das heißt erg. ergänzt(e) erw. erweitert(e) et al. et alii etc. et cetera f. folgende ff. fortfolgende Hrsg. Herausgeber IuK Informations- und Kommunikationstechnologien IRS Information Retrieval System neubearb. neubearbeitet(e) o. V. ohne Verfasser resp. respektive S. Seite s. o. siehe oben u. a. und andere(s), unter anderem überarb. überarbeitet(e) vollst. vollständig z. B. zum Beispiel zugl. zugleich z. T. zum Teil
VI
Abbildungsverzeichnis
Abb. 2-1: Zunahme der Wissensrelevanz
Abb. 3-1: Die Wissenstreppe
Abb. 3-2: Die vier Formen der Wissensumwandlung
Abb. 4-1: Aufgabenfelder eines Wissensmanagements
Abb. 5-1: Das Mehrliniensystem
Abb. 5-2: Die Hypertextorganisation
Abb. 5-3: Beispiel einer Netzwerkorganisation.
Abb. 6-1: Ebenen der Organisationskultur
Abb. 7-1: Hypothesen
Abb. 7-2: Der Interviewleitfaden.
Abb. 7-3: Übersicht der Auswertungsschritte
Abb. 7-4: Interpretationen des Begriffs Wissensmanagement
Abb. 7-5: Wichtigkeit von Wissensmanagement
Abb. 7-6: Einsatzfelder von Wissensmanagement.
Abb. 7-7: Entwicklungen und Perspektiven von Wissens-
management
Abb. 7-8: Die Organisationsstrukturen der befragten Unternehmen
Abb. 7-9: Wirkungen der Organisationsstrukturen auf das Wissens-
management
Abb. 7-10: Strukturelle Barrieren.
Abb. 7-11: Vor- und Nachteile unterschiedlicher Unternehmens-
gr ößen
Abb. 7-12: Die Organisationskulturen der befragten Unternehmen
Abb. 7-13: Unternehmenskulturelle Faktoren, die Wissens-
management beeinflussen
VII
Abb. 7-14: Wirkungen kultureller Faktoren auf das Wissensmanagement ....................................................................... 100
Abb. 7-15: Kulturelle Barrieren.............................................................. 102
Abb. 7-16: Wirkungen von Subkulturen auf das Wissens-
Tabellenverzeichnis
Tab. 3-1: Ausgewählte Wissensdefinitionen ......................................... 19
Tab. 4-1: Interpretationen von Wissensmanagement ........................... 26
Tab. 5-1: Dimensionen der Organisationsstruktur im Überblick............ 41
Tab. 7-1: Synopse der untersuchten Unternehmen .............................. 76
IX
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
In den vergangenen zwei Jahrhunderten hat sich das Bild der Gesellschaft kontinuierlich verändert und wurde durch verschiedene Wechsel von einer wissenschaftlichen Grundauffassung zu einer anderen geprägt. Gegenwärtig findet ein radikaler Umbruch von der Industrie- zur Wissensgesellschaft statt. Als erstes Symptom für die Herausbildung einer Wissensgesellschaft ist die einschneidende Transformation der Wirtschaftsstruktur zu nennen, die sich vor allem in einem markanten Wechsel von einer „materiellen“ zu einer „intellektuellen“ Wertschöpfung niederschlägt. 1 Mit steigender Wissensintensität verlagert sich die Bedeutung einzelner Produktionsverfahren vom Sach- zum Human- bzw. Wissenskapital. 2 Kognitive Faktoren, z. B. Wissen, Intelligenz oder Kreativität, gewinnen zunehmend an Relevanz, so dass Unternehmen immer mehr gefordert werden, sich kritisch mit dem Umgang der Ressource Wissen auseinander zu setzen. Wissen ist als wichtiger Wettbewerbsfaktor erkannt worden, was durch die nachfolgenden vier Begriffe belegt wird: 3
• Globalisierung (transnationale Vernetzung der Märkte),
• wachsende Internationalisierung der Märkte,
• Auflösung von verkrusteten Hierarchien und funktionalen Strukturen 4 sowie
• sinkende Zykluszeiten. 5
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine strategische Bewirtschaftung der Ressource Wissen an Bedeutung, so dass in der Zukunft mit einer grund-
1 Vgl. Caspers 2002, S. 7.
2 Vgl. Caspers 2002, S. 1.
3 Vgl. Krcmar 2004, S. 480.
4 Vgl. Haun 2002, S.7.
5 Vgl. Krcmar 2004, S. 480.
1
legenden Veränderung bei betriebswirtschaftlichen Ansichten sowie bei der Bewertung von Prozessen und Erfolgen zu rechnen ist. 6
In diesem Zusammenhang wird seit einigen Jahren der Begriff „Wissensmanagement“ diskutiert. Wissensmanagement umfasst alle Handlungsaktivitäten, die ein Unternehmen anstrebt, um Wissensvorräte, verzahnt mit den entsprechenden Daten- und Informationselementen, für den Unternehmenserfolg zu motivieren und nutzbar zu machen. Um Wissensmanagement optimal für das Unternehmen im Sinne von Effektivität und Effizienz auszurichten, ist es von entscheidender Bedeutung, unternehmensspezifische Rahmenbedingungen zu analysieren, auf welche Art und Weise diese Wissensmanagement fördern oder hemmen.
Die Problemstellung dieser Arbeit ist es, heraus zu finden, inwieweit die Parameter „Organisationsstruktur“ und „Organisationskultur“ das Wissensmanagement beeinflussen.
Eine Organisation bedient sich bestimmter Strukturen, um die entsprechende Zielerreichung zu realisieren bzw. zu unterstützen. Organisationsstrukturen beziehen sich darauf, wer in der Organisation welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten übernimmt. Sie gestalten den Verhaltensrahmen und stecken so die Grenzen der den Mitgliedern zur Verfügung stehenden Handlungsalternativen ab. 7 Analog zur Organisationsstruktur ist die Organisationskultur eine zentrale Determinante, um den Unternehmenserfolg nachhaltig zu steigern. Die Elemente einer Organisationskultur, z. B. Werte und Normen, prägen die Entscheidungen, die Handlungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder. 8
Jedoch macht Wissensmanagement nicht an den Organisationsgrenzen halt, sondern erstreckt sich auch über deren Umwelt. Die folgenden verschiedenen Faktoren nehmen Einfluss auf das Wissensmanagement und spielen eine eminente Rolle im Umgang mit Wissen:
6 Vgl. Haun 2002, S. 10.
7 Vgl. Martin 1995, S. 39.
8 Vgl. Dill 1987, S. 100.
2
• Stakeholder, wie z. B. Lieferanten, Kunden, Investoren, Aktionäre, Mitarbeiter, interessierte Öffentlichkeit, Forschung und Wissenschaft,
• der Umgang mit Informationssystemen, z. B. Datenbanksysteme 9 , „Groupware“ 10 oder Expertensysteme 11 sowie
• die technische Kommunikationsstruktur, z. B. E-Mails, Intranet oder „Newsgroups“ 12 .
Das Management von Wissen ist aus diesem Grund zu einer Schlüsselkompetenz geworden, um konstant konkurrenzfähig zu bleiben. Nur diejenigen Unternehmen, denen es gelingt, komparative Vorteile bei der Wissensgenerierung, -verarbeitung und -nutzung aufzubauen, können sich in der Zukunft realistische Konkurrenzvorteile im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern verschaffen. 13
1.2 Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Einfluss der Organisationsstruktur und -kultur auf das Wissensmanagement zu erforschen. Hierzu wird ein theoretisch-empirisch fundierter Bezugsrahmen erarbeitet, um einerseits theoretische Erkenntnisse und andererseits empirische Ergebnisse gegenüber zu stellen. Vor dem Hintergrund des theoretischen Bezugsrahmens werden auf dessen Grundlage deduktiv formulierte Hypo-
9 Abts; Mülder 2002, S. 132: „Ein Datenbanksystem besteht aus ein oder mehreren Datenbanken und einem Datenbankmanagementsystem. Die Datenbank ist eine Sammlung von strukturierten, inhaltlich zusammengehörigen Daten. Das Datenbankmanagementsystem (DBMS) besteht aus den Programmen zum Aufbau, zur Kontrolle und zur Änderung und Abfrage der Datenbank.“
10 Abts; Mülder 2002, S. 189: „Groupware (Kunstwort aus Group und Software) ist der
Oberbegriff für jede Art von Software, die die Kommunikation, Kooperation oder Koordination bei arbeitsteiliger Aufgabenbearbeitung unterstützt.“
11 Abts; Mülder 2002, S. 213: „Expertensysteme sind Computerprogramme, in denen
das Wissen von Experten gespeichert ist und die in bestimmten, eng begrenzten Aufgabenbereichen, ähnlich wie menschliche Experten, Probleme lösen können.“
12 Abts; Mülder 2002, S. 115: „Mit News ist ein öffentlicher Meinungsaustausch möglich.
Die Diskussionsgruppen (Newsgroups) sind themenbezogen hierarchisch strukturiert. Mit Hilfe eines speziellen Programms (Newsreader) können Inhalte einer Newsgroup abgerufen und neue Beiträge erstellt werden.“
13 Vgl. Felbert 1998, S. 121.
3
thesen abgeleitet, um diese mit der Wirklichkeit zu verifizieren. Zu diesem Zweck erfolgt im Rahmen dieser Arbeit eine qualitative Befragung von Experten. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Stichprobenauswahl der befragten Unternehmen 14 (siehe Tabelle 7-1).
Mit Hilfe von leitfadengestützten Interviews soll auf Basis der explorierenden Expertenaussagen folgende Haupthypothese untersucht werden:
Die Organisationsstruktur sowie -kultur beeinflussen die Art und Weise von Wissensmanagement.
1.3 Aufbau der Arbeit
Der Aufbau der Arbeit, wie er nachfolgend skizziert ist, gliedert sich in insgesamt neun Kapitel. Die Ausführungen der Kapitel 2-6 dienen als the-oretische Grundlage für die empirische Untersuchung in Kapitel 7, welches den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit darstellt. Im achten Kapitel erfolgt die interpretative Diskussion der Ergebnisse. Das neunte Kapitel schließt die Arbeit ab.
Im zweiten Kapitel werden zu Beginn (Kapitelabschnitt 2.1) die Paradigmenwechsel von der Industrie- über die Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft hin zur Wissensgesellschaft beschrieben. Die einzelnen
14 Aus Gründen der zugesagten Wahrung der Anonymität ist hier auf die Angabe der
Unternehmensnamen verzichtet worden. In der Unternehmensmatrix ist deshalb der Schwerpunkt der jeweiligen unternehmerischen Tätigkeit angegeben.
4
Gesellschaftsbilder werden zum einen mit Hilfe von Beispielen charakterisiert und zum anderen werden Ursachen und Gründe für die jeweiligen Übergänge in neue Gesellschaftsordnungen erörtert. Im Anschluss daran wird in Kapitelabschnitt 2.2 der Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensarbeit geschildert. Einerseits werden Charaktereigenschaften von „Wissensarbeitern“ erläutert und andererseits werden Argumente sowie die daraus resultierenden Konsequenzen aufgeführt, mit denen sich die Unternehmen kritisch auseinandersetzen sollten. Den Abschluss dieses Kapitels (Kapitelabschnitt 2.3) bildet „Wissen als komplementärer Produk-tionsfaktor“. Zunächst erfolgen eine Abgrenzung bzw. ein Vergleich von Wissen zu den klassischen Produktionsfaktoren sowie die Charakterisierung und Relevanz dieses Begriffs.
Im Mittelpunkt des dritten Kapitels steht der Begriff „Wissen“. Zu Beginn (Kapitelabschnitt 3.1) wird anhand von ausgewählten Wissensdefinitionen aufgezeigt, dass je nach Ansatzpunkt und Betrachtungsweise unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten bestehen und somit kein kongruentes Verständnis des Begriffs „Wissen“ existiert. Aus diesem Grund wird im Anschluss (Kapitelabschnitt 3.2) der Wissensbegriff aus betriebswirtschaftlicher Perspektive explizit dargestellt, indem dieser von den Begriffen „Daten“ und „Informationen“ abgegrenzt und anschließend im Zusammenhang gebracht wird. Zur weiteren Präzisierung erfolgt in Kapitelabschnitt 3.3 eine Differenzierung von explizitem Wissen und implizitem Wissen. Aufbauend auf der Unterscheidung zwischen explizitem Wissen und implizitem Wissen, werden zum Abschluss dieses Kapitels (Kapitelabschnitt 3.4) die vier Formen der Wissensumwandlung dargestellt und erläutert, auf welche Art und Weise Wissen geschaffen wird.
Das vierte Kapitel widmet sich explizit dem Forschungsthema „Wissensmanagement“. In Analogie zum Begriff „Wissen“ besteht auch beim Begriff „Wissensmanagement“ keine homogene Definition. Zu diesem Zweck werden in Kapitelabschnitt 4.1 zunächst das Verständnis resp. die Interpretationen des Begriffs „Wissensmanagement“ auf den Kontinenten Europa, Asien und Nordarmerika in tabellarischer Form präsentiert. Anschließend werden Argumente erläutert, warum in der Theorie als auch in
5
der Praxis diese differenzierten Auffassungen bestehen. Im abschließenden Schritt erfolgt die Definition des Begriffs „Wissensmanagement“, die dieser Arbeit zu Grunde liegt. Darauf aufbauend erfolgt in Kapitelabschnitt 4.2 eine Abgrenzung des Begriffs „Wissensmanagement“ zu dem Begriff „Informationsmanagement“, der jedoch in enger Relation zu diesem steht. Zu diesem Zweck werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen Begriffen herausgearbeitet. Im nachfolgenden Kapitelabschnitt (4.3) werden Aufgabenfelder eines Wissensmanagements charakterisiert. Die Basis stellt hier das Konzept „Bausteine des Wissensmanagements“ dar, das von PROBST/RAUB/ROMHARDT entwickelt wurde. Des Weiteren werden im Kapitelabschnitt 4.4 Ziele eines Wissensmanagements dargestellt, da in der Praxis unterschiedliche Formen der wissensorientierten Führung existieren. Zunächst wird ein zentrales Ziel eines Wissensmanagements erläutert, mit dem a) ein funktionsorientiertes Potential entwickelt werden kann, um konkurrenzfähig zu bleiben, und b) nachhaltige Aufschlüsse aufgezeigt werden können, um der ständigen Herauforderung des Marktes gerecht zu werden. Darüber hinaus erfolgen Zielsetzungen von ausgewählten Ansätzen des Wissensmanagements. Den Abschluss dieses Kapitel bildet der Kapitelabschnitt 4.5 „Barrieren im Wissensmanagement“. Hier werden Hindernisse und Widerstände dargestellt und erläutert, sowie den jeweiligen Dimensionen „Individuelle Barrieren“, „Or-ganisatorische Barrieren“ und „Systembedingte Barrieren“ zugeordnet.
Das fünfte Kapitel befasst sich mit der Organisationsstruktur (erster Parameter). Im ersten Kapitelabschnitt (5.1) erfolgt zunächst die Definition des Begriffs „Organisation“, die zum weiteren Verständnis beitragen soll. Darauf aufbauend wird der Begriff „Organisationsstruktur“ definiert. Weitere Diskussionspunkte dieses Kapitels stellen die formale Organisationsstruktur (Kapitelabschnitt 5.2) und die informale Organisationsstruktur (Kapitelabschnitt 5.3) dar, da das Gesamtbild der Organisation erst aus der Kombination dieser beiden Strukturen entsteht. Der nachfolgende Kapitelabschnitt „Gründe für den Transformationsprozess traditioneller Organisationsstrukturen“ (5.4) beschreibt zunächst einen hierarchischfunktional aufgebauten Unternehmenstyp am Beispiel des Mehrliniensys-
6
tems. Zudem werden Nachteile und Argumente erläutert, warum diese Organisationsform nicht mehr zeitgemäß ist. Anschließend werden Kriterien aufgeführt, warum gegenwärtig ein fast revolutionärer, organisatorischer Umbruch von traditionellen zu prozessorientierten Strukturen stattfindet. Des Weiteren werden Eigenschaften aufgezählt, die diese Organisationsstruktur determinieren. Den Abschluss dieses Kapitels bildet der Kapitelabschnitt „Modelle zur Neugestaltung von Organisationsstrukturen (5.5). Hier wird der Aufbau sowie die Funktionsweise der Hypertextorganisation (Kapitelunterabschnitt 5.5.1) und Netzwerkorganisation (Kapitelunterabschnitt 5.5.2) beschrieben und mit Abbildungen visualisiert.
Das letzte Kapitel der theoretischen Grundlagen bildet das sechste Kapitel: Grundlagen zur Organisationskultur (zweiter Parameter). Im ersten Kapitelabschnitt (6.1) wird zunächst der Begriff „Organisationskultur“ definiert. Darauf aufbauend werden im Kapitelabschnitt 6.2 nach dem Konzept „Ebenen der Organisationskultur“ von Edgar H. SCHEIN die Elemente der Organisationskultur im Einzelnen näher beleuchtet. Aus dem vorherigen Kapitelabschnitt wird ersichtlich, dass die Organisationskultur ein dynamischer Prozess ist, der sich kontinuierlich entfaltet. Kapitelabschnitt 6.3 knüpft hier an, indem die vier Entwicklungsphasen Aufbau- und Reifephase, Krisenphase sowie Neuorientierung beschrieben werden. Um die Dynamik von Kulturen zu veranschaulichen, werden zum Abschluss dieses Kapitels (Kapitelabschnitt 6.4) die Funktionen der Organisationskultur erläutert. Hier wird zum einen auf Funktionen unmittelbarer Art eingegangen, die geradewegs aus der Organisationskultur resultieren (originäre Funktionen: Kapitelunterabschnitt 6.4.1), und zum anderen wird auf derivative Funktionen (Kapitelunterabschnitt 6.4.2) Bezug genommen, die sich indirekt aus den unternehmenskulturellen Werten und Normen ableiten.
Im Anschluss an die theoretischen Ausführungen (Kapitel 2-6) erfolgt im siebten Kapitel die empirische Untersuchung. Zu Beginn werden im Kapitelabschnitt 7.1 die aus der theoretischen Grundlage abgeleiteten und somit deduktiv formulierten Hypothesen abgebildet. Der folgende Kapitelabschnitt „Erhebungsmethode“ (7.2) besteht aus drei Kapitelunterabschnitten. Im ersten Kapitelunterabschnitt (7.2.1) wird zunächst das hier ver-
7
wendete Erhebungsinstrument, das Interview, definiert und charakterisiert. Zudem werden Vorteile von qualitativen Interviewformen genannt. In der qualitativen Forschung werden verbale Daten anhand eines Leitfadeninterviews mit dem Ziel verfolgt, konkrete Aussagen über einen Gegenstand zu gewinnen. Darauf aufbauend werden im Kapitelunterabschnitt 7.2.2 charakteristische Merkmale von leitfadengestützten Interviews beschrieben. Des Weiteren wird auf eine spezielle Form des Leitfadeninterviews, dem Experteninterview, Bezug genommen. Die Interviewten waren bei der Befragung weniger als Person, sondern mehr in ihrer Funktion als Experten relevant. Zum Schluss dieses Kapitelabschnitts (7.2.3) erfolgt die Beschreibung des Interviewleitfadenaufbaus. Zum einen werden die Zielsetzungen der Fragenteile (Wissensmanagement/Struktur/Kultur) sowie die Zielsetzungen der einzelnen Fragen erläutert, zum anderen wird der Interviewleitfaden im Gesamtüberblick abgebildet. Daran anknüpfend wird im Kapitelabschnitt 7.3 einerseits erläutert, nach welchen Kriterien die Unternehmen ausgewählt wurden und andererseits wird berichtet, auf welchem Weg der Kontakt zu den Unternehmen hergestellt worden ist. Am Ende dieses Abschnitts erfolgt ein Überblick der Stichprobenauswahl, d. h. der befragten Unternehmen, die in einer Matrix geclustert, nach Branche und Unternehmensgröße, dargestellt werden. Im Kapitelabschnitt (7.4) werden zunächst Rahmendaten, z. B. Zeitraum, Ort und Länge der Interviews, genannt. Primär wird hier die Methode geschildert, auf welche Art und Weise die Interviews durchgeführt worden sind. Nach der Durchführung der Interviews werden im Kapitelabschnitt 7.5 die Vorgehensweise, d. h. die einzelnen Auswertungsschritte, im Detail erläutert. Zum Schluss des siebten Kapitels werden im Kapitelabschnitt 7.6 die Ergebnisse, gesondert für jede Frage, dargestellt und mit entsprechenden Graphiken visualisiert.
Im Anschluss an die vorliegende Untersuchung erfolgt in Kapitel 8 die interpretative Diskussion der Ergebnisse. Im Rahmen dieser Diskussion werden die im Kapitelabschnitt 7.1 dargestellten Hypothesen überprüft, indem ein Vergleich der theoretischen Ausführungen (siehe Kapitel 2-6) mit den gewonnen Ergebnisse (siehe Kapitelabschnitt 7.6) vorgenommen wird.
8
Abschließend erfolgt im 9. Kapitel das Resümee. Hier wird einerseits die gesamte Arbeit zusammengefasst und andererseits werden Schlussfolgerungen der relevantesten Resultate dargelegt.
9
2 Warum Wissensmanagement? Der Paradigmenwechsel
2.1 Die Entwicklung von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft
In den letzten 200 Jahren hat sich das Bild der Gesellschaft mehrfach dramatisch verändert und wurde durch verschiedene Paradigmen geprägt. Die aktuelle Entwicklung von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, stellt einen erneuten Paradigmenwechsel dar.
Thomas S. KUHN zufolge führen Anomalien, die sich nach dem vorherrschenden Paradigma nicht lösen lassen, zu einem Paradigmenwechsel bzw. zu einer wissenschaftlichen Revolution, die die Grundvoraussetzungen einer Wissenschaft neu bestimmt. 15
Auf dem Weg zu dieser neuen Gesellschaftsordnung zeichneten sich zu-vor drei Übergangsstufen ab:
1. Argaragesellschaft
2. Industriegesellschaft
3. Dienstleistungsgesellschaft
4. Informationsgesellschaft
Durch die industrielle Revolution 16 wurde die bisher vorherrschende Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft umgewandelt, die durch schnelle Veränderungen in Produktionstechnik, Wirtschaft und Gesellschaft charakterisiert wird. Die industrielle Revolution, beginnend in Groß- 15 Vgl.Kuhn 1973.
16 O. V.: Bertelsmann Universal Lexikon 1992, S. 749: „Unter einer Revolution versteht
man eine abrupte, radikale tief greifende Umgestaltung und Erneuerung auf einem bestimmten Gebiet.“
10
britannien um ca. 1770, wurde ausgelöst durch die systematische Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in der Güterproduktion. 17
Das erste Stadium der industriellen Revolution war durch die Einführung und Ausbreitung der Maschinentechnik sowie der großbetrieblichen Produktion gekennzeichnet. Zeitgleich nahm die Bevölkerung auf dem Land zu. Dies hatte zur Folge, dass viele unqualifizierte Arbeitskräfte in die Städte abwanderten und somit den enormen Produktionsbedarf realisierten. Die bedeutungsvollste Erfindung lieferte James WATT im Jahre 1776 mit der Erfindung der Dampfmaschine. Damit konnte der gewaltige Energiebedarf gedeckt werden. 18
Im zweiten Stadium der industriellen Revolution erfolgte eine explositionsartige Mechanisierungswelle, z. B. durch das Konzept der modernen Fertigung, das von dem US-amerikanischen Automobilhersteller Henry FORD entwickelt wurde. Ein weiteres Attribut dieser Entwicklung war die Durchrationalisierung der Produktion. Dezentrale Bearbeitungsprozesse wurden zu einer übergreifenden Prozesskette verbunden. Damit war es möglich, immer gleiche Vorgänge wiederholt und in immer gleicher Weise, d. h. reproduzierbar auszuführen, ohne dass es hierzu eines gesonderten menschlichen Eingriffs bedurfte. Die Konsequenz daraus war eine enorme Produktivitätssteigerung. Güter konnten jetzt mit hoher Präzision, gleicher Qualität und hohen Stückzahlen gefertigt werden. 19
Durch die bahnbrechende Erfindung mit der Entwicklung des Mikropro-zessors wurde das dritte Stadium der industriellen Revolution eingeläutet. Alle Einheiten des Prozessors wurden auf einem Chip untergebracht. Dadurch war es möglich, Fertigungsprozesse weitblickend und flexibel zu automatisieren. Des Weiteren ließen sich menschliche Entscheidungen auf programmierbare Automaten übertragen. 20
17 Vgl. Haun 2002, S. 7.
18 Vgl. Haun 2002, S. 7.
19 Vgl. Haun 2002, S. 7.
20 Vgl. Haun 2002, S. 7 f.
11
Abb. 2-1: Zunahme der Wissensrelevanz
Seit den siebziger Jahren vollzog sich in den meisten Industrieländern ein allmählicher Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft. Auf Seiten der Konsumenten war als Ursache die sukzessive Sättigungserscheinung auszumachen. Die Grundbedürfnisse waren durch ausreichende Nahrungsmittelproduktion gedeckt und es herrschte ein Überangebot an hochwertigen gewerblichen Gütern. Steigender Wohlstand und mehr Freizeit heizten die Nachfrage nach Dienstleistungen zusätzlich an. Allerdings ist dabei zu beachten, dass ein großer Teil der Dienstleistungen „produktionsbezogen“ ist - sie dienen der Planung und Durchführung der Güterproduktion sowie der Verteilung von Gütern. 21
Der Übergang von der Dienstleistungs- zur Informationsgesellschaft wird vor allem durch die in den letzten Jahrzehnten voranschreitende weltweite Vernetzung determiniert. Digitale Datenübertragung, Mobilfunk, Satellitentechnik, Computerisierung und Internet ermöglichten einen beschleunigten Informationsausfluss und vergrößerten die Masse der über-
21 Vgl.Detsch 2003.
12
mittelten Daten. Informationen lassen sich immer leichter speichern und sind durch globale Netzwerke jederzeit zugänglich. 22 Aus den meisten Wirtschafts- und Unternehmensbereichen ist der Einsatz von Informations-und Kommunikationstechnologien (IuK) nicht mehr wegzudenken. Diese weit fortgeschrittene Diffusion der IuK ermöglicht die Rationalisierung und Verbesserung der Wertschöpfungsketten sowie neue Produkt- und Prozessinnovationen. 23
Derzeit befindet sich auch in Deutschland mit seinen forschungs- und technologisierten Branchen am Übergang von der Informationsgesellschaft zur Wissensgesellschaft.
Als erstes Anzeichen für die Herausbildung einer Wissensgesellschaft ist eine einschneidende Umwandlung der Wirtschaftsstruktur erkennbar, die sich vor allem in einem ausgeprägten Wechsel von einer „materiellen“ zu einer „intellektuellen“ Wertschöpfung niederschlägt. 24 Mit steigender Wissensintensität der Produktion und steigendem Wissensgehalt der Endprodukte verlagert sich die Essenz einzelner Produktionsfaktoren vom Sachzum Human- bzw. Wissenskapital. Beim Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft hat der Produktionsfaktor Boden seine Bedeutung nicht völlig gegenüber den Faktoren Sachkapital und Energie verloren. Synonym dazu wird auch beim Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft das Sachkapital nicht völlig vom Human- bzw. Wissenskapital verdrängt werden. 25
Jedoch gewinnen kognitive Faktoren wie bspw. Wissen, Intelligenz oder Kreativität immer mehr an Bedeutung. Unternehmen sind mehr denn je gefordert, sich genauer mit dem Umgang der Ressource Wissen ausein-ander zu setzen. Wissen ist als wichtiger Wettbewerbsfaktor erkannt worden. Dafür lassen sich die vier folgenden Gründe anführen: 26
22 Vgl. Caspers 2002, S. 4.
23 Vgl. o. V., www.bmbf.de/pub/aktionsprogramm_informationsgesellschaft_2006.pdf.
24 Vgl. Caspers 2002, S. 7.
25 Vgl. Caspers 2002, S. 1.
26 Vgl. Krcmar 2004, S. 480.
13
Der erste Grund ist die sich abzeichnende Globalisierung, die die transnationale Vernetzung der Märkte bezeichnet. Durch die Öffnung der Märkte findet eine Verschärfung des Wettbewerbs durch die hohe Anzahl zunehmender Konkurrenten statt. 27
Der zweite Grund ist die wachsende Internationalisierung der Märkte, die Unternehmen aus folgenden Motiven bewegt, ein Auslandsengagement vorzunehmen bzw. zu vertiefen:
• Ressourcenorientiert, z. B. verbesserter Zugang zu Kapital oder „Know-how“,
• Produktionsorientiert, z. B. Produktionskostenvorteil oder
• Absatzorientiert, z. B. Ausweitung der Absatzmärkte, Unternehmenssicherung. 28
Der dritte Grund ist die Auflösung von verkrusteten Hierarchien und funktionalen Strukturen. Diese Strukturen können nicht an dynamische, komplexe und sprunghafte Märkte angepasst, sondern müssen aufgegeben werden. Der Trend geht zu prozessorientierten Strukturen, die sich den Anforderungen der veränderten Marktbedingungen bzw. -situationen zeitgerecht anpassen. 29
Der vierte und letzte Grund sind sinkende Zykluszeiten. Lösungs- und Produktanbieter befinden sich in einem ständigen Konkurrenzkampf. Deshalb unterliegen Produkte und Dienstleistungen hohen Innovationsraten und damit schnellen Neuentwicklungen. Unternehmen versuchen sich dadurch komparative Konkurrenzvorteile, z. B. durch Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, zu verschaffen. 30
27 Vgl. Haun 2002, S. 6.
28 Vgl. Haun 2002, S. 6.
29 Vgl. Haun 2002, S. 7.
30 Vgl. Krcmar 2004, S. 480.
14
2.2 Wissensarbeit
Kongruent zur Entwicklung von der Industrie- zur Wissensgesellschaft vollzieht sich erwartungsgemäß auch der Strukturwandel der Arbeit. Sukzessive wird die standardisierte Massenproduktion von der spezialisierten Wissensarbeit abgelöst. Diese neue Form der Arbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung und wird in der Wissensgesellschaft die entscheidende Ar-beitsform sein.
Der Begriff „Wissensarbeit“ beschreibt den aktiven, konzeptionellen und zielgerichteten Umgang mit Wissen und Informationen. Gefordert wird eine Metakompetenz, die gestattet, situativ und aufgabenbezogen das vorhandene Wissen zu erweitern, zu nutzen und diese Vorgänge zu reflektieren. 31
Wissensarbeit richtet sich dabei nicht nach den Idealen der Industriearbeit aus. Arbeitsaufgaben wurden organisatorisch in Teilaufgaben zerlegt und den einzelnen Arbeitsausführenden zugeteilt. Die physisch erbrachte Leistung wurde entsprechend entlohnt. Jedoch benötigten die auch hier ausgeführten Tätigkeiten ein gewisses Maß an Weitblick und Wissen. 32
Im Gegensatz dazu wird von den Wissensarbeitern eine umfangreiche Kompetenz gefordert. Im Vordergrund steht nicht mehr die erledigte Arbeit, sondern das Resultat, das mit dieser Erledigung erreicht wird. Des Weiteren charakterisieren den Wissensarbeiter Attribute wie z. B. Kommunikations-, Transaktions- und Interaktionsfähigkeit. Innerhalb des Tätigkeitsfeldes werden die Aufgaben autonom, im Team oder alleine ausgeführt. 33
Diese Form der Wissensarbeit wird in ihrer Intension die klassischen Produktivkräfte Arbeit, Boden und Kapital in Zukunft überflügeln. 34
31 Vgl. Haun 2002, S. 13.
32 Vgl. Haun 2002, S. 13.
33 Vgl. Haun 2002, S. 13.
34 Vgl. Haun 2002, S. 13.
15
Durch den Strukturwandel der Arbeit muss auch die Architektur sowie die Theorie von Organisationen aller Ausrichtungen und Größenordungen angepasst bzw. kritisch überdacht werden. Die bisher äußerst effektiven Standardisierungs- und Steuerungssysteme müssen modifiziert oder neu charakterisiert werden. Das Kernproblem besteht darin, dass Wissensarbeit immer mehr aus Forschungseinrichtungen in Werkstätten und Büros, von der Theorie in die Praxis diffundiert. Inzwischen genügt es nicht mehr, die Arbeitnehmer nur mit notwendigem Wissen und entsprechender Sachkenntnis auszustatten. Die Organisation selbst muss in ihren Regelsystemen und Geschäftsprozessen ein Höchstmaß an organisationalem Wissen und durchdachten Sachkenntnissen einführen. 35
Durch den so genannten „Information overload“ und den raschen Verfall vieler Wissensformen wird die gleichwertige Beschaffung von Wissen erheblich eingeschränkt. Hinzu kommt, dass die zunehmende Spezialisierung des Wissens Organisationen in eine prekäre Lage versetzt, das Wissen ihrer Mitglieder für alle verfügbar und nutzbar zu machen. 36
Die Ausweitung und Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien führen immer deutlicher zu Konflikten zwischen Lebenspraxis und Organisationsleben. 37
Die Organisation muss eigenhändig in ihren Regelsystemen und Geschäftsprozessen ein Maximum an organisationalem Wissen und methodischer Sachkenntnis einführen. Nur so können die Organisationen auf Dauer leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben. 38
Im Brennpunkt der Wissensarbeit insgesamt steht die Kooperation von personalem und organisationalem Wissen. Beide Komponenten müssen sich bei der Erzeugung von Wissen gegenseitig unterstützen und ihren Wissensbeitrag gegenseitig bereitstellen. 39
35 Vgl. Haun 2002, S. 14.
36 Vgl. Haun 2002, S. 14.
37 Vgl. Roehl 2002, S. 33.
38 Vgl. Haun 2002, S. 14.
39 Vgl. Haun 2002, S. 15.
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Hier muss jedoch kritisch angemerkt werden, dass sich dieser theoretische Ansatz in der Praxis nur schwer realisieren lässt.
Die primäre Ursache für dieses Problem liegt darin, dass zwar genügend Informationen über Struktur und Einsatz von Wissen, d. h. die wissensbasierte Operationsweise von Personen, vorliegen, im Gegensatz dazu die organisationale Intelligenz in puncto kollektiven, systemischen oder emergenten Eigenschaften bei organisierten Sozialsystemen gänzlich uner-forscht ist. 40
2.3 Wissen als komplementärer Produktionsfaktor
In den letzten Jahren wurden sowohl in den Vereinigten Staaten von Amerika als auch in Deutschland die traditionellen Produktionsfaktoren „Arbeit“, „Boden“ und „Kapital“ um den Faktor Information bzw. Wissen komplementiert. 41
In der Wissensgesellschaft spielen die zuvor grundlegenden Hilfsquellen wie bspw. Eigentum von Anlagen, Rohstoffe oder die Bereitstellung von billigen Arbeitskräften nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Faktor Wissen rückt zunehmend in den Mittelpunkt und übernimmt bereits heute eine dominante Stellung ein. 42
Wissen ist jedoch wie die traditionellen Produktionsfaktoren der Knappheit unterworfen. 43 In der Agrargesellschaft war bebaubarer Boden die wichtigste Erwerbsquelle; jedoch lässt sich Boden nicht vermehren. Im Zuge der industriellen Revolution wurde der Faktor Arbeit knapp, da der damalige Industriearbeiter durchschnittlich einen 16 Stundentag zu verrichten hatte. Deshalb investierten die Kapitalgeber ihr Vermögen in die Automatisierung. Andererseits fehlte es zu dieser Zeit an Kapital. Nur wenige waren bereit, gute Ideen zu finanzieren.
40 Vgl. Haun 2002, S. 15.
41 Vgl. Jänig 2004, S. 129.
42 Vgl. Nonaka; Takeuchi 1997, S. 17.
43 Vgl. North 2002, S. 65.
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In der Wissensgesellschaft hingegen ist die Verfügbarkeit von sinnstiftenden Kontexten und Aufmerksamkeitskapazitäten begrenzt. Im Kontrast dazu steht das Problem des „Information overload“. 44
Wissen besitzt vergleichsweise zu den anderen Faktoren einen immateriellen Charakter. Hierdurch werden die damit verknüpften Besonderheiten ersichtlich. Die Ermittlung, Kontrolle und Steuerung gestaltet sich im Vergleich zu den physischen Faktoren als problematisch. 45 Ein weiterer bedeutender Nachteil ist, dass Wissen im Vergleich zu den traditionellen Produktionsfaktoren wesentlich schneller altert, d. h. dass die Halbwertzeit von Wissen teilweise erschreckend niedrig ist bzw. ein schneller Verfall von nutzbarem Wissen vorliegt. 46
Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt eine strategische Bewirtschaftung der Ressource Wissen an Bedeutung. Diese Betrachtung führt zu einer grundlegenden Veränderung bei betriebswirtschaftlichen Ansichten sowie in der Bewertung von Prozessen und Erfolgen. Der Produktionsfaktor Wissen verändert somit das unternehmerische Handeln in organisatorischer, planerischer und wirtschaftlicher Weise. 47
44 Vgl. Roehl 2002, S. 22.
45 Vgl. Weißbach; Manahl; Pille 1998, www.wiper.de/brosch.html.
46 Vgl. Haun 2002, S. 10.
47 Vgl. Haun 2002, S. 10.
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3 Der Kernbestandteil: Wissen
3.1 Definitionen von Wissen
Der Begriff „Wissen“ nimmt in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen eine Schlüsselstellung ein. Es besteht jedoch keine homogene Definition, da je nach Ansatzpunkt und Betrachtungsweise unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten bestehen. Es existieren bspw. in der Philosophie, der Psychologie und der Soziologie unterschiedliche Wissensdefinitionen. 48
In den letzten Jahren sind in der Betriebswirtschaftslehre einige definierende Ansätze präsentiert worden, die jedoch kein kongruentes Begriffsverständnis aufweisen. Die nachfolgende Tabelle enthält ausgewählte Definitionen aus der betriebswirtschaftlichen Literatur, die dies verdeutlichen.
Tab. 3-1: Ausgewählte Wissensdefinitionen
(Quelle: Al-Laham 2003, S. 25 f.)
48 Vgl. Romhardt 1998, S. 24.
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Auf Grund dieser zahlreichen Definitionen ist es angemessen, den Begriff „Wissen“ aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive expliziter darzustellen. 49 Daher wird im Anschluss der Wissensbegriff, der vielfach mit sinn-verwandten Begriffen, die im gleichen oder ähnlichen Kontext stehen, bspw. Daten und Informationen, abgegrenzt und mit diesen in Zusammenhang gebracht.
3.2 Die Wissenstreppe
Oft werden die Begriffe „Zeichen“, „Daten“, „Information“ und „Wissen“ im betrieblichen Alltag sowie in der Literatur unklar abgegrenzt oder intuitiv verwendet. Besonders problematisch ist die Unterscheidung zwischen In-formation und Wissen. Aus diesem Grund werden die Begriffe meist synonym verwendet, jedoch sind diese klar voneinander zu trennen.
Zeichen können aus Buchstaben, Ziffern oder Sonderzeichen bestehen. Betrachtet man Zeichen separat, so haben diese keine Bedeutung. Hinter „1“, „V“ oder „#“ bestehen ohne weitere Definitionen keine Zusammenhänge.
In der betrieblichen Literatur bedient man sich der Erfahrung der Semiotik (Zeichenlehre) mit den Teilebenen Syntax, Semantik und Pragmatik. 50
Auf der nächsten Stufe der Wissenstreppe befinden sich Daten. Durch die Syntax, d. h. die Anordnung von Zeichen gemäß einer Vorschrift, können einzelne Zeichen zu gültigen Begriffen, Zahlenkombinationen oder Sätzen zusammengefügt werden. 51 Es kann jedoch noch kein sinnvoller Einsatz mit diesen Daten erzielt werden.
Ein kurzes Beispiel illustriert dies: Ein Kunde tankt an einer Tankstelle. Diese Transaktion lässt sich z. T. mit Daten beschreiben. So kann erfasst werden, wie viel der Kunde getankt hat, zu welchem Preis und zu welcher
49 Vgl. Al-Laham 2003, S. 24 f.
50 Vgl. Al-Laham 2003, S. 28.
51 Vgl. Krcmar 2004, S. 16.
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Uhrzeit. Der Tankstellenpächter erfährt dadurch nicht, ob der Kunde zufrieden war oder mit welcher Wahrscheinlichkeit er wieder kommen wird. 52
Eine erweiterte Definition von Daten liefert GÜLDENBERG. Ihm zufolge können Daten „in gedruckter, gespeicherter, visueller, akustischer oder sonstiger Form von verwertbaren Angaben über verschiedenste Dinge und Sachverhalte“ vorliegen. 53
Im Allgemeinen wird eine Information definiert als „eine … gegenwarts-und praxisbezogene Mitteilung über Dinge, die uns im Augenblick zu wissen wichtig ist“. 54 Aus betriebwirtschaftlicher Sicht werden Daten erst dann zu Informationen transformiert, wenn sie in einen Problemzusammenhang gestellt und zum Erreichen einer eindeutigen Absicht verarbeitet werden. Erst durch die Semantik, die sich mit den Bedeutungen sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen befasst, kann eine Interpretation erfolgen. Jetzt erhalten die Informationen ihre Bedeutung. Informationen haben nur dann einen Nutzen oder eine bestimmte Qualität, wenn der Adressat diese be-oder verwertet hat. 55 Im Kontrast dazu sind Informationen jedoch nutzlos, wenn der Adressat diese nicht mit neuen oder alten Informationen vernetzen kann.
Aus dieser Perspektive betrachtet ist Wissen der Prozess der praktikablen Vernetzung von Informationen mit dem Kontext. Ein Nachteil bei der Interpretation von Informationen ist, dass es bspw. verschiedene linguistische Kontexte gibt. Der Begriff „Gift“ hat im englischen Sprachgebrauch eine völlig andere Bedeutung als im Deutschen. Deswegen ist Wissen von persönlichen Kenntnissen abhängig. 56 Die pragmatische Ebene beschäftigt sich mit dem Einsatz und Einfluss des durch die Zeichen mitgeteilten Inhaltes. Wissen ist somit das Resultat der Aufbereitung von Informationen durch das Bewusstsein. Informationen stellen die Basis bzw. den Rohstoff
52 Vgl. Davenport; Prusak 1998, S. 30.
53 Güldenberg 1997, S. 155.
54 Seiffert 2003, S. 28.
55 Vgl. Al-Laham 2003, S. 28.
56 Vgl. North 2002, S. 39.
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dar, aus dem Wissen generiert werden kann. Aus diesem Grund kann Wissen als „plausible Information“ bezeichnet werden. 57
Abb. 3-1: Die Wissenstreppe
3.3 Explizites Wissen und implizites Wissen
Zur weiteren Präzisierung des Wissensbegriffes ist es sinnvoll, eine Differenzierung von expliziten Wissen und impliziten Wissen vorzunehmen. Dieses Begriffspaar ist auf den ungarischen Biologen, Chemiker, Philosophen und Ökonomen Michael POLANYI zurückzuführen. 58
Explizites Wissen
Explizites Wissen wird auch artikuliertes Wissen genannt. Es kann in schriftlicher bzw. digitaler Form, bspw. Forschungsunterlagen, Produktionspläne, Rezepturen, Prozessbeschreibungen, Datenbanken oder Schulungsprogrammen, vorliegen. Diese Wissensform ist beschreib- und formalisierbar, d. h. das Wissen normiert, klassifiziert und systematisch in sprachlicher Form dargestellt werden kann. Diese interpretierten Informa-
57 Vgl.Haun 2002, S. 100.
58 Vgl. Al-Laham 2003, S. 32.
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tionen können abgelegt werden und sind somit für jedes Organisationsmitglied jederzeit abruf- und transferierbar. 59
Implizites Wissen
Implizites Wissen hingegen entzieht sich dem formalen sprachlichen Ausdruck. Diese Wissensform basiert auf Erfahrungen, Erinnerungen und Überzeugungen oder wird von persönlichen Wertesystemen oder Idealen geprägt. Im Gegensatz zum expliziten Wissen ist implizites Wissen stark an Personen gebunden. Somit ist dieses Wissen nur schwierig zu formalisieren oder zu kommunizieren. Eine Person kann viel Wissenspotential besitzen, ohne es jedoch an andere Personen weitergeben zu können. 60 Es wird erst im Einsatz, z. B. beim Bearbeiten einer Aufgabe, sichtbar. Oft zeigt sich dieses Wissen nur in gewohnheitsmäßigen Vorgehensweisen, die intuitiv angewandt werden. 61
3.4 Formen der Wissensumwandlung
Die Umwandlung vom impliziten Wissen zum expliziten Wissen oder anders formuliert, das Explizitmachen eines impliziten Kontextes, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Schaffung neuen Wissens. Explizites Wissen und implizites Wissen sind auf den Ebenen des Individuums, der Gruppe, des Unternehmens und der Interaktion zwischen Unternehmen verwurzelt. Die Transformation zwischen diesen Ebenen erfolgt in einem Szenarium vom Individuum zum Kollektiv. Daraus entsteht eine Wissens-umwandlung, bei der Wissen geschaffen wird. 62
NONAKA und TAKEUCHI differenzieren, aufbauend auf der Unterscheidung zwischen explizitem Wissen und implizitem Wissen, vier verschiedene Formen der Wissensumwandlung.
59 Vgl. Duhnkrack; Bullinger 1999, S. 15.
60 Vgl. Caspers; Kreis-Hoyer 2002, S. 4.
61 Vgl. Zahn; Foschiani; Tibelein 2000, S. 249.
62 Vgl. Dick; Wehner 2002, S. 19.
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Abb. 3-2: Die vier Formen der Wissensumwandlung
Sozialisation (von implizit zu implizit)
Bei diesem Wissenstransfer findet keine verbale Kommunikation zwischen dem Sender und Empfänger statt. Diese Form der Wissensumwandlung stellt einen Erfahrungsaustausch dar, wobei durch Beobachtung und Nachahmung unmittelbar implizites Wissen erworben wird. Die Sozialisation findet bspw. ihre Anwendung bei der Integration eines neuen Mitgliedes in eine bestehende Gruppe. 63
Externalisierung (von implizit zu explizit)
Die Externalisierung bildet die Basis für neues, nutzbares Wissen. Für diese Form der Umwandlung muss implizites Wissen interpretiert werden. Somit ist es für andere zugänglich und kann in jeglicher Form dokumen-
63 Vgl.North 2002, S. 50.
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Arbeit zitieren:
Diplom-Kaufmann André Jöris, 2006, Zum Einfluss von Organisationsstruktur und -kultur auf das Wissensmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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