1. Einleitung 1
2. Ökonomische Begründung einer Währungsunion 3
2.1. Erhöhte Effizienz auf Güter- und Finanzmärkten 3
2.1.1. Einsparung von Transaktionskosten und Informationskosten
2.1.2. Beseitigung von Wechselkursrisiken
2.2. Integration der Finanzmärkte 5
2.2.1. Integration von Geldmärkten und erhöhte Effizienz der Geldpolitik
2.2.2. Integration von Bond- und Aktienmärkten
2.2.3. Integration des Bankensystems
2.3. Vorteile gegenüber alternativen Währungssystemen 7
2.3.1. Nachteile eines Systems frei-flexibler Wechselkurse
2.3.2. Nachteile eines Systems fester Wechselkurse
2.4. Bessere internationale Stellung des Finanzmarktes 11
2.5. Glaubwürdigere Geldpolitik unter der Regie einer stabilitätsorientierten
Notenbank 12
3. Nachteile einer Währungsunion 13
3.1. Nachteile einer einheitlichen Geldpolitik im Falle eines mehrere Länder
tangierenden, temporären asymmetrischen Nachfrageschocks 13
3.1.1. Verlust des Wechselkurses als Anpassungsinstrument: Die traditionelle
Theorie optimaler Währungsräume
3.1.2. Verlust der zinspolitischen Autonomie
3.2. Nachteile einer einheitlichen Geldpolitik im Falle von temporären nationalen
Angebots- oder Nachfrageschocks 17
3.2.1. Nationale Angebotsschocks
3.2.2. Nationale Nachfrageschocks
2
3.3. Nachteile einer einheitlichen Geldpolitik im Falle von dauerhaften nationalen
Inflationsunterschieden 19
3.4. Die Fiskalpolitik als Anpassungsmechanismus 20
3.4.1. Temporäre asymmetrische Nachfrageschocks
3.4.2. Temporäre nationale Angebots- und Nachfrageschocks
3.4.3. Inflationsunterschiede
4. Die Charakteristika der GCC-Wirtschaft 22
4.1. Die GCC-Staaten in der Weltwirtschaft 22
4.1.1. Erdöl und Erdgas
4.1.2. Wohlstand
4.1.3. Handel
4.2. Die GCC-Staaten im Einzelnen 24
4.2.1. Grundlegende wirtschaftliche Indikatoren
4.2.2. Erdöl- und Erdgasreserven
4.2.3. Handel
4.2.3.1.Exporte
4.2.3.2.Importe
4.2.4. Finanzmärkte
5. Wirtschaftliche Konvergenz der GCC-Staaten 32
5.1. Monetäre Konvergenz 33
5.1.1. Inflationsraten
5.1.2. Geldmarktzinsen
5.1.3. Wechselkurse
5.2. Fiskalische Konvergenz 38
5.2.1. Haushaltsalden
5.2.2. Schuldenstände
3
5.3. Strukturelle Konvergenz 41
5.3.1. Sektorale Strukturen
5.3.2. Wachstum des BIP
5.3.3. Pro-Kopf-Einkommen
5.3.4. Arbeitsmärkte
5.3.4.1.Struktur
5.3.4.2.Flexibilität
6. Wirtschaftliche und institutionelle Integration der GCC-Staaten 47
6.1. Die Bedeutung eines breiteren Integrationsprozesses 47
6.2. Institutionelle Rahmenbedingungen 47
6.2.1. Rechtliche Grundlagen
6.2.2. Wirtschaftlicher Integrationsprozess
6.2.2.1. Ziele und bisherige Errungenschaften
6.2.2.2. Derzeitiger Stand
6.2.2.2.1. Freier Warenverkehr
6.2.2.2.2. Freier Dienstleistungsverkehr
6.2.2.2.3. Freier Kapitalverkehr
6.2.2.2.4. Freier Personenverkehr
6.2.2.2.5. Zusammenfassung
7. Konvergenzkriterien 54
7.1. Monetäre Kriterien 55
7.1.1. Inflationsraten
7.1.2. Zinsen
7.1.3. Devisenreserven
4
7.2. Fiskalpolitische Kriterien 57
7.2.1. Neuverschuldung
7.2.2. Schuldenstand
8. Vorteile einer gemeinsamen GCC-Währung 59
8.1. Erhöhte Effizienz auf den Güter- und Finanzmärkten 59
8.1.1. Einsparung von Transaktionskosten und Informationskosten
8.1.2. Beseitigung von Wechselkursrisiken
8.2. Integration der GCC-Finanzmärkte 60
8.2.1. Integration von Geldmärkten und erhöhte Effizienz der Geldpolitik
8.2.2. Integration von Bond- und Aktienmärkten
8.2.3. Integration des Bankensystems
8.3. Vorteile gegenüber alternativen Währungssystemen 62
8.3.1. Nachteile eines Systems frei-flexibler Wechselkurse
8.3.2. Vorteile gegenüber dem derzeitigen Festkurssystem
8.4. Bessere internationale Stellung des GCC-Finanzmarktes 64
8.5. Glaubwürdigere Geldpolitik unter der Regie einer stabilitätsorientierten GCC-
Notenbank 64
9. Nachteile einer GCC-Währungsunion 65
9.1. Sind die GCC-Staaten nach der traditionellen Theorie ein „optimaler
Währungsraum“? 65
9.1.1. Wahrscheinlichkeit für das Auftreten asymmetrischer (Nachfrage-)schocks
9.1.2. Anpassungsmechanismus: Flexibilität der Arbeitsmärkte
9.1.2.1. Flexibilität von Löhnen (und Preisen)
9.1.2.2. Mobilität der Arbeitskräfte
5
9.2. Verlust der geldpolitischen Autonomie durch die Einführung einer GCC-
Währung? 69
10. Eine Währungsunion für die GCC-Staaten? 73
6
1. Einleitung
Der arabische Gulf Cooperation Council (GCC) plant bereits seit 1981, dem Jahr seiner Gründung, die wirtschaftliche Kooperation, Koordination und Integration zwischen seinen sechs Mitgliedsstaaten Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) voranzutreiben. 1982 hielt der GCC dieses Ziel förmlich in einem Wirtschaftsabkommen auf dem Gipfeltreffen von Muskat fest.
1983 wurde daraufhin als erster Schritt in diese Richtung eine Freihandelszone innerhalb des GCC-Gebietes errichtet. In den darauffolgenden Jahren stagnierte der wirtschaftliche Integrationsprozess jedoch immer wieder, ehe er erst in den späten 90er Jahren erneut in Schwung gebracht wurde. Die nächste Phase der Integration wurde auf dem Gipfel von Riyadh 1999 eingeleitet, auf dem man beschloss, bis zum Jahr 2005 eine Zollunion zu errichten. Auf dem Gipfel von Muskat im Dezember 2001 schließlich einigte sich der GCC in einem neuen Wirtschaftsabkommen darauf, im Rahmen eines festen Zeitplans die Zollunion auf das Jahr 2003 vorzuziehen und die Vollendung eines gemeinsamen Marktes bis 2007 zu erreichen. Im Jahr 2010 soll dann eine gemeinsame GCC-Währung als wesentliches Element einer vollständigen wirtschaftlichen Integration eingeführt werden. Als vorbereitende Schritte dazu sollten bis Ende 2002 für die einzelnen Landeswährungen feste Kurse zum US-Dollar festgelegt und eine Reihe von Konvergenzkriterien bis Ende 2005 aufgestellt werden, die die Staaten bis zur Einführung der neuen Währung erfüllen sollen. Wird das Vorhaben des GCC realisiert, so wäre die GCC-Währungsunion im Bezug auf Bevölkerungsanzahl und BIP-Höhe die zweitwichtigste supranationale Währungsunion hinter dem Europäischen Währungssystem.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu überprüfen, inwieweit die geplante GCC-Währungsunion aus rein ökonomischer Sicht sinnvoll ist. Im Detail ist die Arbeit dabei folgendermaßen strukturiert:
Zunächst werden unter Punkt 2 und 3 die theoretischen Vor- und Nachteile, die mit der Einführung einer gemeinsamen Währung verbunden sind, erläutert. Danach werden die GCC-Staaten unter den Punkten 4, 5 und 6 in Bezug auf ihre grundlegenden wirtschaftlichen Indikatoren, ihre wirtschaftliche Konvergenz sowie auf ihre wirtschaftliche und institutionelle Integration beschrieben und anschließend unter Punkt 7 auf die Erfüllung der geplanten Konvergenzkriterien hin überprüft.
7
Unter Punkt 8 und 9 soll analysiert werden, inwieweit die Theorie hinsichtlich der Vor- und Nachteile einer Währungsunion auf die GCC-Staaten angewendet werden kann und welche Schlussfolgerungen sich daraus konkret ergeben.
Unter dem letzten, 10. Punkt soll versucht werden, ein abschließendes Urteil bzgl. der Vorteilhaftigkeit einer GCC-Währungsunion zu fällen.
8
2. Ökonomische Begründung einer gemeinsamen Währung 1 / 2
2.1. Erhöhte Effizienz auf Güter- und Finanzmärkten
Geben verschiedene Länder ihre nationalen Währungen auf, um eine gemeinsame Währungsunion zu gründen oder einer bereits bestehenden beizutreten, so können sie mit wirtschaftlichen Vorteilen aufgrund einer verbesserten Effizienz ihrer Güter- und Finanzmärkte rechnen. Diese Effizienzgewinne haben ihren Ursprung zum einen in der Reduzierung von Transaktionskosten und zum anderen in der Beseitigung von (Wechselkurs-) Risiken, was insgesamt für eine Intensivierung des Wettbewerbs sorgt. Aus statischer Sicht lassen sich dadurch höhere Konsumentenrenten erzielen, aus dynamischer Sicht kommt es zusätzlich zu größeren Produktivitätsfortschritten.
2.1.1. Einsparung von Transaktionskosten
Am offensichtlichsten und am leichtesten quantifizierbar sind (Transaktions-) Kostenersparnisse, die mit Wechsel- und Umtauschkosten zwischen verschiedenen
Währungen zusammenhängen, wie z. B. beim Umtausch von Bargeld, etwa beim
Reiseverkehr, oder bei Banküberweisungen zwischen einzelnen nationalen Währungsräumen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass diese direkten Vorteile durch derartige Einsparungen, die ein einheitliches Zahlungsmittel möglich macht, erst dann voll ausgeschöpft werden können, wenn die Zahlungssysteme der Länder einer Währungsunion vollständig integriert sind, so dass Banktransfers zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht teurer sind als innerhalb eines Landes.
Eine weitere Quelle für Transaktionskostenersparnisse liegt in der Beseitigung von Wechselkursrisiken (siehe Punkt 2.1.2) begründet. Import- und Exportunternehmen im
Währungsraum müssen sich in einer Währungsunion gegen derartige Risiken nicht länger absichern, so dass Kurssicherungskosten eingespart werden können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Wegfall von Informationskosten, die durch den Vergleich von Preisen gleichartiger Güter, die in unterschiedlichen Währungen gehandelt werden, entstehen.
Diese direkten Transaktions- und Informationskostenersparnisse haben bedeutende positive Effekte auf den Handel. Unklar und umstritten ist jedoch das exakte Ausmaß dieser Effekte. Rose und Stanley (2005) beispielsweise kommen bei einem Vergleich von 34 Studien aus den
1 De Grauwe (2000)
2 Bofinger (1994) und Bofinger (1996)
9
Jahren 2000 bis 2004 zu dieser Thematik zu dem Schluss, dass Währungsunionen für eine Zunahme des bilateralen Handelsvolumens von 30% bis 90% sorgen können.
Die Einsparung von Transaktionskosten hat darüber hinaus noch einen weiteren, indirekten Vorteil. Relativ hohe Transaktionskosten vergrößern den Spielraum, innerhalb dessen Unternehmen eine diskriminierende Preispolitik auf verschiedenen, national segmentierten Märkten verfolgen können. Zwar gibt es neben den Umtauschkosten von Währungen viele weitere Quellen für Transaktionskosten, doch eine Einsparung in diesem Bereich erschwert die grundsätzlichen Bedingungen für eine Preisdiskriminierung. Dadurch lassen sich für die betroffenen Konsumenten Wohlfahrtsgewinne erzielen.
2.1.2. Beseitigung von Wechselkursrisiken
Eine weitere Quelle von Effizienzvorteilen durch eine gemeinsame Währung resultiert aus der Tatsache, dass zukünftige Wechselkursentwicklungen oft nur schlecht bis gar nicht prognostizierbar sind (siehe Punkt 2.4.1), so dass ein Nebeneinander einzelner nationaler Währungen für ein hohes Maß an Unsicherheit sorgen kann. Unterstellt man risikoaverse Akteure, so sorgt weniger Unsicherheit - aus statischer Sicht - für einen Wohlfahrtsgewinn. Bei dynamischer Betrachtungsweise ergeben sich zusätzlich Vorteile aus einer Reduktion von Wechselkursrisiken. Sie beziehen sich auf die Unsicherheit bzgl. zukünftiger Preise von Gütern und Dienstleistungen, welche die Grundlage von Produktions-, Investitions- und Konsumentscheidungen der Akteure darstellen. Wenn Preise schwer zu prognostizieren sind, funktioniert das Preissystem nicht optimal, sodass sich die Qualität dieser Entscheidungen und damit letztlich die Ressourcenallokation insgesamt verschlechtert. Ein weiterer negativer Aspekt, der aus einer höheren Wechselkurs- und Preisunsicherheit resultiert, hängt damit zusammen, dass risikoaverse Akteure, wenn die erwartete Rendite von Investitionen unsicherer wird, als Ausgleich dafür eine höhere Risikoprämie verlangen. Generell kommt es damit dann zu einem Anstieg der Zinsen. Bei höherer Unsicherheit steigt zudem auch gleichzeitig der Zinssatz, mit dem die Akteure ihre zukünftigen Erträge abdiskontieren, so dass es somit auch zu einem Anstieg der realen Zinsen kommt.
10
2.2. Integration der Finanzmärkte 3
Die Einführung einer Währungsunion hat unmittelbare und tief greifende Implikationen für den Finanzsektor zur Folge. Eine Währungsunion kann dazu beitragen, bestehende Grenzen zwischen einzelnen nationalen Finanzmärkten abzubauen und so einen beschleunigenden, positiven Effekt auf die Integration der Finanzmärkte der Teilnehmerländer ausüben, was in erhöhtem (grenzüberschreitendem) Wettbewerb mit einer verbesserten Kapitalallokation und höherer Marktliquidität resultiert. Eine gemeinsame Währung unterstützt so den Trend, der bereits durch die Entwicklung neuer Technologien, den Abbau von Kapitalverkehrskontrollen oder durch andere deregulierende Maßnahmen in Gang gesetzt wurde. Dabei handelt es sich um einen Effekt, der in der (traditionellen) Diskussion über die Vor- und Nachteile einer gemeinsamen Währung lange Zeit gar keine Rolle gespielt hat. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung mit einer möglichst vollständigen Liberalisierung der Finanzmärkte einhergeht.
2.2.1. Integration von Geldmärkten und erhöhte Effizienz der Geldpolitik
Die tiefgreifendsten Effekte, die von der Einführung einer einheitlichen Währung auf die Finanzmärkte ausgehen, können im Bezug auf die Integration der Interbankengeldmärkte der einzelnen Teilnehmerländer erwartet werden.
Dies ist insofern von besonderer Bedeutung, als es gleichzeitig eine wesentliche Voraussetzung für die effektive Durchführung einer einheitlichen Geldpolitik für den gesamten Währungsraum darstellt. Konkret bestehen Effizienzvorteile für die Geldpolitik zum einen in einer erhöhten Stabilität der aggregierten Geldnachfrage im Vergleich zu den nationalen Geldnachfragefunktionen: Kapitalbewegungen innerhalb des Finanzraums haben keinerlei Einfluss auf die aggregierte Geldmenge des Währungsraums. Zum anderen dürfte bei der exakten Bestimmung der Geldmenge über alle Staaten hinweg mit geringeren Schätzfehlern zu rechnen sein als dies bei den einzelnen nationalen Notenbanken bei der Erfassung der von Inländern in der jeweiligen heimischen Währung gehaltenen Geldbeständen der Fall ist.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich unter dem Aspekt der Mindestreserve. Der Zweck von Mindestreservebestimmungen ist in erster Linie die Stabilisierung und Vergrößerung des strukturellen Liquiditätsbedarfes, so dass die Notenbank wirksamer und effizienter als Liquiditätsbereitsteller operieren kann. Der Wettbewerb zwischen einzelnen Finanzmärkten führt, verstärkt durch den Wegfall von Binnengrenzen, im Endeffekt dazu, dass sich die
3 Schächter (2003)
11
Reservesätze immer weiter angleichen und letztlich gegen Null tendieren. Während es also bei national abgegrenzten Währungsräumen längerfristig zu einem völligen Verzicht auf Mindestreservebestimmungen kommen kann, erlaubt eine Währungsunion eine wirksame, einheitliche Mindestreservepolitik im Währungsraum zu verfolgen. Von großer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang u. a. die Entwicklung von effizienten, vollständig integrierten Zahlungssystemen und die Harmonisierung von geldpolitischen Instrumenten. Zahlungen zwischen den einzelnen Staaten müssen reibungslos ablaufen können, sodass Interbankendepositen in allen Regionen des Währungsraums als Substitute angesehen werden und die Liquidität innerhalb des gesamten Währungsraumes effizient (um-) verteilt wird.
Der positive Effekt einer erhöhten Geldmarktintegration durch Einführung einer einheitlichen Währung äußert sich letztlich durch eine erhöhte Transparenz und Liquidität auf den Geldmärkten. So ergaben Untersuchungen bzgl. der Größe des Interbankenmarktes im Euroraum im Vergleich zu der Summe der Größe der nationalen Interbankenmärkte vor Einführung des Euro über den Zeitraum von 1998 bis 1999 einen Anstieg von ca. zehn
Prozentpunkten, der allein auf die Einführung des Euro zurückgeführt wurde. 4
2.2.2. Integration von Bond- und Aktienmärkten
Eine gemeinsame Währung kann auch einen stimulierenden Effekt auf die Integration und die Entwicklung breiterer und tieferer Bond- und Aktienmärkte der teilnehmenden Länder haben.
Erfahrungen mit der Europäischen Währungsunion zeigen, dass mit der Einführung des Euro ein Liquiditätsschub auf dem Markt für Unternehmensanleihen einherging, der in den 90er Jahren noch als relativ klein und illiquide galt. Auch auf den Märkten für Staatsanleihen konnte eine deutliche Zunahme des Emissionsvolumens beobachtet werden, zusammen mit
einer starken Annäherung der Renditen in den einzelnen Mitgliedstaaten. 5 Mit der Einführung des Euro kam es zu einem erheblichen Anstieg der Aktienmarktkapitalisierung. Ende 1999 lag diese bei ca. 90% des BIPs, verglichen mit ca. 60% Ende 1998. Diese Entwicklung ist neben dem Anstieg der Aktienkurse während dieses Zeitraumes auch auf eine kontinuierliche Zunahme der Gesamtzahl der an den Börsen des
Euroraums notierten Unternehmen zurückzuführen. 6
4 Hartmann et al. (2003)
5 Hartmann et al. (2003)
6 Hartmann et al. (2003)
12
Durch eine Vernetzung oder Fusion von nationalen Aktienbörsen lassen sich zusätzlich Größenvorteile erzielen.
2.2.3. Integration des Bankensystems
Der Wegfall von Währungsgrenzen ist ein wichtiger Faktor, der für eine Integration des Bankensystems förderlich ist. Andere wesentliche Voraussetzungen sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Liberalisierung des Bankensystems sowie die Angleichung aufsichtsrechtlicher Bestimmungen, um einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Im Euroraum nahm die Anzahl der MFIs zwischen Januar 1999 und Juni 2002 um 11,1% ab.
Akquisitionen und Fusionen von Banken fanden jedoch meist nur auf nationaler Ebene statt. 7 Allerdings ist unklar, inwieweit das allein auf den Einfluss des Euro zurückzuführen ist.
2.3. Vorteile gegenüber alternativen Währungssystemen 8
Die Vorteile einer Währungsunion mit einer gemeinsamen Währung gegenüber alternativen Wechselkurssystemen hängen mit der internationalen Kapitalverkehrsmobilität zusammen. Diese kann - als konstitutives Merkmal einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung - in Systemen mit sowohl frei-flexiblen als auch festen Wechselkursen, neben den allgemeinen Effizienzvorteilen auch erhebliche gesamtwirtschaftliche Störungen mit sich bringen. Dies hängt mit den internationalen Anlageentscheidungen der Privaten zusammen. Bei veränderlichen Wechselkursen werden Wechselkursänderungserwartungen, neben der Rendite und dem Risiko der einzelnen Anlagen, zu einer entscheidenden zusätzlichen Determinante von Investitionsentscheidungen. Das grundlegende Problem hierbei ist, dass sich zukünftige Wechselkurse nur äußerst schwer prognostizieren lassen und oft in keinem direkten kausalen Zusammenhang zu makroökonomischen Fundamentaldaten, wie Inflationsunterschiede, Budgetdefizite, reales BIP-Wachstum oder Leistungsbilanzsalden, stehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es dabei in einem hoch spekulativen Markt, wie dem Devisenmarkt, durch ein „Herdenverhalten“ von Anlegern relativ leicht zu spekulativen Blasen oder Spekulationsattacken (siehe Punkt 2.3.2) auf einzelne Währungen kommen kann, die teils massive Kapitalbewegungen nach sich ziehen, ohne dass dafür makroökonomische Erklärungen zu finden sind. Derartige Schocks, deren konkrete negative Auswirkungen von der jeweiligen Währungsordnung abhängen, können in einer Währungsunion nicht mehr auftreten. Die Vorteilhaftigkeit einer Währungsunion ergibt sich in diesem Sinne also aus den
7 Hartmann et al. (2003)
8 Bofinger (1994) und Bofinger (1996)
13
Nachteilen alternativer Währungsordnungen, die im Folgenden genauer beschrieben werden sollen.
2.3.1. Nachteile eines Systems frei-flexibler Wechselkurse
In Systemen mit flexiblen Wechselkursen können zwei Arten von Schocks, ausgehend von Wechselkursentwicklungen, beobachtet werden: kurzfristige, hohe Wechselkursausschläge („volatilty“) und mittelfristige Kursbewegungen, die erheblich von makroökonomischen Fundamentaldaten abweichen („misalignments“).
Hohe, unkontrollierte Auf- und Abwertungsprozesse zwischen einzelnen Währungen begünstigen, wie auch die Existenz von Transaktions- und Transportkosten, Abweichungen vom „law of one price“ auf Märkten für handelbare Güter. Dies hat für Exportfirmen, die eine pricing-to-market-Strategie verfolgen, teilweise erhebliche Einbußen bei der Gewinnmarge oder sogar Verluste zur Folge. Alternativ stünde den Unternehmen die Möglichkeit der Neufestsetzung ihrer Preise offen, die allerdings mit einem Verlust von Marktanteilen und entsprechend hohen „menu costs“ verbunden ist.
Entwickeln sich Wechselkurse derart, dass Währungen einzelner Länder gegenüber anderen systematisch über längere Zeiträume hinweg Aufwertungen erfahren, die deutlich größer sind als die Unterschiede in den Lohn- und Preisentwicklungen in den betroffenen Ländern, so kommt es dadurch gleichzeitig zu einer realen Aufwertung der Währung. Diese wirkt wie eine relative Verschlechterung der Kostensituation und das resultiert in teils erheblichen internationalen Wettbewerbsnachteilen der Anbieter dieser Länder. Produzenten sehen sich somit gezwungen, ihre Preise zu senken, um international wettbewerbsfähig zu bleiben mit der Folge, dass sich sogar deflationäre Entwicklungen einstellen können. Bei einer lang genug anhaltenden und entsprechend hohen Überbewertung einer Währung werden Produzenten zudem auf andere, kostengünstigere Standorte ausweichen müssen, so dass es zu einer Deindustrialisierung kommen kann. Das zeigt etwa das Beispiel Japans in der ersten Hälfte der 90er Jahre.
Andererseits bedeutet das gleichzeitig, dass Länder mit einer zu stark abwertenden Währung international konkurrenzfähiger werden, ohne dass sie dafür Produktivitätssteigerungen erzielen oder Maßnahmen zu Lohnsenkungen ergreifen müssen. Dies birgt die Gefahr, dass einzelne Länder durch gezielte Abwertungen der eigenen Währung versuchen, mit einer „beggar-thy-neighbour“-Politik die Wettbewerbsbedingungen ihrer Produzenten positiv zu
14
beeinflussen und durch steigende Exporte das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. In einer Währungsunion hingegen wird der reale Wechselkurs nur noch von der nationalen Lohnpolitik und nationalen Produktivitätsfortschritten bestimmt.
Das Bedürfnis nach einer möglichst hohen Wechselkursstabilität ist besonders hoch in Binnenmärkten mit engen Außenhandelsverflechtungen und räumlicher Nähe der beteiligten Länder. Feste Wechselkurse innerhalb eines Binnenmarktes sorgen dafür, dass durch den Abbau unberechenbarer, wechselkursbedingter Standortrisiken die internationale Wettbewerbsposition der beteiligten Länder im globalen Wettbewerb, insbesondere auch gegenüber anderen Binnenmärkten, verbessert werden kann. Kurzfristige Abweichungen vom „law of one price“ öffnen zudem Spielräume für Arbitragegeschäfte, die zusätzlich mit negativen Auswirkungen für den Einzelhandel verbunden sind. Feste Wechselkurse tragen also dazu bei, dass die Vorteile eines Binnenmarktes voll ausgeschöpft werden können.
Die gewünschte Wechselkursstabilität lässt sich ausgehend von einem System flexibler Kurse im Prinzip schon durch den Übergang zu einem System fester Wechselkurse, wie etwa das Bretton-Woods-System oder das Europäische Währungssystem (EWS), erreichen, so dass die Gründung einer Währungsunion mit einer eigenen Währung aus dieser Sicht gar nicht unbedingt notwendig erscheint. Allerdings sind Festkurssysteme gegenüber einer „echten“ Währungsunion mit erheblichen Nachteilen behaftet, wie nicht zuletzt die Tatsache zeigt, dass die o. g. Systeme gar nicht mehr existieren. Die prinzipiellen Nachteile, die Festkurssysteme mit sich bringen, sollen im folgenden Abschnitt dargestellt werden.
2.3.2. Nachteile eines Systems fester Wechselkurse
Das essentielle Problem von Festkurssystemen ist eine mangelnde Glaubwürdigkeit bzgl. der dauerhaften Einhaltung der festgelegten Paritäten. Dieses Problem tritt immer dann auf, wenn die strikte Einhaltung der Paritäten mit so hohen Kosten für ein Land verbunden ist, dass die Devisenmärkte darauf spekulieren, dass Wechselkursanpassungen vorgenommen werden müssen. Derartige Spekulationen können sich dann zu Währungskrisen ausweiten, die die Stabilität und letztlich auch den Bestand von Festkurssystemen gefährden. Festkurssysteme sind in der Regel dadurch charakterisiert, dass mehrere „kleine“ Länder feste Wechselkurse zu einem „großen“ Ankerland ansteuern. Das Ankerland betreibt dabei eine autonome, rein binnenwirtschaftlich ausgerichtete Zinspolitik, während die übrigen Länder gezwungen sind, sich dieser Zinspolitik anzupassen, um ihre Zahlungsbilanzen im
15
Gleichgewicht zu halten. Genau darin liegen die Nachteile fester Wechselkurse begründet: Die Einhaltung fester Kurse ist für die „kleinen“ Länder mit einem Verlust der zinspolitischen Autonomie verbunden. Diesen Zusammenhang beschreibt das sog. Inkonsistenz-Dreieck, das zeigen soll, dass eine Kombination fester Wechselkurse mit einer unabhängigen Geldpolitik und freiem Kapitalverkehr nicht kompatibel ist.
Ist die wirtschaftliche Entwicklung zwischen dem Ankerland und den übrigen Ländern hinreichend konvergent, betreibt die Notenbank des Ankerlandes eine Geldpolitik, die gleichzeitig auch für die übrigen Länder angemessen ist. Insofern resultieren aus dem Verlust der geldpolitischen Autonomie für diese Länder auch keine Nachteile: Sie können dann simultan ein internes, binnenwirtschaftliches und externes, außenwirtschaftliches Gleichgewicht verwirklichen.
Ist die wirtschaftliche Entwicklung zwischen einem Ankerland und den übrigen „kleinen“ Ländern jedoch divergent, so stehen diese Länder vor dem Problem, dass die Realzinsen, die das erforderliche externe Gleichgewicht - über die Einhaltung der UIP-Bedingungsicherstellen, nicht mehr gleichzeitig denen entsprechen, die der eigenen konjunkturellen Lage angemessen sind. Die Realzinsen sind dann gemessen an den Bedingungen für ein binnenwirtschaftliches Gleichgewicht entweder zu hoch oder zu niedrig. Sind sie zu hoch, so wirkt die (wechselkursorientierte) Geldpolitik übermäßig restriktiv, mit negativen Auswirkungen auf die Binnenkonjunktur. Die Kosten bestehen dann vor allem in einer erhöhten Arbeitslosigkeit. Je höher diese Kosten einer solchen Rezession ausfallen, desto eher wird an der Glaubwürdigkeit der festgelegten Paritäten gezweifelt, so dass gleichzeitig die Risikoprämie steigt, mit der Folge, dass die Zinsen noch höher ausfallen. Gehen die Devisenmärkte davon aus, dass ein Land seine Währung dann nicht mehr „verteidigen“ kann, kommt es zu Spekulationsattacken. Ein Beispiel hierfür ist die Krise des
französischen Franc im EWS 1992/93 9 .
Sind sie dagegen zu niedrig, so zieht die Wechselkurspolitik inflationäre Tendenzen nach sich. Bei festen Wechselkursen äußert sich dies in einer realen Aufwertung der Währung des betroffenen Landes, einhergehend mit einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Zweifeln die Märkte nun daran, dass in einer solchen Situation dauerhaft an den festgelegten Paritäten festgehalten werden kann, kann es auch in diesem Fall zu spekulativen Attacken kommen. Ein Beispiel hierfür ist die Krise der italienischen Lira im EWS.
9 Zwar war das EWS rein formal ein symmetrisches System, doch aufgrund der Ausgestaltung der Interventionsmechanismen, der Größe der deutschen Wirtschaft und der niedrigen Inflation in Deutschland lag de facto ein asymmetrisches System vor, bei dem die D-Mark die Rolle einer Ankerwährung übernahm.
16
Ein wesentlicher Vorteil einer Währungsunion gegenüber Festkurssystemen besteht somit darin, dass sie solche „monetären“ Schocks von vornherein ausschließt. Die Erfahrungen mit dem EWS haben gezeigt, dass ein System mit festen (aber anpassungsfähigen) Wechselkursen, zumindest für die Staaten in Europa, aufgrund seiner Instabilität nur als eine Art Übergangslösung zu einer echten Währungsunion mit einer Einheitswährung dienen konnte.
2.4. Bessere internationale Stellung des Finanzmarktes
Tritt eine neue Währung an die Stelle mehrerer einzelner nationaler Währungen, so ist davon auszugehen, dass diese neue Währung ein höheres Gewicht besitzt als die Summe der individuellen Währungen vor einer Währungsunion. Folglich ist anzunehmen, dass die neue Währung auch außerhalb des Währungsgebietes vermehrt als Recheneinheit, Tausch- und Zahlungsmittel sowie als Reservewährung genutzt wird, wodurch sich Vorteile für die Länder der Währungsunion ergeben. Dabei kann man zwischen zwei Quellen von Vorteilen unterscheiden.
Zunächst einmal lassen sich durch die Herausgabe einer international verwendeten Währung zusätzlich Einnahmen erzielen, die sog. Seignorage.
Die zweite Quelle für mögliche Vorteile ist schwerer zu quantifizieren, vermutlich aber von größerer Bedeutung. Eine international verwendete Währung sorgt für eine erhöhte Aktivität auf den Finanzmärkten des Währungsgebietes und somit für eine höhere Liquidität insgesamt und damit auch für bessere Konditionen für Kreditgeber und -nehmer. Ein voll integrierter Finanzmarkt mit einer einheitlichen Währung ist also attraktiver als die bisherigen nationalen Finanzmärkte.
2.5. Glaubwürdigere Geldpolitik unter der Regie einer stabilitätsorientierten
Notenbank 10
Ein Problem vieler Notenbanken bis in die neunziger Jahre hinein war ihre mangelnde Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Inflationserwartungen der Privaten nicht mit den angekündigten Inflationszielen der
Notenbank übereinstimmen. Dies kann über das Phänomen der Zeitinkonsistenz erklärt werden: Hat eine Notenbank beschäftigungspolitische Ambitionen, z. B., weil sie politischem
10 Bofinger (1996)
17
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Dipl. Volkswirt Jan Matin, 2006, Eine Währungsunion für die Staaten des Gulf Cooperation Council (GCC)?, München, GRIN Verlag GmbH
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