„In unserer Bevölkerung gibt es kaum eine Altersgruppe, die differenziert, so heterogen und so stark im Umbruch ist wie die Älteren. (...) Ältere und auch sehr alte Menschen verfügen Über erstaunliche Kompetenzen zur Problembewältigung und vermögen mit Unterstützung durch geeignete Maßnahmen ein hohes Maß an Autonomie, an Lebensqualität und an Lebensqualität zu bewahren oder zurückzugewinnen. Geeignete Ressourcen im sachlichen und personellen Umfeld gilt es optimal zur erschließen.“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S.19).
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Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 3
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 4
1 EINFÜHRUNG 5
2 PRÄVENTION 7
2.1 KATEGORIEN DER PRÄVENTION 7
2.2 PRÄVENTIONSBEREICHE FÜR ÄLTERE MENSCHEN 8
3 PRÄVENTIONSFORSCHUNG 9
3.1 EXKURS: ANTONOVSKY S SALUTOGENESE UND DEREN BEZUG ZUR PRÄVENTION 10
3.2 ENTWICKLUNG EINES KONZEPTS ZUR GESUNDHEITSFÖRDERNDEN BERATUNG IN DEUTSCHLAND –
AKTIVE GESUNDHEITSFÖRDERUNG BEI ÄLTEREN MENSCHEN 11
3.2.1 Stichprobe 12
3.2.2 Ziel und Fragestellungen des Modellprojektes 12
3.2.3 Interdisziplinäres Team zur Gesundheitsförderung im Alter 13
3.2.4 Qualifizierung der Pflegekraft für Gesundheitsförderung älterer Menschen 14
4 PRÄVENTIVE HAUSBESUCHE 15
4.1 UMSETZUNG DER HAUSBESUCHE IM MODELLPROJEKT AKTIVE GESUNDHEITSFÖRDERUNG BEI ÄLTEREN
MENSCHEN 15
4.2 GERIATRISCHES SCREENING UND ASSESSMENT ZUR ERFASSUNG VON RESSOURCEN UND PROBLEMEN 17
4.3 AUSWERTUNGEN UND EMPFEHLUNGEN AUS DEN PRÄVENTIVEN HAUSBESUCHEN 18
4.4 ERGEBNISSE ZU RESONANZ UND MITARBEIT DER TEILNEHMER 19
4.5 BEOBACHTUNGEN ERFAHRUNGEN UND AUSWIRKUNGEN AUS DEM MODELLPROJEKT 23
4.6 RESÜMEE UND AUSBLICK IN BEZUG AUF DAS MODELLPROJEKT 25
5 RESÜMEE UND SCHLUSSBETRACHTUNG 28
LITERATURVERZEICHNIS 31
ANHANG 33
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Verteilung der Teilnehmer in Bezug auf Gruppenveranstaltungen und
Hausbesuche 19
Abbildung 2: Aussagen zur Verantwortlichkeit für die eigene
Gesundheit Gesundheitsförderung (Motivationsprotokoll) 20
Abbildung 3: Gesundheitserhaltende Maßnahmen (Motivationsprotkoll) 20
Abbildung 4: Informationsquellen für Gesundheitsthemen (Motivationsprotokoll) 21
Abbildung 5: Erwartung an die Beratungen im Geriatrischen Zentrum bzw bei
Hausbesuchen (Motivationsprotokoll) 21
Abbildung 6: Auffälligkeiten der Bereiche im Screening (Hausbesuch) 22
Abbildung 7: Auffälligkeiten der Bereiche im Assessment (Hausbesuch) 22
4
1 Einführung
Die bekannte demografische Entwicklung in Deutschland und Europa führt zu einem zahlen- mäßigen Anstieg älterer Menschen in unserer Gesellschaft. Zudem steigt die durchschnittli- che Lebenserwartung der Menschen in allen Industriestaaten. Diese an sich für den Einzelnen positive Entwicklung bringt auch verschiedene Herausforderungen mit sich. Mit steigendem Lebensalter nimmt das Risiko hilfe- oder pflegebedürftig zu werden zu. Der alternde Mensch ist ganz unterschiedlichen Veränderungen ausgesetzt. Je älter ein Mensch ist, desto höher ist das Risiko multimorbid zu werden. Risikofaktoren für Erkrankungen konn- ten im Laufe des Lebens kumulieren und die entsprechenden Folgen nach sich ziehen. Dies ist der Punkt, an dem der Bereich der Prävention (als Teil der Rehabilitation) insbesondere für Menschen im höheren Lebensalter, greifen kann und auch sollte.
Präventive Strategien mit der Zielgruppe älterer Menschen können durch verschiedene Hand- lungsmöglichkeiten genau diese Risikofaktoren aufdecken und entgegenwirken. Bei entspre- chender Ausrichtung der Lebensgewohnheiten zur Vermeidung von Risikofaktoren kann die Gefahr ernsthafter Erkrankungen, wie z.B. Schlaganfall und Herzinfarkt oder geriatrischen Syndromen, wie beispielsweise Immobilität mit Sturzgefahr oder Inkontinenz entgegengewirkt oder deren Auswirkungen positiv beeinflusst werden. In Folge dessen kann nicht nur der Be- troffene selbst von diesen Erfolgen, wie der Vermeidung oder Verzögerung von Hilfs- /Pflegebedürftigkeit oder unerwünschter Pflegeheimeinzüge, profitieren. Letztlich wäre auch der gesamtgesellschaftliche Effekt in Bezug auf Kostenträger wie z.B. Krankenkassen (medi- zinische Behandlungen), Pflegekassen (pflegerischer Versorgung) oder Sozialhilfeträger (Kostenübernahme bei stationärer Pflege für Bedürftige) nicht unerheblich.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Umsetzung einer wirksamen Prä- vention für die Zielgruppe älterer Menschen. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll ein ers- ter allgemeiner Überblick über die Kategorien von Prävention sowie der Präventionsbereiche für ältere Menschen gegeben werden. Die Präventionsforschung soll im Folgenden den Ein- stieg in die theoretische Auseinandersetzung mit dem Modellprojekt „Aktive Gesundheitsför- derung im Alter“ darstellen.
Der Exkurs zu Antonovsky´s Salutogenese ermöglicht an der Stelle den Bezug zu einer über- geordneten „Gesundheitstheorie“ und deren mögliche Übertragbarkeit auf das Arbeitsfeld der Prävention für ältere Menschen.
Schwerpunkte der Ausführungen in der vorliegenden Arbeit werden das Modellprojekt der „Aktiven Gesundheitsförderung im Alter“ und insbesondere dessen Konstrukt der präventiven Hausbesuche sein. Die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Konzept soll einen Einblick
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in eine Möglichkeit der Gesundheitsförderung bzw. Prävention mit entsprechenden Instru- menten für die oben genannte Zielgruppe und Ziele aufzeigen. Die Fragestellungen nach der Akzeptanz, Durchführbarkeit und Professionalität der Beteiligten sollen in diesem Zusam- menhang nach der aktuellen Forschungslage beantwortet werden.
Das Eingehen auf vergleichbare Präventionsansätze im In- und Ausland soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit nur am Rande erfolgen, da ein Vergleich vorhandener Konzepte ein ver- tieftes Studium, auch und gerade in Bezug auf das Spannungsfeld der Kosten- Wirksamkeitsvergleiche, notwendig machen würde. Gerade in Deutschland gibt es hierzu noch keine evidenzbasierten Ergebnisse, denn das Konzept der Prävention für ältere Men- schen, insbesondere mit dem Instrument präventiver Hausbesuche, steht noch am Anfang seiner Entwicklung und Anwendung in der Praxis.
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2 Prävention
Der Begriff „Prävention umfasst alle Maßnahmen und Aktivitäten die eine bestimmte Schädi- gung verhindern, weniger wahrscheinlich machen oder verzögern.“ (Meier-Baumgartner, An- ders, Dapp 2005, S.15).
Nach § 3 SGB IX ist Prävention vor Rehabilitation verankert. Allerdings gibt es für die Präven- tion keine eigenständige Anspruchsgrundlage oder Zuständigkeitsregelung. Dies wird bei- spielsweise im §1 SGB V deutlich. Die Aufgaben der Krankenversicherung umfassen unter anderem neben der Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit gleichberechtigt die Verbesserung der Gesundheit. Trotzdem ist die Prävention im primär kurativ ausgerichteten Gesundheitssystem nicht den therapeutischen, rehabilitativen und pflegerischen Maßnahmen gleichgestellt oder integriert (vgl. Kruse 2002, S.21).
Perrez fasst die verschiedenen Strategien der Prävention und Gesundheitsförderung unter den Oberbegriffen Aufklärung, Beratung, Training, umgebungsbezogene Intervention und Krisenintervention zusammen (vgl. Kruse 2002, S.41f.) Akteure und Zielgruppen in der Umsetzung von Prävention im gerontologischen Bereich sind ältere Menschen, betreuende und pflegende Angehörige, Experten und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, die Regierung sowie gesellschaftliche Institutionen. Im Zusammenwir- ken dieser Akteure und Zielgruppen soll für adäquate und bedarfsgerechte Prävention sensi- bilisiert werden (vgl. Kruse 2002, S.55ff.).
2.1 Kategorien der Prävention
Prävention kann vorbeugende medizinische Maßnahmen, die gezielte Vermeidung krankhaf- ter Zustände und Bewahrung der Gesundheit umfassen. Meier-Baumgartner, Anders und Dapp (2005, S.15) unterteilen Prävention in drei Bereiche:
• Primäre Prävention – Erhalt der Gesundheit durch Verringerung der Krankheitsanfälligkeit oder Erhöhung der allgemeinen Widerstandsfähigkeit 1 ,
• Sekundäre Prävention – frühes Erkennen von Gesundheitsgefährdungen und Erkrankun- gen mit dem Ziel der Frühtherapie und Kontrolle der Risikofaktoren,
• Tertiäre Prävention – Verhütung von Krankheitsrückfällen, Verhinderung der Verschlech- terung von Krankheitszuständen und der Folgen von Krankheiten.
1 „Die primäre Prävention ist um so erfolgreicher, je früher sie einsetzt, d.h. schon in der Kindheit und Adoleszenz.
(...). Die Prävention muss durch das ganze Erwachsenenleben erhalten werden.“ (Wettstein u.A. 2001, S.32).
7
In der folgenden Übersicht wird den klassischen Bereichen der Prävention die primordiale Kategorie hinzugefügt. Diese Ebene der Prävention meint die gezielte und aktive Förderung der Gesundheit.
(vgl. Meier-Baumgartner, Anders, Dapp 2005, S.16).
Im Bereich der Gesundheitsförderung spielt die Kooperation mit kommunalen Netzwerken eine besondere Rolle. „Das gesundheitliche Versorgungsangebot muss hohe Professionalität und Qualifikation der Anbieter sicherstellen, damit diese ihre Leistung bedarfsgerecht nach definierten Qualitätsstandards abgeben können.“ (Meier-Baumgartner, Anders, Dapp 2005, S.19). Die Autoren konstatieren damit einen hohen Bedarf an Kooperation von Kostenträgern, Koordination und Vernetzung bestehender Versorgungsangebote sowie Integration ergän- zender Maßnahmen zur Schließung struktureller Lücken 2 . Das Ziel ist die Schaffung eines überschaubaren und leicht zugänglichen Systems von Hilfen. Der Hausarzt ist in diesem Zu- sammenhang als wichtigste Kontakt- und Vertrauensperson älterer Menschen sowie primäre Anlaufstelle bei medizinischen und sozialen Problemen zu sehen (vgl. Meier-Baumgartner, Anders, Dapp 2005, S.19).
2.2 Präventionsbereiche für ältere Menschen
„25 Prozent unserer Bevölkerung sind heute über 60 Jahre. Immer mehr ältere Menschen leben unter uns. Dies ist für jeden von uns eine erfreuliche Entwicklung, aber auch eine Her- ausforderung, denn es liegt ein Stück weit an jedem Einzelnen mitzubestimmen, wie alt man wird und wie frei von Beschwerden man bis ins hohe Alter bleibt.“ (Kruse 2002, S.I).
Prävention mit der Zielgruppe älterer Menschen zielt auf bestimmte Schwerpunkte ab:
• Vermeidung von Erkrankungen und Krankheitssymptomen insbesondere die Erhaltung physischer und seelischer Gesundheit sowie die Vermeidung iatrogener Schädigungen,
2 Modellprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Altenhilfestrukturen der
Zukunft“ – Berliner Koordinierungsstellen Rund ums Alter.
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• Aufrechterhaltung eines optimalen Funktionsstatus insbesondere in den Bereichen der kognitiven Leistungsfähigkeit, Mobilität, Kontinenz und Ausscheidung, Aktivitäten des täg- lichen Lebens, Sinnesfunktionen sowie Sprache und Kommunikation,
• Angemessenes System sozialer Unterstützung mit dem Blick auf Betreuung und Pflege durch andere Menschen, Qualität der Wohnung und des Wohnumfeldes, Angemessen- heit verfügbarer und bereitgestellter Pflege sowie der Art und Weise, wie Pflegesysteme arbeiten.
Die Gesundheitsförderung zielt insbesondere auf die Stärkung des Verantwortungsgefühls des Einzelnen für seine Gesundheit (vgl. Kruse 2002, S.2f.).
3 Präventionsforschung
Präventionsforschung zum Thema Gesundheitsförderung im Alter wird im Geriatrischen Zent- rum Albertinen Haus im Rahmen des EU-Projekts „Disability Prevention in the older Populati- on“ bereits seit einigen Jahren betrieben. Inhalt dieses Projektes ist die Untersuchung von häufig auftretenden gesundheitlichen Risikofaktoren im Alter auf der Datenbasis von selbst auszufüllenden Gesundheitsfragebögen. Die Forschung folgt einem multidimensionalen An- satz. Einbezogen wird außerdem der Hausarzt mit einer Kurzzusammenfassung der Daten des Patienten und einem schriftlichem Gesundheitsbericht. Im Ergebnis der Untersuchung sollte eine gesundheitsfördernde Beratung entwickelt werden.
Die Umsetzung gesundheitsfördernder Beratungen konnte nicht bei behandelnden Hausärz- ten angesiedelt werden, da diese umfassende Beratung zum persönlichen Lebensstil nicht durch diese zu leisten wäre (vgl. Meier-Baumgartner, Anders, Dapp 2005, S.20f.).
Die Partner der europäischen Interventionsstudie „Disability Prevention“ verfolgten unter- schiedliche Ansätze zur Umsetzung:
• Schweiz – Einsatz speziell ausgebildeter Pflegekräfte in präventiven Hausbesuchen, in deren Ergebnis die Einweisungsrate in Pflegeheime gesenkt werden konnte,
• Groß Britannien – Einsatz von „practice nurses“ in Gruppenpraxen mit Zuständigkeit der Primärprävention der Allgemeinmediziner, Empfehlung der britischen Regierung von jähr- lichen Untersuchung für Menschen über 76 Jahren mit Hilfe eines geriatrischen Assess- ments beim Hausarzt 3 ,
• Deutschland – keine vergleichbaren Strukturen vorhanden, daher Entwicklung eines ei- genen Konzeptes 4 (vgl. Meier-Baumgartner, Anders, Dapp 2005, S.21).
3 Keine Umsetzung mehr seit 2004.
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Andrea Schulz, 2006, Präventive Hausbesuche - ein richtungsweisendes Modellprojekt?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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