II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Biographie des Autors 2
3. Historischer Hintergrund und Rezeption der Zeitgenossen 3
4. Inhaltsangabe 5
5. Analyse Das Joch der traditionellen konfuzianischen Familie 5
5.1 Die drei Hauptcharaktere und ihre Liebesbeziehungen 5
5.1.1 Juexin und seine Beziehung zu Mei und Ruijue 6
5.1.2 Juehui und seine Beziehung zu Mingfeng 7
5.1.3 Juemin und seine Beziehung zu Qin 9
5.2 Sprachliche Gestaltung und Stil 10
5.3 Das traditionelle Familiensystem am Beispiel der Gao 13
5.4 Intention des Autors 17
6. Fazit 19
Literaturverzeichnis 20
1
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit über das Buch „Die Familie“, welches der Feder des chinesischen Schriftstellers Ba Jin entspringt, behandelt die Biographie des Autors und, damit verbunden, die Einflüsse auf den Roman sowie die historischen Hintergründe. Die Analyse erfolgt unter dem Thema „Das Joch des traditionellen konfuzianischen Familiensystems“.
Zunächst wird, aufgrund enger biographischen Bezüge zum Plot des Romans die Biographie des Autors ausführlich dargelegt. Darauf werden dann der geschichtliche Kontext und die Rezeption der zeitgenössischen Leser auf den Roman erläutert. Dabei soll im Besonderen auch Aufschluss über die gesellschaftliche Bedeutung und Auswirkung des Romans in der Zeit nach der
04. Mai-Bewegung sowie dessen Stellenwert in der Republikliteratur gegeben
werden. Danach erfolgt im Hauptteil die Analyse des Romans auf die Handlungsumspannenden Liebesbeziehungen und die darin involvierten Charaktere, worauf im Anschluss die sprachliche Gestaltung und der Stil analysiert werden. Nach dem Vergleich des traditionellen konfuzianischen Familiensystems mit dem der Großfamilie Gao erfolgt schlussendlich im Punkt ´´Intention´´ die Darstellung der Absichten, welche der Autor mit seinem Werk verfolgte.
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2. Biographie des Autors
k
Ba Jin wurde am 25. November 1904 unter dem Namen Li Feigan in Chengdu, in der Provinz Sichuan, als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren beide Beamte. Li Feigan genoss eine gute Bildung, die er zum größten Teil von Privatlehrern erfahren durfte, seine Jugend verbrachte er überwiegend unter Obhut seines Großvaters. 1920 besuchte er die Chengdu Foreign Language School und studierte dort englische Philologie. Im Jahr 1923 ging er zwecks Studium nach Shanghai und später nach Nanjing. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit dem Übersetzen und Schreiben von Artikeln über den Anarchismus. Im Alter von 22 Jahren verschlug es den jungen Li Feigan 1927 nach Frankreich, nämlich nach Paris, wo er nicht nur sein erstes literarisches Werk mit dem Namen „Zerstörung“ schrieb, sondern zugleich seine Namensänderung in Ba Jin vornahm. Dieser Künstlername soll der ersten Silbe von Bakunin sowie der letzten von Kropotkin entspringen, welche beide von ihm sehr geachtete Anarchisten waren. 1928 kehrte er zurück nach Shanghai wo er seine Tätigkeit als Schriftsteller aufnahm und auch als Herausgeber mehrerer Zeitschriften fungierte. 1933 veröffentlichte er mit Jia ( ), auf deutsch: „Die Familie“, einen der bis heute bedeutendsten Romane der chinesischen Literaturgeschichte, welcher mit seinen beiden Nachfolgern „Frühling“ und „Herbst“ die Trilogie „Reißende Strömung“ komplettierte. 1944 heiratete Ba Jin Xiao Shan, mit welcher er später zwei Kinder hatte. Während des Bürgerkriegs positionierte er sich gegen das Regime der Guomindang, deren Führer Xiang Kaishek die Werke Ba Jins verbieten ließ. Grund dafür war, dass Ba Jin in seinen Büchern auf die Probleme Chinas seiner Zeit hinwies und damit soziale Veränderungen postulierte, was letzten Endes die Machtposition des Guomindang-Regimes bedrohte. Nachdem er gezwungen war seine anarchistischen Gedanken und den Anarchismus zu widerrufen wurde er nach der Gründung der Volksrepublik 1949 von den Kommunisten vorerst toleriert. Während dann später im Laufe der Hundert-Blumen-Bewegung von 1956/1957 lediglich Kritik an Ba Jins anarchistischer Vergangenheit geübt wurde, erhoben sich im Laufe der Kulturrevolution zwischen 1966-1976 schwere Vorwürfe gegen den Autor. Unter anderem warf man ihm vor, dass er sich mit seiner in den zwanziger und dreißiger Jahren geäußerten Kritik letzten Endes auf die Kommunistische Partei Chinas und deren Anführer Mao Zedong bezogen hatte, so dass man Ba Jin schließlich zur öffentlichen Selbstkritik zwang. Nachdem er 1977 rehabilitiert wurde, ernannte man ihn zum
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Vorsitzenden der Vereinigung der Chinesischen Schriftsteller und zum stellv. Vorsitzenden des Stadtrates von Shanghai. Ab 1983 war er als Abgeordneter im 1., 2., 3., 4. und 5. Nationalen Volkskongress tätig. Seit seiner Erkrankung an Parkinson, die ihn fast vollständig destabilisiert hat, wird Ba Jin heute noch als fast 100 jähriger Mann im Krankenhaus von Shanghai am Leben gehalten. 1 K
3. Historischer Hintergrund und Rezeption der Zeitgenossen
k Die Handlung von „Die Familie“ spielt zur Zeit der Kriegsherren in China, also etwa zwischen 1920 – 1921 und damit direkt im Anschluss an die 4. Mai Bewegung von 1919. 2 Diese Zeit war geprägt von dem aufkeimenden Begehren in der Bevölkerung nach Veränderung und Erneuerung Chinas, was insbesondere von den Studenten dieser Zeit ausging. Als eines der wichtigsten Ereignisse sind dabei nun die Studentenproteste vom 4. Mai 1919 zu betrachten, welche den Untergang der alten konfuzianischen Ordnung einläuten sollten. So versammelten sich über 3000 Studenten auf Tiananmen-Platz in Peking und demonstrierten gegen den Verlust Shangdongs an Japan. Die wochenlang anhaltende und immer umfassendere Auseinandersetzungsbewegung mit der Regierung fand jedoch nicht nur Anhänger unter den Studenten, sondern auch unter sämtlichen Gesellschaftsschichten, deren Bewusstsein mehr und mehr durch den Protest wach gerüttelt wurde. Ausländische, auch gerne als imperialistisch bezeichnete, Waren wurden dabei massenhaft boykottiert, um der ganzen Bewegung noch mehr an Bedeutung zu verleihen. 3 Diese Zeit war geprägt von einer Veränderung der chinesischen Kultur vom traditionellen und introvertierten zu einem offeneren und moderneren Modell - ein Zusammenprall zwischen Jung und Alt, Westen und Osten. In diesem Zusammenhang entwickelte sich der Typus Familiennovelle zu einem der Hauptgenres der modernen chinesischen Literatur. Die Schriftsteller gingen in ihren Werken verstärkt auf die Probleme, die das traditionelle Familiensystem mit sich bringt, ein. 4 So gilt in der
1 Vgl. Ba Jin; Keen, Ruth: Mein Protest, diesem todgeweihten System entgegengeschleudert: Von dem Zusammenbruch einer Gutsherrensippe in Sichuan, S.304 Vgl. Shapiro, Sidney: Selected Works of Ba Jin, S.363f 2 Ba Jin: Die Familie, S. 357 3 Spence, Jonathan: Chinas Weg in die Moderne, S. 379f 4 Vgl. Yang Yi: The Twentieth Century Chinese Family Novel: Patterns and Permutations. In: Social Sciences in China – A Quarterly Journal, S.92
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chinesischen Literaturgeschichte die 4. Mai-Bewegung nicht grundlos als Synonym für eine Kulturbewegung, welche die erste starke Massenbewegung, bestehend aus Studenten und anderen Intellektuellen, zu Gunsten einer Veränderung des Lebens in China begründete. In Anbetracht ihrer Auswirkungen wird sie so als Erfolg der literarischen Revolution erachtet. 5 Ba Jin veröffentlichte seinen Roman im Mai 1931 und thematisiert in diesem Werk die Konflikte zwischen den Generationen, zwischen der alten, feudalen und konfuzianisch geprägten älteren Generation und der aufstrebenden, hoffnungsvollen und revolutionären Jugend Chinas, in welcher Ba Jin selbst die Basis des neuen Chinas sieht. Damit traf Ba Jin genau den Nerv der Leser, so dass die ersten 2000 Kopien von „Die Familie“ bereits binnen weniger Tage ausverkauft waren, und bis heute hat die große Nachfrage 33 Auflagen nach sich gezogen. 6 Die ersten Kritiken fielen noch eher lasch aus, jedoch später folgten vermehrt teilweise heftigen Bewertungen, welche beispielsweise den Erzählstil als dümmlich und als übertrieben ausführlich erachteten. Der Kritiker Wen Gouxin für seinen Teil prangerte den mangelnden Bezug zur Gefühlsebene an und erachtete „Die Familie“ als flach und unbeholfen, da seiner Meinung nach Ba Jin es versäumte Gefühl und Gesellschaftskritik erfolgreich zu mischen. Er bezeichnet den Roman sogar als „Fehler“ und „großen Flop“. 7 Auch kamen später Kritiken auf, welche auf die Gefährlichkeit des Buches hinwiesen. So verderbe es die Jugend und würde sie gegen ihren Willen dazu nötigen sich mit dem kritischen Gedankengut in Ba Jins Werk zu beschäftigen. Trotzdem konnte dies die große Nachfrage nach dem Buch nicht verhindern, welche besonders von der Jugend ausging. Insofern hat sich Ba Jins Roman heute zu einem Klassiker moderner chinesischer Fiktion entwickelt und wird gar als Krone der modernen chinesischen Literatur bezeichnet. Nicht zuletzt weil „Die Familie“ ein exzellentes Beispiel dafür ist, wie man den Leser erfolgreich an die Handlung bindet ist es eines der beliebtesten Familiennovellen seiner Zeit. 8 Angespornt von dem überwältigenden Erfolg von „Die Familie“ kopierten viele Autoren nach Ba Jin den neuartigen Erzählstil, genauer: den damit implizierenden gesellschaftskritischen Charakter. 9
5 Hsia, C.T.: A History of Modern Chinese Fiction, S.12 6 Vgl. Shaw, Craig Sadler Ph.D., Ba Jin´s Dream – Sentiment and Social Criticism in “Jia”, S. 5 7 Vgl. Shaw, Craig Sadler Ph.D., Ba Jin´s Dream – Sentiment and Social Criticism in “Jia”, S. 34f 8 Yang Yi: The Twentieth Century Chinese Family Novel: Patterns and Permutations. In: Social Sciences in China – A Quarterly Journal, S.94 9 Vgl. Shaw, Craig Sadler Ph.D., Ba Jin´s Dream – Sentiment and Social Criticism in “Jia”, S. 150
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Niclas Dominik Weimar, 2004, Ba Jin - Die Familie: Das Joch der traditionellen, konfuzianischen Familie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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