Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Reichseinheit- Reichsteilung 5
2.1. Divisio regnorum und Erhebung Ludwigs zum Mitkaiser 5
2.2. Einheitsidee und das Teilungsprinzip der Ordinatio imperii 8
2.3. Vergleich der Divisio regnorum mit der Ordinatio imperii 11
3. Schlussbetrachtung S.13
4. Wissenschaftlicher Apparat S.15
4.1 Quellenverzeichnis 15
4.2 Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Die Hausarbeit befasst sich mit dem „absoluten Höhepunkt des karolingischen Zeitalters und der fränkischen Geschichte“ 1 , der von Ludwig dem Frommen verabschiedeten Thronfolgeordnung, der Ordinatio imperii.
Eine Erbfolgereglung die reformerisch und neuartig war 2 , denn sie galt als Versuch, durch Veränderung des altdynastischen Thronfolgerechts, dem Reich eine neue Ordnung zu geben. 3 Elementar bei der Betrachtung der Nachfolgereglung Ludwigs ist es die Forschung mit der des wohl bekanntesten Karolingers, Karl des Großen, seinem Vorgänger und Vater, in Bezug zu setzten. 4
In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts existierten zwei Gruppen mit unterschiedlichen Maximen. 5 Zum Einen gab es die Vertreter des „altfränkischen Erbeteilungsgedanken“ und zum Anderen, die Opposition die, die Reichseinheit favorisierten. 6 Die nachstehenden Ausführungen bemühen sich nicht nur um eine Klärung der Fragen, inwieweit der Gedanke der Reichseinheit, der unitas, schon in der früheren Konzeption der Divisio regnorum von 806 zu finden war und ob die Ordinatio imperii einen „revolutionären Bruch“ mit der fränkischen Tradition markiert 7 , sondern auch um einen ausführlichen Vergleich der Ordinatio imperii mit der Divisio regnorum. Ziel ist es Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Quellen aufzuzeigen.
Um die Lage der Forschungsliteratur war es noch vor 15 Jahren nicht gut bestellt. Reinhard Schneider kritisierte damals nämlich, dass die Arbeiten über die fränkische Geschichte „entweder Teilaspekte und Spezialprobleme der fränkischen Zeit aufgreifen oder aber die Frankenzeit nur im Rahmen weiträumiger Themen behandeln“. 8 Neuerscheinungen der letzten Jahre können in diesem Fall nun jedoch Abhilfe schaffen.
1 Schieffer, Theodor: Die Krise des karolingischen Imperiums. In: Engel, Josef / Klinkenberg, Hans Martin ,
Aus Mittelalter und Neuzeit. Bonn1957, S. 8 und S. 14.
2 Angenendt, Arnold: Das Frühmittelalter, Die abendländische Christenheit von 400 bis 900.
Stuttgart/Berlin/Köln3 1990, S.361.
3 Fleckenstein, Josef: „Ordinatio imperii von 817“. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München/ Zürich, 1993,
Sp. 1434.
4 Boshof, Egon: Einheitsidee und Teilungsprinzip in der Regierungszeit Ludwigs des Frommen. In: Godman,
Peter / Collins, Roger (Hgg.), Charlemagne`s Heir- New Perspectives on the Reign of Louis the Pious (814-
840), Oxford 1990, S. 163.
5 Haselbach, Irene: Aufstieg und Herrschaft der Karlinger in der Darstellung der sogenannten Annales Mettenses
priores. In: Historische Studien 412, Lübeck/Hamburg (1970), S.182.
6 Ebd.
7 Bauer, Thomas: Die Ordinatio imperii von 817, der Vertrag von Verdun 843 und die Herausbildung
Lotharingiens. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 58 (1994), S.8.
8 Schneider, R.: Das Frankenreich, im Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Bd. 5., München 2 1990, S.89.
3
Hilfreich für den Zugang zur Thematik waren die allgemeine und spezielle Forschungsliteratur gleichermaßen. Die Monagraphien mit kongruentem Titel „Die Karolinger“ von Pierre Riché 9 und Rudolf Schieffer 10 liefern eine ausführliche Darstellung der gesamten Karolingerdynastie. Besonders wertvolle Dienste leistete Schieffers Anhang mit überaus nützlichen Stammtafeln. Ebenfalls als dienliche Einführung erweist sich Boshofs 11 Standardwerk, der 1996 nach mehr als hundert Jahren die erste umfassende deutschsprachige Biographie über Ludwig den Frommen lieferte. Indem er ihn in die politische, soziale und kulturelle Entwicklung seiner Epoche einordnet, zeigt er einen Wendepunkt in der Beurteilung seiner Person. 12 Die bisher vorherrschende Forschungssicht wird ins Gegenteil gewandt, denn Ludwigs Frömmigkeit erscheint nicht mehr als ein bloßes Zeichen von Schwäche, sondern geradezu als ein Antrieb seines politischen Handelns, möglicherweise als das „positiv prägende Element seiner Herrschaft“. 13
Besonders hervorzuheben sind die Annales regni Francorum, die so genannten Reichsanalen. Deren Inhalt beschreibt die Jahre 741 bis 829. Die frühe Meinung, die Annalen seien im Kloster Lorsch entstanden, ist nun der Annahme gewichen, sie seien in der Hofkapelle Karls des Großen verfasst worden. Der Nachteil dieser Annalen ist, dass Niederlagen und mögliche Verschwörungen unerwähnt blieben, denn es sollte schließlich nur das Positive an die Nachwelt überliefert werden. 14 Einige dieser Annales regni Francorum sind von Wilfried Hartmann in dem Buch, Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung 15 , übersetzt worden und sind bedeutend für die Analyse des nun folgenden.
9 Riché, Pierre: Die Karolinger, Eine Familie formt Europa. Stuttgart, 1989.
10 Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. überarb. Aufl., Stuttgart/Berlin/Köln 3 2000.
11 Boshof, Egon: Ludwig der Fromme, Darmstadt 1996.
12 Ebd. Vorwort.
13 Boshof, Einheitsidee und Teilungsprinzip, S. 162-163.
14 Stiegemann, C. / Wemhoff, M.: Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Karl der Große und Papst Leo III.Bd.1,
Mainz,1999,S.37.
15 Hartmann, Wilfried: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Bd.1, Stuttgart 1995.
4
2. Reichseinheit- Reichsteilung
2.1 Divisio regnorum und Erhebung Ludwigs zum Mitkaiser
Karl der Große hatte drei regierungsfähige Söhne - Karl, Pippin und Ludwig- und im Jahre 806 teilte er das Großreich unter diese auf. 16 Diese „Realteilung“ wurde festgesetzt für den Todesfall des Vaters. 17
Die Thronfolgeordnung ist als politisches Testament zu bezeichnen, mit dem der Kaiser Karl in seinem 64. Lebensjahr seine Nachfolge regelte. 18 Es handelt sich hierbei um die genannte Diviso regnorum, die Teilung der Königreiche, eine Ordnung um den Frieden zwischen den Brüdern zu sichern und um die Teilung des Reiches in drei Zonen vorzunehmen. 19 Karl war in seinen Teilungsgrundsätzen dem altdynastischen, fränkischen Erbrecht verpflichtet, das jedem männlichen Erben, gemäß Hägemann, den gleichen Anteil an väterlichem Erbe zumaß. 20 Indes Hartmann Wilfried die Quelle gegenteilig auslegt, denn in der Präambel seiner Übersetzung der Quelle steht, dass es sich „nicht um eine gleichberechtigte Aufteilung des Reiches“ handle, sondern der Älteste eindeutig bevorzugt werde. 21 Der zu dieser Zeit noch lebende und in Prüm inhaftierte Pippin der Bucklige blieb, laut Hägermann bei der Thronfolgeordnung, „selbstredend außer Betracht.“ 22 Die Reichsteilung aus dem Jahr 768, in der das Frankenreich in zwei Teile zerlegt wurde und unter die zwei Söhne, Karl und Karlmann gleichwertig verteilt wurden, konnte in dem Fall der Divisio regnorum mit drei potentiellen Nachkommen nicht als Modell dienen. 23 Beim Tode Karls des Großen war die Einheit des fränkischen Großreichs nur einem Zufall zu verdanken, denn der vorzeitige Tod der beiden älteren Brüder, Pippin und Karl 24 ließen die Macht nur einem Einzigen zukommen- Ludwig dem Frommen. Mit dem Ableben der beiden Karolinger waren die dynastischen Vorraussetzungen für die Nachfolge hinfällig geworden. 25 Doch noch ehe sich die Ereignisse verselbstständigten, regelte der Kaiser 812 die Verhältnisse: er bestellte Pippins einzigen und unbürtigen Sohn Bernhard zum Unterkönig
16 Boshof, L. d. Fromme, S.83.
17 Hägermann, Dieter: Reichseinheit und Reichsteilung, Bemerkungen zur Divisio regnorum von 806 und zur
Ordinatio imperii von 817. In: Historisches Jahrbuch 95 (1975), S.279.
18 Ebd., S.283.
19 Hägermann, Dieter: Karl der Große, Herrscher des Abendlandes, München/Berlin 2000, S. 496.
20 Ebd. S. 497.
21 Hartmann, Geschichte in Quellen, S.73.
22 Ebd., S. 497.
23 Ebd.
24 Boshof, Einheitsidee und Teilungsprinzip, S. 166.
25 Ebd., S. 171.
5
Arbeit zitieren:
Juliane Alban, 2006, Reichseinheit und Reichsteilung unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Divisio regnorum von 806 und die Ordinatio imperii von 817
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Reichsversammlungen unter Karl dem Großen
Die Bedeutung der Reichsversam...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 24 Seiten
Über Hannah Arendts "Macht und Gewalt"
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 20 Seiten
Nerva, Traian und das Netzwerk des Plinius
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Japanische Farbholzschnitte. Entwicklung, Technik und ihr Einfluss auf...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 25 Seiten
Die verschiedenen Nachfolgeregelungen Ludwigs des Frommen - Von der Or...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 16 Seiten
Der Expressionismus in Abbildung und Buchgestaltung
Bibliothekswissenschaften, Information Science
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Zum Begriff von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 21 Seiten
Die teilnehmende Beobachtung - Malinowskis Idee und ihre Umsetzung dam...
Hausarbeit, 18 Seiten
Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung des Krieges
Ein Söldnerleben im Dreißigjäh...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
„angezundet vndt lassen brenen“
Zur Gewaltwahrnehmung und -bes...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Söldneralltag im Dreißigjährigen Krieg
Leben und Alltag der militäris...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Ethnographie, ethnographische Feldforschung und die teilnehmende Beoba...
Ein kurzer Überblick
Soziologie - Methodologie und Methoden
Seminararbeit, 13 Seiten
"Vae me, puto, concacavi me" - Kaiser Claudius im Urteil der...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Friedrich Schiller und die ästhetische Erziehung des Menschen
Einführende Auseinandersetzung...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 19 Seiten
Juliane Alban's Text Reichseinheit und Reichsteilung unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Juliane Alban hat den Text Reichseinheit und Reichsteilung unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen veröffentlicht
Juliane Alban hat einen neuen Text hochgeladen
Geschichte der ost- und westfränkischen Carolinger vom Tode Ludwigs de...
Band 2
August Fr. Gfrörer
Geschichte der ost- und westfränkischen Carolinger vom Tode Ludwigs de...
Band 1
August Fr. Gfrörer
Die Deutschen von Karl dem Großen bis Rosa Luxemburg
Guido Knopp, Stefan Brauburger, Peter Arens
Karl der Große gegen Herzog Tassilo III. von Bayern
Der Prozess vor dem Königsgeri...
Klaus Zehrfeld
0 Kommentare