Der gegenseitige Vorteil- ein Beziehungsgeflecht
Vor mehr als 30 Jahren wurde Mosambik als eines der letzten Länder in Afrika unabhängig. Dem war ein bewaffneter Kampf gegen die Kolonialmacht Portugals vorangegangen. Früh schon hatten die Unabhängigkeitsbewegungen Mosambiks im Ausland Unterstützung ersucht und waren in der DDR auf Freunde gestoßen. Der DDR- Staat und die Befreiungsbewegungen haben sich bei ihrem Ringen um internationale Annerkennung als gegenseitige Stütze erlebt und untergehakt. Das machte diese besonderen Beziehungen aus und schuf gegenseitige Solidarität. Eine Freundschaft, die sich 1979 in Vertragsform offizialisierte und bis zum Ende der DDR im Jahr 1990 mit Leben und konkreter Solidarität erfüllt war. Ein Beispiel deutsch-afrikanischer Beziehungen, das, wie vieles aus der DDR, im vereinigten Deutschland verschwiegen wird, zumal die alte Bundesrepublik als NATO-Mitglied Verbündeter des faschistischen Portugal war. So, oder so ähnlich wird sicher die eine oder andere Meinung über die Beziehungen der DDR zu Mosambik ausfallen.
Denn die Einen sahen die DDR in unverbrüchlicher Solidarität mit den Befreiungsbewegungen die Anderen, sahen in den Befreiungskämpfen im südlichen Afrika überall die Faust Ost-Berlins am Werk.
Es stellt sich die Frage nach dem Sinn der Beziehungen beider Länder?!
Für die DDR kann man es ganz konkret sagen: Sie suchte infolge ihrer Devisenlage und Importbedürfnisse neue Partner für die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Beispielsweise hatte die DDR damals Probleme mit der Steinkohleversorgung und mit dem Projekt in Moatize war die DDR darauf aus, durch Bezüge von Importkohle aus Mosambik eine Lücke in ihrer Versorgung zu schließen. Ein anderes Beispiel: Die DDR hatte immer große Devisenausgaben für Futtermittel. Man versprach sich, durch die landwirtschaftliche Entwicklung in Mosambik Maisbezüge, obwohl das Land selbst einen enormen Bedarf hatte. Bei diesen Landwirtschaftlichenvorhaben war beabsichtigt, aus einem der ärmsten Länder mit gefährdeter Grundversorgung und akutem Nahrungsmittelmangel in der Bevölkerung, 50% der Erträge der landwirtschaftlichen Projekte zur Sicherung der eigenen Produktion in die DDR zu importieren. Hinzu kamen die gigantischen Dimensionen von 100.000 bis 120.000 ha. Nach deutschen Maß hätten 120.000 ha ca. 250.0000 Fußballfelder umfasst.
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Fachleute aus der DDR sollten in Mosambik die Projekte realisieren, jedoch mussten sie ohne ausreichende Ortskenntnis und Produktionspraxis planen und projektieren. Häufig konnten so nur pauschal, am Reißbrett und nicht selten ohne Fachwissen geplant werden. Zudem fehlten für Projekte dieser Dimensionen das Fachpersonal. Die Stimmung schien schon zu diesem Zeitpunkt der Planungen nicht förderlich zu sein, obwohl sicherlich die Mitarbeiter die Projekte für Entwicklungsländer sehr gern zielstrebig, seriös und engagiert bearbeitet hätten. Jedoch mit unrealistischen Projekten vom Schreibtisch in Berlin aus und „ von ganz oben“ waren viel Experten aus der DDR „ ganz unten“, in den Savannen und Tälern von Mosambik oft allein gelassen.
Die Planungsarbeiten erhielten von Seiten der DDR in der zweiten Hälfte der 70er Jahre einen Auftrieb, denn die wirtschaftliche Situation der DDR war zugespitzt und es gelang mit den Projekten in Mosambik, Lösungswege für die anstehenden Probleme der DDR- Wirtschaft zu verbinden.
Am Beispiel der landwirtschaftlichen Großprojekte sind die Verschränkungen von Ökonomie und Politik wie die Verschiedenheit der Interessen eines Staates aus dem Norden und eines Staates aus dem Süden, bei vergleichsweise ähnlich politisch- ideologischen Zielen deutlich erkennbar. Jedoch scheiterten die vielen Projekte und brachen zusammen bevor ihr eigentlicher Nutzen sich herauskristallisieren konnte. Dafür gab es mehrere Ursachen. Der verbrecherische Bürgerkrieg hat viele Projekte gefährdet und auch zerstört. Dieser Krieg der RENAMO-Banden destabilisierte alle Bereiche und verhinderte die Realisierung der geplanten Projekte. Eine andere Ursache ist die Nicht-Einhaltung der eingegangen Verpflichtungen. Mosambik konnte diese nicht hinzureichend erfüllen. Die DDR ging in Vorleistung jedoch ohne kurzfristige Gegenleistung. Die DDR selbst wurde zunehmend mit wirtschaftlichen Problemen der eigenen Entwicklung konfrontiert und zog sich für eine gewisse Zeit aus der Entwicklungshilfepolitik zurück.
Die DDR nahm im beträchtlichen Maße internationale Kredite in Anspruch. Trotzdem ergab sich eine enorme Anspannung der wirtschaftlichen Kräfte, und die Zahlungsbilanz wurde an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geführt. Das zwang die DDR einerseits dazu mit den wirtschaftlichen Mitteln sehr sparsam umzugehen und neue Projekte strikt mit gegenseitigem Vorteil zu gestalten. Mosambik war andererseits sehr stark auf einseitige Entwicklungshilfe angewiesen.
Die Theorie war „ Handeln zum gegenseitigen Vorteil“. Das setzt jedoch möglichst gleichstarke Partner voraus! Jedoch passen Devisenoffenheit und befreundete Entwicklungsländer zusammen?!
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Arbeit zitieren:
Juliane Alban, 2006, Der gegenseitige Vorteil - ein Beziehungsgeflecht - Beziehungen der DDR und Mosambik, München, GRIN Verlag GmbH
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