Inhalts- und Abbildungsverzeichnis 1
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 2
II Mediengewalt und Gehirn 4
1. Zum Begriff Mediengewalt 4
2. Effekte von Mediengewalt 5
2.1 Kurzfristige Wirkungen 5
2.2 Längerfristige Wirkungen 6
3. Neurophysiologische Grundlagen 7
3.1 Gehirnentwicklung und -funktionen 8
3.2 Gehirnstrukturen 9
3.2.1 Grundlagen 9
3.2.2 Hirnareale und Gewalt 10
3.3 Untersuchungsmethoden bildgebender Verfahren 12
4. fMRI-Studien zur Wirkung von Mediengewalt 13
4.1 Wirkung von TV-Gewalt 13
4.2 Wirkung von PC- und Video-Spiel-Gewalt 14
4.3 Beurteilung der Resultate der Studien 15
III Fazit 16
IV Literatur 17
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Thesen zur Mediengewaltwirkung 6
Abbildung 2: Schematische Darstellung eines Neurons 8
Abbildung 3: Hirnregionen nach Brodmann 10
Abbildung 4: Hirnareale zur Gefühlsregulierung 11
Gewalt im Kopf - Einleitung 2
I Einleitung
Gewalt in der Unterhaltung ist wohl schon so alt wie die Unterhaltung selbst. Und fast ebenso alt dürfte die Diskussion darüber sein, wie viel Gewalt der Gesellschaft über die Medien zumutbar ist. Mit zunehmender Medialisierung der Gesellschaft, wurde al- lerdings auch die Mediengewalt immer breiter gestreut. Längst sind wir über die Krimi- nalromane des 19. Jahrhunderts hinweg – heute gibt es (1991) täglich 70 Morde im Unterhaltungsprogramm (vgl. Kunczik/Zipfel 1997: 202), Cartoons und Zeichentrickfil- me wie Simpsons (mit beispielsweise der „Itchy & Scratchy Show“) oder „Beavis & Butthead“, die auch von vielen Kindern und Jugendlichen gerne gesehen werden und schliesslich erlauben es die rasanten Fortschritte in Informatik und Technik, dass heu- te gewalthaltige Video- und Computerspiele immer realistischer werden.
Manfred Spitzer, ein vehementer Kritiker des modernen Bildschirm-Medien-Konsums sagt: „Wären Bildschirme nie erfunden worden, dann gäbe es alleine in den USA jähr- lich etwa 10'000 Morde und 70'000 Vergewaltigungen weniger sowie 700'000 weniger Gewaltdelikte gegen Personen“ (Spitzer 2005: 8). Er fährt weiter mit einer düsteren Prognose: „Aufgrund der Bildschirm-Medien wird es in Deutschland im Jahr 2020 jähr- lich etwa 40'000 Todesfälle durch Herzinfarkt, Gehirninfarkt, Lungenkrebs und Diabe- tes-Spätfolgen geben; hinzu kommen jährlich einige hundert zusätzliche Morde, einige tausend zusätzliche Vergewaltigungen und einige zehntausend zusätzliche Gewaltde- likte gegen Personen.“ (Spitzer 2005: 12). Sein oft zitiertes Fazit daher: Medien ma- chen „dick, dumm, krank und traurig“ (Aufenanger 2005).
Die Debatte zu diesem Thema ist nicht neu, wird aber zunehmend aggressiver geführt. Es handelt sich dabei um ein politisch und ökonomisch heikles Thema, viele Interes- sen sind involviert, es herrscht Unsicherheit und wohl teilweise auch Angst bei der Frage, welchen Einfluss Medien denn nun tatsächlich auf die Rezipienten haben.
Auch die Wissenschaft hat sich mit dem Thema auseinander gesetzt. Die Schätzun- gen zur Anzahl Studien gehen dabei jedoch auseinander: von 250 (vgl. Winterhoff- Spurk 2001: 73) bis zu über 5000 Studien (vgl. Kunczik/Zipfel 2002: 149) ist die Rede. So viele Studien es gibt, so breit sind auch die Resultate und Theorien – sie sprechen Mediengewalt alles zu, von gewalthemmender bis zu gewaltfördernder Wirkung (vgl. Kapitel 2.2 in der vorliegenden Arbeit). Und schliesslich lässt auch die Qualität der Forschung und der entsprechenden Berichte im Einzelfall durchaus Fragen zu. So steht im Forschungsbericht „Television and Behavior“ von 1982 innerhalb eines einzi- gen Absatzes zu lesen „dass die jüngsten Forschungsergebnisse die früheren Befun-
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de bestätigen würden, wonach zwischen Fernsehgewalt und späterer Aggressivität ei- ne Kausalbeziehung“ bestehe – wenige Zeilen weiter wird gesagt, „dass bislang keine einzige Studie den eindeutigen Nachweis dafür erbrachte habe, dass der Konsum von Fernsehgewalt zu späterer Aggressivität führe“ (Kunczik/Zipfel 1997: 197).
Wie steht es jetzt also um die Wirkung von Mediengewalt auf die Rezipienten? Die vorliegende Arbeit soll einen unaufgeregten Einblick in die aktuelle Forschung geben, wobei der Fokus auf der Wirkung von Mediengewalt auf die neuronalen Strukturen der Konsumenten gerichtet ist. Es wird ein kurzer Einblick in bestehende Wirkungstheorien gegeben, die neuronalen und neuropsychologischen Grundlagen kurz erklärt und es werden dann die Resultate einiger aktuellster Studien (vor allem aus dem angelsäch- sischen Raum) zum Thema Gehirn und Mediengewalt vorgestellt und zusammenge- fasst.
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II Mediengewalt und Gehirn
1. Zum Begriff „Mediengewalt“
Der Begriff der Mediengewalt ist und bleibt aktuell und in aller Munde. Allerdings: was genau definiert die Forschung als Mediengewalt? Dass die Frage nach einer solchen Definition nicht trivial ist zeigt die Tatsache, dass in der Literatur eine Vielzahl von De- finitionsversuchen zu finden ist.
Huesmann und Taylor (2006: 395) versuchen es mit einer relativ weit fassenden Defi- nition:
“[…] we define media violence as visual portrayals of act of physical ag- gression by one human against another.”
Unz, Schwab und Winterhoff-Spurk (2001: 1) erweitern ihre Definition der Medienge- walt um eine vorbereitende Komponente:
“Gewalt in Fernsehnachrichten liegt nach unserem Verständnis dann vor, wenn die unmittelbare Vorbereitung, die Durchführung und/oder die unmit- telbaren Folgen intendierter oder nicht-intendierter, für Menschen oder Dinge physisch schädigender Handlungen oder Ereignisse in Text und/oder Bild vorkommen.”
Kunczik und Zipfel (1997: 194) ihrerseits streichen die Intention heraus und legen Wert darauf, dass auch psychische Gewalt erfasst wird:
“Unter personaler Gewalt (Aggression) wird […] die beabsichtigte physi- sche und/oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person verstanden.”
Diese kurze Auswahl zeigt, dass der Begriff der Mediengewalt nicht so einfach defi- nierbar ist. Im Allgemeinen werden in bestehender Literatur jedoch Definitionen ver- wendet oder aufgestellt, die der Begriffsbestimmug von Kunczik/Zipfel am nächsten kommen. In der aktuellen Arbeit wird daher der Begriff der Mediengewalt analog zur Definition von Kunczik/Zipfel verwendet.
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2. Effekte von Mediengewalt
Die Frage nach der Wirkung von Mediengewalt auf die Rezipienten ist wohl schon fast so alt wie die Massenmedien selbst. Goldstein führt in seinem Essay zur Anziehungs- kraft von gewalthaltiger Unterhaltung einen Zeitungsbericht aus London aus dem Jah- re 1890 an, wo berichtet wird, dass ein Einbrecher angibt, von einem Kriminalbuch zu seiner Tat angeregt geworden zu sein (vgl. Goldstein 1999: 271). Die teils hitzigen Dis- kussionen zu den Wirkungen von Mediengewalt führten in den USA schliesslich mit dem „Telecummunication Reform Act“ 1996 zur Einführung des V-Chip (Violence Chip im TV-Gerät) zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor dem Konsum von Gewalt, Sex und vulgärer Sprache (vgl. Kunczik/Zipfel 2002: 149 f.). Jedoch: wie sieht die For- schung die Wirkung von Mediengewalt? In der Antwort auf diese Frage zeigen sich zwei Kategorien von Wirkungen: kurzfristige Wirkungen einerseits und langfristige Wir- kungen andererseits, die beide ihrerseits unabhängig von den Effekten der Zeit- Verlagerung (Medienkonsum hindert am Ausführen anderer Tätigkeiten und hat damit auch Einfluss auf das Verhalten) sind (vgl. Huesmann/Taylor 2006: 401).
2.1 Kurzfristige Wirkungen
Bei den kurzfristigen Wirkungen handelt es sich um Folgen, die während oder unmit- telbar im Anschluss an die Rezeption von Mediengewalt auftreten. Bonfadelli unter- scheidet dabei die Typen Erregung (Medieninhalte und -eigenschaften können zu ei- ner physiologischen Aktivierung führen, was seinerseits zu Angst oder Aggression füh- ren kann), Ärger, Furcht, Imitation sowie die Entstehung von aggressiv geprägter vs. ängstlicher Kognition (vgl. Bonfadelli 2004: 264 ff.).
Huesmann und Taylor ihrerseits unterscheiden drei Kategorien von kurzfristigen Wir- kungen: Priming, Erregung sowie die unmittelbare Imitation. Während die Erregung und die Imitation auch von Bonfadelli aufgeführt werden, meint Priming den neurophy- siologischen Prozess von Gedächtnisassoziationen. Dabei werden beim Rezipieren von gewissen Inhalten auch Hirnbereiche aktiviert, die assoziativ mit dem betrachteten Inhalt verknüpft sind. So ist eine Waffe wohl assoziativ verknüpft mit dem Konzept der Aggression (vgl. Huesmann/Taylor 2006: 401 f.).
Arbeit zitieren:
Andreas Müller, 2006, Gewalt im Kopf, München, GRIN Verlag GmbH
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