1. Einleitung (Marek Zalewski) 3
2. Theoretischer Abschnitt (Axel Winne/Marek Zalewski) 4
2.1 Bisherige Forschung (Axel Winne) 4
2.2 Hypothesen über Zusammenhänge (Axel Winne/Marek Zalewski) 6
3. Daten (Marek Zalewski) 11
3.1 Stichprobenplan (Stichprobengruppe) (Marek Zalewski) 11
3.2 Stichprobenrealisierung (Ausschöpfung/Non-Response) (Marek Zalewski) 13
4. Analyse (Axel Winne/Marek Zalewski) 16
4.1 Hypothese 1 (Marek Zalewski) 16
4.1.1 Univariate Analyse 16
4.1.2 Bivariate Analyse 17
4.1.3 Multivariate Analyse 20
4.2 Hypothese 2 (Marek Zalewski) 22
4.2.1 Univariate Analyse 22
4.2.2 Bivariate Analyse 27
4.2.3 Multivariate Analyse 29
4.3 Hypothese 3 (Axel Winne) 30
4.3.1 Univariate Beschreibung 30
4.3.2 Bivariate Beschreibung 32
4.3.3 Drittvariablenkontrolle 36
4.4 Hypothese 4 (Axel Winne) 39
4.4.1 Univariate Beschreibung 39
4.4.2 Bivariate Beschreibung 41
4.2.3 Multivariate Analyse 45
5. Fazit (Axel Winne) 51
ANHANG (Axel Winne/Marek Zalewski) 54
I ABBILDUNGEN 55
II FRAGEBOGEN (AUSZUG) 57
III ANTWORTBOGEN (AUSZUG) 62
LITERATURVERZEICHNIS (Axel Winne/Marek Zalewski) 63
2
1. Einleitung (Marek Zalewski)
Die Freizeit spielt in unserer heutigen Gesellschaft, die im zunehmenden Maß eine wachsende Leistungs- und Erlebnisgesellschaft darstellt, eine entscheidende Rolle, wenn es um den nötigen Ausgleich zum Alltag geht. Im Zentrum des heutigen Alltaglebens steht eine sich selbst aufrechterhaltende und steigende Handlungsdynamik, die sich durch Erlebnismuster definiert und soziale Milieus als Erlebnisgesellschaften prägt. Der Alltag wird regelrecht ästhetisiert (Schulze 2000: 33). Freizeit bietet, im Sinne der in der Wissenschaft gebräuchlichen Definitionen, eine Nische, um nicht im Chaos und in der Hektik des Alltags zu versinken und bietet Raum für die Selbstnutzung und Organisation der Zeit, die frei zur Verfügung steht - frei von Verpflichtungen. Freizeit wird vorwiegend im Gegensatz zur Arbeitszeit verstanden und dient nicht zuletzt der Selbstverwirklichung, Erholung und Selbstentfaltung. Sie grenzt sich von zweckgebundenen Tätigkeiten wie Schlafen und Essen, als auch von fremdbestimmten Handlungen wie Arbeit und Schule ab. Menschen gehen in ihrer Freizeit unterschiedlichen Tätigkeiten nach. Sie kochen, fahren in den Urlaub, kümmern sich um ihre Familie, gehen ihren Hobbys nach oder widmen sich Dingen, die ihnen persönliche Freude bereiten.
Die Freizeitsoziologie widmet sich der Untersuchung dieser Tätigkeiten. Zunächst als wenig systematisch abgegrenztes Themengebiet, werden Einzelbeschäftigungen wie Sport, Urlaub und Kultur schon seit längerer Zeit empirisch erforscht. Wie organisieren Menschen ihre Freizeit, welche Tätigkeiten üben sie aus und wie viel Zeit stellen sie einzelnen Aktivitäten zur Verfügung? Die Vielfalt der heutigen Gesellschaft, sei sie definiert als Erlebnis-, Konsum- oder Genussgesellschaft, bietet eine Vielzahl an freizeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten. ‚Präferenzgesteuerte Lebensführung’ ist das Stichwort; der Lebensstilforschung wird zunehmend Beachtung geschenkt. Zu investierende Faktoren wie Geld und Zeit spielen entscheidende Rollen bei der (bewussten) Auswahl der Freizeitaktivitäten. Bildung, Einkommen und das Alter sind entscheidende demographische Einflüsse, die die Auswahl der Freizeitaktivitäten beeinflussen. In dieser Untersuchung, bei der 128 Düsseldorfer Bürger aus ausgewählten Stadtteilen zu ihren Freizeittätigkeiten befragt wurden, spielen folgende Fragen eine zentrale Rolle:
3
• Welche (demographischen) Faktoren sind entscheidend bei der Wahl von Freizeitpräferenzen?
• Gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Düsseldorfer Bürgern im Hinblick auf ihre Freizeittätigkeiten und lassen sich Gruppierungen feststellen oder bilden?
Vor der konkreten Hypothesenbildung und der Auswertung der erhobenen Daten soll jedoch eine kurze Vorstellung theoretischer Definitionen der Freizeit stehen. Diese Theoriemodelle geben einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Betrachtungsweise des von der Mehrheit der Bevölkerung als selbsterklärend verstandenen Begriffs der Freizeit.
2. Theoretischer Abschnitt (Axel Winne/Marek Zalewski)
2.1 Bisherige Forschung (Axel Winne)
Die Anfänge systematischer sozialwissenschaftlicher Freizeitforschung liegen in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts; die ersten umfangreichen empirischen Arbeiten zu diesem Bereich folgten etwa 40 Jahre später. Die Entstehung und Geschichte der Freizeitforschung näher zu umreißen, würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen, so dass nachfolgend lediglich auf einige wenige - aktuell gebräuchliche - theoretische Definitionen von Freizeit eingegangen wird.
Festzuhalten ist, dass es grundsätzlich zwei unterschiedliche Arten der Definition von Freizeit gibt, welche sich mit negativem und positivem Freizeitbegriff beschreiben lassen.
Der negative Freizeitbegriff definiert Freizeit „als eine Zeitspanne, die nicht Arbeits-, Schul-, Mahl-, Schlaf-, Warte- und Wegzeit ist.“ (Boeckh, 1997, S.32)
4
Diese Denkweise fußt auf der Überlegung, dass Freizeit erst im Zuge der Industrialisierung entstanden ist, da im Rahmen der Erwerbsarbeit zwangsläufig Zeiträume entstehen, in denen nicht gearbeitet wird, welche dann als Freizeit betrachtet werden können. Als bekannte Vertreter dieses Ansatzes sind u.a. Habermas, Blücher oder Schelsky zu nennen.
Der positive Freizeitbegriff nähert sich seiner Definition aus der entgegengesetzten Richtung. Beispielsweise sehen Opaschowski oder auch Lüdtke Freizeit als einen autonom gestaltbaren Zeitraum, in welchem die Entfaltungsmöglichkeiten der Individuen ins Zentrum rücken. Zur weiteren Konkretisierung dieses Ansatzes sollen einige Überlegungen Opaschowskis aufgezeigt werden, da seine Aktivitäten auf dem Gebiet der Freizeitforschung seit Jahren äußerst rege sind.
Ihm zufolge ist Freizeit eine grundsätzlich freie Zeit, die eng verbunden ist z.B. mit der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen oder auch der Möglichkeit zur sozialen Interaktion. Obwohl er zunächst vom Begriff der Lebenszeit ausgeht, unter welchem er Arbeitszeit und Freizeit subsummiert, sieht er Freizeit mitnichten als bloßen Gegensatz zur Arbeit. Vielmehr bedeutet Freizeit seiner Ansicht nach eine zur freien Verfügung stehende Zeit, welche in sämtliche Lebensbereiche - und somit auch in die Arbeitszeit - hineinfallen kann. Erscheint diese These auf den ersten Blick noch als provokant, so wird die dieser Überlegung zugrundeliegende Denkweise bei Betrachtung der von ihm vorgenommenen Einteilung der Lebenszeit in die Zeitabschnitte Dispositions-, Obligations- und Determinationszeit schon wesentlich deutlicher. Als Dispositionszeit bezeichnet er den im gebräuchlichen Sinne verwendeten Begriff der freie Zeit, in der das Individuum die Möglichkeit zur Selbstbestimmung hat. Die Determinationszeit hingegen ist die abhängige Zeit, welche durch Organisation und Fremdbestimmung geprägt ist. Diese dient hauptsächlich der Existenzsicherung. In der Mitte dieser Gegensätze ist die Obligationszeit zu verorten. Sie beschreibt eine Art „zweckgebundener Nicht-Arbeitszeit“. Das heißt: Sie dient nicht primär der Existenzsicherung, sondern in dieser Zeit werden Besorgungen, Einkäufe, Haushaltsarbeiten etc. erledigt oder es wird familiären Verpflichtungen nachgekommen. Die Obligationszeit ist zwar auch, ähnlich der reinen Erwerbstätigkeit, von Verpflichtungen geprägt, jedoch nicht völlig fremdterminiert, da Art, Dauer und Intensität der Tätigkeiten vom Handelnden selbst bestimmt werden können. Was anhand dieser Funktionszuschreibung klarer wird, ist, dass Freizeit seines Erachtens, anders als
5
beim negativen Freizeitbegriff, nicht nur die Nicht-Arbeitszeit beschreibt, sondern vielmehr eine eigene Zeitspanne umreißt, die sich durch Zwanglosigkeit und Freiwilligkeit auszeichnet. Ob diese nun tatsächlich auch, wie von Opaschowski behauptet, in die eigentliche Arbeitszeit hineinfallen kann, bleibt fraglich. Deutlich wird an diesem Ansatz jedoch, dass Nicht-Arbeitszeit nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit Freizeit ist. Viele weitere Konstrukte zur Definition der Freizeit sind darüber hinaus formuliert worden, aber auch Opaschowski bemerkt freimütig: „Freizeit ist das, was die Mehrheit der Bevölkerung als Freizeit empfindet(...)“ (Opaschowski 1988: 197).
Demzufolge konzentrieren sich seine empirischen Untersuchungen auch vorrangig auf die gängigen Freizeitaktivitäten wie z.B. Sport, Bildung, Kultur, Unterhaltung oder Reisen. Im Rahmen des Lehrforschungsprojekts gelangte die Projektgruppe allerdings zu der Auffassung, dass auch andere Tätigkeiten (die nach Opaschowski in der Obligationszeit stattfinden) als Teil einer selbstbestimmten Freizeit angesehen werden können, so dass die erfassten Daten außerdem Bereiche wie „Haus und Garten“ miteinschließen.
2.2 Hypothesen über Zusammenhänge (Axel Winne/Marek Zalewski)
Lässt der bisherige theoretische Forschungsstand Hypothesen in unserer Stichprobe über den Zusammenhang von demographischen Faktoren und der Wahl von Freizeitpräferenzen zu, so das eigene Impulse und Erkenntnisse für diese Forschungsarbeit zu erwarten sind? Hinzuweisen ist in diesem Rahmen darauf, dass sich sämtliche Hypothesen und nachfolgenden Analyseergebnisse auf die im Januar 2006 durchgeführte Erhebung des Lehrforschungsprojekts „Freizeitsoziologie“ beschränken und deshalb bei den Ergebnissen nicht von einer Allgemeingültigkeit ausgegangen werden kann.
Im Rahmen der Freizeitforschung wurden bereits in der Vergangenheit Untersuchungen im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Glaubt man Opaschowski, so existiert bei den westlichen Republikbürgern eine sich von der ostdeutschen Bevölkerung unterscheidbare Mentalität in Bezug auf Freizeit. Demnach sind den westdeutschen Aktivitäten wie Faulenzen und Telefonieren, Kinobesuche, Kneipengänge und Es-
6
sengehen besonders wichtig. Dabei orientieren sich die Westdeutschen an hedonistischen Lebenszielen, die den Spaß und Genuss in den Vordergrund rücken. Dabei stellt auch Urlaub einen wichtigen Faktor in der Freizeit dar, der ebenso die westdeutschen Wünsche auf Sonne, Ruhe und Kontrasterleben bedienen kann. Lässt sich diese Einstellung auch in der Düsseldorfer Bevölkerung in Ansätzen bzw. Tendenzen feststellen? Interessant sind in diesem Zusammenhang die nähere Betrachtung von Tätigkeiten wie Ausgehen, Verreisen und schließlich häusliche Aktivitäten.
• Hypothese 1: Die von Opaschowski in den 90er Jahren festgestellte Mentalität in bezug auf Freizeitverhalten ist auch noch heute innerhalb der untersuchten Düsseldorfer Stichprobengruppe festzustellen und in Ansätzen, prägend durch die westdeutsche Gesinnung, nachzuweisen. Die Düsseldorfer Bürger werden insgesamt ein auffälliges/häufiges Ausgehen und ein auffälliges/häufiges In-Urlaub-Fahren aufweisen. Ferner werden sie im Verhältnis dazu eine geringe Affinität zu häuslichen Aktivitäten aufweisen. Die Hypothese gilt als bestätigt, wenn alle drei Annahmen zutreffen. (Marek Zalewski)
Das Lebensalter erfährt einen rapiden Anstieg. Mit der zunehmenden Lebenserwartung scheidet man, folgt man Opaschowskis Theorie, immer früher aus dem Berufsleben aus und der Anteil der Arbeitszeit an der gesamten Lebensarbeitszeit sinkt (vgl. Abb. 1). Das Renten-Eintrittsalter lag 1993 im Durchschnitt bei 57,9 Jahren. Erfolgte der Eintritt in den Ruhestand mit knapp 58 Jahren, so hatte man noch eine Lebenserwartung von knapp 15 Jahren (Männer) bzw. 22 Jahren (Frauen) vor sich (Opaschowski 1993: 14). Im Jahr 2000 hatten Männer eine Lebenserwartung von 75 Jahren, Frauen eine Lebenserwartung von 82 Jahren.
Ruheständler gehören dementsprechend zu einer großen gesellschaftlichen Gruppe, die - objektiv betrachtet - „(...) über den größten Anteil an Freizeit verfügt.“ (Boeckh 1997: 10) Nicht nur dieser Aspekt macht eine gesonderte Untersuchung dieser Gruppe interessant, auch die Tatsache, dass viele Bürger mit einem verhältnismäßig jungen Einstiegsalter - und somit noch mit einem hohen Aktivitätspotenzial - in den Ruhestand gehen, lässt folgende Frage zu:
Mit welchen Tätigkeiten füllen Ruheständler ihren Alltag? Insbesondere wird die Bedeutung von Medien für ältere, im Ruhestand stehende Menschen untersucht und der Frage nachgegangen: Sehen ältere Menschen anders fern bzw. nutzen sie Me-
7
dien wie den Hörfunk, die Presse/Literatur oder das Fernsehen auf eine vielleicht viel intensiverere Art und Weise?
Wenn das Fernsehen soziale Kontakte ersetzt, soziale Partizipation kaum bzw. gar nicht mehr existiert und das Medium Fernsehen keine natürliche Grenze mehr zur Alltagswirklichkeit darstellt, entsteht, glaubt man Elsner und Müller, „eine Wirklich-keitsordnung neuen Typs“: die „Fernsehwirklichkeit“. Inwieweit lassen sich zumindest
Ansätze der von Elsner/Müller geschaffenen Theorie der “Fernsehwirklichkeit“ (Elsner/Müller 1988: 397f.) in der untersuchten Gruppe der Ruheständler erahnen? Gibt es noch den stereotypischen und nachweisbaren „Lindenstraßen-Gucker“ bzw. Vorabendserien-Schauer unter den Ruheständlern? Gibt es Typen von Ruheständlern, die eine auffällige kulturelle und soziale Abstinenz aufweisen? Durch die dazu gewonnene Zeit entsteht eine objektiv gesehene Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten des Alltags, die etwa die freie Zeiteinteilung ermöglichen. Einsamkeit und als Folge ein hoher Medienkonsum, diesem Aspekt widmete sich in der Wissenschaft schon Mettler-v. Meibom. Befinden sich Ruheständler wirklich im Ru-hezustand oder beschäftigen sie sich umso ausgeprägter mit bestimmten, etwa im häuslichen Bereich angesiedelten, Aktivitäten?
• Hypothese 2: Ruheständler sehen aufgrund von mehr frei einteilbarer und zur Verfügung stehender Zeit mehr fern, hören mehr Hörfunk und lesen die Presse oder Literatur in einem viel intensiveren Ausmaß als berufstätige Bürger. Ruheständler unterscheiden sich grundlegend in der Intensität und Art der Fernsehnutzung von ihren jüngeren Mitbürgern und lassen sich in unterschiedliche Gruppen einteilen. Das hat zur Folge, dass die Gruppe der Rentner im Alter weniger ausgeht. (Marek Zalewski)
Das Ausmaß der Freizeit in den westlichen Industrienationen hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Außerdem ist die Anzahl der Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung gleichzeitig rapide gestiegen. Geschmackspräferenzen wiegen bei den Auswahlentscheidungen immer schwerer. Im Rahmen einer, wie bereits in Abschnitt 1 erwähnten, Ästhetisierung des Alltags findet eine fortschreitende Erlebnis-orientierung vonseiten der Konsumenten statt.
Interessant erscheint im Zuge dieser Entwicklungen die Frage, ob nun auch die einzelnen Individuen einer Gesellschaft hinsichtlich ihrer Freizeitinteressen und
8
-aktivitäten tatsächlich und zwangsläufig auch immer weiter auseinanderdriften. Findet also eine weitgehende Diversifikation der Lebensstile statt oder bleiben „traditionelle Erlebnismilieus“ bestehen und erfahren diese mitunter lediglich eine interne feinere Ausdifferenzierung. Schulze (1990) spricht von alltagsästhetischen Stilen und führt die drei Schemata „Hochkulturschema“, „Trivialschema“ und „Spannungsschema“ an. Ausgehend von dieser Kategorisierung soll untersucht werden, ob sich anhand der Anfang 2006 in Düsseldorf erhobenen Daten eine ähnliche Einteilung vornehmen lässt und ob die unterschiedlichen Milieus ebenso scharf voneinander abzugrenzen sind.
Der Fokus bei der Datenanalyse soll auf mögliche Zusammenhänge zwischen Bildungsgrad und Art der Freizeitgestaltung gelegt werden. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Freizeitaspekt „kulturelle Aktivitäten“ gelegt. Auf die Aufnahme weiterer Variablen wird bei dieser Analyse verzichtet, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
• Hypothese 3: Formal hoch Gebildete können in der Art ihrer Freizeitgestaltung vornehmlich dem Hochkulturschema zugeordnet werden, während formal niedrig Gebildete vor allem im Trivialschema anzusiedeln sind. Hohe Zustimmungswerte zum Spannungsschema findet man zum überwiegenden Teil bei Menschen mit mittleren Bildungsabschlüssen. (Axel Winne)
Die Deutschen sind ein reiselustiges Volk. Wer es sich leisten kann, verreist mindestens einmal im Jahr. Womit aber beschäftigt sich der Deutsche im Urlaub und was ist ihm auf seinen Reisen wichtig? Gibt es überhaupt den typischen deutschen Urlauber? Diesen Komplex möchten wir im Rahmen einer weiteren Datenanalyse näher betrachten.
Es ist davon auszugehen, dass - wie auch daheim - die Interessen der Deutschen im Urlaub weit auseinander klaffen. Manche sehnen sich nach der Entdeckung fremder Kulturen, anderen steht der Sinn nach ausgelassenen Feiern und wieder andere wollen einfach nur in der Sonne liegen. Außer diesen Möglichkeiten gibt es selbstverständlich eine Reihe weiterer Gründe in den Urlaub zu fahren. Worin liegen nun die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen den verschiedenen Aktivitäten? Naheliegend scheint, dass derjenige, der sich in der Umgebung seines Feriendomizils Sehenswürdigkeiten anschaut, auch gerne die dortige Kultur kennen lernen möchte; auf der anderen Seite kann man davon ausgehen, dass der
9
Sonnenbader im Urlaub gerne auch auf der faulen Haut liegt und einfach „Nichts tun“ möchte.
Doch sind diese Behauptungen haltbar? Dies herauszufinden, ist Ziel der Datenanalyse im Rahmen der Widmung der vierten Hypothese.
• Hypothese 4: Es gibt verschiedene Arten von Urlaubern, die sich voneinander zwar deutlich unterscheiden, aber untereinander ähnliche Motivationen für ihre Reisen aufweisen. Es gibt die Gruppe der Kulturinteressierten, der sportlichen Aktivurlauber sowie der Spaßtouristen. Trennlinien zwischen diesen Gruppen können anhand von Alter und auch der Bildung gezogen werden. Die Spaßurlauber haben den jüngsten Altersschnitt, während die Kultur-interessierten die älteste Gruppe darstellen. Hinsichtlich Bildung ist zu vermuten, dass die Gruppe „FunFunFun“ den niedrigsten Bildungsgrad aufweist, während die Kulturtouristen formal am höchsten gebildet sind. Die sportlich Aktiven bewegen sich im Bezug auf beide Merkmale im Mittelfeld der drei Gruppen. (Axel Winne)
10
3. Daten (Marek Zalewski)
3.1 Stichprobenplan (Stichprobengruppe) (Marek Zalewski)
Mitte Oktober 2005 erfolgte die erste Kursitzung zum Thema ‚Freizeitsoziologie’, in der das Thema vorgestellt wurde und auch erste Konzepte und Diskussionen angegangen wurden. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden alle Phasen eines empirischen sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekts angeboten - von der qualitativen Feldexploration bis hin zur Fragebogenentwicklung und schließlich Datenanalyse. Dabei erfolgte die Arbeit in Teams, die sich jeweils speziellen Aufgaben gewidmet haben.
Als Einstieg in die Arbeit wurde eine Feldbeobachtung durchgeführt um praktisches Fingerspitzengefühl für das Handeln an spezifischen Orten der Bürger zu bekommen, die darauf folgend zur Fragenbildung anregten. Nach einer kreativen Phase im Kurs, wurden aus bis dato losen Fragen zur Freizeit klare Facetten der Freizeit, die eine weitere Stufe im Kursverlauf einleitete: die Operationalisierung. Es gab eine zuständige Gruppe für die Fragebogenkonzeption - die sich insbesondere mit der geeigneten Fragenformulierung und Zusammenstellung aller der zuvor in Gruppen ermittelten thematischen Bereiche beschäftigte - und eine Gruppe der Dateneingabe, die später die vorhandenen Antworten (vorher codiert) eingeben sollte. Die weiteren Sitzungen sollten sich im Rahmen von Diskussionsrunden mit der konkreten Formulierung der Fragen und der Gewichtung jeweiliger Themenbereiche im späteren Fragebogen beschäftigen. Neben dieser Tätigkeit und neben diesen beiden
Gruppen erfuhr die Gruppe, die für die Feldsteuerung und Stichprobenziehung zuständig war an dieser Stelle besondere Beachtung: Sie musste sich mit einem dreistufigen Erhebungsverfahren beschäftigen, dass die Auswahl der Stichprobengebiete, die Auswahl der Personen in Klumpen und die Auswahl der Kontaktpersonen beinhaltete.
11
Den Ausgangspunkt bei der Stichprobengruppenbildung bildeten 600 benötigte Adressen, die proportional zu der Einwohnerzahl Düsseldorfs auf die Stadtteile aufgeteilt werden sollten. Um zu gewährleisten, dass alle Stadtteile bei der Adressermittlung vertreten sind, wurde für die zehn Düsseldorfer Bezirke die prozentuale Verteilung der Einwohnerzahlen berechnet. In den Bezirken mit mehr Anwohnern müssen dementsprechend auch mehr Adressen ermittelt werden. In diesen zehn Stadtbezirken befinden sich 49 unterschiedlich große Stadtteile, die anschließend in vier Gruppen - ermittelt nach Anwohnerzahlen gestaffelt - aufgeteilt wurden. 20 Stadtteile wurden ausgesucht, da sich im Seminar 20 Teilnehmer befanden und die Durchführung mit dieser Aufteilung am besten realisierbar war. Die Gruppe, die für die Stichprobengruppe zuständig war, errechnete nun die prozentualen Anteile der Einwohner in den einzelnen Gruppen in Relation zur Gesamteinwohnerzahl Düsseldorfs und übertrug diese auf 20 ausgewählte Stadtteile. Die jeweiligen Stadtteile wurden von der zuständigen Gruppe teils willkürlich, teils mit Kalkül ausgewählt um auch Randbezirke und weniger zentrale Stadtteile zu berücksichtigen und in die Stichprobe aufzunehmen. Um herauszufinden, in welchem Stadtteil wie viele Adressen ermittelt werden müssen, wurde in den einzelnen Bezirken die vorher errechnete Zahl der zu befragenden Personen proportional zu den Einwohnerzahlen der ausgewählten Stadtteile in diesen Bezirken verteilt. Schließlich stand fest wie viele Adressen in welchem Stadtteil ermittelt werden müssen. Abschließend wurde ein Startpunkt und eine Random Route für die Bestimmung der Adressen in jedem der relevanten Stadtteile gewählt. Als letztendlich die jeweiligen Stadtteile begangen und die Adressen nach dem Prinzip der Random Route erfasst wurden 1 , wurden sämtliche Adressen in Adresserfassungsbogen eingetragen.
Im nächsten Schritt der Planung erfolgte die Herstellung der Kontaktbogen, die die spätere Protokollierung der Kontaktversuche aus allen zuvor ermittelten Adressen zur Absicht hatten.
Abschließend neigte sich diese konstruktive Phase mit der parallel zu den finalen Phasen ablaufenden Fertigstellung und dem Druck des Fragebogens und der dazu-
1 Beider Begehung wurden Adressen, unter denen sich keine Haushalte vorfanden im Vorfeld nicht berücksichtig bzw. ausgefiltert und als qualitativ neutrale Ausfälle gewertet. Weitere Informationen zum Thema ‚Qualitativ neutrale Ausfälle’ befinden sich im Kapitel 3.2
12
gehörigen Antwortbogen dem Abschluss entgegen und ging schließlich mit dem Versenden der Anschreiben zuende. Die Feldarbeit/Datenerhebung begann im Januar 2006 hinweg. Das Mindestalter für Interviewteilnehmer betrug 18 Jahre. Das Weitere regelte die Zustimmungs- oder Abneigungsneigung der kontaktierten Kontaktpersonen.
Im folgenden Kapitel soll näher auf die Stichprobenrealisierung eingegangen werden.
3.2 Stichprobenrealisierung (Ausschöpfung/Non-Response)
(Marek Zalewski)
Schon während der konstruktiven Erstellung des Stichprobenplans wurden Faktoren, die zum Misslingen der Erhebung führen könnten und Probleme, die während der Erhebung stattfinden könnten, diskutiert.
In der Praxis ist die Umsetzung einer Zufallsstichprobe kein großes Hindernis. Komplizierter sieht die Sache aus, wenn es sich um den Aufbau einer Zufallsstichprobe aus der Population handelt. Hier setzt der wesentliche Kritikpunkt von Zufallsstichproben aus Populationen an: In der Praxis verliert die Zufallsstichprobe schnell ihren Glanz und ein Ideal lässt sich kaum realisieren, sagen die Befürworter von Quotenstichproben (Diekmann 2003: 355).
Von 600 Kontaktbogen, die sich aus den ermittelten Adressen ergaben, wurden 72 Kontaktbogen nicht bearbeitet und der Verbleib von sieben Kontaktbogen ist unklar. Somit lässt sich über 79 Fälle keine Aussage treffen. Die Bruttostichprobe umfasst 521 Fälle von denen jedoch nur 128 Interviews realisiert wurden. Es waren 32 stichprobenneutrale Ausfälle zu verzeichnen, die sich gegenüber 362 systematischen Ausfällen im Rahmen halten. Zusammenfassend lässt es sich auf folgender Weise darstellen:
Bruttostichprobe 521 100%
Stichprobenneutrale Ausfälle (Adresse
Falsch, verzogen, Firma etc.) 32 6,14%
13
Quote paper:
Bachelor of Arts Marek Zalewski, Axel Winne, 2006, Lehrforschungsprojekt Freizeitsoziologie - Projektarbeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Marek Zalewski's text Lehrforschungsprojekt Freizeitsoziologie - Projektarbeit is now available as a printed book
Marek Zalewski has published the text Lehrforschungsprojekt Freizeitsoziologie - Projektarbeit
Marek Zalewski has uploaded a new text
Sprachförderung durch Projektarbeit
Ein praktischer Leitfaden
Bernd Groot-Wilken, Tanja Kaseric
Projektarbeit - fit für Ausbildung und Studium
Lern- und Arbeitsheft zur Proj...
Anna-Maria Korte
0 comments