Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Wirtschaft am Ende? 4
3. Die DDR als „Insel der Orthodoxie in einem Meer von 6
weltpolitischen Veränderungen“
4. Die Opposition und die uneinheitliche Einheitspartei 10
5. Der Eiserne Vorhang hat ein Loch 14
6. Zusammenfassung 16
7. Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung
Der „erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden“ war die DDR. Aber was führte zu seinem Ende? Wer war daran „schuld“, dass der Staat letztendlich zerbrach? War es die sogenannte „friedliche Revolution“, die großen Demonstrationen in nahezu allen Städten des Landes? Oder waren es die politischen Umstände? All das sind Fragen, um die man sich streiten kann. Sicherlich haben all diese Dinge dazu beigetragen, das die DDR nach nahezu genau 40 Jahren nicht mehr existierte.
Die Politiker der Deutschen Demokratischen Republik trifft wohl eine gewisse Mitschuld am Zusammenbruch der DDR, doch sind es nicht sie allein, die „schuld“ daran sind, dass es diesen Staat mittlerweile nun schon 13 Jahre lang nicht mehr gibt. „Schuld“ sind vor allem auch die Menschen, die sich selbst befreiten, wie es manchmal heißt. „Schuld“ sind aber sich auch die politischen Umstände, vor allem wohl die „neue Politik“ und das „Neue Denken“ des ZKs der KPdSU in der Sowjetunion um Generalsekretär Michael Gorbatschow. Ihren, sicher nicht unbedeutenden, Anteil haben aber auch die Politiker in Westeuropa und Nordamerika, die mit ihrem besonnenen Handeln mit dafür sorgten, dass die Deutsche Wiedervereinigung so überraschend schnell und friedlich über die Bühne ging.
All diese Faktoren zusammen sorgten sicherlich letztendlich für das Ende der DDR. Wären nicht die Menschen in der DDR auf die Straße gegangen und über die Grenzen in die BRD geflüchtet, hätten so nicht signalisiert, dass sie Veränderung wollen und damit die Führungsspitze ins Wanken gebracht hätten, wäre die „Wende“ wohl nicht möglich gewesen, aber wohl auch nicht ohne die Politik des Michael Gorbatschow, der, entgegen anderen Staatschefs der Sowjetunion vor ihm, mit seiner Politik nun nicht mehr ausschloss, das sich die Blockstaaten des Warschauer Pakts nach Außen und Innen eigenständig verändern dürfen. Damit wird deutlich, dass das eine ohne das andere wohl nicht möglich gewesen wäre.
In der vorliegenden Arbeit sollen Gründe für den Zusammenbruch der DDR zur Sprache kommen und ihr Zusammenhang beleuchtet werden. Im Zeitrahmen habe ich mich bewusst auf die achtziger Jahre beschränkt, jedoch ist zum Verständnis verschiedener Dinge auch ein Rückgriff auf frühere Ereignisse unerlässlich. Bewusst geht es mir nur um die Darstellung der Zusammenhänge bis in den Sommer 1989. Ich werde also nicht erheblich auf die Ereignisse im Herbst 1989, die letztendlich zum Ende der DDR führten, eingehen. Jedoch werde ich mir erlauben manchmal etwas vorzugreifen.
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2. Wirtschaft am Ende?
Wirkliche Eigenständigkeit war der DDR niemals vergönnt. Sie war in vielen Belangen abhängig von der Sowjetunion. Die DDR orientierte sich in vielen Belangen nicht an althergebrachten deutschen Traditionen und lehnte zudem jedwede Verantwortung für die Geschichte Deutschlands ab, man orientierte sich an anderen sowjetischen Vorbildern und wurde somit ein fremder Staat auf deutschem Boden. 1 Man übernahm von der Sowjetunion das Wirtschaftssystem und übertrug es von einem rückständigen Staat einfach auf ein in vielen Belangen höherentwickeltes Gebiet. 2 So musste man die Planwirtschaft und den Kommunismus vom großen Bruder übernehmen. Die Sowjetunion verlangte, das der Staat, der sich als Konstituierung des Sowjetstalinismus gegen die Gründung der westdeutschen Republik verstehen lässt, sich in ihr System eingliedern würde. Man stand in nahezu totaler Abhängigkeit zum osteuropäischen Staatenbündnis. Exporte ins nichtkommunistische Ausland machten nur einen Bruchteil der Exportraten nach Osten aus. So kam es Anfang der Achtziger Jahre aus den hier genannten und auch aus anderen Gründen zum Crash. Die Sowjetunion hob die Festpreisregelungen auf und die DDR musste nun auch sowjetisches Öl zu Weltmarktpreisen einkaufen, obwohl man sich mit Millionen an dem Bau von Pipelines und Erdgastrassen beteiligt hatte. Zu diesem Zeitpunkt jedoch war die UdSSR schon genauso wirtschaftlich bankrott wie Polen und Rumänien. 3 Durch die Staatsbankrotte Polens und Rumäniens galt die auch DDR als RGW-Land bei den mehr als 400 Banken, zu denen sie Kontakte unterhielt, als nicht mehr kreditwürdig. Öl war zu den Preisen, welche die DDR bisher an die UdSSR bezahlen musste, auf dem Weltmarkt nicht erhältlich. Es folgten Winter, in denen die Bevölkerung oftmals Strom- und Heizungsausfälle in Kauf nehmen musste. Diese angeschlagene Situation entspannte sich erst 1983, nach dem ersten milliardenschweren Kredit der Bundesrepublik wieder etwas. Die Zahlungsbilanzen der DDR wurden von Jahr zu Jahr schlechter und die hochgesteckten Pläne nach unten korrigiert. Importe wurden stark gedrosselt, dafür wurden die Ausfuhren erhöht. Mit der Zeit fand ein regelrechter Ausverkauf der DDR statt, es wurde alles exportiert, was auch nur ging. Damit setzte ein Teufelskreis ein, für die
1 Eberhard Jäckel: Das deutsche Jahrhundert- Eine historische Bilanz. Frankfurt/Main 1997. S.228-229
2 Ebd.
3 Theo Pirker, M. Rainer Lepsius u.a.: Der Plan als Befehl und Fiktion. Wirtschaftsführung in der DDR. Opladen 1995. S.26
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eigenen Bürger gab es fast nichts mehr zu kaufen. Das Sparguthaben stieg enorm an und der wirtschaftliche Kreislauf stagnierte. An den subventionierten Grundpreisen wurde trotz allem bedingungslos festgehalten. Die Preise spiegelten weder die Knappheitsrelationen der Güter noch deren wirkliche Produktionskosten nieder. 4 Die Technik in den staatlichen Betrieben war hoffnungslos überaltert, was die Produktionskosten zusätzlich in die Höhe trieb. Die Mikroelektronik wurde weltweit immer wichtiger. Wer z.B. Werkzeugmaschinen exportieren will, muss auch die dazugehörigen Steuereinheit einbauen. Nun unterlag aber die DDR als Ostblock-Staat dem COCOM-Embargo, wodurch keine technischen Erkenntnisse durch den Westen geliefert werden durften. Da in der UdSSR alle technischen Neuerungen erst einmal militärisch verwertet wurden, musste die Mikroelektronik selbst entwickelt werden. Über die Wirtschaftlichkeit des 256 KB-Chip sagte Gerhard Schürer, Vorsitzender der staatlichen Plankommission, nach der Wende folgendes:
,,Die Selbstkosten [...] betrugen 536 Mark, der Verkaufspreis war in der DDR auf 16 Mark festgelegt, weil man für 536 Mark gar keinen Anwender fand. [...] Also musste dieser Verkaufspreis sozusagen als Einführungspreis der Technik heruntergesetzt werden, und den Rest hat der Staatshaushalt als Subvention zahlen müssen. Der Weltmarktpreis für so einen Chip war 6 Mark." Insgesamt mussten 16 Mrd. Mark für die Mikroelektronik aufgewandt werden. 5 Ernte- und Produktionsausfälle konnten nicht kompensiert werden. In der Krisenanalyse die Gerhard Schürer Egon Krenz 1989 übergab heißt es außerdem, das die DDR bis 1995 einen Export-Überschuss von 44 Milliarden Valuta-Mark hätte erzielen müssen. Erst kurz vor dem Ende der DDR, nach dem Abtritt Honeckers, wurden die Zahlen erkannt und anerkannt. Zu spät.
Aber dies allein hätte wohl nicht zum politischen Umbruch, zur sogenannten Wende, geführt. Auch bankrotte Staaten existieren weiter. Der gesamte Ostblock war wirtschaftlich und finanziell am Ende. Das lag nicht nur daran, das die Sowjetunion 50% der Staatsausgaben für militärische Zwecke aufwendete, sondern auch an anderen viel tiefer liegenden Gründen. In der DDR beispielsweise, wurde der private Sektor nahezu völlig aufgelöst. Einen Wettbewerb, der auch immer für Qualität und Quantität von Produkten ausschlaggebend ist, gab es nicht. Markante Innovationen konnten nicht erfolgen. Jede Mark war verplant. Einen Wettbewerb aufgrund von Angebot und Nachfrage konnte nicht
4 Christoph Kumpf: Faktoren des Zerfalls. Die Regimekrise in der ehemaligen DDR. Frankfurt 1995. S. 42
5 Theo Pirker, M. Rainer Lepsius u.a.: Der Plan als Befehl und Fiktion. Wirtschaftsführung in der DDR. Opladen 1995. S. 88
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geführt werden. Die DDR-Bevölkerung kaufte nicht was sie brauchte sondern was es gab, was zu teilweise aberwitzigen Bevorratungen und Hamsterkäufen seitens der Bevölkerung führte.
Im gesamten Ostblock stand die wohlbesungene Planwirtschaft in den roten Zahlen. Gorbatschows Reformen, Perestroika und Glasnost, kamen nur wenige Jahre vor dem Ende der DDR. Die Staatsführung in Ost-Berlin bemühte sich aber nie ernsthaft und auch noch weniger zum Schein diese umzusetzen. Erst nach dem Abtritt Honeckers fing man auch in der Staatsführung an, lauter über Reformen nachzudenken. Warum aber weigerte sich das Politbüro unter Honecker, die Reformen des Michael Gorbatschow anzunehmen und anzuerkennen? Honecker sprach später davon, dass es in der DDR darum gegangen sei, die Politik der Erneuerung unter Gewährleistung der Kontinuität in der DDR weiterzugestalten und die DDR von vornherein davon abgesehen habe Dinge zu übernehmen die nicht machbar erschienen. 6 So stellt sich am Ende, unter dem Betrachtungswinkel der Krisenanalyse Schürers, doch die Frage, warum die DDR kaum Reformen ihrer Wirtschaft durchführte und auf die alten Strukturen beharrte. Es lag sicherlich nicht hauptsächlich daran, dass das Politbüro die Zeichen des sich abzeichnenden Wirtschaftsbankrotts der Republik nicht erkennen wollte, sondern auch an der politischen Großwetterlage.
3. Die DDR als „Insel der Orthodoxie in einem Meer von weltpolitischen Veränderungen“
So bot, ungefähr ab 1987, die DDR das Bild „einer Insel der Orthodoxie in einem Meer politischer, ökonomischer und ideologischer Strukturveränderungen“. 7 In der gesamten, 40 Jahre dauernden, DDR-Geschichte zeigt sich eine Abhängigkeit zur Sowjetunion. Ohne Sowjetunion hätte es wohl keine DDR gegeben und ohne das Einverständnis und der Politik der Sowjetunion gebe es sie wohl heute noch. Auch war es die Sowjetunion die sie, die DDR, am Leben erhalten hat. Die Existenz der DDR war vor allem von außen legitimiert, sie beruhte auf der militärischen, ökonomischen und politischen Bestandsgarantie der Sowjetunion sowie deren imperialen Machtanspruch und
6 Reinholdt Andert, Wolfgang Herzberg: Der Sturz. Honecker im Kreuzverhör. Berlin 1990. S.79
7 Manfred Görtemaker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart. München 1999.
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Arbeit zitieren:
2003, Der Weg zum Ende der DDR - Gründe für das Scheitern der DDR in den Achtziger Jahren, München, GRIN Verlag GmbH
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