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Im ersten Teilkapitel werden die essentiellen Grundlagen für die Entstehung von Tourismus in Entwicklungsländern kurz aufgezeigt. Basierend darauf, wird im zweiten Abschnitt der Bezug zum Fallbeispiel „Petite Côte“ hergestellt. Im darauffolgenden dritten Teil kommt es zur kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik. Abschließend wird versucht, die Problematik kurz zusammenzufassen und eine Ausweichmöglichkeit zu präsentieren.
Zur Entstehung des Tourismus in Entwicklungsländern
In einer Zeit, in der die „Welt“ durch Technisierung und Globalisierung auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe zusammen geschrumpft ist, stellt der Tourismus einen immer größer werdenden Einflussfaktor dar. Der weltweite Fremdenverkehr zählt heutzutage zu einem der wichtigsten Branchen und erwirtschaftet ca. 11 % des globalen Bruttoinlandsprodukts. Zu dem stellt er fast 8 % der Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt durch ihn profitieren (vgl. Vorlaufer 2003: 4). Da liegt es nahe, dass ihm vielerorts enorme Entwicklungsimpulse zugeschrieben werden. Die Auffassung, Tourismus sei die effektivste und schnellste Methode, um Deviseneinnahmen zu erzielen, Arbeitsplätze zu schaffen und strukturschwache Regionen und ihre Infrastruktur zu entwickeln, ist allgegenwärtig (vgl. Scholz 2006: 120). Es erscheint daher plausibel, dass der Fremdenverkehr gerade für Entwicklungsländer von großem Interesse ist. Oftmals besitzen sie einzigartige touristische Attraktionen, die sich vermarkten und damit ungeahnte Einnahmen erzielen lassen. Mit anderen Gütern sowie mit Dienstleistungen würden sie diese Erträge wohl kaum erreichen können (vgl. Vorlaufer 2003: 5). Die genannten Aspekte könnten zu der Schlussfolgerung führen, dass es sich beim Tourismus um die Universallösung schlechthin handelt, die man nur aus der Schublade ziehen müsste, um einem „unterentwickelten Land“ auf die Beine zu helfen. Leider sieht die Realität anders aus. Anhand des Fremdenverkehrs im Senegal (insbesondere des Fallbeispiels der Petite Côte) wird im Folgenden versucht, die Chancen und die Risiken des Tourismus in diesen Regionen aufzuzei- gen.
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Gründe für den touristischen Aufschwung an der senegalesischen Westküste
Die selbstständigen Entwicklungsanstrengungen der
Sahelstaaten, zu denen auch der Senegal gehört (siehe Abbildung), existieren nun schon seit ungefähr 40 Jahren. Die politische Unabhängigkeit des Jahres 1960 brachte Chancen - aber auch Risiken - mit sich, die vorher nicht vorhanden waren (vgl. Hammer 1998: 11). Eine dieser Chancen war der Aufbau eines eigenständigen Tourismus, der auf Deviseneinnahmen hoffen ließ. Im Vergleich zu anderen Topzielen des internationalen Tourismus spielt der Fremdenverkehr im Senegal heutzutage nur eine relativ geringe Rolle. Dies ist auch auf die innenpolitischen Unruhen im Süden des Senegals, die seit 1992 vorherrschen, zurückzuführen. Dennoch sind hier touristische Potentiale vorhanden, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Dazu zählen z.B. die Meeresstrände am Atlantik, ethnotouristisch interessante Gebiete, sowie authentisch afrikanische Märkte (vgl. Krings 2006: 171). Die erwähnten Destinationen ziehen vor allem Touristen aus Frankreich, Mittel- und Südeuropa und Amerika an. Geschäftsreisende und Kongressteilnehmer aus Afrika findet man meist in der Landeshauptstadt Dakar, die gleichzeitig Regionalmetropole Westafrikas ist (vgl. Wiese 1995: 89). Was die Petite Côte - mit ihren flachen Sandstränden - im Westen des Senegals anbelangt, so macht sie das milde, fast mediterrane Klima überaus attraktiv. Die unmittelbare Nähe zur Hauptstadt Dakar (ca. 1 Autostunde entfernt) gilt als zusätzlicher Pull-Faktor. Der Tourismus ist nach der Fischerei und neben der Erdnussproduktion, sowie dem Phosphatbergbau ein ausschlaggebender Devisenbringer des Senegals. Erkennbar wird dies an der Besucherzahl, die im Zeitraum von 1998 bis 2002 ca. 450.000 jährlich betrug ( vgl. Krings 2006: 173). Standen im Jahr 1984 an der Petite Côte noch 10 eher unterklassige Hotels, sind es heutzutage über 30 internationale Sternehotels, die dem Besucher jeglichen Komfort bieten. Sie stehen meist unter der Direktion internationaler Hotelketten wie Jet Tour, der Frantel Group oder Meriediens. Hinzu kommen derzeit noch zahllose Eigenheime, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Unter dem Deckmantel des Zweitwohnsitzes werden sie unter der Hand - von korrupten Politikern - an zahlungswillige Touristen vermietet. Warum kam es zu diesem Boom des Tourismus an der senegalesischen Westküste? Antworten auf diese Frage gibt es viele. Einer der wichtigsten Aspekte ist, dass es in kaum einer anderen Region der Welt die Möglichkeit gibt, so dicht an die Küste zu bauen
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wie hier an der Petite Côte. Während man in Spanien mindestens 100m und in Frankreich sogar 500m Abstand zum fragilen Küstenstreifen einhalten muss, darf im Senegal bis auf 10m an die Küste gebaut werden. Eine sicherlich sehr attraktive Ausgangssituation für Investoren, die auf Besucherströme hoffen, jedoch mit fraglichen Auswirkungen auf die Natur. Hinzu kommen noch steuerliche Vorteile und verringerte Kosten für Strom und Wasser, die die Region durch extra dafür erlassene Tourismusgesetze zusätzlich interessant macht (vgl. Diagne & Yamamura 2000: 114). Das für Durchschnittseuropäer relativ niedrige Preisniveau erklärt auch, warum so viele Franzosen ihren Alterswohnsitz hierher verlegen ( vgl. Krings 2006: 173). Die Basis für das wachsende Touristenaufkommen bildet das milde maritime Klima mit 25 °C Wassertemperatur, 267 Stunden Sonne im Jahr und natürlich die endlosen weißen Strände. Durch das vermehrte touristische Interesse entstanden zahlreiche Arbeitsplätze. Man geht davon aus, dass heute ca. 8500 Menschen in den Hotels beschäftigt sind und noch zusätzlich 17.500 außerhalb des Beherbergungssektors indirekt vom Fremdenverkehr profitieren (vgl. Krings 2006: 171). Basierend auf dem hohen touristischen Aufkommen wurden neue Straßen gebaut, Strom- und Wasserleitungen verlegt und neues Land erschlossen. Grundlegend könnte man bilanzieren, dass es aufgrund der Touristik zu einer Entschärfung der räumlichen und sozialen Disparitäten an der Petite Côte gekommen ist, Beschäftigung und Einkommen geschaffen sowie Deviseneinnahmen erhöht wurden. Es lässt sich feststellen, dass der Tourismus und seine verschiedenen Einflussbereiche maßgeblich zur Entwicklung des ehemals peripheren Raums zu „dem Touristenziel“ im Westen Senegals beitrug. Doch sollte man sich die ganze Sache wirklich so einfach machen und sie nur von ökonomischer Seite sehen? Was ist mit den Traditionen des Landes? Gelingt es, sie trotz Massentourismus zu bewahren? Wie sehr leidet die Natur durch dessen Einfluss? Geht es wirklich allen besser oder trügt der Schein? Auf diese und weitere Fragen soll im Folgenden eingegangen werden.
Negative Begleiterscheinungen
Prinzipiell ist eine intakte Umwelt das wichtigste Kapital für einen gut funktionierenden Fremdenverkehr und essentiell für die einheimische Bevölkerung (vgl. Friedel 2002: 56). Rei-seformen, wie Wanderungen oder Besichtigungen schädigen die ökologischen Strukturen nicht so sehr, wie Sport- oder Badeurlaub, den man an der Küste Senegals findet. Die Umweltzerstörung wird im Senegal besonders durch die enge Bebauung an den Küstenstreifen vorangetrieben. Verstärkend lässt sich eine fortschreitende Erosion an den Küstengebieten erkennen. Die ökologische Weitsicht der zuständigen Politiker ist stark beschränkt. Ein zu-
Arbeit zitieren:
Lukas Petersik, 2006, Chancen und Risiken des Entwicklungsländertourismus - Fallbeispiel Senegal (Petite Côte), München, GRIN Verlag GmbH
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