Inhalt
Vorwort 3
1. Mittelenglische Sprachperiode 4
1.1. Französisches Lehngut 5
1.2. Lateinisches Lehngut 6
1.3. Nordgermanisches Lehngut 7
1.4. Gründe für Entlehnungen 8
1.5. Wortbildungen 8
2. Frühneuenglische Sprachperiode 10
2.1. Lehngut 10
2.2. Entlehnungen aus lebenden Sprachen 11
2.3. Gründe für Entlehnungen 13
2.4. Inkhorn Controversy 14
2.5. Wortbildungen 15
2.6. Verbableitungen 17
Nachbetrachtung 18
Literaturverzeichnis 19
Abk ürzungen:
ae. altenglisch frz. französisch
afrz. altfranzösisch lat. lateinisch
arab. arabisch me. mittelenglisch
fne. frühneuenglisch pers. persisch
2
Eine Sprache beschreibt einen Moment synchroner Sprachzustände und unterliegt zugleich einem ständigen Wandel - quasi ein „System in Bewegung“. Dieses Phänomen wird in der Lexik besonders deutlich, denn in jedem Sprachstadium stehen sich veraltete Elemente, Neuerungen, Sprachmoden und verbreitete Fehler gegenüber. Sprachkontakte und individueller Spracherwerb ermöglichen die Übernahme neuer Wörter und bedingen die historische Schnelllebigkeit des Wortschatzes. Infolgedessen muss bei der Darstellung des Lexikons auf synchronische sowie diachronische Aspekte eingegangen werden. Der vorliegende Aufsatz befasst sich mit der Betrachtung des mittelenglischen und frühneuenglischen Wortschatzes. Da eine Untersuchung aller den Wortschatz betreffenden Gesichtspunkte eine inhaltlich umfangreiche Studie erfordert, stehen in dieser Arbeit die Herkunft der Wörter sowie ihr Frequenz in Texten im Vordergrund. Der Problematik der dialektalen Varietäten des Mittelenglischen wird mit der Erläuterung der wesentlichen Haupttendenzen begegnet.
Etymologisch unterteilt sich das Lexikon in Erbwörter und Entlehnungen aus überwiegend romanischen und germanischen Sprachen, die eine signifikante Bereicherung des englischen Vokabulars bewirkten. Dass jedoch fremdsprachliche Einflüsse nicht immer auf allseitige Akzeptanz stießen, beweist die Kontroverse über die Zweckmäßigkeit von Fremdwörtern, vornehmlich Latinismen, die den Stil der Dichtung des 15. und 16. Jahrhunderts charakterisierten.
Die Erforschung des Wortschatzes zwischen 1100 und 1650 birgt einige Schwierigkeiten angesichts der Tatsache, dass das erste englische Wörterbuch erst 1604 von Robert Cawdrey veröffentlicht wurde. 1 Mit 2500 Einträgen beinhaltete es zudem nur schwer verständliche Wörter. Ferner reflektieren vorliegende schriftliche Überlieferungen ein unvollständiges Bild, denn mündlicher Wortschatz sowie der Sprachgebrauch von Sprechergruppen, die nicht zu den historischen Quellen beitrugen, finden keine Berücksichtigung. Aus diesem Grund kann die Darstellung des mittel- und frühneuenglischen Wortschatzes nur partiell erfasst werden, denn ein Wörterbuch erschließt lediglich eine Teiltheorie des tatsächlichen Bestands.
1 Wörterbuchähnliche Sammlungen erschienen erstmals gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch Paul Greaves
u.a.
3
1. Mittelenglische Sprachperiode (1150 - 1500)
Die Eroberung Englands durch die Normannen in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts steht als entscheidender Auslöser für einschneidende Veränderungen in der mittelenglischen Sprachgeschichte. Tendenzielle Entwicklungen, die ihre Anfänge im Altenglischen aufweisen, wurden ferner beschleunigt. Die tiefgreifendsten Neuerungen betrafen die Grammatik und den Wortschatz. Die synthetische Satzkonstruktion mit ihren Flexionsendungen wich einer analytischen Syntax, die sich über die Wortstellung und Präpositionen definierte. Das Vokabular erfuhr eine Erweiterung hauptsächlich französischer Wörter, resultierend aus der Tatsache, dass Französisch zur Sprache des Hofes 2 und der Verwaltung avancierte und Englisch damit ablöste. Der rasante Aufstieg der lingua franca 3 lag in der zum Großteil normannischen Herkunft der neuenglischen Nobilität begründet. Einen weitaus geringeren Einfluss besaß Latein als grundlegendes Kommunikationsmittel in Kirche und Wissenschaft. Englisch hingegen sprachen die unteren Schichten der Gesellschaft, doch wurde es gleichwohl von Adligen und Geistlichen gebraucht, so dass man in diesem Sinne nicht von einer Degeneration zur „lingua vulgaris“ sprechen kann. Die Annahme, dass die Landesssprache dem Untergang verschrieben gewesen sei, widerlegte der Historiker Michael Richter (1979). 4 Die Tatsache, dass Englisch nicht nur von der Mehrheit, wenngleich einer politisch unbedeutenden, gesprochen wurde, sondern ebenso für geistige und geistliche Zwecke genutzt wurde, hielt es über zwei Jahrhunderte hinweg am Leben. Chaucers Canterbury Tales, verfasst in spätmittelenglischer Zeit, leisteten einen grundlegenden Beitrag zur Etablierung der englischen Literatursprache. Allerdings existierten - allgemein betrachtet
- vier verschiedene Dialekte, von denen sich der in den East Midlands ansässige zum Standardenglisch in Wort und Schrift herauskristallisierte. Als 1362, nach über zweihundert Jahren französischer Vorrangstellung, die erste Rede im Parlament wieder in Englisch gehalten wurde 5 , besagte das die allmähliche (Erst-)Einführung der Landessprache, des London English, in allen Bereichen.
2 Französisch war bereits vor 1066 in den Adelskreisen weit verbreitet.
3 Der Ausdruck leitet sich von der Tatsache ab, dass Französisch während der Kreuzzüge als Verkehrssprache
galt.
4 Vgl. Markus S. 22f.
5 Gemäß des Statute of Pleading
4
1.1. Französisches Lehngut
Entlehnungen können Folge von Berührungen zweier Sprachsysteme sein, die sich in Form und Intensität unterschiedlich aufeinander auswirken. Bestimmt werden diese Einflüsse durch innersprachliche (wie Strukturähnlichkeiten und -unterschiede) und außersprachliche Faktoren (wie Dauer, Häufigkeit und Ausmaß des Sprachkontakts). Für mehr als zweihundert Jahre bestand eine intensive Kontaktsituation zwischen den englischen und französischen Sprachgemeinschaften. Folglich war ein wechselseitiger Austausch von Wörtern unvermeidbar. Da Französisch ein hohes soziales Prestige genoss und Englisch eher als eine minderwertige Sprache galt, verfügte Französisch über einen weitreichenderen Einfluss auf Englisch als umgekehrt. Bis etwa 1350 wirkte Französisch als Superstrat auf das Englische ein. Die Menge der Übertragungen im späten Mittelalter ist höher als in jeder anderen Epoche, und sie stellen die Voraussetzung für die zahllosen Entlehnungen im Frühneuenglischen.
Der Prozess der Aufnahme französischer Wörter unterteilt sich in zwei Phasen, die zwischen 1200 und 1250 ineinander übergehen. In ersterer wurden nur wenige Wörter entliehen, mit denen das Volk durch direkten Sprachkontakt mit der normannischen Herrscherschicht konfrontiert wurde. Es handelte sich um Wörter, die hauptsächlich die Situation der Besatzung widerspiegelten. Sie entstammten den Bereichen Militär (fortress, lance), Rechtswesen (court, justice) und Lebensart (mutton, pork). Die Herkunft der Lehnwörter geht auf das Anglofranzösische zurück, das germanische Interferenzen aufweist. Um 1250 vollzog sich eine fundamentale Änderung: Allmählich wurde Englisch am Hofe wieder eingeführt, und dementsprechend wurden viele Wörter, die die Lebenswelt der französisch sprechenden Oberschicht illustrierten, automatisch übernommen. Im 14. Jahrhundert erreichte diese Entwicklung mit der größten Welle französischen Lehnguts ihren Höhepunkt. Man kann annehmen, dass die Entlehnungen der zweiten Phase auf das Zentralfranzösische zurückgehen, welches, bedingt durch den Niedergang des Anglofranzösischen, einen Prestigegewinn verzeichnen konnte. Semantisch sind die Wörter der Wissenschaft und Kunst (university, library), höfischem und sozialem Leben sowie Mode (luxury, fashion) zuzuordnen. Da Französisch mehr als 200 Jahre lang die Sprache der Politik und Verwaltung, der Justiz und der Klöster repräsentierte, fanden auch aus diesen Bereichen zahlreiche Begriffe ihren Weg ins Englische. Insofern leisteten französische Nomina, Adjektive und Verben einen universellen Beitrag zum Ausbau des englischen Vokabulars, das erhebliche Lücken aufwies. Der Stagnation des heimischen Wortschatzes in der
5
mittelenglischen Sprachperiode schien jedoch nicht die einzige Folgeerscheinung, die sich aus der Dominanz des Französischen ergab; gleichsam ging der Sinn für eine englische Sprachnorm verloren, die erst im 15. Jahrhundert wiedererlangt wurde und die Voraussetzung für die puristischen Strömungen des Frühneuenglischen bildete.
1.2. Lateinisches Lehngut
Den bedeutendsten Einfluss auf den mittelenglischen Wortschatz besaß zweifelsohne Französisch. Latein dagegen gewann erst in der frühen Neuzeit primär an Geltung, doch bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, einhergehend mit der Expansion des Englischen, nahm es eine nicht unerhebliche Stellung ein. Maßgeblich im wissenschaftlichen und kirchlichen Bereich erweiterten lateinischstämmige Wörter das Vokabular. Latein existierte hauptsächlich in geschriebener Form, lediglich einige Kleriker und Gelehrte nutzten es als mündliches Kommunikationsmittel. Demzufolge gehen die meisten Entlehnungen auf Übersetzungstexte zurück. John Wyclifs Bibelübersetzung (1380) erfuhr eine außerordentliche Anpassung an das lateinische Lexikon und die Syntax, die Anlass zu einer baldigen Überarbeitung durch John Purvey gab.
Schon im 14. Jahrhundert gebrauchte Chaucer Latinismen, die seiner Dichtung einen eigenen Stil verliehen. Die Chaucerianer fanden solchen Gefallen daran, ihre Literatur mit Entlehnungen zu bereichern, dass sich diese Vorgehensweise zur Manier entwickelte und das Stilideal des 15. Jahrhunderts verkörperte. Die Tradition der rhetorischen Ausschmückung wurzelt in der Antike und wurde von der Frührenaissance als aureate diction, im 16. Jahrhundert in Form der inkhorn terms wieder aufgegriffen. Der erhabene Ton (ornate style) dieser Schreibart wird durch eine exklusive Wortwahl erzielt, die dem fremden lateinischen Wort den Vorzug gibt.
Ob eine Entlehnung unmittelbar aus dem Lateinischen oder indirekt via Französisch übernommen wurde, ist nicht immer definitiv feststellbar. Unklarheiten ergeben sich, wenn das Französische nachträglich ein lateinisches Wort entlehnte und dieses folglich nicht dem altfranzösischen Lautmuster entsprach, sondern als Fremdwort erkennbar war. Ein anschauliches Beispiel stellt lat. causa dar: Bedingt durch die lautsprachliche Entwicklung wurde es im Altfranzösischem zu chose, doch im 13. Jahrhundert erfolgte erneut eine Entlehnung von cause. Zur gleichen Zeit erscheint cause im englischen Vokabular. Daher ist der genaue Entlehnungsweg kaum rekonstruierbar. Gleichwohl wurden mitunter Wörter im
6
Arbeit zitieren:
Margret Siefert, 2006, Der englische Wortschatz zwischen 1100 und 1650, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Weltbild und Literatur – Motivation für das Interesse an der Welt am B...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Friedrich II., sein Kreuzzug und Jerusalem
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 26 Seiten
Der Einfluss des Französischen auf das Englische
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Jean de Mandevilles "Les voyages d'outre mer": Quellen u...
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Multikulti im Mannheim des 17. Jahrhunderts - Das Mannheimer Experimen...
Romanistik - Französisch - Linguistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 44 Seiten
Antonin Artaud: Vom Surrealismus zum Mythen-Theater der Moderne
Hausarbeit, 20 Seiten
Die französische Sprachpolitik
Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Die Französische Revolution und die Sprache
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 21 Seiten
Semantische Integration, Akzeptanz und Entlehnungsmotive von Anglizism...
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 39 Seiten
Antonin Artauds "Theatre de la Cruauté" - kann es heute ein...
Hausarbeit, 11 Seiten
Altfranzösisch und Altfranzösische Literatur am Beispiel von 'De l...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit, 14 Seiten
Der Surrealismus in Frankreich als typische Avantgardebewegung?
Magisterarbeit, 92 Seiten
Dienstmädchen im 19. Jahrhundert
Lebensumstände und Arbeitsbedi...
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Aphasie bei Mehrsprachigkeit - Independente oder interdependente Sprac...
Magisterarbeit, 93 Seiten
M. Siefert hat den Text Der englische Wortschatz zwischen 1100 und 1650 veröffentlicht
M. Siefert hat einen neuen Text hochgeladen
Langenscheidt Wortschatz Business Englisch
Mit britischem und amerikanisc...
Reinhard Tenberg, Derrik Ferney
Wortschatztraining leicht gema...
Hans G. Hoffmann, Marion Hoffmann
ELI Illustrierter Wortschatz. Englisch. Buch und CD-ROM
Alfredo Brasioli, Letizia Pigini, Gigliola Capodaglio
0 Kommentare