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Inhaltsverzeichnis
1. Themenschwerpunkte und Entwicklungsgeschichte 3
1.1 Das Zeitalter Winkelmanns 3
1.2. Die Archäologie in machtpolitischen Kämpfen des 19 Jh 4
1.3 Zwischenkriegszeit und Nationalsozialismus 6
1.4 Neuorientierung nach 1945 7
1.5 Die Archäologie nach 1960 8
1.6. Archäologie in den letzen 20 Jahren 9
2. Aktuell: Das kulturelle Erbe als Herausforderung und Last 10
3. Quellennachweis und Abkürzungsverzeichnis 13
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1. Themenschwerpunkte und Entwicklungsgeschichte
1.1 Das Zeitalter Winkelmanns
Die deutschsprachige Archäologie als Wissenschaftsdisziplin im späten 18. und frühen 19. Jh. erhielt ihre Prägung vor allem durch die Person Johann Joachim Winckelmanns (1717-1768), der gemeinhin als deren Begründer genannt wird. 1 Das Interesse an den Antiken war aber bereits in der Renaissance erwacht und spiegelte sich in den Antikensammlungen der römischen Villen und Paläste 2 , wobei diese bereits im 16. Jh. Ziel von Bildungsreisen der höheren Schichten Europas wurden. Im 18.Jh., besonders in der Zeit des Neoklassizismus erreichte dieses Interesse seinen Höhepunkt. Als prominentes Beispiel sei Goethe genannt. Auch hatten die Veröffentlichungen von Antiquaren zum gesteigerten Interesse beigetragen. 3 Winckelmann traf also bereits auf reges Interesse seitens der Gesellschaft. 1755 erschien seine Erstlingsschrift „Die Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ und wie der Titel schon vorwegnimmt, forderte Winckelmann von seinen Zeitgenossen nun die direkte Auseinandersetzung mit der klassischen Antike, um daraus ethische und ästhetische Normen für die eigenen Gesellschaft zu gewinnen, wobei die antiken Werke als Korrektiv für die Kunst der Gegenwart einzusetzen seien und zur Nachahmung inspirieren sollten. 4 Dies muss vor dem kulturgeschichtlichen Hintergrund eines zu Ende gehenden Absolutismus, des Aufkommens des Liberalismus mit seinen Menschen- und Bürgerrechten, und der Aufklärung gesehen werden. Die sich allmählich konstituierenden bürgerlichen Schichten verlangten nach Einflussnahme und neuen Idealen, die sie in der klassischen Antike, im Politischen wie Künstlerischen, fanden. Winckelmann konstruierte damit, wie Bernbeck es so treffend formuliert, eine „rückwärtsgewandte Utopie“ 5 für das deutsche Bürgertum, in dem er die angebliche Blütezeit der griechischen Kunst, das 5. und 4. Jh. mit der 1 dazu z.B.: Bernbeck 1997 15ff., Bruer 1994, Sichtermann 1996, Isler 1997 4ff.
2 siehe dazu: Kunze 1998 3 zu den verschiedenen Veröffentlichungen und ihre Schwerpunkten siehe die Zusammenstellung von W. Schiering, Zur Geschichte der Archäologie, in: Hausmann 1969, 11-22; zu den Interessensgebieten der französischen Antiquare siehe u.a.: A. Schnapp, French archaeology: between national identity and cultural identity, in: Dias- Andreu, 1996.
4 Winckelmann, Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1895 [1755]); Bernbeck 1997, 16.; Winckelmann selbst prägte eher die Literatur als die bildende Kunst und beeinflusste unter anderem Herder und Goethe; vgl. W. Schiering, Zur Geschichte der Archäologie, in: Hausmann 1969, 21.
5 Bernbeck 1997, 17.
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Epoche der politischen Freiheit verknüpfte und so zu einer Idealisierung des Griechentums beitrug. Weiters wurde eine Verwandtschaft zwischen den Deutschen und den Altgriechen postuliert, die das mangelnde Selbstbewusstsein der sich erst entwickelnden deutschen Nationalkultur stärken sollte. 6 Dementsprechend wurden auch in der Forschung die Schattenseiten der griechischen Antike, wie zum Beispiel die Sklaverei oder die Frauenfeindlichkeit nicht thematisiert.
Auch wenn Deutschland der Archäologie aus gesellschaftlichen Gründen dringend bedurfte, waren auch andere europäische Staaten längst nicht untätig geblieben. Als Winckelmann 1755 von Dresden nach Rom kam, waren in Herculaneum seit siebzehn Jahren und in Pompeji seit sieben Jahren Ausgrabungen durchgeführt worden. Neben dem Interesse an der Freilegung der Vesuvstädte kam um die Mitte des 18.Jh. die Beschäftigung mit der „griechischen Architektur in Unteritalien und Sizilien“ hinzu, wobei hier in Großgriechenland deutsche, englische, französische und italienische Archäologen gleichzeitig ihr Betätigungsfeld fanden. 7 Mitte des 18.Jh. rückt nun auch Griechenland, Syrien und Ionien mehr in den Mittelpunkt des Interesses. 8 Die Engländer forschten in Palmyra und Balbek/Heliopolis. In ganz Griechenland waren deutsche, englische und französische Archäologen an der Land und Antikenvermessung beteiligt.
1.2. Die Archäologie in machtpolitischen Kämpfen des 19. Jh.
In das beginnende 19.Jh fallen die zahlreichen Institutsgründungen der verschiedenen europäischen Länder und der USA im Ausland. 9 Was sich in dieser Phase deutlich abzeichnet, ist der Ehrgeiz jedes Landes, möglichst viele antike Kulturdenkmäler in die eigenen heimischen Museen zu verfrachten. Durch die Reise des Philipp Le Bas kamen die Friesblöcke vom dorischen Tempel von Assos und 1843 ein Teil des Frieses vom magnesischen Artemistempel in den Louvre. Charles Fellows reist nach Lykien und Charles Thomas Newtons Forschungen in Xanthos, Hallikarnass, Knidos und Didyma vermehren den Reichtum des British Museums um eine Vielzahl weiterer Stücke. Ins Kunsthistorische Museum nach Wien kamen Werke aus Samothrake, Gjoelbaschi
6 Bernbeck 1997, 18.
7 vgl. W. Schiering in: Hausmann 1969, 49-55.
8 vgl. ebenda
9 vgl. W. Schiering in: Hausmann 1969, 122.
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und Ephesos, 10 wobei diese zwischen 1896 und 1906 in sieben Transporte als Widmungen des Sultans Abdul Hamid II. an Kaiser Franz Joseph I. nach Wien gelangten. Im Jahre 1907 trat ein Antikengesetz in der Türkei in Kraft, dass jegliche Ausfuhr von Funden untersagte. 11 Dies soll nur anhand von einigen wenigen Beispielen illustrieren, wie stark sich in der archäologischen Forschung und dem Bestreben die heimischen Museen zu füllen, ein realpolitischer Machtkampf wiederspiegelte.
Diese Verbindung von Macht und Antike zeigt sich auch deutlich am Beispiel Frankreichs Napoleon, der seit seinem Putsch von 1799 der 1. Konsul der Französischen Republik war, nahm im Jahr 1804 den Kaisertitel an. Ähnlich wie der Konsuls-Titel auf antike Traditionen der römischen Republik verwies, nahm auch der Kaisertitel auf die antike römische Tradition des Militär-Kaisertums Bezug. Mit dem Aufkommen der Romantik fokussierte Frankreich, ähnlich wie dies in Deutschland mit den Germanen geschah, auf die Erforschung des gallischen Erbes. Als erstes nationalhistorisches Ereignis wurde die Niederlage in Alesia konstatiert. 12 Während sich Deutschland also auf die griechische Antike zur Identitätsstiftung besann, spannte Frankreich das römische Reich für Legitimationszwecke ein. Dass die Archäologie zeitgenössischen Strömungen entgegenkam, zeigt sich auch an der Rede „Die Griechen als Meister der Colonisation“, die Curtius zum Kaisergeburtstag im Jahre 1883 sprach- äußerst passend, in Zeiten der beginnenden deutschen Kolonialpolitik. 13 Die Forschungen des 19. Jh. waren weiters beeinflusst vom Historismus mit seinen Hauptvertretern Ranke, Droysen und Dilthey und der Psychologie, wobei die Kunsthistoriker Riegel und Wölfflin Begriffe wie „Kunstwollen“ und „Sehensweisen“ schufen. 14
10 vgl. W. Schiering in: Hausmann 1969, 55ff., 101-120.
11 vgl. Geschwantler 1995 12 vgl. A. Schnapp, French archaeology. Between national identity and cultural identity :in Diaz-Andreu 1996 48- 68.
13 A. H. Borbein, Klassischen Archäologie in Berlin vom 18. bis 20. Jh., in: W. Arenhövel- C. Schreiber (Hrsg.), Berlin und die Antike (1979), 102.; Bernbeck 1997, 20.
14 Bernbeck 1997, 21.
Quote paper:
Katrin Bernhardt, 2005, Wissenschaftsgeschichte der Klassischen Archäologie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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