1. Einleitung 3
2. Ziele, Aufgaben und Definition der Textlinguistik
3. Untersuchungsgegenstand: Kochrezepte
4. Status von Text, Textsorte und Textexemplar 5
5. Interne Merkmale: Initialbereich, Makrostrukturen,
Textfunktion, Instruktionsfunktion, Stil 7
6. Externe Faktoren 11
7. Beispiel: Kochrezept 12
8. Definition der Textsorte Kochrezept 12
9. Konklusion 14
10. Literatur 15
2
1. Einleitung
Die Sprachwissenschaft besitzt mit dem Zweig der Textlinguistik ein klares Ziel: Die Definition ihrer selbst durch die Bestimmung und Erfüllung ihrer verschiedener Aufgaben. In dieser Hausarbeit setze ich mir das Ziel, den Textsortenbegriff des Kochrezeptes näher zu bestimmen. Zuerst bedarf es der Erläuterung der Zielsetzungen der Textlinguistik. Danach werde ich kurz auf den Untersuchungsbereich an sich eingehen; dem werden Definitionen verschiedenen Fachtermini, unter Bezug auf verschiedene Autoren, folgen. Als weitere Schritte werden die Erklärungen von Internen Merkmalen und externen Faktoren folgen. Abschließend wird anhand eines Kochrezeptes ein konkretes Beispiel zur Feststellung der Eigenschaften eben dieser Textsorte behandelt.
2. Ziele, Aufgaben und Definition der Textlinguistik
Die Textlinguistik ist eines der jüngsten und daher eines der weniger erforschten Felder der Sprachwissenschaft. Dies soll nicht bedeuten, dass es seit seinem Aufblühen wenige Theorien bzw. eine große Einigkeit über etwaige Ansätze gäbe. Mit dem Beginn der intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema Textlinguistik Mitte der 60er Jahre wurde die Hierarchie des bis dahin geltenden sprachlichen Systems (Phonem, Morphem/Wort, Satzglied, Satz) sehr bereichert. Doch allem voran sollte geklärt sein, welche Ziele sich die Textlinguistik setzt. Die Aufgabe der Textlinguistik soll es sein, „das jeweilige sprachliche System durch Anwendung geeigneter (intersubjektiver) Methoden (Analyseverfahren, Operationen) aufzudecken, (strukturalistische Linguistik) bzw. die immanente Sprachkompetenz des idealen, d. h. hinsichtlich der Aspekte der Kommunikation indifferenten Sprecher-Hörers zu beschreiben (generative Transformationsgrammatik).“ 1 Zur Entstehung der Textlinguistik als ein weiteres Feld der Sprachwissenschaft ist festzustellen, dass sie sich in zwei theoretische Ansatzrichtungen aufgliedert 2 : Die Erstere der beiden ist die sprachsystematisch ausgerichtete Textlinguistik, der die strukturalistische Linguistik und die generative Transformationsgrammatik zugrunde liegt. Die zweite Richtung ist die der kommunikationsorientierten Textlinguistik, die die linguistische Pragmatik und die Sprechakttheorie (J.L. Austin, J. R. Searle) als Orientierungspunkt besitzt. Brinker stellt hierzu fest, dass diese beiden Grundpositionen nicht als alternativ sondern als komplementäre Konzeption verstanden werden sollen. 3
1
Definition nach Brinker 2001, S. 13
2
dazu im Einzelnen Brinker 2001, S. 12-20
3
Brinker 2001, S. 17
3
Jeglicher theoretische Ansatz in der Textlinguistik beschäftigt sich mit den vier verschiedenen Teildisziplinen 4 : Textsemantik (Bedeutung des Textes), Textpragmatik (Funktionen des Textes im Kontext), Textsyntax (Sprachliche Struktur eines Textes) und die Textphonetik (Phonetische Struktur eines Textes). Es ist demnach die Aufgabe der Textlinguistik, Texte zu analysieren, ihre Eigenheiten zu beschreiben und unter Verwendung dieser, eine Textsortenbestimmung vorzunehmen. Dies ist mitunter nicht immer einfach, da die jeweilige Textsortendefinition eben erst durch die Beschreibung und Interpretation der Eigenschaften verschiedener Texte, ob mündlich oder schriftlich realisiert, möglich wird. Die hier verwendeten „Text“-begriffe werde ich später in weiteren Definitionen noch konkretisieren.
3. Untersuchungsgegenstand: Kochrezepte
Der Untersuchungsgegenstand begrenzt sich auf das Kochen bzw. das Vermitteln von Kochkünsten. Die Idee des Kochens, auch wenn es uns nur als ein banaler alltäglicher Vorgang vorkommt, ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Spezies Mensch. Der geschichtliche Beginn der Vermittlung von Kocharbeitsinstruktionen lässt sich genauso wenig nachvollziehen wie der Beginn anderer Lehrvorgänge unserer Spezies. Dies ist auch nicht unbedingt von Nöten, da wir hier eine synchrone Betrachtung der Textsorte Kochrezept verfolgen und nicht eine diachrone, vergleichende Einsicht in die Entwicklung der Kochrezeptgeschichte bekommen wollen. Trotzdem ist festzuhalten, dass die Gründe von je her dieselben sind, warum der Mensch sich mit dem Verfassen bzw. Erklären von Kochrezepten beschäftigt. Da die Nahrungsaufnahme für den Menschen von imminenter natürlicher Wichtigkeit ist, empfiehlt es sich für diese Spezies, denn man kann ihr nur schlecht eine typische natürliche Umgebung zuordnen, die für den Fortbestand unabdingbare Versorgung mit Nahrung mit der Experimentierung, Archivierung und Erläuterung von Rezepten zu sichern, was in verschiedenen natürlichen oder auch künstlichen Umgebungen stark differiert. Damit hätte sich auch schon der Sinn hinter der Existenz von Kochrezepten erklärt. Doch welche Eigenschaften machen ein Kochrezept zu einem Exemplar eben dieser Gattung? Hierauf werde ich zum Schluss eingehen und zunächst erstmal den Status der verwendeten Termini erklären.
4
4. Status von Text, Textsorte und Textexemplar
Brinker stellt fest, dass es verschiedene Textdefinitionen gibt; eine allgemein akzeptierte Definition liegt bisher noch nicht vor. Seine eigene Definition besagt: „Der Terminus ‚Text’ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“ 5 Diese Definition kann in sprachlicher Hinsicht als solche nur unter der Saussureschen Betrachtung von sprachlichen Zeichen als einer bilateralen Einheit, d.h. der Verbindung von „signifié“ („Bezeichnetes“, „Bedeutung“, „Inhalt“) und „signifiant“ („Bezeichnendes“, „Form“, „Ausdruck“), bestehen. 6 Der Satz wird hierbei als wichtigste Struktureinheit des Textes angesehen. 7 Die Einheit „Text“ kann jedoch auch aus dem Blickwinkel der Kommunikativität gesehen werden. Hierbei tritt die kommunikative Funktion (Textfunktion) der Einheit „Text“ in den Vordergrund, wobei man den Begriff die illokutive Sprechakttheorie (Austin, Searle, Wunderlich) zugrunde legt. Nimmt man nun an, dass Texte begrenzte Satzfolgen darstellen, muss es folglich auch Textbegrenzungssignale geben, die als sprachliche und nicht- sprachliche Mittel auftreten. Brinker zählt zu ersteren Überschriften, Buchtitel, Einleitungs- und Schlussformeln u.a.. Nicht-sprachliche Mittel sind bestimmte
Druckanordnungskonventionen wie z.B. Buchstabengröße bei Überschriften oder Leerzeilenkontingent. Abgesehen von schriftlichen Textformen beinhaltet der Textbegriff auch sprachliche Gebilde, wobei diese dialogisch auftretenden Textformen (Gespräche) von der Gesprächslinguistik untersucht werden. Der monologische Text ist der Gegenstandsbereich der Textanalyse.
Textsorten betrachtet Brinker als Muster für komplexe sprachliche Handlungen, wobei diese auf Konventionen der Sprachgemeinschaft beruhen. 8 Diese Muster können anhand von kommunikativ-funktionalen, strukturellen und kontextuellen Merkmalen beschrieben werden. In der Textsortenlehre wird, wie in schon oben (für die Textlinguistik) erwähnt, die Unterscheidung in zwei Hauptforschungsrichtungen festgestellt: Erstens: Der sprachsystematisch ausgerichtete Forschungsansatz, orientiert sich an strukturellen bzw. grammatischen Merkmalen, um eine Beschreibung und Abgrenzung von Textsorten zu erreichen.
Zweitens: Der kommunikationsorientierte Forschungsansatz, der die Textsorteneinteilung unter kommunikativ-funktionalen Aspekten betreiben will.
5
Brinker 2001, S. 12
6
ebd. S. 15 ff
7
ebd. S. 18 f
8
ebd. S. 135 f
5
Quote paper:
Stephan Vierkant, 2004, Textsorte Kochrezepte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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