Inhalt:
Abstract 3
1 Interviewtypen im Journalismus 3
1.1 Das Recherchen-Interview (Befragung) 4
1.2 Das Reportagen-Interview. 4
1.3 Das Interview als Darstellungsform 5
2 Die Art der Fragen 7
2.1 Grundtypen: Offene und geschlossene Fragen. 7
2.2 Sonderformen 8
3 Durchführung des Interviews. 10
3.1 Vorbereitung und Kompetenz 10
3.2 Obligatorische Regeln der Interviewführung 11
4 Die andere Seite: Der Empfänger 13
5 Praxis des Interviews 15
5.1 Nonverbale Kommunikationen 18
5.2 Zusammenfassung der erlernten Kompetenzen 20
6 Literatur: 21
2
Abstract
Die Ansätze zum Thema Interview, die im Folgenden vorgestellt werden, beleuchten die journalistische Arbeit von allen relevanten Seiten: Es geht um mögliche Formen des Interviews, sowie die journalistischen Regeln, die eingehalten werden müssen, um ein erfolgreiches Gespräch zu führen. Was führt dazu, dass der Rezipient einem Interview folgt oder abschaltet? Inwiefern spielt Psychologie eine Rolle innerhalb der Interviewführung? Ansätze zur Klärung dieser Fragen, liefern die im folgenden Beitrag vorgestellten Techniken und Erfahrungswerte. Weiterhin soll festgestellt werden, welche Rolle nonverbale Kommunikation spielt. Es folgt der praktische Bezug zum Thema anhand eines Erfahrungsberichts. Eigene Erfahrungswerte fließen auch im theoretischen Teil mit ein.
1 Interviewtypen im Journalismus
Es gibt viele Möglichkeiten Interviews zu klassifizieren, zum Beispiel nach dem Medium, oder der Art der Aufnahme ( live, Aufzeichnung). Ebenso kann unterschieden werden nach Arten der Befragung ( Interview zur Sache, Interview zur Person). Das Interview kann die Aufgabe haben, über einen nicht strittigen Sachverhalt zu informieren, zum Beispiel den Beruf eines Bahnschaffners. Es kann aber ebenso dazu dienen, die Begründung für eine umstrittene Entscheidung herauszufinden, wie die Erhöhung der Fahrpreise. Hier unterscheidet man zwischen Informations-Interviews und kontroversen Interviews. 1
Haller unterscheidet je nach Informationszweck, drei journalistische Interviewtypen (vgl. Haller 1997, 135 ff):
1 Geläufige Unterscheidung, u.a. zu finden in Friedrichs und Schwinges 1999/ 2000, 3 ff.
3
1.1 Das Recherchen-Interview (Befragung)
Hier wird das Interview als Instrument der Informationsbeschaffung, im Rahmen einer Recherche genutzt. Der Journalist 2 ist an der Aufklärung bestimmter Sachverhalte und Vorgänge interessiert. Seine Interviewpartner sind solche Personen, deren Rolle und/ oder Wissen für die Klärung nützlich zu sein versprechen. Es geht um den Erwerb möglichst sachdienlicher Informationen und nicht um die Darstellung einer Persönlichkeit.
Ebenso zweitrangig ist der Gesprächsverlauf. Es zählt vielmehr das Ergebnis. Meistens findet diese Art von Interview telefonisch statt. Es ist eine viel genutzte Interviewform beim Hörfunk. Der I kann das Befragungsergebnis, also die erhaltenen Aussagen, als neu gewonnene Sachverhalte (sofern die Informationen überprüft wurden) und/ oder als Zitate des Befragten 3 verwenden. Letzteres geschieht, wenn die Aussagen subjektiv ausfallen, oder unüberprüft bleiben.
1.2 Das Reportagen-Interview
Dieses Interview dient als Hilfsmittel, um Geschichten zu erfahren und um Menschen näher kennen zu lernen.
Tatsächlich besteht das (primäre) Interviewziel des Reporters nicht in der Datenbeschaffung zur Klärung eines Sachverhalts, es gilt vielmehr der Selbstdarstellung der in dem Thema handelnden Personen (Haller 1997, 138).
Geht es um Reportagen, hat der I weitaus mehr Verantwortung für sein Gegenüber, als ihm Fragen zu stellen. Der I muss eine gewisse Nähe zum B aufbauen. Hierbei bewegt sich der I immer auf zwei Ebenen: Einer informativen und einer emotionalen (vgl. Friedrichs und Schwinges 1999/ 2000, 3).
Geht es um Emotionen, heißt dies für den B gleichzeitig, dass er sich einem Fremden, dem I, öffnen muss. Das ist wiederum nur möglich, mit einem gewissen Maße an Vertrauen.
2 Im Folgenden bezeichnet als I (Interviewer/in)
3 Im Folgenden bezeichnet als B (Befragte/r)
4
Es stellt sich die Frage, woher der B die Sicherheit vermittelt bekommt, dass der I ihn nicht für journalistische Zwecke ausfragt, um Intimitäten zu veröffentlichen. Aus journalistischer Sicht gibt es variable Möglichkeiten, um beispielsweise in einem Vorgespräch, diesen Zweifeln aus Sicht des B, Abhilfe zu schaffen: Das gegenseitige Verständnis ist zunächst einmal Grundlage einer guten Gesprächsbasis. Der I muss Verständnis haben für die Grenzen, die der B ihm setzt („Darüber möchte ich nicht sprechen“). Ebenso muss der B verstehen, dass der I möglichst viele und inhaltlich wertvolle Informationen braucht, um authentisch berichten zu können. Dazu muss auch gesagt werden, dass der B sich auf eine Anfrage eingelassen hat, er hätte ein Gespräch ebenso ablehnen können (im Gegensatz zu einem Pressesprecher o.ä., der zur Auskunft verpflichtet ist). Der B kann weiterhin unterstützt werden, indem der I sich dezent an den Kern des Themas beziehungsweise Interesses herantastet. Oft werden Gespräche deshalb oberflächlich begonnen, indem man beispielsweise über die Herkunft des B, oder den Produktionsort der Sendung spricht.
Je schlechter die emotionale Beziehung zwischen beiden Seiten ist, je größer die Anspannung oder Angst, desto schwieriger wird der I sein Informationsziel erreichen, nicht zuletzt, weil Fragen und Antworten unklar ausfallen werden.
1.3 Das Interview als Darstellungsform
Bei dieser Form des Interviews geht um drei Hauptmerkmale (vgl. Haller 1997, 140 ff).
Das erste Hauptmerkmal ist die Beziehung zwischen dem B und dem I. Die eine Seite verlangt durch den Sprachgestus der anderen Seite Aussagen ab, die wiederum zu neuen Antworten führen. Diese Form des Interviews folgt einer Art kommunikativem Rollenspiel. Hierbei gibt es bestimmte Regeln: Der B stellt sich dem Interview aus freien Stücken. Weiterhin bleiben die Aussagen immer an die Person gebunden und werden auch immer in Zusammenhang mit der Sprechsituation dargestellt (Interview mit dem Augenzeugen einer Katastrophe). Das zweite Hauptmerkmal zeigt auf, dass die Gesprächssituation (Ort, Zeit, Umstände) Identifikator des Interviews ist.
5
Im Gegensatz zur Frage-Antwort Form, gibt es auch die Möglichkeit für den Journalisten, berichtend nachzuerzählen. Diese Variante kommt den Radio-Journalisten zu Gute, da durch das Nacherzählen der Situation, Atmosphäre geschaffen werden kann. Der Fernseh-Journalist wird ein Rollenspiel bevorzugen, da er auch Bilder sprechen lassen kann, die ihm den Vorteil verschaffen, dass er diese durch ein Interview nur untermalen muss, der Rezipient 4 den Sachverhalt aber auch ohne dies verstehen würde.
Das dritte Hauptmerkmal des Interviews als Darstellungsform ist seine doppelte Aussageleistung. Zum einen orientiert es darüber, was gesagt wird; und zum anderen zeigt es auf, wie die Aussagen zustande kommen. Die Zuschauer/ Hörer des gestalteten Interviews, nehmen an der Aussagenproduktion teil. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Verdopplung der Interviewsituation das Hauptmerkmal des journalistischen Interviews ist: Der persönliche Dialog wird auch immer publik gemacht, ist immer ein öffentliches Event.
Die Frage liegt nahe, welches Hauptziel das journalistische Interview verfolgt. Nun lassen sich aber alle Fragetechniken und- ziele schwer auf ein solches zusammenstreichen. Vielmehr dienen sie unterschiedlichen Vermittlungszielen: Entweder kann eine Person im Mittelpunkt stehen, oder aber eine Sache/ das Thema und oft sind es auch beide zugleich.
Haller sagt zusammenfassend über das journalistische Interview:
Stets soll das Interview auf möglichst unterhaltsame Art nicht nur Wissen und Meinungen, sondern auch die Denkweise(n) bemerkenswerter oder für die Sache aufschlussreicher Personen als Argumentationsfolge in einer authentischen Form zur Darstellung bringen (Haller 1997, 238)
4 Im Folgenden bezeichnet als E (Empfänger/in)
6
Arbeit zitieren:
Ellen Schneider, 2006, Rhetorik des Interviews - Theoretische und praktische Ansätze des journalistischen Interviews, München, GRIN Verlag GmbH
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