Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen
Einleitung
Im Folgenden werde ich zwei Passagen aus dem Werk „Empirische Sozialforschung“ von ANDREAS DIECKMANN näher beleuchten.
In der ersten Passage geht DIECKMANN auf drei Problematiken ein: die Probleme der selektiven Wahrnehmung, die Probleme der Prüfung von Hypothesen und die Werturteilsprobleme. In der zweiten Passage geht DIECKMANN auf Variablen, Hypothesen, Theorien und Modelle und im Anschluss auf die verschiedenen Arten von Sätzen und den Informationsgehalt ein.
Wahrnehmungsprobleme
„[Die] Wahrnehmung ist nicht selten trügerisch“ (DIECKMANN 2000: 40) führt Dieckmann sein Kapital an. Diese Erkenntnis untermauert er zugleich mit verschiedenen Beispielen, die nachvollziehbar darstellen, dass eine hohe Affinität des Beobachters vorliegt, zusammenhänge zu entdecken, wo keine existieren (Pseudo-Regelmäßigkeiten) (DIECKMANN 2000: 41 ff.). Die subjektive Wahrnehmung kann hierbei auch von externen Einflüssen, wie Erwartungen, Werte und soziale Konformität gesteuert werden (erwartungsabhängige und hypothesengesteuerte Beobachtung), was besonders bei der Prüfung von Zusammenhängen zu Problemen führen kann. Falsifizierende Beobachtungen werden ignoriert oder uminterpretiert (Methode der Dissonanzreduktion). Dadurch entsteht der Bestätigungsbias. Ein weiterer Mechanismus (besonders im sozialen Bereich) ist die Effekt der ‚selffulfilling prophecy’: die falsche Hypothese wir auf Grund einer falschen Prognose bestätigt (DIECKMANN 2000: 47). Ein Kontrollmechanismus, der dieses Fehlerrisiko minimiert, stellt die Kreuztabelle dar (DIECKMANN 2000: 49). Eine weitere Fehlerquelle bilden Deduktionsfehler (unlogische Schlüsse), wobei intuitives Denken (insbesondere bei Wahrscheinlichkeiten) sehr häufig zu fehlerhaften Schlussfolgerungen führt (DIECKMANN 2000: 51). Methoden dienen hierbei zur Ausblendung oder zumindest zur Minderung der Verzerrungseffekte. Probleme bei der Prüfung von Hypothesen
Exemplarisch für die Problematik bei der Prüfung von Hypothesen verwendet DIECKMANN die Debatte über den Einfluss von Gewaltszenen in den Medien auf die Kriminalität Jugendlicher und drei damit verbundenen Hypothesen, wobei
2
Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen
Gewaltszenen als unabhängige Variable und Aggressionshäufigkeit bei Zuschauern als abhängige Variable festgesetzt werden 1 .
Selbstselektion stellt hierbei das erste Problem dar: dessen Effekte können als Kausaleffekte missdeutet werden. Abhilfe verschafft eine Zufallsverteilung der Probanden.
Eine weitere Fehlerquelle sind Versuchsleitereffekte: der Versuchsleiter und die Mitarbeiter könnten unbewusst, durch verbale Äußerungen, Mimik, Körpersprache) die Probanten beeinflussen. Zu lösen ist dies durch einen Doppelblindversuch, bei dem die zu überprüfenden Hypothesen oder Versuchsbedingungen keiner Kontaktperson bekannt sind. (DIECKMANN 2000: 56). Doch beide Methoden verringern nur die Fehlerwahrscheinlichkeit und schließen sie nicht hundertprozentig aus, besonders bei einem integrierten Verbund von Hypothesen (Theorien). „Bei nicht-experimentellen Studien stellt sich immer das Problem möglicher Einflüsse von ‚Drittvariablen’“ (DIECKMANN 2000: 57). Ein Extremfall ist die Scheinkorrelation, bei der ein nicht-kausaler Zusammenhang zwischen zwei Variablen durch eine Dritte kausal produziert wird.
Bei den Methoden gibt es allerdings keinen „Königsweg“- nur mehrere Studien, mit unterschiedlichen Methoden und dem gleichen Ergebnis, bilden eine einigermaßen sichere Erkenntnis, aber keine Hundertprozentige (DIECKMANN 2000: 59). Werturteilsproblem und Forschungsethik
Werturteile sind präskriptive Sätze, die eine Handlung vorschreiben oder bewertenim Unterschied zu empirischen Aussagen (DIECKMANN 2000: 64 f.). Werturteile müssen kenntlich sein und sind auch kein Indiz für unwissenschaftliche Arbeiten. Hierbei lässt sich noch hinzufügen, dass zum einen Annahmen und Werturteile die Forschung nicht beeinflussen dürfen und zum Anderen, es eine forschungsethische Verpflichtung für die Wissenschaftler gibt (Stichwort Wissenschaftskriminalität). Methodische Schritte müssen genau aufgeführt sein um eine größtmögliche Transparenz zu schaffen, die aber gleichzeitig nicht gegen die Persönlichkeitsrechte etwaiger Versuchspersonen verstößt (DIECKMANN 2000: 74 f.), auch im Hinblick auf den Ethik-Kodex, welcher die forschungsethischen Regeln umfasst. Kritisch ist hierbei jedoch das Prinzip der informierten Einwilligung zu betrachten, welches zum einen vorsieht, den Probanten sobald wie es der Versuch zulässt über das Ziel des
1 H1 kein Zusammenhang; H2 Katharsishypothese; H3 Beobachtungslernen.
3
Arbeit zitieren:
Swen Klingelhöfer, 2006, Zu: Dieckmann (2000): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen: Reinbeck bei Hamburg. Seiten 40 bis 76 und 100 bis 159, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Strukturmerkmale von Paarbeziehungen auf der Grundlage von Hartmann Ty...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
Grundlagen und Bedeutung der Arbitrage Pricing Theorie
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit, 29 Seiten
Armenien und Russland – eine Partnerschaft mit Zukunft?
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Wissenschaftlicher Aufsatz, 9 Seiten
Corporate Social Responsibility - Der Markt mit der Moral
„Greifen Sie zu! Das Produkt m...
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Magisterarbeit, 109 Seiten
Brautpreis - Definitionen, Fallbeispiele und Vergleich
Seminararbeit, 12 Seiten
Adam Smith - Betrachtungen zu seiner ökonomischen Theorie und deren Ei...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 20 Seiten
Globalisierung und ihre möglichen Auswirkungen auf kulturelle Identitä...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Theorie und Strategien des Portfoliomanagements
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Studienarbeit, 34 Seiten
Das Frauenbild in den Medien - weibliche Identitätsbildung durch den E...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 23 Seiten
Mitarbeitermotivation - Eine Herausforderung für die Führung in intern...
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 16 Seiten
Kann Soziale Arbeit eine Menschenrechts-Profession sein?
Ethische Orientierung Sozialer...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 25 Seiten
Zu: Pierre Bourdieu - Die feinen Unterschiede
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Swen Klingelhöfer hat den Text Zu: Dieckmann (2000): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen: Reinbeck bei Hamburg. Seiten 40 bis 76 und 100 bis 159 veröffentlicht
Swen Klingelhöfer hat einen neuen Text hochgeladen
Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden in der empiris...
Theoretische Grundlagen und me...
Udo Kelle
Komparative empirische Sozialforschung
Anwendungsfelder und aktuelle ...
Tilo Beckers, Jörg Hagenah, Ulrich Rosar, Klaus W. Birkelbach
Praxisbuch Empirische Sozialforschung
in den Erziehungs- und Bildung...
Hannelore Reicher, Hubert Stigler
0 Kommentare