Gliederung
Gliederung 2
1. Einleitung. 3
2. Was gibt einem Zeichen Leben? 4
3. Geistigen Vorgänge und innere Bilder? 5
4. Naturwissenschaftliche und philosophische Fragen 6
5. Denken als innerer Vorgang. 8
6. Das Beispiel des Rutengängers 11
7. Das Lernen einer Regel 13
8. Fazit 15
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1. Einleitung
Ludwig Wittgenstein hat sich auf sehr vielfältige Weise mit fast allen grundlegenden Fragen der Philosophie befasst. Er ist als einer der wichtigsten und eigenständigsten Denker des 20. Jahrhunderts anerkannt, und während seine Arbeiten im engeren Sinne in den Bereich der Logik und Sprachphilosophie gehören, zielte sein Denken doch immer über diesen Bereich hinaus und gewann in allen Bereichen der Philosophie enorme Bedeutung. Das Blaue Buch entstand zu der Zeit, in der Wittgenstein sich wieder der Philosophie zuwandte und dabei Ansichten entwickelte, die sich in großem Maße sowohl von seinem eigenen bisherigen Denken, als auch von der gesamten traditionellen Philosophie unterschieden. Traditionellerweise wird dies als Wittgensteins Spätphilosophie bezeichnet und dem Blauen Buch (neben dem Brauen Buch) hierbei die Rolle zugewiesen, den ersten Versuch einer konsistenten Niederschrift dieser neuen Sichtweisen darzustellen. Diese Rolle als eine Art Übergangswerk, das außerdem nur als Hilfestellung für einige wenige Studenten gedacht war, ist wohl vor allem dafür verantwortlich, dass das Blaue Buch noch mehr als die meisten seiner anderen Schriften einen suchenden, auf den ersten Blick wenig stringenten Eindruck hervorruft. Dies macht das Studium des Buches einerseits recht schwierig, insbesondere dann, wenn man sich von der Lektüre eine Korpus fest gefügter Thesen und Theorien erwartet. Gleichzeitig gibt es dem Gedankengang aber auch oft eine größere Lebendigkeit und eröffnet dem eigenen Mitdenken größere Freiheiten als dies bei vielen anderen philosophische Werken der Fall ist. Man könnte vielleicht sagen, dass es nicht unbedingt die fest gefügten neuen Antworten sind, die vor allem den Wert dieses Buches ausmachen, sondern eher eine neue Art und Weise, zunächst einmal überhaupt die Fragen zu stellen.
Die folgenden Ausführungen versuchen, dem gerecht zu werden. Ziel war es einerseits, die unterschiedlichen Aspekte des vorliegenden Abschnitts nicht gewollt in einen einheitlichen Gedankengang zusammenzupressen, gleichzeitig aber trotzdem den roten Faden, der die verschiedenen Aspekte verbindet, erkennen zu lassen.
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Ausgangspunkt und Hauptthema des Abschnitts sind hierbei Überlegungen darüber, was wir unter „Denken“ zu verstehen haben. Dies scheint zunächst eine merkwürdige Frage zu sein. „Denken“ ist ein so alltägliches Wort, dass wir uns kaum damit aufhalten wollen, viele Worte hierüber zu verlieren. Üben den Prozess aber, den dieses Wort beschreibt, fallen uns unweigerlich eine große Menge Fragen ein.
Was ist es eigentlich, was denkt, wenn wir denken? Und wo findet das statt? Können wir nur in der Form von Sprache denken? Denken wir ununterbrochen? Und wie kommt es zustande, dass wir gerade dies denken und nicht etwas anderes?
Weitere Fragen dieser Art ließen sich ohne Schwierigkeiten finden, und so neigen wir zu der Ansicht, dass es doch ein sehr dunkler Prozess ist, den wir „Denken“ nennen. Dies ist wahrscheinlich eine sehr natürliche Vorstellung, aber Wittgenstein ist der Meinung, dass sie völlig falsch und verwirrend ist, und es ist eines der Hauptanliegen dieser Arbeit, zu zeigen warum dies seiner Meinung nach so ist.
2. Was gibt einem Zeichen Leben?
Es ist eine scheinbar recht simple Frage, von der Wittgensteins Überlegungen über das Denken und den Ort des Denkens ausgehen. Diese Frage lautet: Was ist es, das den an sich toten Zeichen unserer Sprache Leben gibt?
Was soll das zunächst einmal heißen? Auf welche Weise kann man sagen, dass die Zeichen unserer Sprache tot sind?
Wir können dies vielleicht so ausdrücken: Zunächst scheint ein Satz nicht mehr zu sein als eine Ansammlung von Strichen auf einem Blatt Papier, oder eine Folge von Schallwellen, die durch das Zusammenwirken von Gaumen, Kehlkopf und Zunge im Mund entstehen. Wenn sie aber nur dies wären, wüssten wir nicht, wie wir es erklären sollten, dass wir mit diesen Zeichen so viele geheimnisvolle Dinge tun können. So können wir z.B. einen Sachverhalt in der Welt sprachlich abbilden, oder sogar Sachverhalte darstellen, die in der Welt gar nicht der Fall sind. Oder wir können mit einem Namen einen Menschen meinen, der gar nicht anwesend oder sogar schon tot ist, und viele solcher Dinge mehr. Hätten wir nur die Striche und Schallwellen, dann könnten wir dies alles kaum erklären.
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Jede andere Lautfolge, so glaubt man sagen zu müssen, könnte als das tun, was das Wort „Mensch“ tut. Was aber sollte in dem Zeichen selbst dafür verantwortlich sein? Irgendetwas geheimnisvolles scheint an den Zeichen zu sein, das sie zu mehr macht als sie eigentlich sind. Genau dies ist der Grund, warum wir nach der Bedeutung eines Wortes fragen. Und dasselbe fragt sich auch Wittgenstein, wenn er nach dem sucht, was einem Zeichen Leben gibt. Die Frage also zielt darauf, herauszufinden, was es ist, das ein Zeichen noch mehr enthält, wenn es nicht bloß eine Ansammlung von Strichen oder eine Abfolge von Lauten sein kann.
3. Geistigen Vorgänge und innere Bilder?
Die naheliegendste Antwort auf dieses Problem besteht darin, etwas zu sagen wie: Es sind nicht die Zeichen selbst, die uns eigentlich interessieren, sondern diese Zeichen sind nur das Vehikel für die geistige Prozesse des Denkens, Meines und Verstehens, und nur in dieser Funktion haben die Zeichen eine Bedeutung. Eigentlich also sollten wir uns nicht mit den Zeichen selbst, sondern mit diesen geistigen Prozessen beschäftigen. Wittgenstein charakterisiert diese Sichtweise als ein psychologisches Modell, in dem die Bedeutung eines Zeichen darin liegt, in dem Verstehenden (assoziativ) bestimmte geistige Bilder auszulösen. Das Entstehen solcher innerer Bilder würde also das Verstehen eines Zeichens ausmachen.
Für Wittgenstein ist diese Vorstellung aus zwei Gründen ungenügend. 1 Zum einen ist es zwar möglich, dass wir solche inneren Bilder gelegentlich haben, aber es ist nicht der Fall, dass wir sie immer haben, wenn wir ein Zeichen verstehen. Vor allen Dingen aber könnte dies das Problem, das wir haben, nicht lösen.
Wir können uns dies, so Wittgenstein, durch ein einfaches Experiment klarmachen. Wenn wir das Wort „rot“ hören, können wir uns vorstellen, dass kein inneres Bild in unserem Geist erscheint, sondern dass wir stattdessen ein rotes Stück Papier betrachten. Führen wir auf diese Weise das geistige Bild auf einen realen Gegenstand zurück, dann wird schnell klar, dass hiermit das Problem nicht verschwindet. Ist das Zeichen alleine tot, dann kann es auch nicht in Verbindung mit einem gemalten Bild Leben erhalten.
1 Möglicherweise macht es sich Wittgenstein im Folgenden ein wenig zu einfach. Ist es nicht z.B. möglich, dass
geistige Prozesse auch in anderer Form als in der Form von Bildern, die in unserem Inneren erscheinen,
ablaufen? Zu zeigen, dass unser Verstehen nicht von geistigen Bildern begleitet sein muss, heißt also vielleicht
noch nicht unbedingt, zu widerlegen, das Verstehen in irgendeiner Weise mit geistigen Prozessen zu tun hat.
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Arbeit zitieren:
Benjamin Möckel, 2006, Wittgenstein über geistige Vorgänge zu Beginn des Blauen Buches, München, GRIN Verlag GmbH
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