Gliederung
1 Einleitung 2
2 Was ist das Thema der Erzählung Mk 9,14-29? 3
2.1 Textgrundlage. 3
2.2 Gliederung des Textes 4
2.2.1 Grobgliederung. 4
2.2.2 Feingliederung 4
2.3 Textanalyse. 6
2.3.1 Abgrenzung des Textes 6
2.3.2 Sprachlich-Syntaktische Analyse 6
2.3.3 Narrative Analyse 7
2.4 Die Gattung des Textes 12
2.5 Glauben und Unglauben 14
2.5.1 Das Versagen der Jünger 14
2.5.2 Unglaube und Glaube beim Vater des Besessenen 15
2.6 Aussage und Thema 16
2.7 Kontextstellung und Lesererwartung 17
3 Resümee 20
4 Literaturverzeichnis 21
4.1 Kommentare und Hilfsmittel 21
4.2 Sekundärliteratur 21
1
1 Einleitung
Was ist eigentlich „Glauben“? Würde man eine Umfrage zu diesem Thema durchführen, hätte man am Ende wohl die berüchtigten elf Antworten von zehn verschiedenen Leuten bekommen. Leicht lässt sich sagen an wen man glaubt: Der eine an Gott, der andere glaubt niemandem und der nächste an Angela Merkel.
Diese Problematik kommt nicht von ungefähr: Das Thema „Glauben“ ist zwar ein zentrales Thema christlicher Spiritualität - man könnte also annehmen dass so ziemlich jeder Christ annähernd dasselbe darunter verstehen müsste - aber weit gefehlt! Sogar religionsphänomenologisch lässt sich keine erschöpfende Definition des Wortes finden. Berger stellt fest, dass es das größte Hindernis für ein angemessenes Verständnis von (neutestamentlichen) Aussagen über Glauben ist, dass in unserem Kulturkreis „Glauben“ sehr oft für Christentum überhaupt steht. 1 Da in der Regel jeder unter „Christentum“ etwas anderes versteht, andere Erfahrungen und Gefühle damit verbindet, ist es wohl auch mit dieser Definition Bergers nicht getan.
An diesem Beispiel wird aber deutlich, warum es so viele verschiedene Auslegungen der neutestamentlichen Erzählungen gibt: jeder verbindet etwas anderes mit den Worten die er da zu lesen bekommt. Daraus ergibt sich, dass es viele unterschiedliche Meinungen zum Hauptthema einer Perikope geben kann.
Auch bei der in dieser Arbeit zu behandelnden Geschichte vom besessenen Jüngling (Mk 9,14-29) ist das so. Sehr oft tritt dort das oben besprochene Glaubensmotiv auf. Allein von der Quantität eines Themas kann man aber noch nicht darauf schließen, dass es sich um das Hauptthema handelt. Deshalb sollen im Folgenden, ausgehend von Gliederung und Analyse des Textes, die Glaubensmotive, die anderen Themenvorschläge für die Erzählung und die konzeptionelle Einordnung der Geschichte in das Erzählkonzept des Markus beleuchtet werden, um das Thema tatsächlich sicherer bestimmen zu können.
1 Vgl. Berger, Historische Psychologie, S.225.
2
2 Was ist das Thema der Erzählung Mk 9,14-29?
2.1 Textgrundlage
Da ich der griechischen Sprache lediglich lesekundig bin, ist die folgende
Übersetzung aus dem Kommentar Lührmanns 2 zitiert. 3 14 Und sie kamen zu den Jüngern und sahen viele Leute bei ihnen und Schriftgelehrte mit ihnen disputieren. 15 Und alle Leute sahen ihn und erschraken sofort, und sie liefen ihm entgegen und begrüßten ihn. 16 Da fragte er sie: „Was disputiert ihr mit ihnen?“ 17 Und einer von den Leuten antwortete ihm: „Lehrer, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht, der einen sprachlosen Geist hat. 18 Und wo immer er ihn packt, reißt er ihn, und er schäumt und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe zu deinen Jüngern gesagt, daß sie ihn austreiben sollten, und sie konnten nicht.“ 19 Er aber antwortet und sagt zu ihnen: „Oh ungläubiges Geschlecht, bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringt ihn zu mir!“ 20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und als der Geist ihn sah, riß er ihn sofort zusammen, und er fiel zu Boden und wälzte sich schäumend. 21 Da fragte er seinen Vater: „Wie lange geht das schon so mit ihm?“ Er aber sagte: „Von Kindheit an. 22 Und oft hat er ihn auch ins Feuer geworfen und ins Wasser, um ihn zu vernichten. Aber wenn du kannst, hilf uns aus Erbarmen mit uns!“ 23 Jesus aber sagte zu ihm: „Was soll das: ‚wenn du kannst’?
2 Zitiert aus: Lührmann, Markusevangelium, S.159.
3 Diese Übersetzung erschien mir insgesamt gesehen bei den meisten Stellen des Textes gut gelungen, wie sich am folgenden beispielhaften Vergleich der Übersetzung aus verschiedenen Kommentare des ersten Teils von 9,24, in dem der Vater sehr heftig seinen Glauben als unmittelbare Reaktion auf die Worte Jesu zum Ausdruck bringt, zeigt: Lührmann übersetzt hier m.E. am treffendsten mit „Sofort schrie der Vater“. Gnilka, Markus, S.44; Schmithals, Markus, S.406; Grundmann, Markus, S. und Schweizer, Markus, S.101 übersetzen mit „Sogleich schrie der Vater“, was die doch wohl sehr plötzliche Reaktion in meinen Augen zumindest abschwächt. Pesch, Markus, S.85 übersetzt ähnlich abschwächend mit „Gleich schrie der Vater“ und Kertelge, Markus, S.92 übersetzt gar mit „Da rief der Vater“ Auch hier kommt die in meinen Augen die plötzliche Reaktion stark abgeschwächt daher, zudem ist die heftige Reaktion durch „rief“ nicht passend wiedergeben. Ebenso unpassend ist die Übersetzung bei van Iersel, Markus, S.30 mit „Sogleich rief der Vater“. Am passendsten, neben der von mir gewählten Übersetzung, erschien mir insgesamt noch van Iersel, Mark, S.301 der treffend mit „Immediately the father […] cried out“ übersetzt. Es lassen sich darüber hinaus noch weitere Beispiele finden, in denen die Übersetzungen variieren.
3
Alles ist möglich dem der glaubt.“ 24 Sofort schrie der Vater des Kindes und sagte: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ 25 Als Jesus sah, daß das Volk zusammenläuft, bedrohte er den unreinen Geist und sagte zu ihm: „Sprachloser und tauber Geist, ich befehle dir: fahre aus ihm aus, und kehre nicht mehr in ihn zurück!“ 26 Da schrie er auf, riß ihn vielmals und fuhr aus, und er wurde wie tot, so daß viele sagten: „Er ist gestorben.“ 27 Jesus aber faßte ihn an der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.
28 Und als er ins Haus ging, fragten ihn seine Jünger allein: „Warum konnten wir ihn nicht austreiben?“ 29 Da sagte er zu ihnen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren, außer durch Gebet.“
2.2 Gliederung des Textes
2.2.1 Grobgliederung
Der Text lässt sich literarisch in sechs Teile zerlegen: (1) Exposition/Hinführung (9,14-16); (2) Antwort des Vaters (9,17-18); (3) Jüngerschelte (9,19); (4) Dialog (9,20-24); (5) Wunderhandlung (9,25-27) und (6) Jüngerbelehrung (9,28 - 29). 4
2.2.2 Feingliederung
Mit einer Grobgliederung lässt sich die Textstruktur nicht hinreichend beschreiben. Daher nun im folgenden der Versuch einer Feinstrukturierung: 5
4 Vgl. van Iersel, Mark, S.301-303. Vgl. im Gegensatz dazu u.a. Kertelge, Markusevangelium, S.90f. [1. Doppelte Einleitung (a: 9,14-16 - verbindende Schilderung der Ausgangssituation; b: 9,17-19 - Vorstellung des konkreten Falls/Exposition); 2. Eröffnung des Exorzismus (9,20); 3. unterbrechender Dialog/Glaubensthema (9,21-24); 4. Ausführung des Exorzismus (25-27); 5. Angehängte Jüngerbelehrung (28-29) ]; Pesch, Markus, S.86 [1. erste Handlungsschilderung/szenische Eröffnung (9,14-15), 2. erste Wechselrede (9,16-19), 3. zweite Handlungsschilderung (9,20), 4. zweite Wechselrede (9,21-24), 5. dritte Handlungsschilderung (9,25-27), 6. Sonderbelehrung (9,28-29) ]; Nicklas, Formkritik, S.503 [1. Einleitung/Exposition (9,14-19b); 2. Heilung (9,19c-27); 3. Jüngergespräch (9,28-29)]; Gnilka, Markus, S.45 [1. Überleitung (9,14-16); 2. Exposition (9,17-19); 3. Dialog (9,20-24); 4. Heilungsschilderung (9,25-27); 5. Epilog (9,28.29)]
5 Vgl. Nicklas, Formkritik, S.503f.
4
(1) Exposition/Hinführung
Rückkehr 9,14 Reaktion der Menge 9,15 Frage Jesu an Jünger 9,16
(2) Antwort des Vaters 9,17-18
(3) Schelte
Scheltworte 9,19ab Befehl 9,19c
(4) Dialog
Befehlsausführung 9,20a Reaktion des Dämons 9,20bc Frage Jesu 9,21ab Antwort des Vaters 9,21c-22 Antwort Jesu 9,23 Antwort des Vaters 9,24
(5) Wunderhandlung
Ausfahrbefehl 9,25 Reaktion des Dämons 9,26a Beschreibung des Jungen 9,26b Reaktion von Vielen 9,26c Bestätigung der Heilung 9,27
(6) Jüngerbelehrung
Frage der Jünger 9,28 Antwort Jesu 9,29
5
Arbeit zitieren:
2006, Was ist das Thema der Erzählung Mk 9,14-29?, München, GRIN Verlag GmbH
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