Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Die Gemeinde 4
2.1 Merkmale und Struktur der Gemeinde 4
2.2 Der Gemeindegeist 5
2.3 Die Zentralisierung der Politik und der Verwaltung 6
2.4 Einschätzung und Gedanken zur Gemeinde 6
3. Fragen zur Hausarbeit 8
3.1 Erläutern Sie den methodischen Aufbau der beiden Bände 8
3.2 Was versteht Tocqueville unter dem Begriff der „demokratischen
Revolution “? 8
3.3 In welcher Beziehung stehen der Demokratiebegriff und die
Gesellschaftsordnung der USA? 9
3.4 Charakterisieren Sie den Begriff der „Tyrannei der Mehrheit“ 9
3.5 Worin bestehen die Chancen und die Risiken der demokratischen
Herrschaft ? 10
Literaturverzeichnis 13
2
1. Einführung
Der politische Schriftsteller Charles Alexis Henri Clerél de Tocqueville wurde am 29. Juli 1805 in Verneuil, Frankreich, geboren. 1 Nach dem Studium der Rechtswissenschaften begab er sich 1831 mit seinem Freund Gustave Auguste de Beaumont de la Bonniniere auf eine Studienreise in die Vereinigten Staaten von Amerika. 2 Eigentlich war das Studium des dortigen Strafrechts Sinn der Reise. Doch nach der Veröffentlichung des Werkes “Amerikas Besserungssystem und seine Anwendung auf Europa” im Jahre 1833 folgte zwei Jahre später der Klassiker “Über die Demokratie in Amerika” der heute als eigentlicher Grund für die Reise gilt. Tocqueville versuchte in diesem Buch die Zukunft und die Auswirkungen demokratischer Tendenzen in Europa aufzuzeigen, die er anhand von evolutionären beziehungsweise revolutionären Entwicklungen über mehrere Jahrhunderte glaubte belegen zu können. Er sah diesen Prozess als “Werk Gottes” 3 an, da er von der politischen Elite zwar über die Zeit nie gewollt, und doch durch gewisse Automatismen 4 unterstützt, oder zumindest nicht verhindert wurde. Er hielt es für unmöglich, sich diesem Prozess zu widersetzen. Sein besonderes Interesse galt den Auswirkungen auf sein Heimatland Frankreich, das er im Text immer wieder als Referenz und Vergleichsobjekt heranzog. Als Untersuchungsobjekt wählte er Amerika, das für Tocqueville das einzige Land der Erde darstellte, indem die Grundlage für eine dauerhaft funktionierende Demokratie schon gegeben war. In der folgenden Hausarbeit wird, den fünf vorgegebenen Fragen vorangestellt, eine zentrale Institution der Amerikanischen Demokratie, die Gemeinde, näher beleuchtet. Tocqueville sieht in ihr den Ursprung der Freiheit, der Gleichheit und des amerikanischen Patriotismus. Des weiteren sieht er sie als wichtigsten der drei politik- und verwaltungstechnischen Brennpunkte (Gemeinde, Staat, Union) der Amerikanischen Regierungsform. Sie ist seiner Ansicht nach „Mittelpunkt des Daseins“ eines Amerikaners. Über sie definiert er sich, sein Leben und seine Loyalität. Hierbei sind besonders die ersten drei Kapitel des ersten Buches von Relevanz. Sie werden analysiert und auf ihre Anwendungstauglichkeit auf die heutige Gesellschaftsstruktur in Amerika und anderen Demokratien untersucht.
1 Microsoft Encarta 2003, aktualisiert Februar 2004, Eintrag: Alexis de Tocqueville
2 Wenn im weiteren Text von Amerika die Rede sein wird, beschränkt sich dies auf das Staatengebiet der
damaligen oder, nach Kontext, heutigen Vereinigten Staaten von Amerika.
3 Alexis der Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, Reclam Stuttgart 1985
4 ebd., Seite 21 Absatz 5
3
2. Die Gemeinde
2.1 Merkmale und Struktur der Gemeinde
Nach Tocquevilles Ansicht ist die Gemeinde ein natürlicher Begriff, da sie überall entstünde, wo Menschen sich zusammenschlössen. Deshalb sei sie gottgewollt und direkt aus dessen Hand. Die Amerikanische Gemeinde sei generell unabhängig, ihre Freiheit allgemein anerkannte und zutiefst respektierte Sitte in der Gesellschaft. Die Gemeindefreiheit werde dabei direkt aus dem Prinzip der Volkssouveränität abgeleitet. In ihr herrsche ein Gemeindegeist, der von ebendieser Freiheit und Gleichheit der Gemeindeglieder geprägt sei. Er wird später näher untersucht werden. Alle Gemeinden seien nicht immer gleich, beruhten aber auf gleichen Grundsätzen. Auch die Entstehung der späteren Bundesstaaten sei überaus demokratisch gewesen, da diese „von unten“ nach oben vollzogen wurde. Die Gemeinden gaben einen Teil ihrer Macht und Gewalt an den Staat ab, nicht wie in Europa seit Jahrhunderten praktiziert andersherum. Dies taten sie aber nur in den Fällen wo die abgetretene Gewalt der Allgemeinheit nützlich, mit Tocquevilles Worten „sozial“ war. Der soziale Aspekt von dieser Gewaltabtretung spiegelt sich vor allem in den Verpflichtungen wider, die die Gemeinde gegenüber dem Staat hat. So muss ihm beispielsweise jederzeit Geld für Projekte (zum Beispiel Schulen) bewilligt, Land zur Durchführung (von zum Beispiel Straßenbauprojekten) zur Verfügung gestellt, Polizeiordnungen vollzogen werden. Wichtig dabei ist aber, dass der Staat in solchen Fällen aber nur Richtlinien und Gesetze vorgibt. Der Vollzug all dieser Vorgaben geschieht durch die Gemeinde selbst.
Die von Tocqueville näher untersuchte Gemeinde von Neuengland hatte etwa 1000-2000 Einwohner, war ihren Interessen nach homogen und war fähig, das zu ihrer Verwaltung notwendige Personal aus den Gemeindegliedern zu stellen. In dieser Gemeinde gab es ein antik anmutendes demokratisches Verhalten. Die wichtigsten Entscheidungen trafen die Gemeindeglieder mit einer Mehrheitsentscheidung in einer Gemeindeversammlung selbst. Zu deren Ausübung wurden (meist jährlich) Vertreter gewählt, die qua Ermächtigung durch die Mehrheit der Bürger der Gemeinde Verwaltungsbefugnisse übertragen bekamen, um den Volkswillen zu vollziehen. Diese wurden „selectmen“ genannt. Im Rahmen dieser Befugnisse konnten sie frei verfügen, sie waren aber zur Einhaltung dieser verpflichtet. Wenn
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Arbeit zitieren:
Markus Woller, 2003, Tocqueville über die Stellung der Gemeinde in der amerikanischen Demokratie, München, GRIN Verlag GmbH
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