Universität Hamburg
Institut für Germanistik I
Transkription und Gesprächsanalyse
Maruta Toma
WiSE 2004/2005
Inhaltverzeichnis
Transkriptionskopf 2
Projektentwurf 2
Transkription 3
1. Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik 4
2. Timing 6
3. Kontextanalyse 7
4. Folgeerwartungen 9
5. Interaktive Konsequenzen 10
6. Sequenzmuster und Makroprozesse 11
7. Pragmatische Aufgaben, Probleme und Funktionen 13
8. Hintergrund- und Kontextwissen 14
9. Variationsverfahren: Bestimmung des faktischen durch das Mögliche 15
10. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis und Legende 17
Transkriptionskopf
1. Projekt: Die Aufnahme von Gruppe 2
2. Aufnahmetag, Ort der Aufnahme:
3. Aufnahme Daten: Die Aufnahme Nr.2 dauert 46 min. 15 sek.
4. Name der Aufnehmenden:
5. Name der Transkribierenden: Maruta Toma
6. Gesprächstyp: informelles Gespräch
7. Die Charakterisierung der Teilnehmerrollen: zwei ungefähr 28 Jahre junge Männer, die gut befreundet sind, unterhalten sich auf Hochdeutsch
8. Die Charakterisierung des Gesprächsverlaufs: ein Gespräch, das mit einer Unterhaltung über eine Palme beginnt und sich zu einer Diskussion entwickelt, die dadurch zu Stande kommt, dass die Gesprächspartner aneinander vorbeireden. Im zweiten Teil des Gesprächs geht dann die Diskussion in Scherzen über, wobei das Gesprächsthema gewechselt wird.
9. Der Bearbeitungsstand der Transkription: Die Transkription dauert 1 min. 8 sek., bzw. beginnt nach 4:59 min und endet bei 6:07
Projektentwurf
Die Aufgabe des Projekts besteht darin, ein beliebiges Gespräch aufzunehmen und daraus eine selbst gewählte Minute nach dem GAT Transkriptionssystem zu transkribieren und dieses ausführlich zu analysieren.
Zuerst entschied sich meine Gruppe dazu, eine Aufnahme einer Unterhaltung zu machen, in der sich mindesten zwei Personen streiten oder aber diskutieren sollten. Solche Gespräche sind mehr durch ihre Auffälligkeit und Intensität charakterisiert, als z. B. Small Talks, Interviews, oder einfach eine ruhige Unterhaltung am Frühstückstisch.
Das Ergebnis waren verschiedene Aufnahmen von Gesprächen, unter denen sich auch welche befanden, bei denen nicht gestritten wurde. (Ich habe einen Ausschnitt ausgewählt, in dem eine kleine Diskussion geführt wird.) Da wir uns jedoch schon zu Anfang auf ein Gespräch geeinigt hatten, wählte ich einen Ausschnitt, in dem eine Diskussion geführt wird, die später in Scherzen übergeht.
Durch die Untersuchung der einzelnen Phänomene, wie die linguistischen Merkmale, Zusammenhänge zwischen den Beiträgen, Überlappungen (simultan Gesprochenes), Kontexte, Reaktionen und Wissensbestände, möchte ich die möglichen Ursachen und Bedeutungen der Äußerungen ermitteln.
Weiterhin möchte ich die Gründe herausfinden und die Probleme analysieren, die zur Diskussionsentstehung führten. Genauso interessant ist es aber, zu erfahren, warum die Diskussion nur kurz andauerte und sich daraus eine scherzhafte Unterhaltung entwickelte.
Transkription
[leider nur in der Downloadversion; die Red.]
1. Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik
Die Unterhaltung beginnt mit einer Ankündigung, die Informationscharakter hat. An diese schließt sich eine übliche rhetorische Frage „weißt du?“ an. In der ersten Phase gleich am Anfang dominiert das „aber“, das die Bedeutung des Satzes hervorhebt. Das Lexem „Pflanzen“ wird in einer hohen Tonlage ausgesprochen, wobei der letzte Konsonant, das „n“ etwas länger gedehnt wird. Danach folgt eine 1,5 Sekunden lange Pause.
Im Ganzen klingt es fragend, als ob Sprecher A nicht wüsste, ob die Palme eine Pflanze oder ein Baum sei.
Das Ende der Ankündigung ist mittel fallend (in Z. 02), da unmittelbar danach eine Frage gestellt wird, auf die A keine Antwort erwartet und die kein Rederecht gewährt, weil es sich um eine rhetorische Frage handelt, die Aufmerksamkeit erregen und das Gespräch in Gang halten soll. Diese Frage wirkt dadurch sehr kurz, dass in beiden Elementen der Frage Lauttilgungen auftreten, denn sowohl das „t“ von „weißt“, als auch das -u von „du“ werden verschluckt. Der Anfang der Satzkonstruktion ist grammatikalisch falsch. Da es sich hier um Umgangsprache handelt, vereinfacht Sprecher A die Satzbildung einfach, indem er das Verb „brauchen“ nicht an das Ende des Nebensatzes setzt. Weiter setzt Sprecher A in Z. 04, 05 mit einem Rückbezug fort. In dem Wort „hab“ tritt wieder eine Lauttilgung auf, die in der Alltagssprache üblich ist, um sich so kompakter und schneller ausdrücken zu können. Nach einem lang gedehntem „ja“ in Z. 04, schmatzt A kurz, und es folgt eine kurze Pause. Insgesamt signalisiert das eine Überlegenszeit. A benutzt „angerissen“, anstatt von „erwähnt“ zu sprechen. Das Lexem ist ein Merkmal für die Jugendsprache. Dann geht er zu einem anderen fokalen Element über. Jetzt redet er von einem Hydroregulierungsapparat. Die Palme dient hierbei als Einleitung, um die Themen zu verbinden. Er wechselt das Thema ziemlich ungeschickt, denn nach „aber“ und einer Pause setzt er das Adverb „später“ ein, dessen Bedeutung und Kontext unklar bleibt. Stilistisch ist die folgende Satzkonstruktion: „Es gibt/ es existiert…“
In Z. 06 „so ein“ wird getilgt, außerdem sagt A es drei Mal hintereinander mit einer Mikropause am Ende und in der Fortsetzung sagt er: “Hydroregulierungsapparat“. Das bedeutet, dass A nicht sicher ist, wie das Gerät heißt.
Nach einer längeren Pause versucht B in Z. 09 die letzte Äußerung von A zusammen zu fassen und zu wiederholen. Eine Mikropause entsteht nach dem Wort „Hydro“, auf die dritte Silbe wird ein Akzent gesetzt und am Ende wird das Wort gedehnt, so dass es unvollständig bleibt. Die Aussprache ist dabei langsam, Silbe für Silbe, weil er das Wort weder fonethisch noch semantisch verstanden hat.
In Z. 11 akzentuiert A „rein“ und „Topf“, wodurch er die vorherige Aussage von B korrigiert. In „vielleicht“ wird die zweite Silbe akzentuiert, genau wie in „Uhr“, so dass allgemein ein fragender Eindruck entsteht. Alle drei Pausen und das Stottern im Substantiv „Sand“ in Z. 13 drücken Unsicherheit aus. Es entsteht der Eindruck, dass A diese Zeit zum Überlegen braucht, um zu erklären, wie diese Uhr funktioniert. „Mit Wasser“ spricht A in Z. 14 besonders schnell aus und sagt es in einer erhöhten Tonlage, was auch als ein Einschub zu interpretieren ist. Er möchte seine Äußerung beenden, bevor B ihn unterbricht.
In Z. 15 verspricht sich B. Er bildet einen grammatikalisch falschen Satz, denn seine Intension ist entweder „…tut er nichts“, oder auch „…tut er das nicht“, zu sagen. Seine Äußerung bleibt unbeendet.
[...]
Quote paper:
Maruta Toma, 2005, Transkription und Gesprächsanalyse, Munich, GRIN Publishing GmbH
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