Gliederung
1. Einleitung 1
2. Hauptteil 3
2.1.Einordnung und Bewertung von Hofstedes Arbeit 3
2.1.1. Vorausgehende Grundlagen für Hofstedes Arbeit 3
2.1.2. Heutige Bewertung und Weiterentwicklung von Hofstedes Modell4
2.2. Analyse von Hofstedes Modell im Detail 6
2.2.1. Theorie und Hypothesen 6
2.2.2. Methodisches Vorgehen 8
2.2.3.Ergebnis und Interpretationen 10
2.2.4.Kritik und Verbesserungsvorschläge 11
2.3.Folgerung für die Praxis 13
3.Schluss 15
A. Literatur 16
II
1.Einleitung
Geert Hofstedes 1980 erstmals publizierte Buch „culture’s consequences“ ist bis heute eines - wenn nicht das grundlegende - Werk im Bereich der vergleichenden interkulturellen Forschung. Mit seiner groß angelegten Studie unter Mitarbeitern der International Business Machines Corporation (IBM) zwischen 1967 und 1973 in 72 Ländern hat Hofstede eine wegweisende empirische Untersuchung zur Klassifizierung unterschiedlicher Kulturkreise weltweit geliefert. Seine Klassifizierung von Kulturen an Hand von zuerst 4, später 5 Dimensionen (Machtdistanz, Individualismus, Maskulinität, Unsicherheitsvermeidung und kurzfristige gegenüber langfristiger Orientierung) hat entscheidenden Einfluss nicht nur auf die
akademische interkulturell vergleichende Forschung der letzten 20 Jahre (vgl. Peterson 2003: 127), sondern auch auf die praktische Management- und Führungspraxis in multinationalen Konzernen oder auch an interkulturellen Schnittpunkten kleinerer Unternehmen in einer immer stärker globalisierten Welt genommen. Deshalb erscheint es mir interessant, mich im Rahmen dieser Arbeit vertieft mit Hofstedes Theorie und Studie auseinander zusetzten. Hierbei soll der Fokus neben einer direkten Analyse seiner Studien auch auf den praktischen Implikationen, die sich aus seiner Forschung ergeben haben, liegen. Natürlich haben Hofstedes Arbeiten auch eine Reihe von Kritik und Verbesserungsvorschlägen methodischer und inhaltlicher Art nach sich gezogen. 1 Zu klären ist, ob diese so gravierender Natur sind, dass man die Ergebnisse grundsätzlich in Frage stellen muss. Auch dieser Frage soll im Rahmen dieses Artikels ausreichend Platz gewidmet werden.
Der Aufbau der vorliegenden Arbeit wird sich also wie folgt gestalten: Der erste Teil wird eine Einordnung von Hofstede in den Gesamtkontext der vergleichenden interkulturellen Forschung vornehmen. Hierbei wir zuerst auf vorhergehende empirische und theoretische Arbeiten eingegangen, die Hofstede als Grundlage für seine Studie gedient haben. Im Folgenden wird kurz auf die Weiterentwicklung seines Modells bis zum heutigen Tag sowie die Verwendung in weiterführenden Forschungsarbeiten besprochen.
Im zweiten Teil wird ausführlich die IBM Studie von Hofstede, die als Grundlage für sein Modell der unterschiedlichen Kulturdimensionen gedient hat, erörtert. Der
1 Vgl. z.B. McSweeny 2002, Fang 2003, Robinson 1983, Sivakamur and Nakata 2001, Peterson 2003,
Mead 1997.
1
inhaltlichen und methodischen Darstellung folgt ein Abschnitt in dem die Ergebnisse,
sowie das methodische Vorgehen kritisch reflektiert werden.
Im dritten Teil werden dann die praktischen Implikationen, die Hofstedes Werk auf
die Führung und Managementpraxis im interkulturellen Bereich haben, diskutiert.
Dies sind z.B. Überlegungen für die Entsendung von Führungskräften ins Ausland
oder das Arbeiten in interkulturellen Teams.
Die Arbeit schließt mit einer abschließenden Bewertung und Zusammenfassung der
Ergebnisse.
2
2. Hauptteil
2.1.Einordnung und Bewertung von Hofstedes Arbeit
2.1.1. Vorausgehende Grundlagen für Hofstedes Arbeit
Hofstede gehört mit seiner Forschung zur Gruppe der Dimensionalisten im Bereich der interkulturellen Forschung. Sein Ziel ist es, möglichst breite Muster an Einstellungen, Werten und Handlungsweisen zu finden, die in unterschiedlichen Kulturkreisen parallel zu beobachten sind und damit eine Klassifizierung dieser ermöglichen (vgl. Vinken 2004: 8). Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Fokus auf dem Etischen, d.h. auf das, was generell in Kulturen ist, anstelle von Emischen 2 , d.h. was spezifisch in einer oder mehreren Kulturen ist. (vgl. Vinken 2004: 17).
Auch wenn Hofstede in der Gruppe der Dimensionalisten in der interkulturellen Forschung 3 zu den Vorreitern gehört, so gibt es doch einige vorhergehende Arbeiten, auf welchen er seine Forschungsarbeit aufbaut.
Hofstede wird bei der Konstruktion seiner Arbeit am meisten von anthropologischen Autoren beeinflusst. Er ist inspiriert von der Arbeit von Kluckhorns (vgl. 1962), der vermutet, dass es ein generelles Gerüst geben muss, nach dem sich alle Kulturen einordnen lassen können. Dies entsteht dadurch, dass alle Kulturen mit denselben Fragen konfrontiert werden, die sich aus der Human-Biologie und der allgemeinen menschlichen Existenz ergeben, z.B. die Existenz von Geschlechtern, die Hilflosigkeit von Kindern und der Bedarf der Befriedigung der elementaren menschlichen Bedürfnissen (vgl. Kluckhorn 1962: 317-318). Daraus schließt Hofstede, dass es empirisch nachweisbare Dimension geben muss, nach denen sich Kulturen einordnen lassen können (vgl. Hofstede 2001: 29). Ebenso Einfluss auf Hofstedes Forschung hatte eine Publikation von Inkeles und Levinson (1969), die durch eine intensive Analyse der anthropologischen Literatur zu dem Ergebnis kommt, dass es drei „standardisierte analytische Verhaltensweisen (standard analytic issues)“ gibt nach denen sich Kulturen klassifizieren lassen: 1. Verhältnis zur Autorität; 2. Selbstverständnis, insbesondere die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft sowie das individuelle Konzept von Weiblichkeit und Männlichkeit
2 Die Begriffe etisch und emisch wurden zuerst in die antrophologische Forschung von Kenneth Pite
eingeführt (vgl. Headland 1990).
3 Außer Hofstede werden zu dieser Gruppe noch Harry Triandis, Shalom Schwarz und Ronald
Inglehart gezählt (vgl. Vinken: 2004:8).
3
und 3. Die Art mit Problemen oder Konflikten umzugehen, einschließlich der Kontrolle von Aggressionen und des Ausdrückens von Gefühlen. Diese 3 Klassifizierungen sind fast kongruent mit Hofstedes ursprünglichen 4 Dimensionen, wobei Machtdistanz durch die erste, Individualismus und Maskulinität durch die zweite und Unsicherheitsvermeidung durch die dritte Klassifizierung beschrieben wird.
Neben diesen konzeptionellen Arbeiten gibt es auch einige empirische Studien, die ebenso wie Hofstede eine „ökologische Faktoren Analyse“ (Hofstede 2001: 32), d.h. eine Faktoren Analyse auf dem Level von Kulturen oder Gesellschaften, benutzt haben und damit Hofstede als Vorbild für seine Arbeit gedient haben. Zu nennen sind hier die Arbeiten von Lynn und Hampson (1975), die eine Studie zur Erklärung der psychologischen Dimension von nationalen Charakteren erstellt haben, ebenso wie die Studie von Adelmann und Morris (1967), die die Erklärung von Faktoren für unterentwickelte Staaten zum Ziel hat, als auch die Studie von Gregg und Banks (1965), welche die Dimension politischer Systeme untersucht. Gemeinsam ist diesen Studien auch, dass ihre Variablenauswahl aufgrund spezifischer theoretischen Kriterien stattgefunden hat, ein Vorgehen, das auch Hofstede bevorzugt (vgl. Hofstede 2001: 32 f), im Gegensatz zu anderen Studien, die einfach alle verfügbaren Variabeln mit in eine Faktorenanalyse aufgenommen haben 4 .
2.1.2 Heutige Bewertung und Weiterentwicklung von Hofstedes Modell Hofstede selbst hat bis heute keine signifikanten Schwächen oder Fehler in seiner ursprünglichen Forschung anerkannt. Vielmehr können viele seiner folgenden Veröffentlichungen als eine Verteidigung seiner Methoden und Ergebnisse von 1980 angesehen werden (vgl. McSweeny 2002: 3). Allerdings hat er einige Modifikationen und Verbesserungen vorgenommen. So sind in den Ergebnissen der neusten Auflage von „Culture’s Consequences“ 13 weitere Staaten, sowie auch für einige sprachliche Regionen in mehrsprachigen Staaten, wie Belgien oder der Schweiz integriert, die in der ursprünglichen Publikation nicht auftauchen (vgl. Peterson 2003: 127).
4 Für eine Übersicht dieser Studien vgl. Hofstede 2001: 32.
4
Arbeit zitieren:
Diplom Verwaltungswissenschaftler Florian Kunze, 2005, Geert Hofstedes Kulturdimensionen - Analyse seiner Studien und Auswirkungen auf die interkulturelle Managementpraxis, München, GRIN Verlag GmbH
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