Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung. 2
2) Nordwestdeutschland im Dreißigjährigen Krieg. 4
3) Die Hanse im 17. Jahrhundert 7
4) Lübeck im 17. Jahrhundert. 10
5) Das Verteidigungswesen Lübecks im 17. Jahrhundert. 12
6) Der Dreißigjährige Krieg in Lübeck 15
7) Fazit 18
8) Literaturverzeichnis 21
2
1) Einleitung
Seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 hatten sich in Deutschland die religiösen Gegensätze verschärft. Große Gebiete konnten von der katholische Kirche für den alten Glauben zurückgewonnen werden. Das führte zu ersten Auseinandersetzungen zwischen den Religionsparteien, die sich in Kampfbündnissen gegenüberstanden, der 1608 gegründeten protestantischen Union auf der einen und der 1609 gegründeten katholischen Liga auf der anderen Seite. Ein unbedeutender Zwischenfall 1 in Prag löste 1618 einen dreißig Jahre andauernden Krieg auf deutschem Boden aus. Zunächst begann er als Religionskrieg, wurde aber im weiteren Verlauf zu einem Machtkampf zwischen Kaiser und Fürsten sowie den Städten, zwischen Schweden und dem Kaiser und zwischen Frankreich und Habsburg. 2
Die militärischen Kämpfe zwischen Kaiser und Reichsterritorien in den ersten Kriegsjahren waren noch konfessionell klar konturiert und regional begrenzt. Erst in den Folgejahren dehnte sich das Kriegsgeschehen auf weite Räume und wechselnde Kriegsziele aus. Die Konzentration der Kriegsschauplätze lag dabei im Nordosten 3 , Westen und Südwesten 4 des Reiches. Auch in Nordwestdeutschland gab es einige Gebiete, die von Krieg und Zerstörung betroffen waren. Der obere Weserraum sowie das weiter östlich verlaufende Leinetal wurden als Durchgangsraum bei Truppenbewegungen genutzt. Die Folge waren Einquartierungen, Plünderungen und Belagerungen sowie Zerstörungen in Dörfern und Städten, was zu erheblichen Bevölkerungsverlusten führte. 5
Ein gut funktionierendes Verteidigungswesen der Städte war das beste Mittel gegen diese Belagerungen, Plünderungen oder gar Zerstörungen. In Nordwestdeutschland waren es vor allem die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck, die schon vor dem
1 Gemeint ist hier der sogenannte zweite „Prager Fenstersturz“ kaiserlicher Räte, veranlasst durch Unruhen, die aufgrund der Zerstörung protestantischer Kirchen und Verletzung der Privilegien der Stände stattfanden.
2 Vgl. Goerlitz, Erich / Immisch, Joachim: Taschenhandbuch zur Geschichte, Paderborn 1991, S. 61.
3 Pommern und Mecklenburg waren mit einem Bevölkerungsverlust von über 50 % besonders stark vom Dreißigjährigen Krieg betroffen. Vgl. Franz, Günther: Der Dreißigjährige Krieg und das deutsche Volk: Untersuchung zur Bevö lkerungs- und Agrargeschichte, Stuttgart 1979, S. 8.
4 Auch die Pfalz und Württemberg waren in dem Maße vom Krieg betroffen. Vgl. Ebd. i 5 Vgl. Rappe-Weber, Susanne: Nach dem Krieg: die Entstehung einer neuen Ordnung in Hehlen an der Weser (1650-1700), Hannover 2001, S. 29.
3
Dreißigjährigen Krieg damit begannen, ihre Stadtmauern zu stärken, Bürgergarden aufzustellen und auch das Umland durch die Landwehr zu schützen. Die Städte hätten im Falle einer Belagerung ihren Lebensnerv - den Handel - eingebüßt. Auch ihre Stellung als führende Mitglieder des langsam zerfallenden Hansebundes wäre stark gefährdet gewesen.
Lübeck hatte vor dem Dreißigjährigen Krieg noch den Status der führenden Hansestadt inne. Nach dem Krieg hingegen hatte Hamburg Lübeck den Rang abgelaufen. Obwohl Lübeck vom Krieg weitestgehend verschont geblieben ist, hatten die Jahre von 1618 bis 1648 eine einschneidende Wirkung auf die Hansestadt. In dieser Hausarbeit soll daher die Frage geklärt werden, inwiefern Lübeck vom Dreißigjährigen Krieg betroffen war und welche Auswirkungen der Dreißigjährige Krieg auf die Stadt gehabt hat. Um einen umfassenden Überblick geben zu können, soll zuerst erörtert werden, inwieweit Nordwestdeutschland vom Krieg betroffen war und welche Auseinandersetzungen dort stattfanden. Danach soll die Rolle des Hansebundes im 17. Jahrhundert näher erläutert werden. Anschließend wird auf die Rolle der Hansestadt Lübeck vor dem Dreißigjährigen Krieg eingegangen. Das Verteidigungswesen der Stadt soll im Anschluss aufgezeigt werden. Lübeck während des Dreißigjährigen Kriegen bildet dann den Hauptteil dieser Arbeit. Abschließend sollen im Fazit die Auswirkungen des Krieges auf die Stadt erörtert werden.
2) Nordwestdeutschland im Dreißigjährigen Krieg
Während des Dreißigjährigen Krieges waren nicht alle Gebiete des Reiches gleichermaßen von den Kriegsereignissen und damit auch von den Kriegsfolgen betroffen. Große Teile des Reiches lagen im Schatten der kriegerischen Auseinandersetzungen und wurden nur wenige Jahre oder überhaupt nicht in Mitleidenschaft gezogen. Neben Ost- und Westpreußen blieben auch große Teile Nordwestdeutschlands vom Krieg verschont. So blühte beispielsweise Hamburg in der Zeit zwischen 1618 und 1648 vor allem wirtschaftlich auf, was im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts zu seiner späteren Vormachtstellung im hansischen Raum führte. Bremen konnte seine Neustadt anlegen und war nur zeitweilig vom Krieg betroffen. Die
4
Einwohnerzahl der Hansestadt Lübeck stieg sogar von 22.570 auf 31.068 6 . Zwar waren in Schleswig-Holstein einzelne Städte stark vom Krieg betroffen, aber das waren nur Ausnahmen, da die Gesamteinwohnerzahl der Städte wie des ganzen Landes gleich blieb, teilweise sogar geringfügig anstieg. 7
Unter Führung des Pfalzgrafen Friedrich V. wurde 1608 die evangelische Union gegründet. Ein Jahr später formierte sich die katholische Liga unter dem Oberbefehl des Bayernherzogs Maximilian. Der Dreißigjährige Krieg begann aber als rein böhmischpfälzische Angelegenheit, als Friedrich V. von den Böhmen zum König gewählt wurde. Die Liga marschierte für Kaiser Ferdinand II. und schlug 1620 am Weißen Berg bei Prag den Pfalzgrafen, wodurch die Union zerfiel und Friedrich V. geächtet wurde. Er verlor die Pfalz, die nach der Besetzung durch die Truppen des kaiserlichen Feldherrn Tilly dem Bayernherzog übertragen wurde. Nordwestdeutschland war während des gesamten Böhmisch-Pfälzischen Krieges, der von 1618 bis 1623 andauerte, überhaupt nicht betroffen. Erst 1625, als sich England, Holland, Dänemark und Schweden sowie die niedersächsischen Kreise nach Absprachen unter der Führung des dänischen Königs Christian IV. verbündeten, tobte der Krieg auch im Norden des Reiches. 8
Im April 1626, ein Jahr nach Beginn des Dänisch-Niedersächsischen Krieges, setzte der kaiserliche Söldnerunternehmer Albrecht von Wallenstein durch seinen Sieg gegen den auf dänischer Seite kämpfenden Grafen Ernst von Mansfeld bei Dessau der Offensive des dänischen Königs Christian IV. gegen die böhmischen Länder ein Ende. Kriegsentscheidend war der Sieg Tillys bei Lutter am Barenberge, südlich von Hannover, am 17. August 1626, was zur Flucht des Dänenkönigs nach Jütland führte. Daraufhin wandten sich große Teile des Niedersächsischen Kreises vom unterlegenen König ab und setzten auf einen Ausgleich mit Kaiser Ferdinand II. Damit stand den verbündeten Heeren Tillys und Wallensteins der Weg nach Nordwestdeutschland weit offen, doch sie rivalisierten nicht nur um Kriegsruhm, sondern auch um die besten Musterplätze und Winterquartiere. Tillys Truppen überquerten dann im Juli 1627 die Elbe und machten im südlichen Holstein Station. Nur einen Monat später folgte ihnen die Armee Wallensteins. Beide stießen im Anschluss nach Holstein und Jütland vor, wo die dänische Armee zerschlagen wurde. Ihre Reste zogen sich daraufhin auf die Inseln
6 Vgl. Franz, Günther: Der Dreißigjährige Krieg und das deutsche Volk: Untersuchung zur Bevö lkerungs-und Agrargeschichte, Stuttgart 1979, S. 9.
7 Vgl. Franz 1979, S. 9.
8 Vgl. Weimann, Horst : Der 30 jähr ige Kr ieg im lübschen Raum zwischen Elbe und Fehmar n, Lübeck 1954, S. 9.
5
zurück, wo sie ohne Flotte unangreifbar waren. Wallenstein drang Anfang 1628 auch nach Mecklenburg und Pommern vor. 9
Nach der Ächtung der Herzöge von Mecklenburg durch Ferdinand II., was aufgrund ihres Bündnisses mit dem Dänenkönig geschah, übertrug der Kaiser Wallenstein am 1. Februar 1628 deren Fürstentümer und machte ihn drei Monate später zum „General des ozeanischen und baltischen Meeres“. 10 Auch wenn dies vorerst nur ein Titel war, signalisierte er doch die maritimen Pläne der Habsburger und blieb nicht ohne Wirkung auf andere Mächte. Diese Pläne zielten auf die Mitwirkung der Hansestädte, aber gerade hier wirkte sich der Konflikt mit Stralsund negativ aus. Die pommersche Landstadt in strategisch guter Lage widersetzte sich mit Hilfe von Dänemark der Aufnahme einer kaiserlichen Besatzung. 11 Wallenstein machte daraufhin Güstrow zu seiner Residenz. Sein Marsch in den Norden und seine Ernennung zum General ist im Zusammenhang mit den spanischen Plänen zu sehen, die versuchten die Holländer auszuschalten und damit deren Herrschaft über den Ost-West-Handel zu schwächen. 12
Um die Ostsee dauerhaft befrieden zu können, begann Wallenstein mit dem Bau einer Flotte und knüpfte gleichzeitig Kontakte in die Niederlande, was erstmals zu Streitigkeiten mit dem Kaiser führte, da dessen vornehmliches Interesse in einer räuberischen Seepolitik zugunsten Spaniens lag. Als der Kaiser durch das Restitutionsedikt 13 zu mächtig zu werden schien, stellten sich auch katholische Fürsten gegen ihn. Nachdem das Heer Wallensteins siegreich die Ostseeküste erreicht hatte, trat König Gustav Adolf von Schweden auf die Seite der Protestanten und hoffte dadurch, die schwedische Machtstellung im Ostseeraum zu vergrößern. Während des darauffolgenden Schwedischen und Französisch-Schwedischen Krieges von 1630 bis 1648 war Nordwestdeutschland, abgesehen von Bremen, das mit den Schweden ein Bündnis geschlossen hatte, kaum von den kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. 14 Nach Gustav Adolfs Tod in der Schlacht von Lützen 1632 und Wallensteins
9 Vgl. Lange, Ulrich: Geschichte Schleswig Ho lsteins, Neumünster 2003, S. 232.
10 Vgl. Bohn, Robert: Geschichte Schleswig Ho lsteins, München 2006, S. 41.
11 Vgl. Schoormann, Gerhard: Der Dreißigjährige Krieg, Göttingen 1993.
12 Vgl. Lange 2003, S. 232.
13 Das Restitutionsed ikt war die Rückgabe aller nach 1552 protestantisch gewordenen geistlichen Gebiete.
14 Vgl. Bohn 2006, S. 41.
6
Arbeit zitieren:
Daniel Korth, 2006, Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Hansestadt Lübeck, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zusammenfassung zu René Descartes: Meditationen oder Über die Grundlag...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 8 Seiten
Rene Descartes: Die ersten beiden Meditationen
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 13 Seiten
Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins. René Descartes un...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Daniel Korth's Text Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Hansestadt Lübeck ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Daniel Korth hat den Text Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Hansestadt Lübeck veröffentlicht
Daniel Korth hat einen neuen Text hochgeladen
Das Herzogtum Württemberg zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Spie...
Materialien zur historischen S...
Wolfgang von Hippel
Deutsche und Tschechen im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Ein N...
Ernst Leipprand, Eckart Leipprand
Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 Bd. 1. Das Heer
Soldatenleben und Sitten
Gustav Freytag, Harald Rockstuhl
Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 Bd. 3. Der Frieden
Die Dörfer und ihre Geistliche...
Harald Rockstuhl, Gustav Freytag
Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 Bd. 2. Die Städte
Die Kipper und Wipper und die ...
Gustav Freytag, Harald Rockstuhl
Europa und das Reich im Dreißigjährigen Krieg
Geschichte des europäischen Ko...
Christoph Kampmann
0 Kommentare