Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hermann Göring - Herkunft und Karriere. 4
3. Der Weg zum Vierjahresplan. 7
3.1 Die NSDAP und die wirtschaftliche Ausgangslage 1933 7
3.1.1 Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Nationalsozialisten. 7
3.1.2 Wirtschaftliche Ausgangslage und erste Maßnahmen bis 1934. 7
3.2 Der Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht und der „Neue Plan“ 9
3.3 Das Ende der Ära Schacht. 12
3.4 Der Vierjahresplan - Inhalt und Ziele. 13
4. Hermann Göring als Bevollmächtigter für den Vierjahresplan 14
4.1 Die Organisation des Amtes für den Vierjahresplan bis 1938 14
4.2 Die Arbeit des Amtes für den Vierjahresplan 16
4.2.1 Machtkämpfe und Anlaufschwierigkeiten 16
4.2.2 Planung und Zielerreichung 17
4.3 Das Amt für den Vierjahresplan ab 1938. 23
5. Zusammenfassung. 25
Literatur : 27
2
1. Einleitung
Hermann Göring oder „Der Dicke“, wie ihn die Menschen nannten, war ohne Zweifel eine der schillerndsten Persönlichkeiten des „Dritten Reiches“. Lange Zeit galt er zu Recht als der zweite Mann im Reich nach Hitler.
Im Jahr 1936 bekam er von diesem eine der Schlüsselaufgaben nationalsozialistischer Politik übertragen: Er sollte als Bevollmächtigter des auf dem Parteitag der Ehre verkündeten Vierjahresplanes die deutsche Wirtschaft binnen kürzester Zeit auf einen totalen Krieg, den Krieg um das Schicksal der deutschen Nation vorbereiten.
Ein ungeheurer Ehrgeiz, gepaart mit der Sucht nach Anerkennung, einer gehörigen Portion Opportunismus und ein ausgeprägt nationalistisches und antisemitisches Denken hatten Göring auf seinem Weg an die Spitze der nationalsozialistischen Karriereleiter geleitet. Doch rechtfertigte Göring das in ihn gesetzte Vertrauen? Schaffte er es, die Wirtschaft als Bevollmächtigter des Vierjahresplanes kriegstauglich und Deutschland vom Ausland unabhängig zu machen? Welche Maßnahmen und Schritte ließ er durchführen um die Ziele Hitlers zu erreichen. Und welchen Weg beschritt er bis er das Amt des Bevollmächtigten übernahm? Diese Fragen zu erörtern soll Aufgabe dieser Hausarbeit sein. In einem Verhör nach dem Ende des Krieges gestand Göring dem von der Idee des Vierjahresplans durchaus faszinierten amerikanischen Finanzexperten Herbert Dubois: „Ich bin nie Geschäftsmann gewesen, das war etwas völlig Neues für mich. Meine Aufgabe war es, die deutsche Wirtschaft zu organisieren, und ich habe meine ganze Energie angespannt, um die Sache ins Rollen zu bringen. Im Laufe der Jahre habe ich viel gelernt. Hauptaufgabe war es, die Ernährung zu sichern... und Deutschland autark zu machen. Die wichtigsten Probleme waren Eisen, Öl, Kautschuk.“ 1
Neun Jahre früher hatte Adolf Hitler an die Wirtschaft appelliert, „Vertrauen Sie ihm, Er ist der beste Mann, den ich für diese Aufgabe habe.“ 2
1 David Irving, Göring. Eine Biographie, München u. a. 1987, S. 239.
2 Irving, Göring, S. 247.
3
2. Hermann Göring - Herkunft und Karriere
Hermann Wilhelm Göring wurde am 12. Januar des Jahres 1893 in Rosenheim in Bayern als Sohn von Heinrich Ernst Göring und Franziska Göring (geb. Tiefenbrunn) geboren. Er entstammte einer traditionsreichen Familie, deren Mitglieder sich als Juristen und Beamte im preußischen Staat verdient gemacht und darüber hinaus seit 200 Jahren Beziehungen zur preußischen Aristokratie unterhalten hatten. 3
Sein Vater Heinrich, ein promovierter Jurist, hatte im Bismarckschen Kaiserreich zunächst als Soldat gedient und war später im Konsulardienst als erster Reichskommissar für Deutsch -Südwestafrika (1885-1888) tätig. Zum Zeitpunkt der Geburt Hermann Görings befand er sich als Generalkonsul auf Haiti. 4
Einige Jahre seiner Kindheit verbrachte Göring auf der Burg Veldenstein bei Nürnberg. Diese gehörte dem Geliebten seiner Mutter, einem jüdischen Arzt namens Dr. Hermann Epenstein. Nachdem die Beziehung zwischen Epenstein und seiner Mutter gescheitert war, zog er mit seinen Eltern nach München. Der Vater Heinrich musste während der Liaison seiner Frau wiederholt Demütigungen des Geliebten ertragen.
Hierin, aber auch in seinem kritiklosen Konsum hetzerischer Lektüre aus dem radikalen rechten Flügel, mag ein Grund für seinen ausgeprägten Antisemitismus zu finden sein. Sein antimarxistisches Weltbild hingegen erklärt sich wohl durch seine Abstammung aus dem staatstreuen Bürgertum, das auf die Wahrung der gesellschaftlichen Traditionen angewiesen war, um sein ökonomisches und politisches Überleben zu sichern. 5 Göring trat schon früh in eine Kadettenschule in Karlsruhe ein. Nach anfänglichen Disziplinproblemen und einem Wechsel der Ausbildungsstätte beendete er im Jahr 1913 in Lichterfelde bei Berlin die Schule und die Offiziersausbildung mit dem Prädikat „vorzüglich“. 6
Im ersten Weltkrieg diente Hermann Göring zunächst als Leutnant der badischen Infanterie an der Westfront. Er bekam das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen, musste aber bereits nach fünf Wochen im Gefechtsstand wegen Gelenkrheumatismus in ein Krankenhaus in Freiburg eingeliefert werden. Der Heeresleutnant Bruno Loerzer brachte ihn dort wahrscheinlich auf die Idee Flieger zu werden und der Luftwaffe beizutreten. 7
3 Vgl. Richard J. Overy, Hermann Göring. Machtgier und Eitelkeit, München 1990, S. 16; Irving, Göring, S. 37.
4 Vgl. Overy, Hermann Göring, S. 16; Irving, Göring, S. 38.
5 Vgl. Overy, Hermann Göring, S.29.
6 Vgl. Irving, Göring, S. 42f.
7 Vgl. ebd., S. 45.
4
Gemeinsam mit dem neuen Freund Loerzer führte er als „Mitflieger“ bald Erkundungsflüge über den französischen Linien durch. Für ihre Erfolge in der Feindaufklärung wurden Loerzer und er bald mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Wohl im Jahr 1915 absolvierte Göring seine Pilotenausbildung in Freiburg. Am 16. November desselben Jahres errang er bereits seinen ersten Luftsieg. Weitere acht folgten bis zum Ende des Jahres 1917. Am 2. Juni 1918 erhielt Göring vom Kaiser den Orden „Pour Le Mérite“. Die Verleihung des Ordens konnte Görings Neid auf Loerzer und von Richthofen, die beide eigene Luftgeschwader befehligten, aber nur geringfügig schmälern. Zu gern hätte auch er ein Geschwader geführt. Diese Gelegenheit ergab sich, nachdem von Richthofen im April 1918 abgeschossen wurde und starb, allerdings erst im Juni 1918. 8 Insgesamt werden Hermann Göring zwischen 20 und 22 Abschüsse zugesprochen 9 . Die Meinungen seiner Fliegerkameraden über Göring als Kamerad gingen auseinander, so meinte etwa der spätere General Fritz Morzik: „ein reizender Kamerad, mit dem man glänzend auskommen konnte“, der spätere Generalleutnant Bruno Maaß hingegen sagte, er wäre „unwissend und großschnäuzig wie jetzt“ 10 gewesen.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges arbeitete Göring zunächst als Kunst- und Verkehrsflieger in Dänemark und Schweden, später verdiente er seinen Lebensunterhalt als Vertreter von Unternehmen der Luftfahrtbranche. In Schweden lernte er 1920 auch seine erste Frau Karin Freiin von Kantzow (geb. von Fock) kennen. Im Februar 1923 gab sich das Paar in München das Ja -Wort.
Bereits 1922 war Göring in die NSDAP eingetreten. 11 Im Dezember dieses Jahres hatte Adolf Hitler ihn zum Leiter der Sturmabteilung (SA) ernannt. Am 9. November 1923 nahm Göring dann am Münchener Hitler - Röhm - Putschversuch teil 12 . Nach dessen Scheitern war er gezwungen bis zu einer Generalamnestie 1925 zunächst nach Österreich zu flüchten. 13 Zwischen 1923 und 1927 lebte Göring in Italien (1924) und Schweden. In Italien versuchte er vergebens eine Audienz beim „Duce“ Benito Mussolini zu bekommen, um ihn für „die Bewegung“ zu gewinnen. Während seines Aufenthaltes in Schweden, wurde er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, zeitweise sogar in eine geschlossene Abteilung. Der Grund hierfür war eine Morphiumsucht, die aus der Schmerzbehandlung einer schlecht heilenden Verwundung während des Krieges resultiert hatte und die er zeitlebens nicht mehr
8 Vgl. ebd., S. 47ff.
9 Diese Zahl wurde allerdings von einigen seiner Kameraden angezweifelt. Vgl. Irving, Göring, S. 123.
10 Irving, Göring, S. 49.
11 Vgl. Irving, Göring, S. 63.
12 Vgl. ebd., S. 85ff.
13 Zum letzten Abschnitt vgl. auch: www.wikipedia.de , www.weltchronik.de, 20.10.2005.
5
loswerden sollte. Die schwedischen Ärzte der Klinik in Langbro urteilten nach Görings Entlassung in seiner vertraulichen Krankenakte: ein „brutaler Hysteriker mit sehr schwachem Charakter“. 14 In Langbro wurde auch sein bereits zu diesem Zeitpunkt ausgeprägter Antisemitismus deutlich, der in vielen seiner Entzugskrisen zum Ausdruck kam. 1927 kehrte Göring schließlich offiziell geheilt nach Deutschland zurück. Wie es wirklich um ihn bestellt war, macht ein Brief seiner Frau deutlich: „...Ich liebe Dich so sehr, daß ich es nicht ertragen könnte, Dich zu verlieren: ...Du bist von einem bösen Geist und von einer bösen Macht beherrscht, und der Körper siecht allmählich dahin... Rette Dich selbst und damit auch mich!“. 15
Er trat erneut in die NSDAP und die SA ein. Im folgenden Jahr wurde er zu einem der ersten zwölf Reichstagsabgeordneten der Nationalsozialisten berufen und außerdem von Hitler zum SA - Obergruppenführer ernannt. Diese Entwicklung und Bestechungen durch die Wirtschaft beendeten seine wirtschaftliche Not, worüber er und seine Frau überaus erleichtert waren. 16 Im Oktober 1932 starb seine von ihm überaus verehrte und geliebte Frau an einem chronischen Herzleiden in ihrer Heimat in Stockholm. Göring war darüber sehr bedrückt, im Gedenken an seine Frau sollte er später sein Anwesen bei Berlin „Carinhall“ nennen. Nach der für die Nationalsozialisten erfolgreichen Reichstagswahl am 30. August 1932 wurde Göring mit Unterstützung der Zentrumspartei und der Bayerischen Volkspartei am 30. August nun sogar zum Reichstagspräsidenten gewählt. Er hatte jetzt direkten Zugang zum Reichspräsidenten Hindenburg und nutzte diesen Einfluss, um im Interesse der NSDAP die Auflösung des Reichstages zu verhindern und zugleich die bestehende Regierung des Reichskanzlers von Papen durch ein Misstrauensvotum, das von den Kommunisten eingebracht worden war, zu stürzen. 17
In den folgenden Monaten ebnete Göring durch zähe Verhandlungen mit den konservativen Kräften des Reichstages den Weg hin zu einer Kanzlerschaft Hitlers. Am 29. Januar 1933 konnte er ihm schließlich die Nachricht überbringen, dass Hindenburg mit eine Kanzler Hitler einverstanden sei. Es war, so schrieb der Berliner Gauleiter und spätere Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels, bis dahin „Görings glücklichste Stunde“. 18
14 Irving, Göring, S. 116ff.
15 Irving, Göring, S.125.
16 Vgl. Irving, Göring, S.128ff.
17 Vgl. ebd., S. 146f.; www.wikipedia.de; www.weltchronik.de, 20.10.2005.
18 Vgl. ebd., S. 152.
6
3. Der Weg zum Vierjahresplan
3.1 Die NSDAP und die wirtschaftliche Ausgangslage 1933
3.1.1 Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Nationalsozialisten
Grundlegend für die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten waren die Weltanschauung und die Ziele ihres Führers Adolf Hitler. Für ihn gab es von Anfang an nur ein Ziel: Deutschland sollte durch „raumpolitische Expansion wieder in den Kreis der Weltmächte“ 19 zurückgeführt werden. Damit meinte Hitler nicht etwa „nur“ die Revision des Versailler Vertrages. Er dachte an eine massive und rücksichtslose Expansion, um das Überleben des deutschen Volkes langfristig sichern zu können. Der „Lebensraum“ (im Osten) bildete hierbei einen wichtigen Schlüsselbegriff der Politik Hitlers und fand seine Entsprechung in der Wirtschaftspolitik im Schlagwort der Autarkie.
Autarkie hieß: Selbstversorgung des Reiches in möglichst allen Bereichen der Wirtschaft um im Falle eines Krieges unabhängig von handelspolitischen Einflüssen und Blockaden des Auslands zu sein. Das Autarkiestreben der Nationalsozialisten war vor allem eine Konsequenz aus dem Ersten Weltkrieg, in dem die Alliierten Deutschland durch ihre Handelsblockade „ausgehungert“ hatten.
Hitler wies der Wirtschaft in seinen Plänen zur territorialen und ideologischen Neuordnung Deutschlands einen klaren Platz zu. Sie sollte als Erfüllungsgehilfin der Politik staatlich gesteuert in erster Linie der Vorbereitung und Durchführung eines rassisch motivierten Expansionskrieges dienen. 20
3.1.2 Wirtschaftliche Ausgangslage und erste Maßnahmen bis 1934
Als die Nationalsozialisten im Januar 1933 die Macht übernommen hatten, umriss Hitler die wirtschaftspolitischen Aufgaben der neuen Regierung folgendermaßen: „Die nationale Regierung wird das große Werk der Reorganisation unserer Wirtschaft unseres Volkes mit zwei großen Vierjahresplänen lösen: Rettung des deutschen Bauern zur Erhaltung der
19 Dieter Petzina, Autarkie im Dritten Reich. Der nationalsozialistische Vierjahresplan, in: Schriftenreihe der
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Stuttgart 1964, S. 20.
20 Vgl. ebd., S.20; Hans Rothfels, Theodor Eschenburg (Hrsg.), Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte,
3. Jahrgang, Stuttgart 1955; Karl Dietrich Bracher, Manfred Funke, Hans Adolf Jacobsen (Hrsg.),
Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, in: Bonner Schriften zur Politik
und Zeitgeschichte, Düsseldorf 1992, Band 23, S. 132f.
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Alexander Walter, 2005, Hermann Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan, München, GRIN Verlag GmbH
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