Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Funktion des Tempels im Kontext der römischen Memorialpraxis 3
2.1 Über den Tempel als Denkmal in der römischen Geschichtskultur 3
2.2 Tempel und Triumph 6
3. Der Tempel der Iuturna 241 v Chr im Kontext der römischen Memorialpraxis 8
3.1 Der 1 Punische Krieg 8
3.2 Der Triumph 9
3.3 Der Tempel der Iuturna 9
3.4 Iuturna und ihre Bedeutung für die Römer 12
4. Schluss 13
Literaturliste 16
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1. Einleitung
Das wohl bekannteste Denkmal, welches in Deutschland in der letzten Zeit errichtet wurde, ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. Sinn und Zweck solcher Gedenkstätten ist es, an etwas zu erinnern, was viele Menschen, auch über nationale Grenzen hinaus, betrifft und auf keinen Fall in Vergessenheit geraten soll. Durch die Architektur der Gedenkstätte kann der Betrachter die hilflose und kalte Atmosphäre nachempfinden, in der sich die Opfer damals befunden haben. Der Betrachter wird also durch ein Bauwerk an ein Stück Geschichte erinnert, das nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden soll. Durch den nahen zeitgeschichtlichen Zusammenhang der Ereignisse mit der Gegenwart, kann sich dieses Denkmal einer so großen Aufmerksamkeit erfreuen.
Auch in der römischen Kultur gab es monumentale Denkmäler, die an wichtige geschichtliche Ereignisse anknüpften, jedoch darüber hinaus zu repräsentativen Zwecken der römischen Nobilität eingesetzt wurden. Gerade in der Zeit der Punischen Kriege ließen sich erfolgreiche Feldherren Siegesdenkmäler errichten, deren Zweck über den rein kommemorativen Charakter eines Denkmals hinausging.
Im Folgenden soll zunächst dargestellt werden, welche Rolle der Tempel in der römischen Memorialpraxis spielte, um dann genauer auf den Tempel der Iuturna einzugehen, der in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. am Ende des ersten Punischen Krieges erbaut wurde. Es soll untersucht werden, ob die Kriterien, die in dem allgemeinen Teil erläutert werden, auf den der Göttin Iuturna geweihten Tempel zutreffen. Die Quellenlage in Bezug auf diesen Tempel ist sehr spärlich. Es liegen keine zeitgenössischen Quellen vor. Insgesamt gibt es nur zwei Quellen, welche die Existenz eines Tempels für Iuturna belegen. Eine einzige Quelle sagt lediglich aus, wer den Tempel erbauen ließ.
2. Die Funktion des Tempels im Kontext der römischen Memorialpraxis
2.1 Über den Tempel als Denkmal in der römischen Geschichtskultur
Für die Beschreibung eines solchen Denkmals gibt Uwe Walter eine Definition, die sich an die Aussage von Alois Riegel aus dem Jahr 1903 anlehnt: Ein Denkmal ist: „ im ältesten und ursprünglichsten Sinne (...) ein Werk von Menschenhand, errichtet zu dem bestimmten Zweck, um einzelne menschliche Taten oder Geschicke (oder Komplexe mehrerer solcher) im
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Bewusstsein der nachlebenden Generation stets gegenwärtig und lebendig zu erhalten“. (Walter, Memoria, S. 131).
So wird ein Denkmal zu einem Ort der beabsichtigten Erinnerung an bestimmte Personen, Taten und Geschehnisse, mit der Funktion, jene Menschen und Begebenheiten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und um der Nachwelt die Vergangenheit lebendig zu erhalten, sie ihr regelrecht vor Augen zu führen. Alois Riegel bezeichnet dies als den beabsichtigten Erinnerungswert. 1 Für die römische Bevölkerung war der Erinnerungswert das Kriterium, an dem das Bewusstsein von dem memorialen Gehalt eines Denkmals in der Bevölkerung gemessen wurde.
In Bezug auf die römische Gesellschaft besteht der Erinnerungswert zum einen aus einer inhaltlichen Komponente, nämlich das was erinnert werden soll, und zum anderen drückt er den Stellenwert, den Grad an Aufmerksamkeit, den die Römer einem Denkmal schenkten aus. Uwe Walter unterscheidet jedoch auch zwischen zwei Typen von Erinnerungsorten. Der eben dargestellte Erinnerungsort, das Denkmal, ist schon von seinem Erbauer als ein solcher bestimmt und steht somit für etwas, das mit der Zeit des Erbauers eng verbunden ist. Der andere Typ des Erinnerungsortes ist einer, der durch den Ablauf der Zeit zu einem Ort der Erinnerung wird, da er etwas widerspiegelt, was vergangen ist und so sein Wesen selbst ihn als Ort der Erinnerung qualifiziert und er nicht als solcher auserkoren wurde. 2 Etwa ab der Mitte des 4. Jahrhunderts stieg die Zahl der Denkmäler erheblich an, was im Zusammenhang mit der Gesellschaftsstruktur der römischen Oberschicht stand. Es herrschte ein reges kompetitives Verhältnis in der römischen Nobilität und so wurden die Denkmäler Ausdruck dieses Ringens um Anerkennung. So kommt Tonio Hölscher zu dem Schluss, dass Monumente zu diesem Zeitpunkt „aggressiv und expansiv gegenüber den äußeren Gegnern“ wirkten. Gegenüber den innenpolitischen Konkurrenten wirkten sie jedoch gleichsam kompetitiv und gegenüber dem eigenen Volk auch adhortativ (Höllscher, Die Alten vor Augen S. 188).
Im Laufe der Zeit verblasste jedoch die jeweilige intendierte Erinnerung eines Denkmals oder wurde sogar durch einen neuen Inhalt ersetzt. Der Erinnerungswert nahm ab weil die Aktualität, aus deren Anlass ein Denkmal errichtet wurde, und sein politisch kompetitiver Bezug irgendwann der Vergangenheit angehörten. Das Denkmal verlor seine Wichtigkeit in Bezug auf seinen Entstehungszusammenhang und repräsentierte somit nur noch eine bestimmte Familie der römischen Nobilität. 3 Diese Veränderung oder Verlagerung des
1 Walter, Memoria, S. 131.
2 Ebd., S. 155.
3 Ebd., S. 132.
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Gewichts des ursprünglichen Erinnerungsinhalts führte nun dazu, dass ein Denkmal zu einem bloßen Überrest der Vergangenheit werden konnte. Genauso konnte ein altes Denkmal aber auch wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken, wenn dies z.B. für eine taktische politische Handlung zu einem späteren Zeitpunkt von Nutzen war.
Es bleibt also festzuhalten, dass der ursprüngliche gewollte Inhalt des zu Gedenkenden sich im Laufe der Zeit verändert und der spätere Betrachter etwas anderes mit dem jeweiligen Denkmal verbindet als ursprünglich beabsichtigt war.
Nun soll auf das Denkmal in Form eines Tempels eingegangen werden.
Viele Tempel des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden im Zuge von Triumphen durch siegreiche Imperatoren gestiftet. Jene Imperatoren legten meist ein Gelübde ab, das sich an eine Gottheit richtete, der man einen Tempel erbauen wollte und die in irgendeiner Weise mit dem Feldzug zu assoziieren war. Dieser Assoziation konnte ein bestimmtes Erlebnis zu Grunde liegen, das man auf eine bestimmte Gottheit zurückführte. Eine andere Möglichkeit ist die strategische Wahl einer Gottheit, die eine bestimmte römische Tugend symbolisierte und derer man sich so den Schutz eines Günstlings erwerben wollte. 4 Aus dem eben genannten Anlass des Triumphs beschreibt Leena Pietilä-Castrén jene Tempel auch als „victory monuments“, von denen aus der Zeit der Punischen Kriege von 264- 146, 25 Tempel bekannt sind. 5 Während des 3. Jahrhunderts war die Gründung eines Tempels alleiniges Privileg eines Konsuls, doch im Laufe der Zeit änderte sich dies und auch Prätoren konnten sich durch Monumente ein Denkmal setzen. 6 Im 3. Jahrhundert blieb der Tempel jedoch das beliebteste „victory monument“, um sich und seine Taten zu erinnern und wurde so zu einem Bauwerk, das an erfolgreiche Kämpfe und Feldherren erinnerte. 7 Warum konnten die Römer es sich jedoch erlauben, Tempel, die der Gattung eines Sakralbaus angehören, für politische bzw. private Zwecke zu instrumentalisieren? Die Antwort liegt in der Verstrickung staatlicher Handlungen mit religiösen Ritualen, die in der römischen Kultur nichts Neues darstellte. 8 Hinzu kommt, dass die Traditionen wie jährliche Feste und ein Festtag im Kalender der Erhaltung des Erinnerungswertes nur zuträglich waren, da so ein Ereignis bzw. eine Person immer wieder in das Gedächtnis der Menschen gerufen wurde. 9 Weitere Überlegungen, welche die Erbauer von Siegesmonumenten damals angestellt haben könnten, um den Erinnerungswert anzuheben, waren die Überlegungen über die Wahl der
4 Hölscher, Die Alten vor Augen, S. 199. Pietilä-Castrén, Magnificentia publica, S. 163.
5 Pietilä-Castrén, Magnificentia publica, S. 162.
6 Ebd., S. 162.
7 Hölkeskamp, Exempla und mos maiorum, S. 307. Kolb, Rom, S. 164.
8 vgl. dazu Hölscher, Die Alten Vor Augen, S. 191, wo er von einer Konstituierung des politischen Gedächtnisses auf Kosten der religiösen Traditionen spricht.
9 Hölscher, Die Alten vor Augen, S. 198.
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Kyrill Scheel, 2005, Der Tempel der Iuturna im Zeichen der römischen Memorialpraxis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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