Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung/ Kurze Inhaltsangabe 3
2. Erziehungsmaxime: 4
3. Fazit: 15
4. Entstehungsgeschichte des Pinocchio: 15
5. Biographie von Carlo Collodi 17
6. Literaturverzeichnis 18
2
1. Einleitung/ Kurze Inhaltsangabe
Carlo Collodi schuf mit seinem „Pinocchio“ einen Kindheitsroman, in dem der große Schritt von der Kinderwelt in die der Erwachsenen dargestellt wird. Die Entwicklung des Kindes zum Menschen, also seine Sozialisation und damit das „Mitgliedwerden“ in der Gesellschaft stehen im Zentrum des Erziehungsromans:
„In einer (…) mit Figuren allegorisch inszenierten Welt macht eine Holzpuppe die Erfahrung von der Geltung
erzieherischer Moral.“ 1
Pinocchio ist ein typisches Beispiel eines „ ganz normalen“ Kindes: Er ist widerspenstig, frech, ungehorsam und undankbar. Er will weder zur Schule gehen, um zu lernen, noch seinem Vater ein braver und tüchtiger Sohn sein:
„Fra i mestieri del mondo non ce n’è che uno solo che veramente mi vada a genio. (…) Quello di mangiare, bere,
dormire, divertirmi e fare dalla mattina alla sera la vita del vagabondo.“. 2
So beschreibt Pinocchio die Vorstellung von seinem Leben, als ihn die Grille auf sein falsches Handeln aufmerksam macht.
Schon während des Schnitzens muss Meister Gepetto erfahren, dass es sich bei dem Stück Holz, das er bekommt, nicht um ein gewöhnliches Holz handelt. Dieses Stück Holz kann lachen, sprechen und laufen. Kaum malt Gepetto ihm Augen, starren sie ihn böse an. Kaum malt er ihm einen Mund, fängt das hölzerne Männlein an zu lachen und streckt seinem Erzeuger die Zunge heraus. Kaum schnitz ihm Gepetto seine Beine, tritt er ihn und rennt ihm davon. Der Hampelmann ist von Natur aus unartig, ungehorsam und böse - und damit ein Modell für alle Kinder. 3 Pinocchio wird immer wieder von Menschen und Tieren, vor allem aber von der sprechenden Grille, gewarnt, doch er weiß es immer besser und fasst seine eigenen Entschlüsse. Die Ratschläge weist er zurück und fällt somit immer wieder in verschiedene Fallen. Er macht genau das Gegenteil von dem, was er tun soll und dafür wird er bestraft.
1 Vom Hampelmann zum Menschen, S. 117
2 vgl. Pinocchio
3 Vgl. Vom Hampelmann zum Menschen, S. 116
3
Die Holzpuppe sieht zwar ein, dass sie falsch gehandelt hat und dafür die gerechte Strafe bekommt. Auch fasst sie stets gute Vorsätze und schwört sich nie wieder unartig zu sein, doch dies währt nicht lange.
2. Erziehungsmaxime:
Das dritte Kapitel stellt die eigentliche „Geburt“ Pinocchios dar. Gepetto ist der Erzeuger der Holzpuppe und macht sich selbst zu ihrem Vater, indem er ihr einen Namen gibt. Bereits in diesem Kapitel wird Gepettos Antiautorität und Hilflosigkeit in Bezug auf Pinocchios Streiche deutlich. Pinocchio streckt dem Vater die Zunge heraus, lacht über ihn und klaut ihm seine Perücke. Auf die Drohungen Gepettos lacht Pinocchio nur noch lauter, worauf Gepetto furchtbar traurig wird. Alle Erwartungen an seinen Sohn werden enttäuscht 4 :
„ Birba d’un figliolo! Non sei ancora finito da fare, e già cominci a mancar di rispetto a tuo padre! Male,
ragazzino mio, male!” 5
seufzt Gepetto. Auch als Pinocchio seinem Vater gegen die Nasenspitze tritt, nimmt Gepetto alle Schuld auf sich und redet sich ein, dass er es verdient habe, weil er vorher daran hätte denken sollen. Alfred Adler spricht hier von der „Aufkündigung des Generationsvertrages durch den Sohn“ 6 : Gepetto hatte vor, mit dem hölzernen Männlein herumzureisen und so sein Geld zu verdienen, doch diesen Plan scheint ihm sein Söhnchen zu Nicht machen zu wollen. Schließlich kommt es sogar so weit, dass Pinocchio aus dem Haus rennt und von einem Gendarmen eingefangen wird. Der Freiheitsdrang des Kindes zeigt seine Revolte gegen den Vater. Gepetto ist sehr verärgert über diese Unartigkeit und schimpft mit Pinocchio. In diesem Moment ist Gepetto sehr zornig und zeigt es Pinocchio auch. Er spricht wie ein entrüsteter und über sein Verhalten schwer enttäuschter Vater zu seinem Sohn. Als Pinocchio die Drohung aus Gepettos Mund hört, legt er sich einfach auf den Boden und geht nicht weiter. Er hat also wieder den Vater in der Hand und ist „Herr der Lage“. Diese Situation bringt die typischen Kennzeichen der beiden Generationen zum Ausdruck: Der besorgte, aber aufgebrachte Vater und das widerspenstige, freche Kind, das keine Konsequenzen für sein Verhalten tragen will.
4 vgl. Alfred Adler, S. 79…
5 vgl. Carlo Collodi, Pinocchio, S. 15 …
6 vgl. Alfred Adler, S.79…
4
Das Kind hat die Schwächen des Vaters erkannt und weiß genau wie es bekommt was es will. Die Menschen um Pinocchio und Gepetto herum, die diese Szene beobachten, sind empört über Gepettos Strenge und veranlassen den Polizisten dazu, nicht Pinocchio ins Gefängnis zu stecken, sondern den armen Gepetto. Auch hier wird nochmals Gepettos Antiautorität deutlich. Er kann sich nicht durchsetzen, findet keine Worte zu seiner Verteidigung und weint sogar wie ein kleines Kind, als ihn der Gendarm abführt. Gepetto nimmt die ganze Schuld für das Geschehen wiederum auf sich und erneut wird seine Enttäuschung über den missratenen Sohn offenbart.
Neben seinem Vater Gepetto versucht auch die Grille - il Grillo parlante - Pinocchio zu einem tüchtigen Menschen zu erziehen. Im vierten Kapitel taucht sie erstmals auf, als Pinocchio nach seiner Flucht wieder nach Hause zurückkehrt. Die Grille symbolisiert Pinocchios Gewissen, sie macht ihn in Form einer Drohung darauf aufmerksam, dass Kinder, die nicht ihren Eltern folgen, dies früher oder später bereuen werden. 7 Als Pinocchio davon jedoch nichts hören will, denn
„… io so che domani, all’alba, voglio andarmene di qui, perché se rimango qui, avverà a me quel che avviene a tutti gli altri ragazzi, vale a dire mi manderanno a scuola, e per amore o per forza mi toccherà a studiare; e io, a dirtela in confidenza, di studiare non ne ho punto voglia, e mi diverto più a correre dietro alle farfalle e a salire su per gli alberi a prendere gli uccellini di nido.” 8 ,
lässt sich die Grille nicht aus der Ruhe bringen und redet Pinocchio weiter ins Gewissen. Pinocchio solle wenigstens ein Handwerk lernen, um so auf ehrliche Weise sein Brot zu verdienen. Auch diesen Rat weiß Pinocchio nicht zu würdigen, denn er möchte am liebsten den ganzen Tag nur essen und faulenzen. Doch davor warnt ihn die Grille ebenfalls. Diese drei Grundlagen moralischen Verhaltens machen die Rolle der Grille als Erzieher deutlich und verweisen auf die Erziehungsziele nach dem Risorgimento. Sie spricht ruhig und standhaft und weist Pinocchio auf die wichtigsten Regeln auf dem Weg zum Erwachsenwerden hin: Vater und Mutter gehorchen, zur Schule zu gehen und wenn nicht dies, dann wenigstens für sein Geld zu Arbeiten. Auf phantastisch- allegorische Weise zeigt Collodi hier, dass „eine bloß verbalmoralisierende Erziehung, ein warnend erhobener Zeigefinger als Mittel der im Kinderbuch dargestellten Erziehung wirkungslos ist.“ 9
7 vgl. Carlo Collodi, S. 17 (dt.) …
8 Carlo Collodi, S. 17,18
9 vgl. Vom Hampelmann zum Menschen, S. 116
5
Arbeit zitieren:
Marilena Venia, 2006, Pinocchio als Erziehungsroman, München, GRIN Verlag GmbH
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