IV
3.1 Personelle Aspekte 23
3.1.1 Zur hohen Personalintensität auf
Kreuzfahrtschiffen und zahlenmäßiger
Mitarbeiterproduktivität 24
3.1.2 Ansätze zur Bedeutung des starren
Personalbestands 26
3.2 Zum Problem des hohen Fixkostenblocks 27
3.3 Untersuchung der Wahl von Basis- und Anlaufhäfen 29
4 Angebotsseitige Kategorisierung von
Passagierschiffen nach Douglas Ward 31
4.1 Kriterien und Bewertungsschema 33
4.2 Ergebnisse der Evaluation 2005 35
4.2.1 Branchenergebnisse und strukturelle Daten 35
4.2.2 Herausragende Bewertungen 36
5 Produktpolitische Positionierung 37
5.1 Grundlagen und Abgrenzungen 37
5.1.1 Das Innovationsmanagement 38
5.1.2 Das Management bereits am Markt
etablierter Produkte 38
5.1.3 Das Markenmanagement 41
5.2 Notwendigkeit der produktpolitischen Positionierung in
der Kreuzfahrtbranche 41
5.3 Praktische Umsetzung am Kreuzfahrtmarkt 42
5.3.1 Festlegung des Produktes und Wahl der
Schiffsphilosophie 42
5.3.2 Positionierung im Sternesegment 44
5.3.3 Serviceleistungen 45
5.3.3.1 Pre-Cruise-Services 45
V
5.3.3.2 In-Cruise-Services 46
5.3.3.2.1 Beherbergungs- und
gastronomische Leistungen 47
5.3.3.2.2 Entertainment und
Landausflüge 47
5.3.3.2.3 Non-Cruise-Business an
Bord 48
5.3.3.3 Post-Cruise-Services 48
5.3.4 Angebot der Destinationen und Routen 50
5.3.4.1 Typische Routen klassischer
Kreuzfahrtschiffe 50
5.3.4.2 Bevorzugte Routen von Clubschiffen 51
5.3.4.3 Besonderheiten des Routings bei
Kreuzfahrten im unteren Sternesegment 54
6 Angebotsseitige Positionierung anhand ausgewählter
Kreuzfahrtunternehmen 55
6.1 Anbieter des Premiumsegments 55
6.1.1 Seabourn Cruise Line 56
6.1.2 Hapag-Lloyd Kreuzfahrten 59
6.1.3 Kritische Würdigung 63
6.2 Linien des Mittelklassesegmentes 63
6.2.1 Royal Caribbean International 63
6.2.2 Costa Kreuzfahrten 68
6.2.3 Kritische Würdigung 71
6.3 Clubschifflinien 72
6.3.1 Norwegian Cruise Line 72
6.3.2 Aida Cruises 76
6.3.3 Kritische Würdigung 79
VI
6.4 Positionierung im Low-Cost Sektor am Beispiel
EasyCruise 79
7 Probleme und Tendenzen der Kreuzfahrt-industrie 82
7.1 Überkapazitäten 82
7.1.1 Aktuelle Branchensituation 82
7.1.2 Zukünftige Kapazität der Weltkreuzfahrtflotte 83
7.2 Konzentrationstendenzen 84
8 Ausgewählte Ansätze zur Ertrags-verbesserung und
Marketing-Strategien 85
8.1 Ausflaggung 85
8.2 Privatinseln im Besitz von Kreuzfahrtunternehmen 87
8.3 Preispolitische Maßnahmen 88
8.4 Produkt-Markt-Strategien 90
9 Schlußbetrachtung 93
Anhangsverzeichnis............................................................................................ 94 NA
Literatur- und Quellenverzeichnis 98
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
BRZ Bruttoraumzahl
DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband
FVW Zeitschrift Fremdenverkehrswirtschaft
international
MS Motorship, Motorschiff
NCL Norwegian Cruise Line
RCI Royal Caribbean International
TS Turbine Steamer, Turbinen-Dampfschiff
u.a. unter anderem
z.B. zum Beispiel
DARSTELLUNGSVERZEICHNIS
Darst. 1 Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen
anhand BRZ und Passagierkapazität.
11 Darst. 2 Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen
anhand Ausstattung, Komfort und Service Darst. 3 Korrelation zwischen Schiffskategorie und 12
Reisepreis
16 Darst. 4 Konzentrationen von
Kreuzfahrtunternehmen 2005
18 Darst. 5 Kooperationen in der Kreuzfahrtindustrie
2005
20 Darst. 6 Anzahl und Herkunft von Kreuzfahrt-
passagieren 2004
21 Darst. 7 Aufteilung der Gesamtbettenkapazität der
Kreuzfahrtindustrie 2004
25 Darst. 8 Zahlenmäßige Mitarbeiterproduktivität auf
Kreuzfahrtschiffen 2005
34 Darst. 9 Bewertungskriterien von Kreuzfahrtschiffen
nach Ward
kategorien für den Kreuzfahrtmarkt
Darst. 11 Die besten Kreuzfahrtschiffe der Welt –
bewertet nach Ward
Darst. 12 Leistungsangebot der Kreuzfahrtindustrie Darst. 13 Privatinseln im Besitz von
Kreuzfahrtunternehmen
1
1 PROBLEMSTELLUNG, ZIEL UND AUFBAU DER
ARBEIT
1.1 Einleitung
Kaum eine andere Form des Reisens wird so häufig mit dem Begriff „Traumreise“ assoziiert wie eine Kreuzfahrt. Und keine andere Form des Reisens wird mit soviel Abenteuer, Sehnsucht und Entdeckertum in Verbindung gebracht. 1
Die Kreuzfahrt, früher ein Nischenprodukt mit elitärem Image, hat sich zu einer Reise- und Urlaubsform für den Massenmarkt entwickelt. Kein Bereich des Tourismus konnte in den letzten Jahren höhere Zuwachsraten verzeichnen und hat vergleichbar innovative Ideen und Konzepte auf den Markt gebracht. 2
Kreuzfahrten weisen in vielen Aspekten herausragende Attribute auf, die das Reisen auf Kreuzfahrtschiffen so einzigartig und besonders machen.
Die Nutzung der meisten Transportmittel, ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, beruht auf einer derivativen, also einer abgeleiteten Nachfrage. Das bedeutet, dass die Ortsveränderung nicht um ihrer selbst wegen stattfindet, sondern die Ankunft am Zielort zu der entsprechenden Transportnachfrage geführt hat.
Die Nachfrage nach einer Kreuzfahrt hingegen hat fast immer einen originären Charakter. Das heißt, dass der Transport, also der Aufenthalt und die Leistungen an Bord mitsamt der vollzogenen Ortsveränderung, bereits die Motivation der Reise beinhaltet. 1 Vgl. Ward, 2005, S. 7.
2 Vgl. Financial Times Deutschland, 8. Juli 2005, Sonderbeilage.
2
Diese Tatsache reduziert den intermodalen Wettbewerb, d.h. den Wettbewerb zwischen Verkehrsträgern von Schiene, Strasse, Luft und Wasser bei Kreuzfahrten auf ein Minimum.
Einzigartig bei dieser Form des Reisens ist auch die Vielfalt der bereisten Ziele. In kurzer Zeit werden auf komfortabelste Weise unterschiedliche Destinationen angelaufen, die auf dem Land- und Luftweg nur mit großem logistischem Aufwand bereist werden können. Ein Beispiel sind hier kleine Karibikinseln oder auch das Kreuzfahrtgebiet Spitzbergen.
Manche Ziele, die mitunter von großer touristischer Bedeutung sind, können auch gar nicht anders als auf dem Wasserweg bereist werden; oder würden ihre wasserseitig vorhandene Attraktivität verlieren. Hier sind z.B. die Inside-Passage oder die Norwegischen Fjorde zu nennen. Auch der Panama-Kanal wäre ohne die Durchquerung per Schiff touristisch relativ uninteressant.
Eine weitere Besonderheit liegt in der Vielfalt von Funktionen, die ein Kreuzfahrtunternehmen innehat und die Kreuzfahrt dadurch zu einem derart diversifizierten Produkt werden lässt, welches in kaum einer anderen Urlaubs- und Reiseform zu finden ist.
Kreuzfahrtunternehmen sind Verkehrsunternehmen, Reiseveran- stalter, Hotel- und Gastronomiebetriebe in einem. Hinzu kommt verstärkt die Funktion der Eventagentur – sowohl an Bord als auch bei Landgängen. 3
Aufgrund der aufgeführten Faktoren, die sich auch erst im Zeitablauf der letzten Jahre entwickelt haben, bietet sich die Kreuzfahrt als Reiseform für eine heterogene Nachfragegruppe an.
Sprachprobleme tauchen bei Wahl des richtigen Schiffes nur im geringen Ausmaß auf, und die körperlichen Anstrengungen dieser Reiseform sind minimal. Aufgrund der Vielzahl von Destinationen und 3 Vgl. Bord- und Ausflugsprogramm der Kreuzfahrtveranstalter.
3
Schiffen offerieren Kreuzfahrtveranstalter heutzutage Schiffsreisen, die nahezu jeden Geschmack treffen.
So sind in den letzten Jahren viele neue Schiffe, Ideen und Konzeptionen in den Markt eingetreten. Die klassische Kreuzfahrt in ihrer bisherigen Form ist in vielen Aspekten, vor allem die Produktpolitik betreffend, diversifiziert worden. Mittlerweile gibt es - national und international - schwimmende Clubanlagen, preisgünstige Mittelklasseschiffe für Familien und auch Kurzkreuzfahrten zum Austesten dieser Reiseform. Auch ein Low-Cost-Schiff mit äußerst preisaggressiven Tarifen bietet Kreuzfahrten im Mittelmeer und der Karibik an. 4 Trotzdem ist und bleibt die Kreuzfahrt als Urlaubsform etwas Besonderes – und zählt auch heute noch zu den Reisen, die als Inbegriff von Luxus, Prunk und Genuss gelten.
Es ist deutlich, dass die Kreuzfahrt sich von anderen Urlaubsformen markant abhebt. Die aufgeführten Faktoren sind für eine Kreuzfahrt von basaler Natur, als Gesamtprodukt betrachtet jedoch stellen sie im Wesentlichen die „USP“, die „Unique Selling Proposition“ von Kreuzfahrten dar. 5
1.2 Besondere Herausforderung dieser Arbeit
Die Kreuzfahrtbranche boomt zurzeit wie kaum ein anderer Zweig der Touristik. Im letzten Jahrzehnt ist der Markt extrem gewachsen, hat sich aber auch gewandelt. Trends haben sich entwickelt und innovative Konzepte sind in den Markt eingetreten. Die früher doch 4 Low-Cost-Schiffsreisen zählen der Definition nach nicht zu Kreuzfahrten, vgl. Kap. 2.1.1. Die anbieterseitige Positionierung jedoch erfolgt als Kreuzfahrt, vgl. Kap. 6.4.
5 USP = Unique Selling Proposition ist ein strategischer Wettbewerbsvorteil / deutlich erkennbarer Produktvorteil. Vgl. Schmalen, 1996, S. 352, S. 483. Nach Dettmer et al., 1999, S. 144 wurde der Begriff der USP 1923 von einer New Yorker Werbeagentur geprägt.
4
eher konservative Branche mit klar kommunizierter Zielgruppe und entsprechendem Publikum hat neue Wege eingeschlagen.
Daten und Fakten über die aktuelle Marktsituation sind umfassend vorhanden. Doch leider basieren diese Daten auf international sehr heterogenen Quellen, was zu einer starken Verzerrung der Fakten führt. Auch ein direkter Vergleich der Märkte national und international ist schwierig bis nahezu unmöglich, da oft wenig Komparabilität gegeben ist.
Das größte Problem liegt – neben den heterogenen Datenquellen – im Mangel an akademischer Literatur. Die verfassten Werke zum Thema Kreuzfahrten sind größtenteils in den späten Achtzigern entstanden. Darin werden basale Elemente erfasst, jedoch der heutige Kreuzfahrtmarkt in keiner Form berücksichtigt. Themen wie die Positionierung im produktpolitischen Bereich, Zielgruppen und Marketingstrategien sind in der akademischen Literatur der Achtziger Jahre kaum vertreten.
Aktuelle Werke sind meistens in Form von populärwissenschaftlichen Arbeiten oder Artikeln in Fachzeitschriften zu finden. Diese Veröffentlichungen beinhalten jedoch größtenteils Produkt- oder Reisebeschreibungen.
Die besondere Herausforderung dieser Arbeit liegt entsprechend darin, die lückenhaft vorhandene akademische Literatur und die heterogenen Datenquellen so zu verwerten, dass ein schlüssiger Überblick über den nationalen und internationalen Kreuzfahrtmarkt im produktpolitischen Vergleich gegeben werden kann.
1.3 Vorgehensweise
Die einzelnen Kapitel dieser Arbeit sind aufeinander aufbauend gestaltet. Zu Beginn wird Grundsätzliches zum Thema Kreuzfahrten
5
behandelt, wie z.B. Abgrenzungen, Definitionen und die Entstehungsgeschichte.
Eine darauf folgende kurze Skizzierung der aktuellen Situation gibt Aufschluss über das Marktvolumen, sowie einige Eckdaten und den heutigen Stand der Branchenstruktur.
Einige betriebswirtschaftliche Besonderheiten und relevante Aspekte der Kreuzfahrtbranche runden die ersten Kapitel dieser Arbeit ab.
Auf dieser Basis folgt daraufhin die angebotsseitige Kategorisierung der Branche.
Anschließend werden relevante Aspekte und Differenzierungs- möglichkeiten der produktpolitischen Positionierung und das Leistungsangebot der Kreuzfahrtindustrie vorgestellt. Anhand ausgewählter Unternehmen der Kreuzfahrtindustrie sollen verschiedene Marktpositionen verdeutlicht werden. Im darauf folgenden Kapitel werden aktuelle Probleme der Branche erörtert, fernerhin positive und negative Tendenzen und Prognosen beschrieben.
Diese Arbeit findet ihren Abschluss in der Erläuterung von ausgewählten Ansätzen zur Verbesserung der anbieterseitigen Ertragslage.
2 GRUNDLEGENDES ZUR KREUZSCHIFFFAHRT
UND MARKTANALYSE
Kreuzfahrten werden in vielfältiger Form und Art angeboten. Es existieren Kreuzfahrten auf Hochsee- und auf Flußschiffen. Im weiteren Sinn können Frachtschiffreisen, bei denen Passagiere an Bord genommen werden, hinzugezählt werden. Ebenfalls zu Kreuzfahrten im weiteren Sinn zählen Küstenfahrten (z.B.
6
Hurtigruten) und Linienfahrten im Transatlantikdienst (z.B. mit der „Queen Mary II“ von Cunard Lines). 6 Linienverbindungen mit kürzeren Distanzen sollen hier aufgrund des Fährcharakters unbeachtet bleiben. Ebenso bleiben Nischenprodukte wie Kreuzfahrtschiffe für Residenten (Schiff „The World“) hier ohne Betrachtung.
Im Folgenden soll vertiefend auf das Produkt der Hochseekreuzfahrt eingegangen werden. Hierzu zählen sowohl Kreuzfahrten ohne spezielle Charakterisierung als auch Reisen, die als Studienkreuzfahrten und Themenreisen durchgeführt werden. Expeditionskreuzfahrten können teilweise zu dieser Kategorie hinzugezählt werden, sind aber oft nicht eindeutig abzugrenzen. 7
2.1 Terminologische Festlegungen und Abgrenzungen
2.1.1 Definitionen zum Thema Kreuzfahrten
Definitionen und Begriffsabgrenzungen zum Thema Kreuzfahrten bleiben oft recht oberflächlich und beziehen sich häufig nur auf Teilaspekte der Kreuzfahrt auf einem Hochseeschiff. Häufig anzutreffende Definitionen beinhalten die Punkte, dass Kreuzfahrten Schiffsurlaubsreisen mit Pauschalreisecharakter sind, bei denen auf einer festgelegten Route verschiedene Häfen angelaufen werden. Die Passagiere haben dabei die Möglichkeit zur Teilnahme an Landausflügen mit entsprechendem Besichtigungs- programm. 8 6 Vgl. Baumann & Mundt Reiseveranstaltung, 2000, S. 289 ff.
7 Z.B. weist die „MS Columbus“ von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten einige Expeditionscharakteristika auf, zählt im eigentlichen Sinn aber als Kreuzfahrtschiff.
8 Vgl. Baumann & Mundt, Reiseveranstaltung, 2000, S. 289 ff.; Pompl, 1997, S. 288; Schroeder, 2002, S. 201.
7
Diese Aspekte treffen zwar basale Elemente jeder Kreuzfahrt, lassen jedoch wichtige Aspekte unberührt. Daher besteht die Notwendigkeit, die Begriffsabgrenzungen umfassender zu gestalten, auch um neuere Konzeptionen zu inkludieren.
Daher sollte eine umfassende Definition auch die folgenden Aspekte berücksichtigen: eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff beinhaltet ebenfalls die Transportleistung, also die vollzogene Ortsveränderung, Leistungen der Hotellerie und des Restaurants. Eine Kreuzfahrt ist eine Reise, bei der ein basales Element in der Bildung, Unterhaltung und Begegnung liegt. Ferner ist zu betonen, dass eine Kreuzfahrt bzw. das Schiff als eigene Urlaubsdestination anzusehen ist, da von den Passagieren nicht (mehr) das vordringliche Ziel verfolgt wird, an einem Ort anzukommen, sondern auf dem Kreuzfahrtschiff unterwegs zu sein. 9
Ein möglicher Definitionsansatz für Hochseekreuzfahrten könnte sein:
„Eine Kreuzfahrt ist eine Urlaubsreise auf einem Hochseeschiff, bei der mehrere Häfen angelaufen werden. Die Passagiere haben dort die Möglichkeit zu Landausflügen. Eine Kreuzfahrt beinhaltet auch Verpflegung, Unterhaltung und die Teilnahme am Bordleben, das entsprechend der Philosophie des Schiffes gestaltet ist. Ebenso enthalten ist die vollzogene Ortsveränderung, die in der Regel aus originärer Nachfrage resultiert.“ 9 Vgl. Schäfer, 1998, S. 8.
8
2.1.2 Zur Einteilung der Schiffe in Kategorien
Die Weltkreuzfahrtflotte besteht aus über 300 Schiffen. Diese Kreuzfahrtschiffe sind in ihren Attributen natürlich nicht alle gleich, sondern offerieren ein ganzes Spektrum an unterschiedlichen Angeboten. Durch diese Vielzahl erscheint es sinnvoll, Schiffe gleicher oder sehr ähnlicher Merkmale zu Gruppen zusammen zu fassen. Bei der Einteilung von Kreuzfahrtschiffen in Kategorien gibt es unterschiedliche Ansätze. Unterteilungen in die Philosophie der Schiffe, wie z.B. Clubcharakter oder Studienreisefocus sollen bei dieser Einteilung nicht betrachtet werden. Unterteilungen dieser Art betreffen den service- und themenorientierten Schwerpunkt der Schiffe und sind damit jederzeit veränderbar.
Ebenso sollen hier Unterteilungen nach Antriebsart der Schiffe (z.B. Segelyacht, Motorschiff, Turbinenschiff) keine Anwendung finden, da diese Unterscheidung für das Produkt Kreuzfahrt bei dieser Arbeit wenig relevant ist.
Nachfolgend sind zwei Einteilungskriterien für die Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen aufgeführt, die die Schiffe klar abgrenzbar charakterisieren.
9
2.1.2.1 Einteilung nach Aspekten der Schiffsgröße
Die Größe eines Schiffes wird in Bruttoraumzahl bestimmt. Diese wird
in Tonnen angegeben und gibt damit die Masse des seefest
abgeschlossenen Innenraumes des Schiffes an. 10
Die Bruttoraumzahl korreliert mit der Anzahl der Passagiere, die ein
Schiff aufnehmen kann. Das zurzeit größte Schiff der Welt ist die
„Queen Mary II“ mit einer Bruttoraumzahl von 149.000 Tonnen und
einer maximalen Passagierkapazität von 2.620 Personen. 11
Das Maß der Bruttoregistertonne (BRT) hingegen wird international
seit 1994 nicht mehr verwendet.
Abb.1: Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen anhand BRZ
Tabelle: Eigene Darstellung nach Ward, 2005, S. 150 und eigene Recherchen bei
Kreuzfahrtanbietern.
10 Vgl. Internetseite Schifffahrtslexikon.
11 Vgl. Ward 2005, S. 484.
10
2.1.2.2 Einteilung nach Ausstattung und Dienstleistungs- qualität
Eine andere Form der Unterteilung ist die der Leistungskategorie in Bezug auf die Ausstattung und Dienstleistungsqualität. Diese ist ähnlich den Hotelklassifizierungen nach Sternen und lässt sich in fünf Kategorien einteilen. 12 Obwohl die Dienstleistungsqualität natürlich variabel sein kann, ist eine hohe Korrelation zwischen der Ausstattung eines Schiffes und der gebotenen Dienstleistung anzutreffen. 12 Vgl. auch Kap. 4.
11
Abb.2: Kategorisierung von Kreuzfahrtschiffen anhand
Tabelle: Eigene Darstellung nach Ward 2005, S. 150, Interview mit Frau Lehmann,
DEHOGA und Katalogen von Kreuzfahrtanbietern.
An dieser Stelle soll zur Vervollständigung und Verdeutlichung ein
kurzer Überblick über die durchschnittlichen Kreuzfahrttarife je
Kategorie gegeben werden. Die Angaben beziehen sich jeweils auf
13 In Anlehnung an das System von Ward, vgl. Kapitel 4.
12
den Reisepreis pro Tag und pro Person auf Basis einer Doppelbelegung der Kabine. 14
Abb. 3: Korrelation zwischen Schiffskategorie und Reisepreis
2.2 Historischer Rückblick
Die eigentliche Idee der Kreuzfahrt war aus der Not heraus geboren. Ende des 19. Jahrhunderts stand der Großteil der Passagierschiffe im Dienste der Linienreedereien, die sowohl kontinental als auch interkontinental operierten. Diese komfortablen Schiffe waren in den Sommermonaten gut ausgelastet, im Winter jedoch war die Buchungslage sehr schlecht. Daraus resultierend wurde nach einer Möglichkeit gesucht, die kostenintensiven Schiffe und die Besatzung auch in den buchungsschwachen Wintermonaten zu beschäftigen.
Albert Ballin, der damalige Direktor der HAPAG (Hamburg- Amerikanische-Paketfahrt-Aktiengesellschaft), fand einen Ausweg aus diesem betriebswirtschaftlichen Problem und legte damit den 14 Als Branchenüberblick dient der Durchschnittspreis als geeignetes Instrument. Bei einzelnen Schiffen respektive Flotten jedoch kann der Durchschnittspreis als Vergleichsinstrument Verzerrungen aufweisen. Vgl. Kapitel 6.
13
Grundstein zur Kreuzfahrt in der heutigen Form. Ballin veranstaltete die erste Vergnügungskreuzfahrt, die als „Orient-Excursion“ ausgeschrieben war. Am 22. Januar 1891 stach die „TS Augusta Victoria“ mit 241 Passagieren internationaler Herkunft an Bord von Cuxhaven aus in See. Diese erste Kreuzfahrt der HAPAG verlief über britische, portugiesische und italienische Häfen, über Jaffa und Beirut.
Aufgrund des Erfolges der Reise und der resultierenden Nachfrage konnte im Jahre 1894 von der HAPAG die nächste Kreuzfahrt, eine Nordlandreise, veranstaltet werden. Diese wurde wieder mit der „Augusta Victoria“ durchgeführt. Zwei Jahre später brach das Schwesternschiff „TS Columbia“ sogar zu einer Westindien-Kreuzfahrt auf. 15 Die Idee von Albert Ballin und seinem Unternehmen erwies sich in den folgenden Jahren als so zugkräftig, dass auch andere Reedereien und Schiffseigner seinem Beispiel folgten und mit ihren Linienschiffen erste Kreuzfahrten veranstalteten.
Der Niedergang der Linienschifffahrt wurde bald darauf durch die Entwicklung und den Einsatz von Flugzeugen als Massenverkehrs- mittel für weite Distanzen ausgelöst. 16 Zu diesem Zeitpunkt mussten sich die Schiffsunternehmer von ihrem Kerngeschäft lösen und die Schiffe entsprechend den Ansprüchen der Kreuzfahrtgäste umzurüsten.
Von nun an, forciert durch die Wirtschaftwunderjahre, begann in Europa und Nordamerika ein rasantes Wachstum in der Kreuzfahrtbranche. Ein Anstieg der Passagierzahlen im zweistelligen Bereich konnte generiert werden, was einen Bauboom an Kreuzfahrtschiffen in den Werften hervorrief.
Ein wesentlicher Einbruch der progressiv steigenden Branche erfolgte zu Beginn der Achtziger Jahre. Die Verknappung der
15 Vgl. Mundt, Reiseveranstaltung, 2000, S. 283 f.; Schäfer, 1997, S. 47 ff.
16 Vgl. Pompl, 1997, S. 288.
14
Rohölfördermenge führte zu einer Explosion des Ölpreises auf dem Weltmarkt, was eklatante Auswirkungen auf den Kreuzfahrtmarkt hatte. Die Preise für Kreuzfahrten stiegen Jahr für Jahr, den negativen Höhepunkt dieser Preisexplosion bildete das Jahr 1982. In diesem Jahr betrug die Steigerung der Kreuzfahrttarife 35% im weltweiten Durchschnitt. Erst vier Jahre später verlangsamte sich dieser Preisauftrieb und ein Ende dieser Rezession war in Sicht. 17
Von nun an belebte sich der internationale Kreuzfahrtmarkt zusehends. Europäische Reedereien und Kreuzfahrtveranstalter generierten immer höhere Umsätze und konnten somit immer neuere Schiffe kaufen und in Dienst stellen.
Der amerikanische Markt konsolidierte sich insofern, dass überproportional viele Routen in die Karibik nachgefragt wurden. Der Quellmarkt bestand hier vor allem aus Passagieren von der Ostküste der USA. Bis dato fuhren die Schiffe größtenteils ab dem Basishafen New York, was aber aus mehreren Gründen nicht optimal war. Der Anreiseweg bis zur Destination Karibik war relativ lang, und aufgrund von kaltem, schlechtem Wetter und rauer See eher unangenehm. Hinzu kamen die hohen Liegekosten in New York. Um dies zu umgehen, errichteten die Reedereien Ende der Achtziger und zu Beginn der Neunziger Jahre Hauptquartiere in Florida, vor allem in Miami und Ft. Lauderdale. Dies hat sich als gute Entscheidung erwiesen, denn auch heute noch sticht ein Großteil der Kreuzfahrtschiffe, die in der Karibik kreuzen, von Südflorida aus in See. 18 17 Vgl. Hockmann, 1993, S. 31.
18 Vgl. Hockmann, 1993, S. 32.
15
2.3 Gegenwärtige Situation und kurzer
Marktüberblick
Der Kreuzfahrtmarkt befindet sich momentan in einer Wachstums- und Veränderungsphase wie nie zuvor. Die Branche hat in den letzten Jahren bis zu zweistellige Zuwächse an Umsatz und Passagierzahlen verbuchen können. 19 Der Umbruch der Branche zeigt sich sowohl im Entstehen neuartiger Konzeptionen, wie auch im veränderten Strukturschema der Reedereien und Veranstalter der Weltflotte an Kreuzfahrtschiffen.
2.3.1 Konzentrationen und Kooperationen in der
Kreuzfahrtbranche
Auf dem nationalen und internationalen Markt existieren sowohl unabhängige als auch in Konzerne integrierte
Unternehmen sei hier die Reederei Deilmann in Neustadt/Holstein genannt. Ein integriertes Kreuzfahrtunternehmen ist Hapag-Lloyd (eingebunden in den TUI-Konzern). Häufig erfolgt die Einbindung europäischer Reedereien und Veranstalter in nordamerikanische Kreuzfahrtunternehmen.
Konzentrationen
Unter Konzentration werden Unternehmenszusammenschlüsse im engeren Sinn (Fusion) sowie der Mehrheitserwerb am Grund- oder Hauptkapital bestehender Unternehmen (Konzernbildung) verstanden. 20 19 Vgl. Anhang A - Relevante Daten des deutschen Kreuzfahrtmarktes 2000 – 2004.
20 Vgl. Grochla / Wittmann, 1993, Teilbd. I, S. 1342.
Arbeit zitieren:
Alexa Ilgner, 2006, Nationaler und internationaler Kreuzfahrtmarkt im produktpolitischen Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Möglichkeiten und Grenzen einer strategischen Unternehmensplanung
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 48 Seiten
Führungskompetenzen von modernen Managern
BWL - Personal und Organisation
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Brand Management in the Hotel Industry and its Potential for Achieving...
Diplomarbeit, 120 Seiten
Instrumente der strategischen Unternehmensanalyse - Darstellung und Kr...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Studienarbeit, 41 Seiten
Kundenbindung und Markenführung mittels Eventmarketing
Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Red Bull's secret of marke...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Essay, 11 Seiten
Preispolitik in der Touristik am Beispiel von Fluggesellschaften und R...
Hauptseminararbeit, 37 Seiten
Impulse zur ökonomischen Relev...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Wissenschaftlicher Aufsatz, 8 Seiten
CRM - Customer Relationship Management
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Seminararbeit, 16 Seiten
Alexa Ilgner hat den Text Nationaler und internationaler Kreuzfahrtmarkt im produktpolitischen Vergleich veröffentlicht
Alexa Ilgner hat einen neuen Text hochgeladen
Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen 3 / National Pr...
Kroatien, Österreich, Serbien ...
Albin Eser, Ulrich Sieber, Helmut Kreicker, Irene Kortel
Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen / National Pros...
Australien, China, England/Wal...
Anke Biehler, Christina Kerll, Thomas Richter, Christiane Rabenstein, Ralf Bahrenberg, Siegfried Lammich, Albin Eser, Ulrich Sieber, Helmut Kreicker
Die Internationalisierung der Wissenschaftspolitik: Nationale Wissensc...
Joachim Jens Hesse
Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen / National Pros...
Canada, Estonia, Greece, Israe...
Albin Eser, Ulrich Sieber, Helmut Kreicker
Monumentalism/Monumentalisme: History, National Identity and Contempor...
geschiedenis, nationale identi...
Jelle Bouwhuis, Margriet Schavemaker
The Legacy of Homer: Four Centuries of Art from the Ecole Nationale Su...
Emmanuel Schwartz, Philippe Senechal, George Steiner
Catalogue Des Fragments Coptes de La Bibliotheque Nationale Et Univers...
Anne Bouvarel-Boud'hors, A. Boudaehors
0 Kommentare