Helmut – Schmidt – Universität, Universität der Bundeswehr HH
Seminar: Ausgewählte Aspekte der Geschichte der Pädagogik:
Von den Vorsokratikern bis zur Gegenwart
Georg Michael Kerschensteiner:
Von der staatsbürgerlichen Erziehung bis zur Berufsschule
von: Patrick Gutsch
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Georg Kerschensteiner – Eine Kurzbiografie 5
3. Die staatsbürgerliche Erziehung 9
4. Die Fortbildungsschule 12
4.1. Die Bedeutung der Berufsbildung 12
4.2. Organisation der Fortbildungsschule 13
4.3. Die Schulwerkstatt 16
5. Die Berufsschule 19
6. Die Konzeption Kerschensteiners in der Kritik 21
7. Zusammenfassung 23
8. Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung
Georg Michael Kerschensteiner gilt als einer der bedeutendsten deutschen Pädagogen des 20. Jahrhunderts. Die von ihm als Münchener Stadtschulrat durchgesetzte Umstrukturierung des Berufsschulwesens ist in ihren Grundzügen heute noch präsent. So führte die Verknüpfung von Fachpraxis und Fachtheorie, sowie die Vermittlung von allgmeinbildenden Lehrinhalten im Sinne der staatsbürgerlichen Erziehung zu dem Dualen System der Berufsausbildung, wie sie in Deutschland praktiziert wird. Genau diese Strukturierung der Berufsausbildung verschafft Deutschland im internationalen Vergleich großes Ansehen. Nichtsdestotrotz steht das Duale System vor dem Kontext der Europäisierung der Berufsausbildung im Fokus bildungspolitischer Diskussionen1. In diesem Zusammenhang erscheint es sinnvoll, die anfänglichen Entwicklungen aufzuzeigen, die zu dem heutigen System der Dualen Berufsausbildung geführt haben. Somit sind Kerschensteiners Überlegungen von der staatsbürgerlichen Erziehung bis hin zur Einführung der obligatorischen Fortbildungsschule, der späteren Berufsschule, Gegenstand dieser Hausarbeit. Im ersten Abschnitt der Arbeit soll eine kurze biografische Übersicht über den Lebensweg Kerschensteiners geben werden. Dabei soll aufgezeigt werden, welche persönlichen Erfahrungen und Handlungsmaxime dazu geführt haben, dass der junge Kerschensteiner zu einem der bedeutendsten Schulreformer Deutschlands heranwachsen konnte.
Die staatsbürgerliche Erziehung, die das Fundament der berufspädagogischen Überlegungen Kerschensteiners darstellt, wird im zweiten Teil der Hausarbeit thematisiert. Dabei soll zunächst eine Begriffsdefinition gefasst und im Anschluss das Ziel erläutert werden, das Kerschensteiner durch dieses Instrument erreichen wollte. Das Konzept der obligatorischen Fortbildungsschule ist Gegenstand des Folgeabschnitts. In diesem Zusammenhang soll zunächst dargelegt werden, welche Bedeutung Kerschensteiner der Berufsbildung zuschreibt und darauffolgend die Organisation der obligatorischen Fortbildungsschule, unter Berücksichtigung der Schulwerkstatt als deren wesentlichstes Mittel, beleuchtet werden. Der vierte Teil der Arbeit beschreibt die Entwicklung der Fortbildungsschule zur Berufsschule und geht in diesem Kontext auf Kerschensteiners Forderungen ein, die er angesichts der Realisierung dieser Schulform stellt. In den beiden abschließenden Abschnitten soll exemplarisch Kritik an Kerschensteiners Überlegungen aufgezeigt und im Anschluss ein Fazit gezogen werden.
2. Georg Kerschensteiner – Eine Kurzbiografie
Georg Michael Kerschensteiner wurde am 29. Juli 1854 in München geboren. Sein Vater, Anton Kerschensteiner, erzog ihn mit harter Hand. Er legte bei seiner „schlichten Pädagogik“ (vgl. Kerschensteiner 1939, S.26) Wert auf Gehorsam, Ordnung und Pünktlichkeit und zögerte nicht, seinen Sohn zu züchtigen. Ferner war Anton Kerschensteiner auch Gewissenhaftigkeit bei der Bearbeitung von Schulaufgaben und die Einbeziehung seiner Kinder bei häuslichen Arbeiten wichtig.
Mit sechs Jahren wurde Georg Kerschensteiner in die Schulhaft der Heiliggeist – Pfarrschule in München aufgenommen, wo er erstmals seine Begeisterung für das Lesen und Zeichnen entdeckte (vgl. Kerschensteiner 1939, S.28ff). Zum Ende seiner Schulzeit an der Heiliggeist – Pfarrschule entschied sich der junge Georg, entgegen den langen Ausbildungen zum Kaufmann oder Geistlichen, für die fünfjährige Laufbahn der Schulmeister; zu diesem Zeitpunkt stellte diese Wahl für ihn das geringste der drei Übel dar (vgl. Kerschensteiner 1939, S.32f).
Mit zwölf Jahren wurde Georg Kerschensteiner in die Freisinger Präperandenschule aufgenommen. Seine spätere Frau beschreibt seine Einstellung zu seinem zukünftigen Beruf folgendermaßen: „Um das Ziel Lehrer zu werden, kreisten seine Gedanken nicht zu jener Zeit. Er lernte, weil es sein mußte und um die Eltern zu erfreuen.“ (Kerschensteiner 1939, S.35). Dennoch erhielt der sechzehnjährige Kerschensteiner im Jahre 1871 sein Schlussexamen mit der Note „sehr gut“ (vgl. Kerschensteiner 1939, S.40f).
Am 13. September 1871 übernahm Kerschensteiner ein Schulpraktikum im ländlichen Bezirksamt Ebersberg, wobei er selber kaum älter war als die Mädchen der Freitagsschule, die er unterrichtete. Während seiner Zeit als Praktikant setzte er sich mit trägen und faulen Schülern auseinander und lehrte mit zunehmender Strenge (vgl. Kerschensteiner 1939, S.41ff).
[...]
1 Einen exemplarischen Einblick in die Diskussion um die Umstrukturierung des Dualen Systems gibt die Informationsschrift „Erfolgsmodell duale Berufsausbildung: Fakten als Auftrag“ des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e. V..
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Patrick Gutsch, 2007, Zur Pädagogik Georg Michael Kerschensteiners. Von der staatsbürgerlichen Erziehung bis zur Berufsschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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