Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Begriffsbestimmungen 2
1.1 Kreolisch 2
1.2 Pidginsprachen und Kreolsprachen 2
3 Verbreitung der Kreolsprachen 4
4 Merkmale der Kreolsprachen im Unterschied zum Französischen 5
3.1 Phonetik und Phonologie 5
3.2 Wortschatz 8
3.3 Morphosyntax 11
5 Ursprung und Entwicklung der Kreolsprachen 12
6 Zur Soziolinguistik der Kreolsprachen 15
7 Literaturverzeichnis 18
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1 Begriffsbestimmungen
1.1 Kreolisch
Der Begriff „Kreolisch“, der als linguistischer Begriff zur Bezeichnung einer Sprache, aber in einem weiteren Sinne auch als Bezeichnung für Personen dient, leitet sich aus dem Spanischen ab 1 : „criollo“, abgeleitet vom lateinischen Verbum „creare“, bedeutet ´einheimisch´ oder ´eingeboren´. Mit diesem Begriff werden ursprünglich die in Südamerika geborenen Weißen bezeichnet, wobei es sich sowohl um Portugiesen als auch um Spanier handeln kann; es sind die Weißen, deren Geburtsort nicht im europäischen Mutterland liegt, sondern in der Kolonie. Heute dagegen wird dagegen je nach dem Ort, wo man sich befindet, Verschiedenes verstanden 2 : Während auf den Antillen die ursprüngliche Bedeutung „auf der Insel geborener Weißer europäischer Abstammung“ erhalten geblieben ist, trifft man auf Réunion eine andere Definition an: Hier gilt als Kreole der auf der Insel geborene Einwohner europäischer oder afrikanischer Abstammung, der mit Hilfe der Bezeichnung „Kreole“ den Indern und Chinesen auf der Insel gegenübergestellt wird. Auf Mauritius und den Seychellen dagegen wird der Begriff „Kreolisch“ in einem dritten Sinne verwendet: Hier fallen unter „Kreolen“ alle dunkelhäutigen Mischlinge und schwarze Nachfahren der ehemaligen Sklaven, ausgenommen sind also hier alle Weißen, die interessanterweise in der ursprünglichen Verwendungsweise des Begriffs - wie soeben dagelegt - die entscheidende Rolle spielen.
1.2 Pidginsprachen und Kreolsprachen
Unter einer Pidginsprache versteht man eine Sprache, die beim Kontakt von Sprechern zweier oder mehrerer Sprechergruppen entsteht und zwischen diesen Gruppen in bestimmten Situationen zur Verständigung verwendet wird, indem sie eine „Funktion als Behelfssprache, als Handelshilfssprache“ 3 erfüllt. Wesentlich ist hierbei, daß die Pidginsprache für keinen der an der Kommunikation beteiligten Sprecher Muttersprache ist. Die Pidginsprache zeichnet sich gegenüber den Spra- 1 vgl.Glück (2000), S. 531
2 vgl. Stein (1984), S. 6
3 Glück (2000), S. 531
2
chen, auf denen sie basiert, durch eine deutlich einfachere Struktur aus; Pidginsprachen sind „charakterisiert durch eine im Vergleich zur jeweiligen Muttersprache der Sprecher deutlich reduzierte grammatische Struktur [...]. Sie zählen zu den sog. vereinfachten Registern.“ 4
Eine Kreolsprache ist eine besondere Form der Pidginsprache; ist es definitorisches Merkmal der Pidginsprache, keine Muttersprache zu sein, so zeichnet sich die Kreolsprache ihr gegenüber gerade dadurch aus, daß sie „S1 einer Sprachgemeinschaft“ 5 geworden ist, also für eine bestimmte Sprechergruppe als Muttersprache fungiert und - zumindest potentiell - nicht mehr auf bestimmte Situationen beschränkt ist; damit einher gehen bestimmte Strukturunterschiede zwischen Pidginsprache auf der einen Seite und Kreolsprache auf der anderen Seite, die an Komplexität gegenüber der Pidginsprache leicht zunimmt, denn „linguistisch gesehen sind Kreolsprachen genauso wie Pidginsprachen, jedoch nicht in gleichem Maße wie diese, gegenüber den Ausgangssprachen morpologisch und vereinfachte Varietäten. [...] Der Faktor der Simplifizierung ist bei Kreolsprachen nicht mehr der dominierende Faktor“ 6 .
In den vergangenen Jahren ist „das Konzept der Pidgin- und Kreolsprachen [...] inzwischen auch - und mit steigender Tendenz auf afrikanische und asiatische Sprachen angewendet [worden], die sich ohne Beteiligung einer europäischen Sprache [...] entwickelt haben, bzw. entstanden sind“ 7 ; zweckmäßigerweise sollte man sich jedoch darauf beschränken, als Kreolsprachen nur solche auf europäischer Grundlage zu bezeichnen.
4 Glück (2000), S. 531
5 Glück (2000),. S. 387
6 Glück (2000), S. 387
7 Stein (1984), S. 16
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2 Verbreitung der Kreolsprachen
Beschränkt man sich bei der Definition von Kreolsprachen, wie eben dargestellt, auf solche mit einer europäischen Basissprache, so lassen sich folgende Kreolsprachen voneinander unterscheiden 8 : Die zahlenmäßig größte, aber nicht einheitlichste Gruppe bilden die englisch basierten Kreolsprachen; die im Rahmen dieser Arbeit näher betrachteten französisch basierten Kreolsprachen zeichnen sich un-tereinander trotz großer geographischer Distanzen durch eine relativ starke Einheitlichkeit aus. Zahlenmäßig unbedeutender sind dagegen Kreolsprachen, die auf Portugiesisch, Spanisch und Niederländisch basieren.
Von den Kreolsprechern, deren Zahl Stein (1984) recht hoch ansetzt und mit 25-30 Millionen angibt 9 , sind etwa neun Millionen im frankophonen Bereich anzusiedeln. Das Verbreitungsgebiet der französisch basierten Kreolsprachen umfaßt zum einen den Bereich der Karibik - Haiti, St. Thomas, Guadeloupe, Dominica, Martinique, Saint-Lucie, Grenada, Trinidad, Französisch-Guyana sowie das südliche Lousiana -, zum anderen den Indischen Ozean mit Réunion, Mauritius und Rodrigues sowie den Seychellen. Die meisten dieser Territorien sind bzw. waren französische Kolonien, der Einfluß der französischen Sprache in diesen Gebieten ist also durchaus nachvollziehbar. Dennoch gibt es einige Besonderheiten: So gehörten St. Thomas und Trinidad nie zu Frankreich; die dort zu findenden, wenn auch stark im Rückgang begriffenen, Kreolsprachen wurden von anderen Inseln dorthin gebracht. Ein weiterer Sonderfall in der Karibik ist Haiti: Als einziger ist Haiti ein unabhängiger Staat, und zwar seit 1804; die Abhängigkeit zu Frankreich, was auch Auswirkungen auf die linguistische Situation vor Ort hat, ist somit wesentlich geringer als in den heute noch zu Frankreich gehörenden Inseln Martinique oder Gouadeloupe. Auf Haiti ist Kreolisch dominant; offizielle Sprache ist das Französische, doch deuten die jüngsten Entwicklungen darauf hin, daß das Kreolische auf Haiti einen wichtigen Status erlangen wird.
8 vgl. Stein (1984), S. 10 ff.
9 Stein (1984), S. 10
4
Zahlreiche Kolonien gehörten zwar ursprünglich zu Frankreich, gingen dann jedoch wieder verloren; so ist auf Dominica und Grenada sowie Ste. Lucie das Englische mittlerweile Standardsprache; Louisiana fiel 1803 an die Vereinigten Staaten von Amerika. Auf Mautitius, dem zugehörigen Rodrigues und den Seychellen konnte sich das Französische als Kultursprache neben dem Englischen behaupten, obwohl diese Gebiete vor Erlangung ihrer Unabhängigkeit lange in englischem Besitz waren.
3 Merkmale der Kreolsprachen im Unterschied zum Fran-
zösischen
Im folgenden soll für ausgewählte Teilbereiche ein Überblick über wesentliche sprachliche Erscheinungen gegeben werden, in denen das Kreolische vom Französischen abweicht. Dabei werden bevorzugt solche Erscheinungen herausgegriffen, die innerhalb der verschiedenen Kreolsprachen recht verbreitet sind, damit die getroffenen Aussagen möglichst umfassende Gültigkeit beanspruchen können; berücksichtigt sind im übrigen nicht nur die Kreolsprachen der Karibik, sondern ebenso die aus dem Bereich des Indischen Ozeans. Der Vergleich zwischen Kreolisch und Französisch wird auf drei Ebenen stattfinden: Die erste Ebene betrifft Unterschiede im Bereich von Phonetik und Phonologie. In einem weiteren Abschnitt werden dann Eigenheiten des kreolischen Wortschatzes behandelt, und in einem dritten Unterkapitel werden signifikante Unterschiede im Bereich der Morphosyntax thematisiert. Dabei können die gewählten Beispiele immer nur einen Einblick geben und sind keinesfalls als erschöpfend anzusehen.
3.1 Phonetik und Phonologie
Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen dem Französischen und dem Kreolischen auf der phonetischen und phonologischen Ebene betrifft eine Eigenheit des kreolischen Vokalsystems: In den französisch basierten Kreolsprachen fällt
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Arbeit zitieren:
Mark Möst, 2004, Französisch und Kreolisch, München, GRIN Verlag GmbH
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