Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
II. Hauptteil. 5
2.1. Geschichte der Zeitungsentstehung 5
2.2. Herausbildung einer bürgerlichen Öffentlichkeit. 6
2.3. Zu den ersten Zeitungen des 17. /18. Jahrhunderts: Avisen und
Relationen 8
2.4. Zeitschriften: Moralische Wochenschriften, literarische
Zeitschriften 10
2.5. Zeitungslexika. 12
2.6. Kritik an Zeitungsstil und -sprache. 15
III. Schluss. 18
IV. Bibliographie. 19
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I. Einleitung
Im Hauptseminar „Die deutsche Sprache im 18. Jahrhundert“ hat man sich mit unterschiedlichen Themen befasst, wobei auch das Problem der Mehrsprachigkeit in der Aufklärungszeit angesprochen wurde, aber auch das große Bestreben der Schriftsteller und Lexikographen, die sich um eine Vereinheitlichung und Standardisierung des Deutschen bemühten, betont wurde. Vom Gemeindeutsch, der im 16. Jahrhundert verbreiteten allgemeinen deutschen Rede- und Schriftsprache, unterscheidet die neue Hochsprache des 18. Jahrhunderts einerseits, dass sie sich von der Sprache, die in höfischen und wohlhabenden bürgerlichen Kreisen gebildet wird, abheben soll, andererseits, dass sie bewusst nach bestimmten Kriterien der Schönheit und Genauigkeit geformt werden soll. Vor allem sind Bemühungen um die „Rettung“ der damals als gefährdet aufgefassten deutschen Sprache gemeint, oder sprachgeschichtlich gesehen um deren noch nicht erreichte Entwicklung als Literatur - und Nationalsprache. Die Schaffung einer nationalen Hochsprache ist das erklärte Ziel der deutschen Lexikographie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wobei der allgemeine Sprachgebrauch nicht länger auf das Sprachgefühl der Sprecher angewiesen sein soll, welches von landschaftlicher und sozialer Differenziertheit geprägt ist, sondern sich am allgemein verbindlichen Maßstab orientiert. Johann Christoph Adelung, einer der wichtigsten Sprachreformer des 18. Jahrhunderts, versucht nach dem Vorbild der französischen Lexikographen in einem neuartigen Definitionsverfahren die Bedeutungen, Stilebenen und Verwendungsregeln des deutschen Wortschatzes festzulegen. Deshalb verwundert die Tatsache nicht, dass die Autorität der neuen Wörterbücher von Adelung und Campe, die sich selbst als „Sprachreiniger“ bezeichnen, groß und allgemein anerkannt ist. Friedrich Carl Fulda, einer der wichtigsten Sprachforscher, bemerkt im Jahre 1778:
Die hochdeutsche Sprache, welche von der feinen und gelehrten Welt öffentlich geschrieben und gedruckt, und nach diesen Schriften in Gesellschaften gesprochen, und auf diese Weise von dem Hörer und Leser verstanden und gelernt und geübt wird, ist an sich in ihrem Umfang unermesslich, und ungleich reicher, als alle anderen europäischen Sprachen. Denn ein jedes deutsche Wort von guter, richtiger und ehrbarer Bedeutung hat ein Recht daran, sobald es von seiner Provinzialsprache gereinigt, und in die gehörige Form gegossen, oder nach der gewöhnlichen hochdeutschen Art und Mode gekleidet wird. 1
1 HÖLSCHER, LUCIAN: Öffentlichkeit und Geheimnis. Begriffsgeschichtliche Untersuchungen zur
Entstehung der Öffentlichkeit in der frühen Neuzeit. Stuttgart 1979, S. 82
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Die vorliegende Hausarbeit soll sich vor allem mit der Entwicklung der Zeitung, welche das Medium einer bürgerlichen Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts darstellt, beschäftigen. Des Weiteren wird aber auch auf die Entwicklung der Zeitschriften eingegangen. In diesem Zusammenhang soll das besondere Interesse auf den Sprachstil der Zeitungen und Zeitschriften gelenkt werden und das Bemühen der deutschen Lexikographen hervorgehoben werden. Der Zeitungsstil gerät bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts unter Kritik. Den Zeitungen wird eine „schlechte“ Schreibart vorgeworfen, welche besonders stark unter dem frankophonen Einfluss stehen. Zuletzt soll das Problem der Mehrsprachigkeit am Beispiel ausgewählter Zeitungen des 18. Jahrhunderts kurz erläutert werden. Dass das Französische in Deutschland des 18. Jahrhunderts ein bedeutsames Kommunikationsmittel ist, lässt sich nicht bestreiten Die deutsche Sprache erfährt wohl zu allen Zeiten fremde Einflüsse, wobei immer wieder verschiedene Sprachen als Quellsprachen fungieren, d.h. Latein, Französisch, Italienisch oder auch Englisch. Im deutschen Sprachraum werden in den Jahren 1686 bis 1789 fast 100 französische Journale gegründet, und zwar nimmt diese Zahl von 1731 bis 1790 von Jahrzehnt zu Jahrzehnt fast gleichmäßig zu. Dies bedeutet nicht nur, dass rund zehn Prozent der französischsprachigen Presse innerhalb der deutschen Sprachgrenzen hervorgebracht wurde, sondern auch die ungebrochene Attraktivität des Französischen soll betont werden, die einen immensen Einfluss auf die Sprache der deutschen Zeitungen - insbesondere auf die Zeitungssprache des 17. Jahrhunderts - ausübt.
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II. Hauptteil
2.1. Geschichte der Zeitungsentstehung
Im 14. Jahrhundert entsteht ein ausgeprägtes Botensystem aufgrund des Fernhandels und der sich immer mehr verbesserten Verkehrssituation, welches eine umfassende briefliche Korrespondenz zwischen Gelehrten, Wissenschaftlern, Kaufleuten, Fürstentümern usw. ermöglicht. Die Korrespondenz dient zwar in erster Linie geschäftlichen Interessen, aber dennoch enthalten die Briefe Zusätze (sog. „Zeytung“ , „Novitates“ u. ä.), welche darüber hinaus über politische und soziale Neuigkeiten berichten. Außerdem unterhalten Fürsten und Handelshäuser bezahlte Korrespondenten, welche aus verschiedenen Nachrichtenzentren Europas Neuigkeiten sammeln und in Briefform verschicken. Im 17. Jahrhundert bildet die Poststation den Sammelplatz und Ausgangspunkt solcher Nachrichten und mit steigendem Interesse am Zeitgeschehen sehen die Postmeister sowie Buchhändler und - verleger die Möglichkeit mit dem (zuerst handschriftlichen) Vervielfältigen der Nachrichten Geld zu verdienen. Aus den „Brief-Zeitungen“ werden „geschriebene Zeitungen“. Diese werden nun nicht mehr nur bestimmten Briefadressaten, sondern in Form geschriebener oder gedruckter „Zeitungen“ beliebigen Abonnementen zugestellt. Aus dieser Form der
Nachrichtenverbreitung entwickelt sich Ende des 17. Jahrhunderts die periodische Tagespresse. Auch hierbei kommt den Postmeistern eine besondere Stellung zu, denn sie sitzen an den Knotenpunkten des Informationssystems, können die Postwege kostenlos zur Verbreitung von Zeitungen nutzen und bekommen auch als erste Nachrichten. Drucker und Buchhändler machen ihnen bald Konkurrenz, da das zunehmend periodische Erscheinen der Blätter eine stete Einnahmequelle sichert. Somit ist das Unternehmergewinnstreben wichtiger als staatliches Publikationsbedürfnis, und zwar von zwei Seiten: „Gewinnstreben der Buchdrucker, die Zeitungen gründen, und Nachrichtenbedürfnis der Handelsunternehmen.“ 2 Den ersten titellosen Serienzeitungen mit Nummerierung folgen Wochenblätter: In Straßburg erscheint 1605 das erste Mal die „Relation“, vier Jahre später folgt der „Aviso“ in Wolffenbüttel. Seitdem nimmt die
2 NOELLE - NEUMANN, ELISABETH/ SCHULZ, WINFRIED: Publizistik. Frankfurt am Main 1971, S. 248
Zahl der Zeitungen rasch zu, was auch durch ein erhöhtes Informationsbedürfnis infolge bzw. während des 30-jährigen Krieges bedingt ist. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird die Durchschnittsauflage der Zeitungen auf 300, in der zweiten Hälfte auf 500 geschätzt, 1802 erreicht die Times in London 8000 Exemplare. Die überwiegenden Themen in der Berichterstattung sind politische Ereignisse und militärische Aktionen vor allem im europäischen Ausland, z. B. Truppenbewegungen, Belagerungen, Plünderungen, Hunger, Pest, grausame Justiz usw., innerstaatliche Verhältnisse und Veränderungen, z. B. Nachrichten über Fürsten und deren Familien, Feldherren und bekannte Persönlichkeiten, Meldungen aus dem Wirtschaftsleben und Kriminalnachrichten, Unglücksfälle, Naturkatastrophen, Aberglaube, technische Neuerungen und Erfindungen usw. Lokale Berichterstattung fehlt völlig und Nachrichten aus dem kulturellen Bereich finden erst Mitte des 18. Jahrhunderts Eingang in die Zeitungen. Im Prinzip wird die Ausübung der Staatsgewalt gegenüber den Zeitungen bis ins letzte Drittel des 18. Jahrhunderts berechtigt empfunden, deshalb ist die Berichterstattung aus dem „Inland“ (Deutschland) dürftig. Eine Breslauer Zeitung enthält 1737 beispielsweise 75 Prozent Nachrichten von außerhalb Deutschlands. Meinungsbeiträge sind nicht zugelassen, so dass die meisten Zeitungen zu reinen Nachrichtenblättern erstarren mit meist trockenen Berichten.
Und dennoch ermöglicht die Zeitung vor allem im 16. und 17. Jahrhundert durch ihre Entwicklung zu einem periodisch erscheinenden Druckerzeugnis die soziale Institutionalisierung der periodischen Kommunikation, welche bis dahin eher unregelmäßig und spontan gewesen ist.
2.2. Herausbildung einer bürgerlichen Öffentlichkeit
Im 18. Jahrhundert entwickelt sich eine bürgerliche Öffentlichkeit, wobei insbesondere im zersplitterten Deutschland der Aufklärungsprozess über Druckerzeugnisse erfolgt, aber auch das Lesepublikum sich stark erweitert. Das Zeitalter des Feudalismus und der Unanfechtbarkeit der Kirche scheint sich langsam zu wandeln, indem sich eine selbstbewusste bürgerliche Gesellschaft zu konstituieren beginnt. Diese besteht aus Pfarrern, Offizieren, Juristen, Ärzten, Professoren und Gelehrten sowie den Händlern, Bankiers, Manufakturisten und Verlegern. Diese sich neu herausbildende Schicht des Bürgertums ist der eigentliche Träger des lesenden Publikums, die ihre
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Arbeit zitieren:
Anastasia Müller, 2005, Ein kurzer Umriss der deutschen Zeitungsgeschichte des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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