Er zeigt das willkürliche Vorgehen der führenden Nationalsozialisten sehr eindrücklich bei der Behandlung der Polen. Dort wurde Hitlers Befehl zur Germanisierung von dem Herrscher über Danzig Westpreußen, Albert Forster, und dem Herrscher über das Wartheland, Arthur Greiser, völlig verschieden realisiert.
Greiser, ein Pole deutscher Abstammung und glühender Anhänger der Rassentheorie, legte diesen schwammigen Befehl Hitlers so aus, daß alle „unerwünschten Elemente“ in das weiter östlich gelegene Generalgouvernement abtransportiert werden müßten, was auch immer mit den Menschen dort weiter geschehe. Außerdem müßten mit gleicher Rigorosität Deutschstämmige aus dem Osten angesiedelt werden. Diese Praktik führte zu einem unerhörten Maß an menschlichem Leiden.
Albert Forster hingegen dachte, wenn der Führer diese Gebiete germanisiert sehen will, je schneller, desto besser. Kurzerhand erklärte er, wer loyal sei, trage sich in einer Liste ein und werde somit Deutscher. Ein überwältigender Teil der Polen folgte diesem Aufruf und wurden so ohne weiteres massenweise eingedeutscht. Der Streit zwischen Greiser und Forster wurde über Himmler an Hitler herangetragen, doch der ließ Forster gewähren. Auch dies war unter Hitler möglich. Diese Willkür bedeutete für den einen Leben, für den anderen Tod.
Auch schildert Rees, wie ein singulärer Fall sich schließlich mit einer ungeheuren Dynamik, die den Nationalsozialisten zu eigen war, zum monströsen sogenannten Kindereuthanasieprogramm entwickeln konnte. Auch die Entwicklung des Ghettos von Lodz wird ausführlich beschrieben. Dabei unterstreicht Rees immer wieder, daß viele Entwicklungen von den Nationalsozialisten so nicht bis zu Ende gedacht, geschweige denn geplant waren. Vielmehr hätten sie immer nur kurzfristige Lösungen für anfallende Probleme gesucht. Das Kompetenzwirrwarr und fehlende konkrete Befehle der Führungsschicht bzw. Hitlers hätten schließlich zu weiteren Schritten und Ergebnissen geführt. Gerade diese Beispiele sind das Vorzügliche an diesem Buch. Auch die dazugehörige sechsteilige BBC-Dokumentation ist sehenswert.
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Arbeit zitieren:
Jasmin Pesla, 2002, Rezension zu "Laurence Rees: Die Nazis. Eine Warnung der Geschichte, München, Zürich 1997", München, GRIN Verlag GmbH
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