1 Briefing 3
2 Einstieg 4
3 Fachjargon 5
4 Struktur des Musikmarktes 6
4.1 Künstler 7 4.2 Plattenfirma 8 4.3 Distribution 10 4.4 Musikkäufer 12
5 Situationsanalyse: Der Musikmarkt in Deutschland 14
5.1 Umsatzentwicklung 14 5.2 Tonträgermarkt 15
5.2.1 Konkurrenz des Tonträgermarktes 15 5.2.2 Single vs. Longplayer 16
5.2.3 National vs. International 17 5.2.4 Trends 19 Musikrepertoires 21 6 Der Künstler Henry Funke 23
6.1 Portrait 23 6.2 Musik 24 6.3 Majordeal 24 7 Konkurrenzanalyse 26
7.1 Die Konkurrenz 26 7.1.1 Produktdesign 32 7.1.2 Kommunikation 38 7.2 Ist-Positionierung 44 8 Zielgruppenanalyse 46
8.1 MTV Mindset 46 8.2 Sinus-Milieus 2005 48 8.3 Moodboard/ Mood CD 51 9 Kommunikationskonzept 54
9.1 Kommunikationsziele 54 9.2 Benefits 54 9.3 Reason Why 54
1
9.4 Tonality 54 10 Mediaplanung 55
11 Umsetzung 59
11.1 Corporate Design 59 11.1.1 Logo 59 11.1.2 Farbe 64 11.1.3 Schrift 66 11.1.4 Foto 67 11.2 Produktdesign 68
11.2.1 Muster Cover/ Innenhülle 69 11.2.2 Basic-Single/ -LP 72 11.2.3 Premium-Single/ -LP 73 11.2.4 CD-Label 74 11.3 Promotion 76 11.3.1 Print 76 11.3.2 Internet 79 11.3.3 Ambient Media 80 11.4 Merchandise 81 11.4.1 T-Shirts 81 11.4.2 Poster 82 11.4.3 iPod Skin 82 11.5 Give Aways 83 11.5.1 Autogrammkarte 83 11.5.2 Lesezeichen 83 11.5.3 Passfoto 84 11.5.4 Wallpaper 85 11.6 Webauftritt 86 11.6.1 Sitemap 86 11.6.2 Screenshots 87 12 Experimenteller Teil 89
13 Anhang 90
13.1 Quellenangabe 90
13.2 Eidesstattliche Erklärung 92 13.3 Danksagung 93
2
1 B riefi n g
Design Akademie Berlin
Projekt: Briefing zur Abschlussarbeit / Hauptprüfung Semester h.5 im WS 2005/2006 Thema: Promotionkampagne für einen Pop-Künstler Diplomand: Necdet Tiglioglu Ausgabedatum: 24.10.2005 Abgabedatum: 16.02.2006
Briefing
Die Firma Sony BMG Deutschland möchte einen Newcomer in Deutschland etablieren (breaken). Der Künstler ist im Bereich deutschsprachiger U-Musik (Unterhaltungsmusik) zu positionieren. Es sind kommunikative Maßnahmen zu entwickeln, die aus dem konstanten Rauschen der Branche heraus „peaken“.
Es sollen neue, verkaufsfördernde Wege zur Bekanntmachung des Künstlers gefunden werden. Der Künstler darf kein „1 Hit Wonder“ werden, sondern muss langsam aufgebaut werden, um nachhaltig eine Rolle auf diesem Markt zu spielen.
Erstellen Sie: » Situationsanalyse
» Basiselemente für Corporate Design (Logo, Farben, Foto, Stil etc.) » Kommunikationskonzept zur Vermarktung » Kampagne (Print), POS-Material, CD/DVD-Gestaltung » Internetauftritt
Prüfungsrelevanter Umfang:
» Eine auf das Kommunikationsziel bezogene künstlerische Entwurfs- und Gestaltungsarbeit, Präsentation.
» Ein experimenteller Teil zur alternativen medialen Problemlösung eines Teilaspektes des Gegenstandes der Arbeit, Präsentation.
» Eine schriftliche Ausarbeitung, orientiert am Kommunikationsziel. Die konzeptionelle theoretische Ausarbeitung der Thematik. Abgabe in drei gebundenen Exemplaren. » Ein Colloquium zur Abschlussarbeit. » Quellenangabe und eidesstattliche Erklärung.
3
2 Einstieg
„Musik ist heute ein enorm wichtiger Teil unserer Kultur und für jeden
Einzelnen ein Stück Identität.“ 1
Zahlreiche Newcomer versuchen den deutschen Musikmarkt bei immer steigender Konkurrenz zu erobern. Ein Newcomer hat es daher nicht leicht. Es ist wichtig, die Hauptkomponenten, die für seinen Erfolg relevant sind, zu erkennen und entsprechend zu nutzen. Meist gilt: Je besser die Werbung, desto erfolgreicher seine Platzierung im Musikmarkt. Für die Werbung eines neuen Künstlers ist die Öffentlichkeitsarbeit bzw. Public Relations (PR) für den langfristigen Erfolg eines Künstlers entscheidend, auch genannt als Promotion.
Die grundsätzliche Aufgabe der Promotion in der Musikindustrie ist es, den Kontakt und die Kommunikation zwischen dem (neuen) Künstler und einer definierten Zielgruppe herzustellen, zu festigen, auszubauen und zu leiten. Hierfür ist eine eingehende Analyse des Musikmarktes sowie eine Konkurrenz- und Zielgruppenanalyse notwendig. Darauf aufbauend kann dann ein Kommunikationskonzept entworfen werden, das dazu verhilft, die Promotionkampagne umzusetzen.
In der nachfolgenden Arbeit wird gezeigt, wie eine solche Promotionkampagne für einen Newcomer im deutschen Musikmarkt aussehen könnte und umgesetzt werden könnte. Im Einzelnen werden hierfür die Struktur des Musikmarktes, die aktuelle Situation in Deutschland, ein konkretes Beispiel eines Newcomers und eine entsprechende Konkurrenz- sowie Zielgruppenanalyse als Grundlage erarbeitet und vorgestellt.
1 Von Frank A. Diedrichs und Christian Stonal, in: Moser/ Scheuermann 2003, S. 421
4
3 Fachja rgon
Der Musikmarkt ist durch zahlreiche Abkürzungen und Fremdwörter gekennzeichnet, die sich im nationalen und internationalen Musikmarkt durchgesetzt haben. In der vorliegenden Arbeit werden folgende Abkürzungen und Begriffe verwendet:
Abkürzungen: BMG: Bertelsmann Music Group CD: Compact Disc CLP: City Light Poster DVD: Digital Video Disc EMI: Electric & Musical Industries Ltd Feat: Engl. Featuring, musikal. unterstützende Kooperation von Künstler zu Künstler GB: Giga Byte GDM: Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte e.V. GfK: Gesellschaft für Konsumforschung IFPI: International Federation of the Phonographic Industry Koop: Kooperation Label: a) Engl. für Plattenfirma oder b) engl. für Etikett einer Schallplatte LP: Longplayer/ Album mp3: ISO MPEG Audio Layer 3 PR: Public Relation, Öffentlichkeitsarbeit / Promotion PROMO: Promotion Rpm: Revolutions per minute/ Umdrehungen pro Minute VÖ: Veröffentlichung
Begriffe: Breaken: Etablieren, erfolgreich einbringen National: Englisch-, deutsch- oder anderssprachige Künstler/ Singles/ etc. aus Deutschland Peaken: Engl. Spitze, höchster Stand; musikalisch hervorstechend gegenüber anderen Sampling: Engl. für Auswahl, Neuzusammenstellung einer Musikphrase. Signing: Unter Vertrag nehmen Twen: Junger Mensch im Alter von 20 bis 29 Jahren U-Musik: Unterhaltungsmusik
5
4 Strukt u r des Mus ik marktes
Der Musikmarkt besteht aus folgenden Komponenten:
» Künstler » Plattenfirma » Distribution » Musikkäufer » Medien » „Dritte“
Sie sind so miteinander verknüpft, dass sie eine Kette bilden, die sich auf die Vermarktung des Künstlers und seiner Musik konzentriert. Alle Komponenten arbeiten immer in eine Richtung: Zum Musikkäufer.
Abb. 1 verändert aus: Moser/ Scheuermann 2003, S. 205
Im Folgenden werden die einzelnen Komponenten ausführlich beschrieben.
6
4.1 Künstler
Der Künstler (Band oder Soloartist) ist eine kreative Persönlichkeit, der sich durch gesangliche oder/ und instrumentale Eigenschaften auszeichnet. Diese sind: » Spielen von Instrumenten (Musiker)
» Singen mit eigenem Texten und/ oder Komponieren von Musik (Songwriter) » Singen ohne eigenem Texten und/ oder Komponieren von Musik (Sänger)
Entsprechend kann man zwischen den folgenden Künstler-Typen unterscheiden: » Typ A: Musiker, Sänger, Songwriter zugleich » Typ B: Musiker und Songwriter zugleich » Typ C: Musiker und Sänger zugleich » Typ D: Songwriter und Sänger zugleich » Typ E: Musiker oder Sänger oder Songwriter
Künstler des Typs A zählen zu den langfristigen Projekten in der Musikbranche. Durch den meist langjährigen sehr intensiven Künstleraufbau wird der Wert des jeweiligen Künstlers und damit auch seiner Musik erheblich gesteigert.
Die Plattenfirmen investieren sehr viel Geld und planen auf lange Sicht. Hierzu zählen nationale Künstler wie „Herbert Grönemeyer“, „Xavier Naidoo“, „Die Ärzte“ und „Die Toten Hosen“. Normalerweise ist ein Künstleraufbau ein jahrelanger Prozess, der u. a. Gesangsunterricht, unter Umständen Tanzunterricht und das Erlernen mindestens eines Instruments beinhaltet. Ausbildungen und Erfahrungen in (Stage-) Performing und Entertainment erfolgen meist noch nebenbei. Aber gerade in den vergangenen Jahren ist dieses Künstler-Bild in Deutschland durch die Gewinner der weit verbreiteten Casting Shows zerstört worden. Hier werden die meisten Talente innerhalb weniger Wochen zu „Star-Sängern“, die zum Typ E und unter Umständen zum Typ D zählen. Selten gehören sie den Typen A, B oder C an. Kaum einer von ihnen ist langfristig erfolgreich; Nach ein oder zwei Singles und ggf. einem Album verschwinden sie vom Musikmarkt. Sie werden als so genannte „1 Hit Wonder“ bezeichnet;
Beispiele für solche nationalen Gruppen sind „BroSis“, „Overground“ und nationale Solokünstler wie „Alexander“, „Martin Kesici“, „Elli“, „Daniel Küblböck“. Die wenigsten aber singen in ihrer deutschen Muttersprache. Leider wird durch diese Casting Shows und dem kurzfristigen Erfolg der Künstler der Eindruck erweckt, dass Musik heutzutage viel weniger wert ist.
7
4.2 Plattenfirma
Die Plattenfirma oder auch Label genannt, stellt Tonträger her, vermarktet und distribuiert die Musik des Künstlers (Solo, Band etc.).
Man unterscheidet zwischen so genannten Majors und Independents (Indies): » Als Majors werden die großen internationalen organisierten Tonträgergesellschaften bezeichnet.
» Als Indies werden kleine Firmen auf dem Musikmarkt bezeichnet, die unabhängig und selbstständig sind und sich vom so genannten Mainstream der Majors abheben wollen.
Ein Künstlervertrag wird entweder mit einem Major oder mit einem Indie geschlossen; Die Unterschiede werden im Folgenden erläutert:
Majordeal
Ein Major nimmt den Künstler unter Vertrag, gibt ihm einen so genannten Künstlervorschuss und investiert u. a. in die Musikproduktion, Distribution und Promotion. Ein Major ist länderübergreifend strukturiert und kann somit einen internationalen Erfolg ermöglichen. Der Major hat ein eigenes CD - Presswerk und ist mit anderen Medienpartnern in einer Firmengruppe. So kann eine multimediale, flächendeckende und meist sehr erfolgreiche Etablierung des Künstlers erreicht werden (z. B. Sony BMG Music Entertainment + Sony Playstation/ Spielkonsole + Sony Pictures/ Kinofilme + Pro 7/ „Starsearch“-Casting Show).
Indie-Label-Deal
Ein Indie nimmt den Künstler unter Vertrag, gibt ihm aber eher selten einen Künstlervorschuss und investiert in einem viel kleineren finanziellen Rahmen. Der Künstleranteil am Verkauf pro Stück ist aber daher höher als der bei einem Majordeal.
Bei einem Indie-Label-Deal erfolgt meist ein langfristiger Künstleraufbau. Der Künstler wird bei der Vermarktung miteinbezogen und hat jede musikalische Freiheit; Er hat die Möglichkeit neue Musikstile zu entwickeln.
8
Die Marktanteile der Majors und Indies in Deutschland sehen wie folgt aus:
Die Sony BMG hält 26,3% des Marktes, Universal Music Group folgt mit 24,7 %, EMI Music Group mit 12,1 %, Warner Music Group mit 9,9 % und die Indies haben zusammen 26,9 %. Plattenfirmen kooperieren zunehmend mit einem Medienpartner durch die Neuauswertung verschiedenster Katalogsegmente. Strategic Marketing gewinnt dadurch im Musikmarkt erheblich an Bedeutung. Beispielsweise dürfen Radio- oder/ und TV-Sender die Tour eines Künstlers exklusiv aufzeichnen und senden bzw. ausstrahlen (z. B. James Blunt/ Koop mit Motor FM) 2 . Durch diese geplante Platzierung und Promotion des Produktes/ Künstlers kann man sich auf einen gewissen Erfolg verlassen und Risiken am Markt berechnen.
Medien
Die Medien sind Anbieter der Musik des Künstlers über Radio, Fernsehen und Internet und bestärken die Kommunikation zwischen Künstler und Musikkäufer. Sie können direkt mit dem Künstler zusammenarbeiten oder/ und mit der Plattenfirma und versuchen parallel zur Distribution, die Musik des Künstlers direkt an den Musikkäufer zu bringen.
„Dritte“
Die „Dritten“ sind Institutionen aus anderen Branchen, die versuchen, den Prozess der Vermarktung ihrer eigenen Produkte voranzutreiben, um sowohl mehr Konsumenten zu erreichen als auch eine emotionalere Bindung zwischen ihren Produkten und den Konsumenten zu schaffen. Dazu kooperieren sie mit der Plattenfirma und beziehen den Künstler und seine Musik in ihren Werbeprozess mit ein (z. B. Langnese (Eis) - No Angels „Like Ice In The Sunshine“ 3 ).
2 Der Musikmarkt, Heft 34 2005, Titelseite
3 Moser/ Scheuermann 2003, S. 421
9
4.3 Distribution
Die Distribution bzw. der Vertrieb kann fest mit der Plattenfirma zusammenarbeiten und verkauft die Musik des Künstlers im Auftrag der Plattenfirma zur privaten Nutzung an den Musikkäufer. Es ist somit das Bindeglied zwischen Plattenfirmen (Produzenten) und Musikkäufer (Konsumenten). Die Auswahl der Distributionsstätten (Handel) trifft die Plattenfirma. Man unterscheidet zwischen dem stationären Handel und dem nicht-stationären Handel: » Stationäre Händler sind Elektromärkte oder Megastores wie z. B. „Media Markt“, „Saturn“ und Warenhäuser wie z. B. „Karstadt“.
» Nicht-stationäre Händler sind Mailorder im Internet wie z. B. bei „amazon.de“ oder auch vor allem Downloadplattformen wie z. B. „iTunes Music Store“.
Eine Kombination von beiden Händlergruppen bietet eine breite und effektive Distributionsfläche:
Anhand der Marktentwicklung von stationärem- und nicht-stationärem Handel zwischen den Jahren 2000 und 2005 ist erkennbar, dass der nicht-stationäre Handel stetig zunimmt und der stationäre Handel parallel dazu stetig abnimmt. Die Tendenz scheint in Richtung 50% zu 50% zu gehen, da das Internet ein immer wichtigeres Kommunikationsmittel wird und als Handelsmediumgerade auch im Musikmarkt - eine immer wichtige Rolle spielt: Im 1. Quartal 2004 lag beispielsweise die Zahl der bezahlten Downloads noch bei 0,24 Mio. Stück; Sie stieg aber bis zum
10
3. Quartal 2005 auf 4,93 Mio. Stück. 4 Das zeigt deutlich die Kraft des Marktes des nichtstationären Handels.
Die Anbieter von Musik-Downloads mit dem höchsten Marktvolumen im Jahr 2005 sind laut GfK Consumer Panel 5 : » Musicload mit 46 Mio. Stück » iTunes Music Store mit 32 Mio. Stück » AOL mit 18 Mio. Stück
Der stationäre Handel ist aber dennoch ein fester Bestandteil einer „City-Shopping-Tour“ vieler Konsumenten. Gerade der Besuch einer Musikabteilung in einem Kaufhaus ist für viele noch ein Muss. Das wird wohl in den nächsten Jahren noch so bleiben.
4 Tonträger-Kreis, GfK Consumer Panel 2005, S. 122
5 ebd., S. 132
11
4.4 Musikkäufer
Der Musikkäufer ist der Konsument, der durch die Promotionkampagne erreicht werden soll. Das Kaufverhalten der Musikkäufer hat sich in den letzten Jahren verändert, was sich in der Käuferreichweite, den Käufergruppen und in der Alterstruktur der Musikkäufer widerspiegelt.
Reichweite
Die Käuferreichweite für Audio, Video und Download des Musikmarktes hat zwischen den Jahren 2002 und 2003 deutlich abgenommen. Sie sank von 23,38 Mio. auf 21,43 Mio. Das Medienbudget wurde geringer und die Konkurrenz immer größer. So achteten die Käufer mehr auf gezieltes Kaufen und Sparen.
Obwohl einige Medienmärkte ihre Preise für CD-LPs bereits senkten (vgl. Kap. 5.2.2), hält sich die Käuferzahl seit 2003 bis 2005 jedoch nur konstant um 21 Mio.
Käufergruppen
In der Musikbranche werden die Musikkäufer in drei Gruppen unterteilt: » Der Intensivkäufer kauft mehr als 9 CDs pro Jahr. » Der Durchschnittskäufer kauft zwischen 4 - 9 CDs pro Jahr. » Der Extensivkäufer kauft zwischen 1 - 3 CDs pro Jahr.
Intensivkäufer sind Käufer, die mit der Zeit gehen und ständig das kaufen, was neu und angesagt ist. Durchschnittskäufer und Extensivkäufer sind Gelegenheitskäufer. Sie beziehen beispielsweise durch illegale Downloads diverse Musiksongs oder geben für Kleidung oder andere Produkte aus
12
der Unterhaltungsbranche mehr Geld aus. Der Umsatzanteil der Intensivkäufer verringerte sich von 44% im Jahr 2000 auf 38,2% im Jahr 2004.
Altersstruktur
Ein besonderes Merkmal von Musikkäufern ist ihre Alterstruktur, da Vorlieben für Musik sehr stark auf das Alter bezogen sind. Die höchste Käuferreichweite im Musikmarkt 2005 lag laut der aktuellen GfK Studie 6 bei den Käufern zwischen 30 und 39 Jahren bei 49%, gefolgt von den 20bis 29- jährigen und 40- bis 49- jährigen. Außerdem liegt die Altersgruppe, die am meisten Musik downloaded, zwischen 20 und 49 Jahren.
Die Käufergruppen bevorzugen beim Kauf von Musik folgende Musikrepertoires: » 20 bis 29-jährige kaufen vor allem Dance, Rock und Pop » 30 bis 39-jährige kaufen vor allem Pop und Rock » 40 bis 49-jährige kaufen vor allem Pop, Klassik und Schlager 7
Popmusik ist damit heute die Musik sowohl der Jugendlichen als auch der Erwachsenen.
Fazit:
Ein neuer Pop-Künstler, gleich welchen Künstler-Typs, ist demnach immer noch stark an einen Major gebunden, wenn er seine Musik langzeitig und erfolgreich den Musikkäufern anbieten und verkaufen will. Eine Zusammenarbeit mit einem Major ermöglicht die optimale Vernetzung zwischen dem Künstler, der Distribution, den Medien und ggf. „Dritten“, wobei sich der Künstler nicht um finanzielle Ausgaben und Organisationen wie z. B. einer Promotionkampagne kümmern muss. Der Major bemüht sich außerdem durch Innovationen und Kreationen in der Produktgestaltung die entsprechenden Käufergruppen zu erreichen und die Reichweite zu erhöhen.
6 Tonträger-Kreis, GfK 2005, S. 56
7 Jahresbericht der IFPI 2004, S. 38
13
5 Sit uation sanalyse: Der Mu s ikma rkt in Deutschland
Der deutsche Musikmarkt erholt sich langsam von den dramatischen Umsatzverlusten der letzten vier Jahre.
5.1 Umsatzentwicklung
Der Gesamtumsatz des Tonträgermarktes 8 in Deutschland lag im Jahr 2000 bei 2,49 Mrd. Euro und im Jahr 2004 bei 1,59 Mrd. Euro. Demnach verlor die deutsche Musikindustrie fast 40% ihres Umsatzvolumens. 9
Im Überblick:
Gründe des starken Rückgangs im Tonträgermarkt waren vor allem der starke Zuwachs der Konkurrenz aus der Unterhaltungsbranche und Veränderungen innerhalb des Tonträgermarktes.
8 Da Musik traditionell auf Tonträgern vermarktet wird, spricht man üblicherweise vom „Tonträgermarkt“ bzw. von der „Tonträgerindustrie“
9 Vgl. http://www.IFPI.org
14
5.2 Tonträgermarkt
Der Tonträgermarkt in Deutschland verändert sich. Trends und Entwicklungen bestimmen ihn: Die Konkurrenz aus der Unterhaltungsbranche wächst, die Dominanz der LP gegenüber der Single in Bezug auf Umsatz- und Gewinnbeteiligung am Musikmarkt bleibt bestehen. Nationale und internationale Tonträger konkurrieren aber weiter, und neue Tonträgermedien verdrängen die älteren.
5.2.1 Konkurrenz des Tonträgermarktes
Der Tonträgermarkt steht nun neben seinen großen Konkurrenten, den Büchern, zunehmend in unmittelbarer Konkurrenz zu anderen Produkten aus der Unterhaltungsbranche wie Film-DVDs (Videokauf, -verleih), Kino, Entertainment Software (z. B. Playstation Spiele) und Mobile Content (Handyspiele). Wie die folgende Tabelle zeigt, verteilen die Konsumenten ihr „Medienbudget“ auf diese Produkte:
Abb. 6 Nach: Tonträger-Kreis, GfK Consumer Panel 2005, S. 9
Mittlerweile geben Konsumenten noch mehr Geld für Videokäufe und andere Produkte aus der Unterhaltungsbranche aus als für Tonträger.
15
5.2.2 Single vs. Longplayer
Die Trend-Barometer für den deutschen Tonträgermarkt sind die TOP100-LP- und Single-Charts. Sie werden von der Media Control ermittelt. Die LP bringt das Geld im deutschen Musikmarkt und entsprechend umsatzstark ist ihr Marktbereich. Die Single ist das verkaufsfördernde Medium für die LP. Dies wird anhand der folgenden Übersicht der Teilmärkte aus dem GfK Consumer Panel verdeutlicht:
In den meisten Märkten der Unterhaltungsmedien ist ein Preisverfall zwischen den Jahren 2002 und 2005 zu verzeichnen:
Gerade die LP weist in diesem Zeitraum einen Preisverfall von 10% auf. Damit tritt sie an die fünfte Stelle nach DVD-R mit einem Preisverfall von 91%, CD-R von 55% und Video DVD von 21%. 10 Der Preis der Musik DVD ist ebenfalls um ca. 40% gefallen. 11
Dagegen bleibt der Single-Preis aber weitgehend konstant bei rund 5,5 Euro. Der starke Preisverfall der Leermedien (Rohlinge) wie DVD-R und CD-R scheint den illegalen Downloadmarkt noch zusätzlich zu bestärken, und der Preisverfall der Musik DVD scheint für Konsumenten nun ein weiteres attraktives Angebot gegenüber der CD zu sein. Die Verkaufszahlen der Musik DVD steigen (s. Kap. 5.2.4).
10 Tonträger-Kreis, GfK Consumer Panel 2005, S.44
11 ebd., S. 45
16
5.2.3 National vs. International
Die nationale Single scheint sich nun nach einem starken Einbruch gegenüber internationaler Singles im Jahr 2001 zu erholen. Seit 2001 stiegen die Umsätze der nationalen Singles wieder nach oben, von 35% im Jahr 2001 auf 51% im Jahr 2004. 12
Auch die nationale LP weist einen deutlichen Zuwachs in den deutschen Top100-Charts auf: Im Jahr 2000 lagen die internationalen LP-Verkäufe in Deutschland noch bei 48,7% und die nationalen LP-Verkäufe dagegen bei 19,5%. Doch im Jahr 2004 lagen dann die internationalen LP-Produktionen nur bei 44,8% und die nationalen LP-Produktionen bei 30,3%. 13 Der Zuwachs im nationalen Bereich ist deutlich zu erkennen.
Die deutschen Charts sind zwar mittlerweile mit nationalen Künstlern gut bestückt, sind aber teilweise immer noch geprägt von angloamerikanischer Musik bzw. englischsprachigen Texten nationaler Künstler (u. a. „Sarah Connor“, „Gentleman“, „US 5“). Gerade die „Neue Deutsche Welle“ in den Achtzigerjahren zeigte aber bereits, dass deutsche Künstler auch mit Texten in ihrer Muttersprache Erfolg haben können, wie u. a. „Kraftwerk“, „Nena“ und „Trio“. Aber erst in den letzten drei Jahren scheint es wieder einen Aufschwung zu geben. Laut dem Vorsitzenden des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Gerd Gebhardt, ist der Anteil deutschsprachiger Produktionen an den Single-Charts seit 2003 auf rund 55% angestiegen. 14
12 Jahreswirtschaftsbericht 2004 der IFPI, S. 44
13 ebd., S. 45
14 Rede von Gerd Gebhardt zur Eröffnung der Popkomm am 29.9.2004 in Berlin aus: http://www.IFPI.de/news/news-510.htm
17
Entwicklung deutschsprachiger Musik in den LP-Top10-Charts:
Aus den oberen Abbildungen geht hervor, dass sich der Anteil deutschsprachiger Musik in den LP-Top10-Charts innerhalb eines Jahres fast verdoppelt hat. 15 Die Tendenz ist steigend.
15 vgl.: Auswärtiges Amt in http://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/374.0.html
18
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Dipl. Kommunikationsdesigner Necdet Tiglioglu, 2006, Promotionkampagne für einen Pop-Künstler, München, GRIN Verlag GmbH
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