Inhaltsverzeichnis:
Das Gewitter 1
Die Thematik: Das Gewitter - Nur ein Naturgedicht? 2
Die Entstehung: Das Gewitter - Ein Vorbote von Trakls Freitod? 4
Das Gewitter mit Skansionsschema 8
Die Metrik: Das Gewitter - Ein expressionistisches Werk 10
Die Wortwahl: Die Wichtigkeit des Wie? gegenüber dem Was? 12
Der Satzbau des Gewitters: 14
Der Klang: Klangliche Härte und Onomatopoesie 16
Die Bildlichkeit: Das Gewitter - Ein Gedicht voller Bilder 17
Die Perspektive: Trakl als das Lyrische Ich 19
Die Zeit: Der Abend als Zeit der Erinnerung 21
Der Raum: Das Gewitter und sein Perspektivenwechsel 22
Der Aufbau: Der innere Aufbau und die äußere Form des Gewitters 23
Der Zusammenhang: Die eigentliche Interpretation 24
Das Literaturverzeichnis S 30
Das Gewitter Ihr wilden Gebirge, der Adler
Erhabene Trauer.
Goldnes Gewölk
5 Raucht über steinerner Öde.
Geduldige Stille odmen die Föhren,
Die schwarzen Lämmer am Abgrund,
Wo plötzlich die Bläue
Seltsam verstummt,
10 Das sanfte Summen der Hummeln.
O grüne Blume -O Schweigen. Traumhaft erschüttern des Wildbachs
Dunkle Geister das Herz,
15 Finsternis,
Die über die Schluchten hereinbricht!
Weiße Stimmen
Irrend durch schaurige Vorhöfe,
Zerrißne Terrassen,
20 Der Väter gewaltiger Groll, die Klage
Der Mütter,
Des Knaben goldener Kriegsschrei
Und Ungebornes
Seufzend aus blinden Augen. 25 O Schmerz, du flammendes Anschaun
Der großen Seele!
Schon zuckt im schwarzen Gewühl
Der Rosse und Wagen
Ein rosenschauriger Blitz
30 In die tönende Fichte.
Magnetische Kühle
Umschwebt dies stolze Haupt,
Glühende Schwermut
Eines zürnenden Gottes. 35 Angst, du giftige Schlange,
Schwarze, stirb im Gestein!
Da stürzen der Tränen
Wilde Ströme herab,
Sturm-Erbarmen,
40 Hallen in drohenden Donnern
Die schneeigen Gipfel rings.
Feuer
Läutert zerrissene Nacht.
Die Thematik: Das Gewitter - Nur ein Naturgedicht?
In dem Gedicht „Das Gewitter“ von Georg Trakl wird das Naturereignis „Gewitter“ und die damit verbundenen Stimmungen beschrieben. Durch den Titel bereits angeregt begibt sich der Leser in völliger Erwartung auf ein Naturgedicht in Georg Trakls Erzählung, was bei einer Begebenheit wie einem Gewitter passiert und vor allem welche Emotionen daraus folgen. Trakl beschreibt jedoch nicht auf „normale“ Art und Weise („ der Himmel verdunkelt sich, es blitzt und donnert, die Menschen haben Angst“), sondern er erzählt mit dramatischer Wirkung und stimmungsgeladenen Bildern ein Naturereignis, welches als solches nicht auf den ersten Blick identifiziert wird. Georg Trakls thematischer Bogen reicht von charakteristischen Tieren, wie Adler, Lämmer, Rosse und eine giftige Schlange über ebenso charakteristische Personen wie, Väter, Mütter, einen Knaben und ein Ungebornes bis hin zu typischen Natur- und Landschaftsbildern: Gebirge, Gewölk, Abgrund, Wildbach...
Schwer zu erkennen ist jedoch, ob ein lyrisches Ich sich auf das abgebildete „das Gewitter“ als Objekt bezieht, oder ob sich hier das lyrische Ich selbst in seinen Gedanken und Empfindungen zum Ausdruck bringt. Des Autors Leben im Hintergrund, kann man wohl mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass in diesem Gedicht nicht die allgemeinen Empfindungen der Menschen bei einem Gewitter dargeboten werden, sondern dass vielmehr das Gewitter zur Ausdrucksmöglichkeit der Empfindungen Georg Trakls wird.
Das Gewitter also als Werkzeug, Emotionen des lyrischen Ichs (hier: vermutlich der Autor selbst) auszudrücken.
Das Gedicht ist hier für Trakl die Aussprache von Gedanken und
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Empfindungen aus innerer Veranlassung, was an der schaurigen und dramatischen Stimmung des Gedichts zu erkennen ist, so wie Trakl selbst sein Leben sah: schaurig, dramatisch und vor allem nur in Rauschzuständen lebenswert.
Trakl erzählt das gesamte Gedicht als Ansprache. Dabei spricht er verschiedene Dinge, wie das Gebirge, die Blume, das Schweigen und den Schmerz an, wobei er diese Ansprache durch das „O“ als Klage spricht. Angst und Verzweiflung tönen aus Trakls Worten.
Da Trakl hier selbst das lyrische Ich ist, kann nicht von einem Rollengedicht gesprochen werden. Es gibt auch keinen Hinweis dafür, dass jemand anderer gemeint ist, der sein Klagen gegen alles richtet. Zudem kommt, dass der Großteil der Trakl-Gedichte in gleichen Stil geschrieben sind, was neben seiner Lebensgeschichte ebenfalls auf Trakl als lyrisches Ich hinweist.
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Die Entstehung: Das Gewitter - Ein Vorbote von Trakls Freitod?
Das Gedicht „ Das Gewitter“ stammt wie bereits erwähnt von Georg Trakl. Trakl wurde am 03.02.1887 in Salzburg geboren, wo er auch den größten Teil seiner frühkindlichen Jugend verbrachte. Die Schulferien verbrachte der Dichter zusammen mit seinen sechs Geschwistern und Halbgeschwistern in der Heimat seiner Eltern in Ungarn. Besonders mit seiner jüngsten Schwester „Gretl“ verband er eine innige Zuneigung. Trakl wuchs in einer finanziell unabhängigen und durch Gouvernanten wohlbehüteten Familie auf. Ab dem Herbst 1892 besuchte Georg Trakl die fünfjährige Übungsschule der k. k. Lehrerbildungsanstalt. Im Herbst 1897 wechselte er dann nach großem Erfolg in der Volksschule auf das k. k. Staatsgymnasium. Hier musste er jedoch dann die vierte Klasse nach einer großen und enttäuschenden Niederlage wiederholen. Als er schließlich doch die Oberschule besuchte, begann er schon zu dieser Zeit viel zu lesen und bildete in seinem Freundeskreis ein Mitglied einer selbsternannten Dichterrunde.
Als er jedoch auch den Aufstieg in die 8. Klasse nicht erreichte verließ er die Schule. Bereits zu dieser Zeit war Trakl ein starker Raucher und Alkoholtrinker. Rauschzustände gehörten zu seinem Leben wie das Essen. Trakl entschied sich, ohne von jemandem gedrängt geworden zu sein für die Laufbahn des Apothekers.
Am 18. September 1905 begann Trakl die Lehre in einer Salzburger Apotheke. Mit 22 absolvierte er dann noch die Handelsakademie in Linz. So bewegte sich schließlich sein Leben zwischen den Städten Linz, Salzburg und Wien. Im September 1908 legte Trakl seine Prüfung ab. Er immatrikulierte an der
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philosophischen Fakultät und studierte Pharmazie. Am 01.10.1910 trat Trakl nach erfolgreicher Beendigung seines Studiums als Einjährig-Freiwilliger Pharmazeut seine Militärdienst an, wo er auch am längsten beruflich beschäftigt war.
Am 30.09.1911 endete Trakls Militärdienst und er ging zurück nach Salzburg um in einer Apotheke zu arbeiten. 1912 ging er nach Innsbruck. Später meldete er sich wieder beim Militär. Trakl starb schließlich am 04.11.1914 in einem Garnisonsspital in Krakau an einer Überdosis Kokain, die er sich aufgrund seiner guten pharmazeutischen Kenntnisse vermutlich selbst gesetzt hatte. Trakl war ein Dichter, der erst in seinen letzten 10 Lebensjahren bedeutende Literatur verzeichnen kann. Trakl versuchte sich sowohl mit Prosa und Dramen als auch mit Gedichten, wobei letzteres wohl mehr zu seiner Berühmtheit beigetragen hat.
„Die Gedichte des österreichischen Lyrikers Georg Trakl faszinieren durch das paradox anmutende Miteinander von ästhetischer Vollkommenheit und Unbegreiflichkeit.“ (S. 77, Georg Trakl, Fünfzig Gedichte.) In der von ihm selbst herausgegebenen Zeitschrift „Der Brenner“, in der auch die meisten Gedichte Trakls erstmals veröffentlicht wurden, erschien auch im Jahre 1914/1915 erstmals „das Gewitter“.
Außerdem edierte und stellte er selbst die Sammlungen Gedichte (1913) und Sebastian im Traum (1914) zusammen.
Auf das Gedicht „Das Gewitter“ folgte im Brenner „Der Abend“ und „Die Nacht“, welche später auch als Sonderdruck “ Drei Gedichte von Georg Trakl“ veröffentlicht wurden. Weitere bekannte Werke von ihm sind „Grodek“, „Elis“, die Raben“, „ein Winterabend“, „Träumerei“ uvm. Das Motiv Gebirge was in Trakls Gedicht „das Gewitter“ eine zentrale
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Rolle spielt, griff er erstmals im Herbst 1913 auf. Das Gedicht entstand im Mai/Juni 1914 im Raum Innsbruck, also kaum ein halbes Jahr vor seinem Tod. Ob das Gedicht jemanden gewidmet ist, geht aus dem Text nicht hervor, eine biographische Deutung wird jedoch meist mit dem Hinweis auf briefliche Äußerungen Trakls gerechtfertigt: „ Irgendwie wird sich das Gewitter, das sich in mir ansammelt, schon entladen. Meinetwegen und von Herzen auch durch Krankheit und Melancholie“ ( an Erhard Buschbeck vom 24. April 1912, I 488), „ Zwischen Trübsinn und Trunkenheit verloren, fehlt mir Kraft und Lust eine Lage zu verändern, die sich täglich unheilvoller gestaltet, bleibt nur mehr der Wunsch, ein Gewitter möchte hereinbrechen und mich reinigen oder zerstören“ ( an Karl B. Heinrich von Anfang Januar 1914; I 532), „ Es ist steinernes Dunkel hereingebrochen“
(an Ficker vom 1./2. April 1914; I 530, zur Datierung Sauermann, 1984. S37). (Interpretationen, Gedichte von Georg Trakl)
Von diesen Worten Trakls ist wohl abzuleiten, dass Trakl das Gedicht nicht als Widmung für irgendjemand, sondern als „Reinigung“ seiner selbst verstand. Das Gewitter als Chance für eine „ Reinigung“ selbst auf das Risiko einer Katastrophe hin. Finsternis als Inbegriff menschlichen Elends, vielleicht sogar unabwendbares Schicksal.
Wie bereits erwähnt schrieb Trakl das Gedicht ca. 6 Monate vor seinem vermutlichen Freitod. Der Damals 27 Jährige Trakl befand sich bereits in einem derart lebensmüden und von Rauschmitteln gelähmten Gemütszustand, dass unschwer zu erkennen ist, dass es sich bei dem Gedicht weit mehr, als nur um ein Naturgedicht handelt. Die Situation des Gedichts unterscheidet sich von der Situation seines Gefühlszustandes kaum oder gar nicht, auch wenn das Darstellen eines Naturereignisses vor allem darauf beruht, den Gedanken Trakls Nachdruck zu verleihen.
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Arbeit zitieren:
Daniela Klaiber, 2001, Georg Trakl: "Das Gewitter" - Analyse und Interpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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