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Inhalt
Prolog - 1 -
1. Von Lüge Irrtum und Wahrheit - 3 -
2. Was ist eine Lüge
2.1 Lüge und Semantik - 5 -
2.2 Lüge und Syntax - 9 -
2.3 Lüge und Pragmatik - 10 -
3. Was ist ein Irrtum im Gegensatz zur Lüge
3.1 Irrtum und Semantik - 11 -
3.2 Irrtum und Pragmatik - 12 -
3.3 Exkurs: Irrtum aus rechtlicher Sicht - 12 -
Epilog - 13 -
Literaturverzeichnis - 14 -
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Prolog
Dass der Mensch des Lügens fähig ist, ist ohne Zweifel. Dass er sich dieser Fähigkeit auch im Alltag gerne bedient, ist ebenso wenig zu hinterfragen. Aber wie genau geht das vonstatten? Was tut der Mensch, wenn er lügt? Ist eine Lüge ein rein moralisches Phänomen oder bestehen sprachliche Besonderheiten? Hilft uns Sprache beim Lügen oder sind gar einige Wörter an sich lügnerischer Natur?
Generell gesehen gelten Lügen in unserer Kultur als etwas Negatives. Natürlich gibt es die vielen kleinen Notlügen im täglichen Leben, die kaum weiter Beachtung finden, da sie selten wirklich negative Auswirkungen haben. Oder etwa die leichten Übertreibungen und Ausschmückungen persönlicher Geschichten und Anekdoten, mit Hilfe derer wir uns profilieren möchten. Manchmal ist eine Lüge sogar etwas Gutes, wenn dadurch die Gefühle eines Freundes geschont werden, weil die Wahrheit wieder einmal zu hart und schmerzhaft ist. Schon daran lässt sich ein Spannungsverhältnis zwischen Lüge und Wahrheit erkennen.
Fraglich ist jedoch, ob auch vermeintlich unabsichtlich geschehene Irrtümer als Lügen betrachtet werden können, beziehungsweise inwiefern sie sich sprachlich und moralisch von Lügen abgrenzen.
Es sei vorangestellt, dass Denken und Wirklichkeit in Verbindung stehen und die Verwendung von Sprache im alltäglichen Leben stark beeinflussen. Geht man davon aus, dass Sprache ursprünglich die Aufgabe hat, „Denken und Wirklichkeit“ so aufeinander abzustimmen, dass sich eine von Missverständnissen freie Kommunikation entwickeln kann, dann können bewusste „Fehl- und Falschaussagen“ diesem Zweck der Sprache entgegen wirken. „Dann kann Sprache als Instrument mißbraucht [sic] werden, um eine Beziehung von Denken und Wirklichkeit zu zerstören und aufzulösen.“ (Weber 1992: 161) Thema dieser Arbeit soll es sein, mit Hilfe der Linguistik zu verdeutlichen, was Lügen und Irrtümer sind und was für sprachliche Prozesse und Eigenarten beide Phänomene ausmachen.
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Diese Seminararbeit ist folgendermaßen konzipiert: Der erste Teil meiner Arbeit wird sich mit dem Verhältnis von Lüge und Irrtum zur Wahrheit beschäftigen, da die Identifizierung der beiden Erscheinungen als Lüge und Irrtum im sprachlichen Sinn stark von der Wahrheit abhängig sind. Hier bin ich
von Nietzsches Aufsatz „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ 1 ausgegangen, um aufzuzeigen, als was Wahrheit verstanden werden könnte. Es sollen vorläufige Definitionen gegeben werden, die im Weiteren ausgebaut werden.
Darauf folgt im zweiten Abschnitt eine Betrachtung der sprachlichen Eigenschaften von Lüge. Bei der linguistischen Auseinandersetzung mit der Lüge habe ich mich hauptsächlich auf das Werk von Harald Weinrich von 1966 gestützt, der mit seiner Antwort auf eine von der Deutschen Akademie für
Sprache und Dichtung gestellten Preisfrage die „Linguistik der Lüge“ 2 erörtert und aufklärt. Die sprachliche Untersuchung der Lüge begründe ich auf den drei linguistischen Teilbereichen Semantik, Syntax und Pragmatik. Der dritte Teil meiner Arbeit widmet sich dann dem Irrtum. Ich habe mich hauptsächlich auf Michael Wulffs „Zum Verstehen von Missverständnissen: Irrtum und Irreführung in psychologischer, linguistischer und medientheoretischer Sicht.“ gestützt. Auch hier soll eine Definition des Irrtums an sich mit seinen sprachlichen Charakteristika und praktischen Beispielen gegeben werden.
C.H.Beck
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1. Von Lüge, Irrtum und Wahrheit
Bei der Verwendung von Sprache, sei es also beim schriftlichen Verfassen von Texten oder beim Sprechen, besteht eine Beziehung zwischen dem Denken,
dem Sprechen und der Wirklichkeit 3 . Dies impliziert ein Verhältnis zwischen der Wahrnehmung der Wirklichkeit und dem Ausdrücken der Wirklichkeit. Daraus wiederum ergibt sich eine Spannung zwischen der aus dem Wahrnehmen der Wirklichkeit resultierenden Wahrheit und der Sprache selbst. Es soll hier nicht explizit auf die Wahrheit aus philosophischer oder logischer Sicht eingegangen werden. Doch die Wahrheit stellt eine Art Hintergrund oder Basis für die Lüge als auch für den Irrtum dar und kann zu einer Definition beider Termini führen. Friedrich Nietzsche formulierte in seiner Abhandlung „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ von 1873 eine Wahrheitskritik. Nach dieser Kritik sei das Konzept der Wahrheit ein pures Hirngespinst, eine Erfindung des Menschen um ihm das Leben innerhalb der Gesellschaft zu erleichtern. Denn Hobbes hat schließlich schon im 17. Jahrhundert geschrieben, dass der Urzustand des Menschen es ihm unmöglich mache, friedlich mit seinen Mitmenschen zusammen zu leben. Es herrsche der „bellum omnium contra omnes“ (Nietzsche 1873), der Krieg aller gegen alle. Nur derjenige, der sein eigenes Leben absolut als Priorität sieht und egoistisch alles ausmerzt, was ihm in seiner Existenz gefährlich werden könnte, habe die Möglichkeit, in dieser
Gesellschaft zu überleben. 4 Nietzsche geht allerdings noch weiter. Aus „Not und Langeweile“ (Nietzsche 1873) möchte der Mensch nämlich trotz seines Egoismus in einer Gesellschaft leben. Damit der Krieg aller gegen alle diesem Wunsch nicht ein jähes Ende bereitet, erfindet der Mensch eine Konvention, an die sich alle Mitglieder dieser Gesellschaft halten sollen: die Wahrheit.
Diese Wahrheit ist an sprachliche Gesetze gebunden, das heißt die bindende und feststehende Bezeichnung von Gegenständen im alltäglichen Leben. Mit diesen Bezeichnungen soll der Mensch sich mitteilen können. Wie ich oben schon angesprochen habe, umfasst Nietzsches Wahrheit als eine Konvention nun sprachliche Regeln. So sind jedem Gegenstand oder Ereignis bestimmte Bezeichnungen und feste Begrifflichkeiten gegeben. Der Lügner hingegen hält sich nicht an diese sprachlichen Gesetze. „Er mißbraucht
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Jessica Schweke, 2007, Irrtum und Lüge - Eine Definition beider Phänomene, ihre sprachliche Bedeutung und der Versuch einer Abgrenzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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