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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2
2. Der heilige Martin bei Gregor von Tours
2.1 Zusammenfassung der Passagen 3
2.2 Einflüsse auf Gregors Werk und
daraus resultierende Sichtweise 5
2.3 Einteilung der Decem libri historiarum 7
2.4 Wie wurde Gregors Werk nach ihm gesehen 9
2.5 Einordnung in den Gesamtkontext 10
3. Zusammenfassung 14
4. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Beschäftigt man sich mit dem Leben und Schaffen des Geschichtsschreibers und Bischofs Gregor von Tours, stößt man immer wieder auch auf seinen Amtsvorgänger Martin von Tours, der vor allem als der heilige Martin Bekanntheit errungen hat. Warum und inwiefern dieser das Leben Gregors beeinflusst hat, soll hier von mir untersucht und in Ansätzen geklärt werden. Besondere Konzentration in dieser Betrachtung gilt dabei dem Hauptwerk ‚Decem libri historiarum’ 1 . Mir ist bekannt, dass Gregor dem heiligen Martin noch ein umfassenderes Buch gewidmet hat. Dieses soll aber aus zweierlei Gründen eher im Hintergrund bleiben. Zum einen widmet sich ein gesondertes Thema einer Kommilitonin nur dem Wunderwirken des heiligen Martin und damit diesem Werk, zum anderen soll hier die Funktionalisierung der Stellenauswahl in Gregors Hauptwerk betrachtet und hervorgehoben werden.
Die folgende klare Gliederung dieser Arbeit soll helfen, die oben genannte Frage zu beantworten und mögliche Thesen aufzuwerfen. Als erstes werde ich die Stellen und Passagen, in welchen Gregor den heiligen Martin erwähnt hat näher betrachten und zusammenfassen. Gleichzeitig erfolgt eine unterstützende Einordnung in geschichtliche Abläufe. Besonders hervortretende Personen werden weiterführend geklärt. Dies soll dem Verständnis dienen. Außerdem werde ich untersuchen, ob er sprachliche Mittel genutzt hat und wenn ja, welchem Zweck diese dienen. Bevor die Einordnung der Passagen in das Gesamtwerk möglich wird, werde ich aufzeigen, mit welcher Sichtweise Gregor von Tours seine Umwelt wahrgenommen und unter welchen Einflüssen er beim Schreiben gestanden hat. Danach widme ich mich dem Gesamtwerk ‚Decem libri historiarum’ und beschreibe die Gliederung der zehn Bücher. Darauf aufbauend wird die Wirkung auf Gregors Nachwelt dargestellt, zum Beispiel wer sein Werk genutzt hat und aus welchem Grund. Aber auch der aktuelle Forschungsstand wird von mir besprochen. Zum Ende des Hauptteiles versuche ich die Ausschnitte über den heiligen Martin in den Gesamtkontext einzubetten, so dass am Ende zu erkennen ist, welche Funktion die Stellenauswahl durch Gregor beinhaltet. Hier gehe ich noch mal näher auf seinen Schreibstil ein. In der Zusammenfassung möchte ich dann Erkenntnisse aufweisen, welche als Ergebnisse der 1 In der Arbeit genutzte Ausgabe: Gregor von Tours, Band 1: Zehn Bücher Geschichte, hg. von
Rudolf Buchner, Berlin 1955.
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Argumentationskette des Hauptteiles entstanden sind. Aus eigenem historischen Interesse hinterfrage ich zum Schluss die Glaubwürdigkeit Gregors in der heutigen Zeit.
2. Der heilige Martin bei Gregor von Tours
2.1 Zusammenfassung der Passagen:
Nach den Überlieferungen des Bischofs Eusebius und des Adligen Sulpicius Severus 2 wurde Martin von Tours im elften Regierungsjahr des römischen Kaisers Konstantin in der pannonischen Stadt Sabaria geboren. Seine Eltern waren von höherem Stande und gehörten keiner Glaubensrichtung an:
„Romanorum tricesimus quartus imperium obtinuit Constantinus, annis triginta regnans feliciter. Huius imperii anno undecimo, cum post excessum Diocliciani pax reddita fuisset ecclesiis, beatissimus praesul Martinus apud Sabariam Pannonieae civitatem nascitur parentibus gentilibus, non tamen infimis.” 3 Sein Geburtsjahr wird heute auf das Jahr 316 oder 317 unserer Zeitrechnung datiert. 4 Auffällig im Text von Gregor ist, dass die Geburt Martins im ersten Buch mitten in Berichte über Kriege und Morde eingeordnet ist und in nur einem einzigen Satz erwähnt wird. Für den Leser wird meiner Meinung nach das Ereignis dadurch noch mehr hervorgehoben und erhält einen noch höheren Stellenwert. Außerdem wird hier der Begriff ‚beatum – beatissimus’ gewählt, welcher im Zusammenhang als ‚heilig’ übersetzt werden kann.
In der Zeit als der heilige Hilarius zum Bischof von Poitiers ernannt wurde, begab sich Martin zu ihm, um dessen Schüler zu werden. 5 Gregor von Tours erwähnt überschwänglich das erste Wirken von Martin in Gallien: „Tunc iam et lumen nostrum exoritur, novisque lampadum radiis Gallia perlustratur […].“ 6 Durch diese Überschwänglichkeit erreicht er eine andere sprachliche Ebene. Das resultiert, wie auch bei der Textstelle der Geburt, in einer Hervorhebung des
2 Sulpicius Severus war Verfasser der Vita des heiligen Martin
3 Gregor von Tours, Band 1: Zehn Bücher Geschichte, hg. von Rudolf Buchner, Berlin 1955. S. 40 4 Jaques Fontaine, Martin, hl., in: Lexikon des Mittelalters (1991). S. 1427 5 Martin Heinzelmann, Martin von Tours, in: Lexikon für Theologie und Kirche (1993). S. 365 6 Gregor von Tours, Band 1. S. 42
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Ereignisses im Gesamttext. Er berichtet ferner, dass dieser schon zu dieser Zeit Wunder bewirkte: „[…] per multa miracula verum Deum in populis declarans.“ 7 So soll er auch 3 Tote zum Leben erweckt haben: „[…] ad consummandum laudes suae titulum tres mortuos vitae restituit.“ 8 Den Heiden predigte er, dass es nur einen wahren Gott gibt, und zwar Christus. Später errichtete er auf den Ruinen ihrer Tempel Kirchen: „Hic enim fana distruxit […], eclesias aedificavit et […].“ 9 Diese Aussage bezieht sich auf die Verbreitung des christlichen Glaubens unter den heidnischen Völkern.
Gregor von Tours erwähnt, dass er dieses Wissen vom Kirchenlehrer Hieronymus bezogen hat: „Hucusque Hieronimus […].“ 10 Er geht jedoch nicht näher auf das Leben des heiligen Martin ein. Dessen Leben handelt er umfangreich in einem anderen Werk (De virtutibus sancti Martini episcopi) ab. 11 Dass Martin von der Bevölkerung zum Bischof von Tours ernannt und später geweiht wurde, war ihm zwar bekannt, findet aber nur beiläufig Erwähnung. Er betitelt ihn als Bischof von Tours.
Erst der Tod des heiligen Martin wird wieder thematisiert. Gregor von Tours trifft im ersten Buch zwei zeitliche Einordnungen: „Arcadi vero et Honori secundo imperii anno […]“ 12 und „A passione ergo Domini usque transitum sancti Martini anni 412 conpotantur.” 13 Er erwähnt auch das Sterbealter 81: „[…] octuaginsimo et primo aetatis suae anno […]“ 14 Nachdem er während einer Visitationsreise in Candes 15 gestorben war kam es zum Streit zwischen den Städten Poitiers und Tours, wo dieser denn bestattet werden sollte: „Quo migrante, grandis altercatio in utrumque surrexit populum.“ 16 Hier lässt Gregor von Tours nur das Eingreifen von Gott Gewalttätigkeiten verhindern und deshalb beschreibt er das wundergleiche Einschlafen aller Bürger von Poitiers: „Denique nocte media omnes Pectava somno falanga conpraemitur, nec ullus superfuit, qui ex hac multitudine vigilaret.“ 17 Mit dem Tod und der Bestattung des heiligen Martin in Tours endet auch das erste Buch des Gregor von Tours. Erwähnenswert 7 Gregor von Tours, Band 1. S. 42
8 ebd.
9 ebd.
10 ebd.
11 Luce Pietri, Gregor von Tours, in: Theologische Realenzyklopädie 14 (1977). S. 187 12 Gregor von Tours, Band 1. S. 50 13 ebd., S. 52 14 ebd., S. 50 15 vgl. hier: Heinzelmann, Martin von Tours. S. 366 16 Gregor von Tours, Band 1. S. 50 17 ebd., S. 52
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ist, dass Gregor für den Tod des heiligen Martin die Worte ‚zu Christus heimgehen’ verwendet: „migravit ad Christum“ 18 , das ist ein weiterer Hinweis auf die besondere Stellung, die dieser in den Augen Gregors einnimmt. Erst in der Mitte des zweiten Buches können wir wieder etwas über den heiligen Martin finden. Gregor von Tours berichtet vom Erzbischof Perpetuus, dass sich dieser aufgrund der Vielzahl von Wundertaten, die am Grabe des heiligen Martin geschahen, entschlossen hatte für diesen eine große Kirche errichten zu lassen:
„Qui cum virtutes assiduas ad sepulchrum eius fieri cerneret, cellulam, quae super eum fabricata fuerat, videns parvulam, indignam talibus miraculis iudicavit. Qua submota, magnam ibi basilicam, quae usque hodie permanet, fabricavit […]” 19 Diese Basilika existierte noch zu Lebzeiten des Gregor von Tours. 20
2.2 Einflüsse auf Gregors Werk und daraus resultierende Sichtweise:
Der als Georgius Florentius im Jahre 538 in Clermont 21 geborene Gregor von Tours lebte in einer Zeit als das Christentum seinen Siegeszug unter den europäischen Religionen vollzogen hatte 22 und zum meist verbreiteten und führenden Glauben geworden war. Als Gregor zum Bischof von Tours ernannt wurde, waren schon viele Kirchen errichtet worden und bildeten Zentren des religiösen Glaubens. 23 Reliquien wurden zunehmend genutzt, um regionale Pilgerzentren zu schaffen. Man kann sich als Historiker dem Eindruck nicht erwehren, dass eine flächendeckende Präsenz geschaffen werden sollte, um mehr Einfluss nehmen zu können.
18 Gregor von Tours, Band 1. S. 42
19 ebd., S. 96 20 Johann Wilhelm Loebell, Gregor von Tours und seine Zeit: vornehmlich aus seinen Werken geschildert, Leipzig 2. Auflage 1869. S. 224 21 Hans Hubert Anton, G. v. Tours, hl., in: Lexikon des Mittelalters 4 (1980) S. 1679 22 Goffart dazu: “Arian heresy had been expelled.” (siehe Walter Goffart, The Narrators of Baberian History: Jordanes, Gregory of Tours, Bede, and Paul the Deacon, Princton NJ 1995. S. 233) 23 ebd.
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Thomas Dassler, 2006, Der heilige Martin bei Gregor von Tours, Munich, GRIN Publishing GmbH
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