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1. Einleitung Seite 01
2. Der Begriff Streetwork und
die Entwicklung der aufsuchenden Arbeit in Deutschland Seite 02
3. Streetwork ist akzeptierende Drogenarbeit Seite 03
4. Streetwork in der Praxis Seite 06
4.1. Hauptaufgaben des Streetworkers in der Praxis Seite 06
4.2. Aufbau eines Kontaktnetzes innerhalb der Szene Seite 08
4.3.Vernetzung und Kooperation mit anderen
sozialen Einrichtungen Seite 13
5. Drogenabhängige sich prostituierende Frauen
eine spezielle Klientengruppe innerhalb der Szene Seite 14
6. Beratung im Streetwork Seite 18
7. Schlusswort Seite 20
8. Literaturverzeichnis Seite 21
Streetwork in der Drogenhilfe
(LQOHLWXQJ
Die folgende Hausarbeit wird sich mit dem Thema Ä6WUHHWZRUN LQ GHU 'URJHQKLOIH³ beschäftigen.
Ich selbst arbeite seit zwei Jahren beim Drogenverein Mannheim e. V. als Streetworkerin und habe in dieser Zeit sehr viel über aufsuchende Sozialarbeit gelernt. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre beeinflussen diese Arbeit natürlich maßgeblich und es wird dem Leser sicher deutlich werden, dass ich die akzeptierende, niedrigschwellige Drogenarbeit für einen wichtigen Weg in der Drogenhilfe halte.
Ich werde zunächst den Begriff „Streetwork“ erläutern und auf die Geschichte von Streetwork in Deutschland näher eingehen. Außerdem möchte ich den theoretischen Hintergrund von Streetwork beschreiben und gleichzeitig auch Erfahrungen aus der Praxis mit einbringen. Wichtig ist es mir auch über die Klienten der offenen Drogenszene zu schreiben und im speziellen näher auf die Gruppe der sich prostituierenden drogenabhängigen Frauen eingehen, die eine eigene Gruppe in der offenen Drogenszene darstellen.
Natürlich findet Streetwork auch in anderen Bereichen der sozialen Arbeit statt, wie zum Beispiel in der Jugendarbeit oder der Stricherszene. Im folgenden werde ich mich allerdings auf die Drogenhilfe beschränken, da sowohl der theoretische Hintergrund, als auch die Praxis in verschiedenen Bereichen der aufsuchenden Sozialarbeit sehr unterschiedlich sind und im Rahmen dieser Hausarbeit kein umfassender Überblick möglich wäre.
Ich werde mich aus Gründen der Vereinfachung vorwiegend auf die männliche Bezeichnung von Personen und Gruppen beschränken.
Claudia Benzing 1
Streetwork in der Drogenhilfe
'HU %HJULII Ä6WUHHWZRUN³ XQG GLH (QWZLFNOXQJ GHU
DXIVXFKHQGHQ$UEHLWLQ'HXWVFKODQG
Der %HJULII 6WUHHWZRUN stammt aus dem amerikanischen und wird im
Deutschen meist mit „Straßensozialarbeit“ übersetzt. Es gibt aber auch verschiedene andere Begriffe, die dasselbe meinen, zum Beispiel aufsuchende Sozialarbeit, Gassenarbeit, mobile Drogenarbeit, Street Corner Work, Outreach Work, Detached Street Work.
Streetwork beschäftigt sich als DXIVXFKHQGH 6R]LDODUEHLW mit sozial
benachteiligten, stigmatisierten Personen oder kriminalisierten Gruppen.
Zunächst entwickelte sich Streetwork vor allem in der Jugendhilfe – die soziale Lage von Jugendlichen verschlechterte sich durch die einsetzende Rezession und Städte und Gemeinden sahen sich im Handlungszwang. Die bisherigen Institutionen der sozialen Arbeit im Bereich Jugendhilfe konnten die „Problemjugendlichen“ nur schwer erreichen. Aus dieser Situation heraus entstand die „Mobile Jugendarbeit“.
Die „Mobile Jugendarbeit“ war natürlich eng verknüpft mit der Drogenhilfe.
Durch die entstandene Hippie-Bewegung, wurde der Konsum illegaler Drogen in den sechziger Jahren auch in Deutschland zu einem brisanten Thema. In den siebziger Jahren entstand ein Hilfesystem, das sich stark an den Beratungs- Therapie- und Selbsthilfemodellen orientierte. Ein Merkmal dieser Modelle waren die stark autoritären Strukturen. Durch die Einrichtungen waren die Abhängigen starkem Anpassungszwang und strengen Anforderungen ausgesetzt, wie Pünktlichkeit, Offenheit und äußere Anpassung durch Kleidung.
Das Hilfesystem wurde ausgeweitet und hat immer mehr Abhängige erreicht. Von den Mitarbeitern wurden differenzierte Arbeitsansätze entwickelt. Die Herausbildung von Streetwork kann hier beispielhaft als eine Öffnung der Drogenhilfe nach außen gesehen werden, und zwar um hinauszugehen und Kotakt zu den Drogensüchtigen zu suchen, die selbst keinen Kontakt zu den Hilfesystemen finden konnten oder wollten.
Claudia Benzing 2
Streetwork in der Drogenhilfe
Streetwork bekam neben Beratung und Therapie einen gleichberechtigten Stellenwert. Die Einführung von Streetwork war der erste Schritt in die
$N]HSWLHUHQGH'URJHQDUEHLW.
Streetwork bedeutet, sich an Orte zu begeben, an denen sich Drogensüchtige aufhalten – in größeren Städten ist hiermit die offene Drogenszene gemeint. Man erlebt ihre Lebensumstände mit, knüpft Kontakte und baut Vertrauen auf. Man steht vor Ort mit Hilfeangeboten zur Verfügung. Zu den erlebten Lebensumständen gehört auch das Gespräch mit Passanten, Geschäftsbesitzern und der Polizei in der Szene. Die Betroffenheit der Gesprächspartner muss ernstgenommen werden. Gespräche können sogar zu Einstellungsänderungen bei beiden Parteien führen.
Die Kontaktaufnahme stand bei der Entwicklung von Streetwork im Vordergrund. Der Berater wartet nicht bis der Klient den Weg in die Beratungsstelle findet, sondern sucht ihn in seinem Lebensraum auf. Man möchte Konsumenten erreichen, die den Weg in die Beratungsstelle nicht gefunden haben. Die Hemmschwellen sollen abgebaut werden.
6WUHHWZRUNLVWDN]HSWLHUHQGH'URJHQDUEHLW
Der Begriff DN]HSWLHUHQGH 'URJHQDUEHLW ist im Gegensatz zum Begriff der QRUPRULHQWLHUWHQ'URJHQDUEHLW zu sehen.
Innerhalb des normorientierten Ansatzes wird der Abhängige als krank gesehen und die Aufgabe der Drogenhilfe ist es ihn zu heilen – wenn nötig auch gegen seinen Willen. Abhängige die nicht in ausreichendem Maß kooperieren oder in mehreren Therapieversuchen gescheitert sind, gelten als therapieresistent. Der ehemals Kranke wird dann als kriminell eingestuft und als letzte Möglichkeit bleibt das Gefängnis.
Berater, die nach dem normorientierten Ansatz arbeiten, erwarten vom Klienten die Zielvorstellung eines drogenfreien Lebens. Liegt keine ausreichende Abstinenzmotivation vor, werden auch keine Hilfestellungen gegeben – der Klient befindet sich noch nicht „weit genug unten“, der Leidensdruck ist noch nicht groß genug.
Claudia Benzing 3
Streetwork in der Drogenhilfe
Selbst wenn der Klient sich an eine Beratungsstelle wendet, wird von ihm erwartet gegebenenfalls zwei Wochen auf einen Termin zu warten und dann vor allem regelmäßig und pünktlich zu Terminen zu erscheinen. Ist dies nicht der Fall kann von ausreichender Therapiemotivation nicht ausgegangen werden. Jedes Entgegenkommen seitens der Berater gilt als suchtverlängernd und koabhängig.
Auch Streetwork war Ende der siebziger bis Anfang der achtziger Jahre darauf ausgerichtet, für ein drogenfreies Leben zu werben und neue Klienten zu „rekrutieren“.
Das gesamte QRUPRULHQWLHUWH +LOIHV\VWHP ist auf das Ziel Abstinenz
ausgerichtet.
Die DN]HSWLHUHQGH 'URJHQKLOIH hingegen orientiert sich an der Lebenswelt des Klienten und ist nicht allein auf Abstinenz ausgerichtet. Es existiert keine umfassende Begriffsdefinition, allerdings hat Stöver („Akzeptierende Drogenarbeit – eine Zwischenbilanz“, Freiburg i. B., 1999) das Verständnis von akzeptierender Drogenarbeit in folgenden Punkten dargestellt:
• Der Mythos drogenfreie Gesellschaft bzw. Freiheit von illegalen Drogen ist unrealistisch – Drogen hat es immer gegeben und es wird sie auch immer geben.
• Auch eine suchtfreie Gesellschaft wird es nicht geben. Es kann nicht einzig und allein darum gehen Süchte zu verhindern, sondern es müssen Wege gefunden werden, mit Süchten angemessen umzugehen und dabei die Menschenwürde zu wahren.
• Es ist notwendig eine Vielzahl von Hilfeangeboten bereitzustellen und nicht den „Königsweg“ der Abstinenz als einzige Möglichkeit zu sehen.
• Vor allem für Drogengebraucher, die hochschwellige Beratungs- und Hilfsangebote nicht nutzen können oder wollen, müssen niedrigschwellige Hilfeangebote existieren. Hier müssen Schwellen abgebaut werden um den Zugang in die Drogenhilfe zu erreichen.
Claudia Benzing 4
Arbeit zitieren:
Claudia Benzing, 2002, Streetwork in der Drogenhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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