Differenzen beruhen jedoch ausschließlich auf Anpassungsmechanismen, - phänomenen, die auf kulturelle Einflüsse und nicht rassenspezifische Merkmale, Rassenzugehörigkeit, zurückzuführen sind. Sie stellen die jeweils notwendige funktionale Differenzierung einer, oder Anpassung an eine jede Kultur dar (vgl. Lévi-Strauss 1993: 41-45). So weit zunächst zu den Erklärungsversuchen für kulturelle Differenzen. Die Frage ist damit aber noch nicht endgültig beantwortet.
Hellmann geht in seiner Studie davon aus, dass es keinen Unterschied zwischen kultureller Differenz und Fremdheit gibt, sondern vielmehr Unterschiede in der Auffassung und dem Umgang mit Fremdheit zu erkennen sind.
Um die Frage, was kulturelle Differenz ist, beantworten zu können muss grundsätzlich festgehalten werden, dass es sich bei der Wahrnehmung von kultureller Differenz bzw. Fremdheit um eine Konstruktion auf der Grundlage einer Referenzstruktur handelt. Das heißt, dass das Empfinden des Fremden vorrangig von der persönlichen Erfahrungsweite des Einzelnen abhängig ist. Fremdheit ist nichts Gegebenes, sondern etwas Konstruiertes (vgl. Hellmann 1998: 409-413). Folgt man den Ausführungen Hellmanns, so gibt es verschiedene Konstruktionsmerkmale, die zur Klassifikation des Fremden als etwas Fremdes beitragen. Grundlagen dieser Klassifikation sind das „strukturelle Nichtverstehen“ (Hellmann 1998: 413), die Unvertrautheit mit etwas Neuem (vgl. Hellmann 1998: 418), der Umgang mit Unvertrautem als einem Problem (vgl. Hellmann 1998: 422-431) und der Ambivalenz beim Umgang mit Fremden/Fremdem (vgl. Hellmann 1998: 431). Wird etwas als fremd betrachtet, so kann dies auf ein strukturelles Nichtverstehen zurückzuführen sein. Es handelt sich dabei um ein inhaltliches Missverständnis; Das inhaltliche Verständnis, im vertrauten Horizont, misslingt und das „Nichtverstandene“ trägt zur Konstruktion von Fremdheit bei (vgl. Hellmann 1998: 413-418). Die Anschlussfähigkeit, das heißt, die Möglichkeit eine neue Situation in ein bekanntes Bezugssystem einordnen zu können und sie bzw. ihren Inhalt, ihre Mitteilung, dadurch verstehen zu können, ist nicht mehr gegeben (vgl. Hellmann 1998: 435). Aus diesem Nichtverstehen und der dadurch fehlenden
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Anschlussmöglichkeit entwickelt sich, nach Hellmann, ein „irritierender […] Verlust an Erwartungssicherheit […]“ (Hellmann 1998: 422). Das Fremde erscheint dem Einzelnen deshalb als fremd, weil es unvertraut ist. Fremdheit kann sich dann zum Problem entwickeln, wenn darunter die „Enttäuschung einer Erwartung“ (Hellmann 1998: 422) verstanden wird. Ein Problem wird dann zu einem sozialen Problem, wenn die Enttäuschung auf eine Entscheidung anderer zurückgeführt werden kann (vgl. Hellmann 1998: 423). Beim Kontakt mit dem Fremden kann es zu sozialen Problemen unterschiedlicher Art kommen. Zum einen kann es sich um die Enttäuschung einer vertrauten Erwartung handeln. Zum anderen sind soziale Probleme aber auch dadurch gekennzeichnet, dass sie die Folge von Wertekonflikten sind, und sich dadurch in unerwünschten Entscheidungen anderer niederschlagen (vgl. Hellmann 1998: 427). Gerade beim Zusammentreffen von verschiedenen Kulturen, die sich ja u.a. in unterschiedlichen Wertvorstellungen, Kulturstandards und Orientierungssystemen (vgl. Wolf 2001: 1179) manifestieren, kann es so zu Problemen sozialer Art kommen. Ist es zu dieser Art von Problemen gekommen, stellt sich die Frage, wie der Einzelne damit umgeht. Der Umgang ist laut Hellmann davon abhängig, wie die Erfahrung mit dem Unvertrauten den Einzelnen berührt hat. Handelt es sich um eine routinemäßige Enttäuschung, mit der man rechnen konnte, so hat dies keine weiteren Konsequenzen (vgl. Hellmann 1998: 428). Ist die Enttäuschung jedoch so unerwartet und groß, dass sie nicht mehr kompensiert werden kann, kommt es zur Krise. Diese Krise stellt einen Zustand dar, in dem die Identität des Einzelnen unverändert bleibt, sich aber seine Sicht über die ihn umgebende Struktur ändert. Die Krise ist umso heftiger, je weniger Zeit verbleibt um auf die Enttäuschung zu reagieren (vgl. Hellmann 1998: 428-429). Letztendlich schließt sich dieser Prozess des Umgangs mit Fremdheit bei der Entscheidung, wie man Fremdheit gegenüber tritt. Handelt es sich bei Fremdheit eher um eine Bedrohung oder etwas Neues, das erkundet werde möchte. Je nach dem, wie der Einzelne sie auffasst, geht Hellmann davon aus, dass es bei dem Gefühl einer Bedrohung durch Fremdheit zu einer Abnahme der Lernwahrscheinlichkeit kommt. Das wiederum hat zur Folge, dass es beim gleichen Erwartungshorizont bleibt und es leicht zu erneuten Enttäuschungen kommen kann, die ihrerseits wieder zur Ablehnung des Fremden führt, weil es als Bedrohung des Vertrauten empfunden wird. Wird
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B. A. Paul Peters, 2004, Wissenschaftliche Definition von kultureller Differenz und Fremdheit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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