Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
Einleitung 3
Teil I: 5
Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Auswanderung Deutscher nach Kanada 5
1. Motivationen zur Emigration aus dem Nachkriegsdeutschland. 5
2. Die Auswanderung nach Kanada als Alternative für einen Neuanfang. 6
3. Die deutsche Auswanderung nach Kanada nach Ende des Zweiten Weltkrieges. 9
3.1. Das Sozialprofil deutscher Auswanderer nach Kanada 11
4. Wege und Grenzen der Auswanderung. 13
Teil II: Deutsche Einwanderung in Kanada nach dem Zweiten Weltkrieg. 16
5. Die kanadische Einwanderungspolitik gegenüber Deutschen - von feindlichen
Ausl ändern zu begehrten Einwanderern 16
5.1. Die ersten Nachkriegsjahre - Deutsche als „enemy aliens“ 17
5.2 Die Aufhebung des Einwanderungsverbotes für deutsche Staatsbürger. 18
5.3. Die aktive Anwerbung deutscher Arbeitskräfte für Kanada 19
6. Die geförderte Anwerbung bestimmter Berufsgruppen 21
6.1. Deutsche Bergleute und Waldarbeiter in Kanada 21
6.2. Deutsche Landarbeiter in Kanada 23
6.3. Deutsche Hausangestellte und Pflegekräfte in Kanada. 24
7. Wanderungen von Deutschen in die USA über Kanada 26
8. Das Ansehen deutscher Migranten in Kanada nach dem Zweiten Weltkrieg. 27
Schlussbetrachtung. 30
A. Literaturverzeichnis. 32
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Einleitung
Kanada ist für Deutsche schon seit dem 18. Jahrhundert aufgrund attraktiver Bedingungen ein gern gewähltes Emigrationsland. Gute Arbeitsmöglichkeiten in verschiedenen Wirtschafts-sektoren, eine gute Bezahlung und die vergleichsweise sichere und stabile politische Lage des Landes galten unter anderem als Pull-Faktoren, die Deutsche sich bis heute für Kanada entscheiden lassen.
Zu Beginn deutscher Auswanderung nach Kanada wurden Immigranten hauptsächlich als Landarbeiter und Bauern aufgenommen, da diese Berufsgruppe gesucht wurde und man Arbeitsleistungen und -tugenden Deutscher hoch schätze. Deutschland galt über große Zeiträume als „Preffered Country“ 1 , aus dem bevorzugt Emigranten aufgenommen wurden. Seit dem wirtschaftlichen Aufschwung Kanadas zu Beginn der 1930er Jahre stieg die Nachfrage nach Facharbeitern an. Da Deutschland viele solche Arbeitskräfte besaß und Deutsche allgemein als besonders gut ausgebildet galten, begannen die Kanadier, qualifizierten Deutschen lukrative Angebote für die Ausübung ihres Berufs in Kanada zu machen. Viele folgten diesen Aufrufen.
Die beiden Weltkriege haben einen starken Einfluss auf die Migration Deutscher nach Kanada ausgeübt. Von der kanadischen Seite aus kamen Gesetze auf, die die Einreise Deutscher ins Land über bestimmte Zeiträume verbaten. Auch von deutscher Seite aus war es nicht immer möglich, das Land zu verlassen. Es kam zeitweise zum Einbruch deutscher Auswanderungsbewegungen nach Kanada. Überhaupt ließ erst der Zweite Weltkrieg viele Deutsche erstmals über eine Auswanderung aus der Heimat nach Kanada nachdenken.
In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen wie sich der Zweite Weltkrieg auf die Auswanderung Deutscher nach Kanada ausgewirkt hat. Als Zeitfenster, das genauer betrachtet wird, wählten wir die Jahre 1945-1961, welche nach dem Zweiten Weltkrieg die Hauptphase deutscher Auswanderung nach Kanada markieren. Die Situation der Deutschen in ihrem Heimatland wird dargestellt und Motivationen für die Emigration nach Kanada werden erläutert. Was für Menschen waren das, die ihre Heimat verlassen haben? Warum wählten sie besonders oft Kanada als Destination? Mit welchen Erwartungen emigrierten sie? Zu welchen Zeiten fanden besonders große Auswanderungsbewegungen statt und warum?
1 Koch-Kraft: Deutsche in Kanada - Einwanderung und Adaption. Bochum 1990. S. 36.
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In einem zweiten Teil findet eine Betrachtung der Situation von der kanadischen Seite aus statt. Wie hat sich der Zweite Weltkrieg auf die Einwanderung Deutscher nach Kanada ausgewirkt? Welche Gesetze wurden speziell für deutsche Einwanderer geschaffen? Gelang die Eingliederung Deutscher in die kanadische Gesellschaft? Warum stellte man sich nach zwei fatalen Weltkriegen nicht gegen deutsche Einwanderer? Auch hier wird der Zeitraum von 1945-1961 analysiert. Eine zusammenfassende Schlussbetrachtung rundet die Arbeit ab.
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Teil I:
Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Auswanderung Deutscher nach Kanada
1. Motivationen zur Emigration aus dem Nachkriegsdeutschland
Im Jahr 1945 war die deutsche Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Moral nach der absoluten Kriegsniederlage vollständig zusammengebrochen. Als der Krieg beendet war, freuten sich die Menschen, überlebt zu haben und fürchteten sich jedoch gleichzeitig vor der Rache der Sieger. Viele Deutsche sahen sich im Jahr 1945 als „Opfer des NS-Staates“ 2 und empfanden die jetzige Fremdbestimmung über ihren Staat durch die Siegermächte als Demütigung. Für einen Großteil der Bevölkerung brach im Jahr 1945 eine Welt zusammen. Viele Menschen hielt nichts mehr in ihrer Heimat, mit der sie sich nach den Ereignissen in den vergangenen Jahren oft nur noch schwer identifizieren konnten.
Eine große Anzahl Deutscher setzte ihre Hoffnung auf einen gelungenen Neuanfang in eine Auswanderung. Schon während der Kriegsjahre waren viele Deutsche zur Migration gezwungen worden. Zwei Drittel der Bevölkerung waren 1945 „nicht zu Hause oder unterwegs“ 3 : Menschen waren unter anderem vor dem Krieg geflohen und vertrieben worden, evakuiert oder verschleppt worden, in Kriegsgefangenschaft geraten oder innerhalb einer Kampftruppe fernab der Heimat stationiert worden. Auch schon vor Ausbruch des Krieges war es innerhalb der NS-Volkstumspolitik seit Beginn der 1930er Jahre zu Umsiedlungen gekommen, die teilweise unter Zwang durchgeführt wurden. Die Bevölkerung des Nachkriegs-deutschlands war durch ständige Migrationsbewegungen extrem mobilisiert. Das Verlassen der Heimat war für viele Menschen Normalität geworden. Wie Freund 4 in mehreren Interviews feststellte, verließen viele Männer und Frauen nach dem Krieg Deutschland, um im Ausland eine Lehr- oder Arbeitsstelle zu finden oder um zu heiraten und eine Familie zu gründen. Ziel war also vornehmlich der komplette Neuanfang an einem anderen Ort.
2 Freund: Aufbrüche nach dem Zusammenbruch. Die deutsche Nordamerika-Auswanderung nach dem Zweiten Weltkrieg. Göttingen 2004. S. 56.
3 Plato / Leh: „Ein unglaublicher Frühling“. Erfahrene Geschichte in Nachkriegsdeutschland 1945-1948. Bonn 1997. S. 11. In: Freund 2004: 56.
4 Freund 2004: 60.
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Es kann davon ausgegangen werden, dass die kriegsbedingte Migration zum biographischen Bestandteil mindestens jedes zweiten in der früheren Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen geworden war 5 . Vorüberlegungen für eine Auswanderung waren oftmals nicht erst am 8. Mai 1945 getroffen worden, sondern bereits im ‚Dritten Reich’, zum Beispiel nach Stalingrad, als der Tod tausender Soldaten, Väter und Ehemänner bekannt wurde. Nach Kriegsende war es dann möglich, den Auswanderungsgedanken laut auszusprechen und ihn möglicherweise in die Tat umzusetzen ohne Angst vor Denunzianten oder der Gestapo haben zu müssen.
Bis in die 50er Jahre sahen es viele Deutsche als gute Möglichkeit an, auszuwandern, um ihre individuellen Lebensziele zu verwirklichen. In Deutschland sahen viele Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg hierzu keine Möglichkeit.
Trotz der eben angeführten Gründe für die Normalität der Migration in Zeiten des NS-Regimes blieb für die meisten deutschen Auswanderer auch nach 1945 die Überseeauswanderung eher eine Ausnahme 6 . Migrationen innerhalb des Kontinents und der Region waren Normalität, nicht jedoch der Weg nach Übersee. Was viele Menschen aber motivierte, nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Nordamerika - speziell Kanada - zu emigrieren, wird im nächsten Punkt verdeutlicht.
2. Die Auswanderung nach Kanada als Alternative für einen Neuanfang
Die meisten Menschen Nachkriegsdeutschlands wanderten nicht aus. Unterschiedliche Gründe (s. 3.) ließen sie die Möglichkeit eines Neuanfangs fernab der Heimat nicht realisieren. Wer sich jedoch für eine Auswanderung entschieden hatte, versuchte durch Migration folgende Ziele zu verwirklichen 7 :
- Individuelle Ziele: Freiheit, Abenteuer, Entdeckungen, Selbstverwirklichung,
- Familiale Ziele: Änderung familialer Beziehungen,
- Gesellschaftliche Ziele: Loslösung von der deutschen Gesellschaft.
Kanada bot sich nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Auswanderung aus Deutschland aufgrund mehrerer Faktoren gut an:
5 Freund 2004: 58.
6 Ebd.: 60.
7 Ebd.: 270.
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Zwar bestand seit dem 4. September 1939 ein generelles Einreiseverbot für Angehörige feindlicher Staaten, zu denen Deutschland zählte, jedoch traten erste Lockerungen dieses Verbots bereits durch die „Order in Council“ vom 9. April 1946 in Kraft 8 . Vom Minister of Mines and Ressources anerkannte Oppositionelle gegenüber dem Naziregime durften einreisen. Zahlreiche Gesetzeslockerungen ermöglichten in den nächsten Jahren die Einreise von immer mehr Deutschen in das Land. Ab dem 14. September 1950 wurden deutsche Einwanderungswillige wie alle anderen Interessenten auch behandelt 9 . Im Vergleich mit anderen Ländern kam es so in Kanada relativ schnell zur Aufnahme deutscher Auswanderer. Neben den USA und Australien war es nach Kriegsende das meist gewählte Auswanderungsland in Übersee. Zeitweise nahm Kanada mehr deutsche Einwanderer auf als die USA 10 .
Ehemalige kanadische Soldaten wurden direkt nach dem Krieg problemlos in den kanadischen Arbeitsmarkt integriert. Darüber hinaus bestand folglich ein Arbeitskräftemangel im primären Sektor. Farmer übten Druck bei der Regierung aus, um die Einwanderung von Landarbeitern voranzutreiben. In dieser Zeit beherbergte Deutsch-land über fünf Millionen Vertriebene, die zusätzlich zur eigenen Bevölkerung versorgt werden mussten 11 . Viele Menschen hätten nach Kanada emigrieren können, jedoch waren Auswanderer aus Deutschland „Enemy Aliens“, denen generell die Einreise verboten war. Auch Displaced Persons wurden bis 1947 nicht aufgenommen. Nur unter bestimmten Bedingungen, konnte die Migration erfolgen. Das Jahr 1950 markierte dann den Aufschwung deutscher Emigration nach Kanada. Ein Gesetz war verabschiedet worden, welches deutsche Einwanderungswillige wie diejenigen aus anderen Ländern behandelte. Außerdem stieg das Interesse an qualifizierten Arbeitern und Handwerkern, von denen in Deutschland eine große Anzahl vorhanden war, enorm an. Deutsche Arbeitskräfte waren seit jeher in Kanada aufgrund ihrer Arbeitsleistung, Pünktlichkeit, Korrektheit und Zielstrebigkeit hoch angesehen und wurden daher gern aufgenommen.
8 Steinert: Migration und Politik. Westdeutschland-Europa-Übersee 1945-1961. Osnabrück 1995. S. 105.
9 Koch-Kraft 1990: 43.
10 Steinert 1995: 160.
11 Koch-Kraft 1990: 38f.
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Die Motivation für Deutsche, speziell nach Kanada auszuwandern, liegt auf der Hand: Kanada bot Arbeitsplätze und bildete als NATO-Mitglied einen sicheren Ort, um individuelle, familiale und gesellschaftliche Migrationsziele zu erreichen. Politische Motive wurden von einem Großteil deutscher Auswanderer als Migrationsgrund genannt 12 . Kanada war besonders für junge Männer ein reizvolles Auswanderungsziel: Wer den Wehrdienst umgehen wollte, hatte ausschließlich Kanada als Auswanderungsmöglichkeit. Als einziger NATO-Staat herrschte hier nach dem Krieg keine Wehrpflicht 13 . Als 1956 in Westdeutschland die Einführung der Wehrpflicht entschieden wurde, kam es zum regelrechten Auswanderungsboom junger Männer nach Kanada.
Informationen über das gewählte Zielland wurden in den meisten Fällen von Bekannten, Verwandten und auch von Besatzungssoldaten eingeholt. Außerdem standen diverse staatliche, öffentliche und private Informationsquellen zur Verfügung, mit deren Hilfe man sich über Lebens- und Arbeitsbedingungen in Zielland und Zielort vertraut machen und möglicherweise Alternativen finden konnte. Dazu zählten beispielsweise Auswanderer-Beratungsstellen, öffentliche und private Büchereien, Amerikahäuser und kanadische Einwanderungsmissionen. Von kanadischer Seite aus gab es zu bestimmten Zeiten regelrechte Werbekampagnen für hervorragende Lebens- und Arbeitsbedingungen in Kanada und Anwerbungsversuche bestimmter Arbeitergruppen 14 .
Die Hoffnung auf ein friedliches, wirtschaftlich besseres und selbstbestimmtes Leben, verbunden mit Abenteuerlust, Fernweh und scheinbarer allgemeiner Aussichtslosigkeit in Deutschland ließ viele Menschen die Option Kanada auf einen Neuanfang wählen. Es konnte nicht abgesehen werden, wie lange es dauern würde, bis Deutschland sich von den Auswirkungen des Krieges erholt haben würde. Viele Menschen wollten daher ihrer Heimat den Rücken kehren und sich selbst und ihren Kindern im Ausland ein besseres Leben ermöglichen. Mehrere Auswanderer betonten in Befragungen zu ihrer Motivation das Motiv der ‚verlorenen Heimat’ 15 . Mit der Auswanderung nach Kanada erhofften sich viele Menschen einen gelungenen Neuanfang.
12 Freund 2004: 295.
13 Ebd.: 298.
14 Steinert 1995: 160.
15 Freund 2004: 292.
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Arbeit zitieren:
Lena Gennat, Silvia Kemper, 2007, Deutsche Auswanderer in Kanada 1945 bis 1961, München, GRIN Verlag GmbH
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