Zusammenfassung
Bereits im Jahre 1911 und 1971 erforschte man die Prozesse der Speicherung semantischer Informationen dahingehend, wie wohl mehrere Informationen zu einer im Gedächtnis kombiniert werden. Berühmte Forscher auf diesem Gebiet waren 1911 Frederic Bartlett und 60Jahre später Bransford & Franks. Anfangs prägte der Begriff der Merkschemen die Wissenschaft, welche die Informationsverarbeitung und Speicherung zur optimalen Nutzung der Gedächtniskapazität erklären sollte. Unsere Studie basiert auf den Experimenten von Bransford & Franks, mithilfe von 2Satzlisten und einer Sicherheitsskala sehr glaubhaft argumentiert werden konnte.
Mithilfe zweier Listen mit größtenteils inhaltsgleichen, aber unterschiedlich langen Sätzen überprüften wir nun die Konstruktion der Merkschemen, die sich die Probanden während des Experiments bildeten. Parallel konnten wir durch die Werte der Sicherheitsskala nicht nur das Erinnerungsvermögen erkennen, sondern auch mit dessen Hilfe Mittelwerte bestimmen, die nun zu unserer Prüfbasis wurden. Eine unserer Hauptfragestellung neben zwei weiteren war, wie auch schon bei Bransford & Franks, ob neue Sätze mit ähnlichem Kontext wie die bereits am Anfang präsentierten sicher als bekannt gedeutet werden.
Tatsächlich konnte dies anhand der Mittelwerte erstellten Vergleiche festgestellt werden. Somit konnten wir die Hypothese bestätigen. (Die weiterführenden Fragestellungen sind im Einleitungsteil mit römischen Zahlen aufgeführt)
Eine Erklärung könnte die individuellen Assoziationen der Probanden in Bezug auf die Schemen sein. Andererseits könnte die Informationsfilterung auch in Bezug auf das Großmutterneurons eine interessante Erklärung liefern.
Einleitung
In der Vergangenheit wurde schon oft hinterfragt, wie der Prozess der Informationsspeicherung vonstatten geht. Eine der interessantesten Fragestellungen war, ob bei der Speicherung die mehrerer semantischer Informationen eine 1:1 Übertragung zwischen Umwelt und Gedächtnis stattfindet oder ob nur grobe Inhalte bzw. Kontexte der Informationen komprimiert abgespeichert werden.
Der erste Forscher, der 1911 dieser Fragestellung intensiv nachging war Frederic Bartlett (1932). Er führte bei seinen Nachforschungen zum ersten mal den Begriff der „Merkschemen“ in Bezug auf die Informationsspeicherung ein, da er davon ausging, dass bei einer Fülle von semantischen Informationen nur vereinzelt eine exakte Speicherung möglich wäre. Seine sog. Merkschemen sollten ein Modell dafür sein, wie die Inhalte der Informationen im Gedächtnis verknüpft werden, um so die Speicherkapazität zu optimieren. Bartletts Forschungen wurden daraufhin von den Kognitionsforschern Bransford & Franks (1971) erneut aufgegriffen. Ihr Interesse lag vor allem bei der fehlerhaften Wiederspiegelung der zuvor präsentierten Informationen von Sätzen, welche durch die Bildung von Merkschemen passiert. Als zusätzlichen Indikator maßen sie noch anhand einer selbsterstellten Skala die subjektive Sicherheit ihrer Probanden, um zu sehen, wie die Qualität der jeweiligen Erinnerung war. Sie stellten die Hypothesen auf, dass aufgrund dieser Tatsache also neue Sätze mit ähnlichem Inhalt wie die präsentierten, dem Probanden mit hoher Sicherheit bekannt vorkommen müssten Tatsächlich zeigte sich während der Experimentierphase exakt der Effekt, wie sie ihn vermutet hatten. Bis auf wenige Ausnahmen wurden neue Sätze mit ähnlichem Inhalt als bekannt eingestuft. Ihre Hypothesen wurden infolge dessen voll und ganz bestätigt.
Aufgrund des beispielhaften Verlaufs der Studie von 1971 soll diese nun zur Basis unserer Studie werden. Unsere Studie wurde in leicht abgewandelter Form durchgeführt, um eine
breitere Fläche für weitere Hypothesen zu bieten. Natürlich beinhaltete unsere Studie die Originalhypothese des Ursprungsexperiments, I dass neue Sätze als bekannt eingestuft werden. Desweiteren erwarteten wir II dass alte Sätze häufiger als bekannt eingestuft werden als neue, III Noncase-Sätze (schemenfremde Satzkombinationen) erkannt werden und IV dass zwischen der Satzlänge und der subj. Sicherheit eine Beziehung besteht.
Methoden
Personen
Es nahmen 10Probanden im Alter von 19-32Jahren an unserer Studie teil, wobei wir auf ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter achteten. Alle Teilnehmer studierten Psychologie im ersten Semester an der Universität Frankfurt a.Main.
Material
Zuerst benötigten wir eine Testvorlage mit Sätzen, um die Studie nach der Vorlage von Bransford & Franks durchführen zu können. Der folgende Abschnitt zeigt nun wie die Erstellung unserer Testgrundlage vonstatten ging.
Zu Beginn bildeten wir 4 komplexe Ausgangssätze mit jeweils 4Komponenten (sog. 4er), auf deren Basis wir nun mehrere Sätze mit weniger Komponenten (3er, 2er, 1er) und 4Kombinationen zwischen den Ausgangssätzen (Noncase-Sätze) bildeten. Es entstanden auf diese Weise jeweils mehrere Versionen pro Untersatz. Genauer gesagt bildeten wir aus den 4er-Sätzen jeweils 4 1er, wobei jede Komponente des Ausgangssatzes einmal vertreten war. Die 2er und 3er entstanden jeweils aus zwei bzw. drei unterschiedlichen Kombinationen der 1er eines Ausgangssatzes. Summa summarum entstanden auf diese Weise 48Sätze, wobei immer 12 Untersätze Bestandteil eines der 4Schemen bildeten. Auf der Basis dieser Sätze erstellten wir dann 2Listen.
Die Aneignungsliste, die zu Beginn den Probanden präsentiert wurde umfasste 24Sätze in zufälliger Abfolge. Es handelte sich dabei um 6Untersätzeätze pro Schema (2*3er, 2*2er, 2*1er).
Die Prüfliste enthielt neben 12alten Sätzen (die bereits in der Aneignungsliste vorkamen) 16 neue Sätze (neue Kombinationen, die in der Aneignungsliste nicht vorkamen inkl. der 4er) und 4Noncase-Sätze (Kombinationen der 4Ausgangssätze untereinander). Zur besseren Veranschaulichung hier die geordnete Prüfliste zum Nachlesen:
Schema A:
4er: Das Mädchen, das gleich nebenan wohnte, zerbrach den runden Spiegel in der Vorhalle.
3er (1): Das Mädchen, das gleich nebenan wohnt, zerbrach den runden Spiegel. 3er (2): Das Mädchen, das gleich nebenan wohnt, zerbrach den Spiegel in der Vorhalle. 2er (1): Der runde Spiegel zerbrach in der Vorhalle. 2er (2): Das Mädchen zerbrach den Spiegel in der Vorhalle. 1er (1): Das Mädchen wohnt gleich nebenan. 1er (2): Der Spiegel ist rund.
Schema B:
4er: Der eifrige Student suchte in der großen Universitätsbibliothek nach einem Psychologiebuch.
3er (1): Der Student sucht in der großen Universitätsbibliothek ein Psychologiebuch. 3er (2): Der eifrige Student sucht ein Psychologiebuch in der Universitätsbibliothek. 2er (1): Der eifrige Student sucht ein Psychologiebuch. 2er (2): Der eifrige Student befindet sich in der Universitätsbibliothek. 1er (1): Der Student sucht ein Psychologiebuch. 1er (2): Das Psychologiebuch steht in der Universitätsbibliothek.
Schema C:
4er: Das Gestein, das den Berg hinunterrollte, zerstörte die winzige Hütte am Rande des Waldes.
3er (1): Das Gestein rollte den Berg hinunter und zerstörte die Hütte am Rande des Waldes. 3er (2): Das Gestein rollte den Berg hinunter und zerstörte die winzige Hütte. 2er (1): Die winzige Hütte lag am Rande des Waldes. 2er (2): Das Gestein rollte bis zum Rande des Waldes den Berg hinunter. 1er (1): Das Gestein rollte den Berg hinunter. 1er (2): Die Hütte lag am Rande des Waldes.
Schema D:
4er: Der gestresste Professor verpasste die U-Bahn und kam zu spät zur Universität. 3er (1): Der gestresste Professor verpasste die U-Bahn zur Universität. 3er (2): Der gestresste Professor verpasste die U-Bahn und verspätete sich. 2er (1): Der Professor kam zu spät zur Universität. 2er (2): Der Professor verpasste die U-Bahn zur Universität. 1er (1): Der Professor verpasst die U-Bahn. 1er (2): Der Professor ist gestresst.
Noncase:
1: Der gestresste Professor rollte den Berg hinunter und zerstörte die Hütte. 2: Das Mädchen, das am Rande des Waldes wohnt, verpasste die U-Bahn zur Universitätsbibliothek.
3: Der Professor suchte das Psychologiebuch und fand es in der Vorhalle Der Universitätsbibliothek.
4: Der eifrige Student zerbrach den Spiegel in der Vorhalle der Universitätsbibliothek.
Durchführung
Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung wiesen wir den jeweiligen Proband an sich doch bitte zum Laptop zu setzen. Eine kurze Demonstration illustrierte ihm die Vorgehensweise. Ihm wurde ein Beispielsatz präsentiert mit einer darauf folgender kurzen sehr einfachen Inhaltsfrage zu dem Satz als Merkhilfe präsentiert. Danach liefen die Sätze der Aneignungsliste und dazugehörige Frage im 10Sekunden-Takt ab. Der Proband beantwortete die Fragen mündlich. Zeitgleich führte einer der Versuchsleiter darüber Notiz, ob die Antwort richtig oder falsch war. Nach einer weiteren Einführung las ein weiterer Versuchsleiter die Sätze der Prüfliste vor. Die Aufgabe des Probanden bestand nun darin parallel dazu den Antwortbogen auszufüllen. Nachdem dies vollzogen war stellte ein weiterer Versuchsleiter, der die vorangegangenen Prozeduren überwachte noch Explorationsfragen, ob er das Experiment kannte, ob es störende Umstände gab usw., dies Fragen sollten rein nur Informationen über Befinden und Empfinden des Versuchs der Probanden liefern. Danach fand noch eine gemeinsame Aufklärung statt mit dazugehörigem E-Eintrag und Belohnung. Damit war der Versuch vollzogen.
Arbeit zitieren:
Philipp Dörr, 2006, Merkschemen des semantischen Gedächtnisses, München, GRIN Verlag GmbH
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