Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der deutsche Konjunktiv 3
2.1 Der Konjunktiv I - Indirektiv 3
2.1.1 Die Formen des Konjunktivs I 3
2.1.2 Der Gebrauch des Konjunktivs I 5
2.1.2.1 Die indirekte Rede 5
2.1.2.2 Andere Anwendungsbereiche des Konjunktivs I 7
2.2 Der Konjunktiv II - Restriktiv 8
2.2.1 Die Formen des Konjunktivs II 8
2.2.1.1 Die Formen des synthetischen Konjunktivs II 8
2.2.1.2 Die Formen des analytischen Konjunktivs II 10
2.2.2 Der Gebrauch des Konjunktivs II 11
2.2.2.1 Irreale Konditionalsätze und Konzessivsätze 11
2.2.2.2 Irreale Wunschsätze 13
2.2.2.3 Irreale Aussagesätze 13
2.2.2.4 Höflichkeit und Diskretion 14
2.2.2.5 Irreale Nebensätze 15
2.2.2.6 Indirekte Rede 15
2.2.2.7 „Würde“ Konstruktionen 16
2.3 Der Konjunktiv in der heutigen Gegenwartssprache 17
3. Schlussbemerkung 19
4. Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Der „Konjunktiv“ stellt in der deutschen Gegenwartssprache ein zentrales Thema dar, welches im Folgenden differenziert analysiert werden soll. Dieser Begriff bezeichnet den markierten Modus der deutschen Sprache, welcher, im Gegensatz zum „Indikativ“, nur unter bestimmten Voraussetzungen zu gebrauchen ist. Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Bildung und Verwendung des „Konjunktivs I und II“. Hierfür wurden verschiedene Grammatiken verwendet, aus denen des Weiteren unterschiedliche Positionen dargestellt werden sollen. Zudem betrachtet diese Arbeit den Gebrauch des „Konjunktivs“ in der heutigen Gegenwartssprache näher, um Tendenzen herauszuarbeiten, die zeigen, welche Stellung der „Konjunktiv“ im Deutschen der Gegenwart haben könnte. Aufgrund der Komplexität des Themas ist das Ziel dieser Hausarbeit den „Konjunktiv“ im Allgemeinen zu analysieren, und es muss daher auf die intensive Darstellung jeglicher Ausnahmen und Besonderheiten verzichten.
2. Der deutsche Konjunktiv
Auch wenn der Fokus der vorliegenden Hausarbeit auf dem „Konjunktiv“ liegt, darf der „Indikativ“ bei der Betrachtung nicht außer Acht gelassen werden, da sich diese beiden Modi oppositionell einander gegenüberstehen. Im Gegensatz zum „Konjunktiv“ ist der „Indikativ“ formal und semantisch der unmarkierte Modus, der immer dann verwendet wird, wenn kein anderer Modus grammatikalisch in Betracht kommt. Der „Konjunktiv“ hingegen stellt den markierten Modus dar, der in zwei Typen gegliedert werden kann. Umgangssprachlich sind die Konjunktivtypen unter den Synonymen „Konjunktiv I“, auch ‚indirektiver Konjunktiv‘ oder ‚Indikativ‘ und „Konjunktiv II“, auch restriktiver Konjunktiv‘ oder ‚Restriktiv‘, bekannt. Beide Typen werden je nach Anwendungsbereich unterschiedlich eingesetzt, aber „durch sie erfährt der Hörer, daß er sich in seiner Einstellung nicht ohne weiteres auf die Geltung der betreffenden Prädikation verlassen kann“. 1
2.1 Der Konjunktiv I - Indirektiv
2.1.1 Die Formen des Konjunktivs I
Der „Konjunktiv I“ umfasst die Formen des „Konjunktivs Präsens, Futur, Perfekt und Futurperfekt“. Die jeweiligen Formen lehnen sich an den Indikativ an und werden von ihm abgeleitet. Es muss allerdings bei der Bildung des Konjunktivs zwischen schwachen und starken Verben unterschieden werden, was sich aber nur durch die Phonverschiebung innerhalb des Verbstammes zeigt. Die Konjugationsendungen des „Konjunktivs I“ werden sowohl für schwache als auch für starke Verben gleich gebildet und lassen sich auf alle Tempora des „Konjunktivs I“ übertragen.
1 Weinrich, Harald: Textgrammatik der deutschen Sprache. Unter Mitarbeit von Maria Thurmair, Eva Breindl, Eva-Maria Willkop. Mannheim: Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG 1993. S. 240.
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Bei schwachen Verben kann der Verbstamm von den indikativischen Verbformen auf die konjunktivische Form übertragen werden. Eine Phonverschiebung findet innerhalb des Verbstamms nicht statt.
Bei starken Verben findet in der konjunktivischen Form eine Phonverschiebung statt, sofern die Umlaute [i] oder [ä] im indikativischen Verbstamm auftreten. Die Verschiebung der Phone betrifft /i/ > /e/ und /ä/ > /a/.
Einige Verben weichen von den regelmäßigen Konjugationsmustern (vgl. Tab. 1 und 2) ab, da sie entweder als unregelmäßige Verben in keines der Muster passen, wie sein, oder weil sie sich zusätzlich in anderen Personenformen abweichen.
Tabelle 3: Indikativ und Konjunktiv Präsens (abweichende Formen)5
2 Vgl. Duden. Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. Hrsg. von der Dudenredaktion. 7. Völlig neu erarb. und erw. Auflg. Mannheim, Leipzig, Wien: Dudenverlag 2006. S. 441.
3 Ebd.
4 „Seist“ wird im Gegensatz zu „seiest“ als Schreibform im DUDEN empfohlen.
5 Vgl. Weinrich, H: Textgrammatik der deutschen Sprache. S. 259-260.
4
2.1.2 Der Gebrauch des Konjunktivs I
Der „Konjunktiv I“ hat in der deutschen Gegenwartssprache nur noch einen geringen Stellenwert. Anwendung findet er hauptsächlich in der indirekten Rede und in einigen formelhaften Ausdrücken sowie der gehobenen Sprache.
2.1.2.1 Die indirekte Rede
Die indirekte Rede ist die wörtliche Wiedergabe von sprachlichen und schriftlichen Äußerungen anderer Personen, die möglichst unverändert wiedergegeben werden sollen. 6 Meist ist sie gebunden an Verben des Denkens und Sagens, wofür jedoch auch Ausnahmen existieren. 7 Die Aussage der Duden-Grammatik, dass die wörtliche Rede möglichst unverändert die Aussage einer anderen Person wiedergeben soll, scheint zweifelhaft zu sein. Grund hierfür ist, dass sie an einer anderen Stelle das Gegenteil behauptet: „Die indirekte Rede erhebt gerade nicht den Anspruch auf Wortwörtlichkeit und kann als reine Inhaltswiedergabe im Verhältnis zur ››Originalaussage‹‹ […] ungenau und stark gekürzt sein.“ 8 Bei der zusätzlichen Konsultierung der IDS-Grammatik wird allerdings deutlich, dass „neben der wörtlichen Wiedergabe (de dicto) […] auch die Wiedergabe nur der Sache nach (de re) […].“ 9 möglich ist. Allerdings ist es ratsam eine möglichst wortgetreue Wiedergabe einer Aussage anzustreben, um einen mögliche Sinnveränderung zu vermeiden oder fälschlicherweise Wertungen in die Aussage einzubinden. Dies ist vor allem bei der Wiedergabe politischer Äußerungen von großer Relevanz. 10 Der weiterführende Blick auf den Moduseinsatz in der indirekten Rede zeigt, dass darüber hinaus auch der „Indikativ“ in der indirekten Rede eingesetzt werden kann, sofern der Sprecher die wiedergegebene Äußerung als wahrheitsgemäß ansieht. „Unter diesem Gesichtspunkt sind die überkommenen Eindeutschungen von ›Konjunktiv‹ als ››Möglichkeitsform‹‹ und ›Indikativ‹ als ››Wirklichkeitsform‹‹ durchaus angemessen.“ 11
Der Vergleich mit der Grammatik Weinrichs zeigt, dass auch er auf die parallele Verwendung des „Indikativs“ und „Konjunktivs“ in der indirekten Rede hinweist, wobei er aber im Gegensatz zu Eisenberg nicht in den Vordergrund stellt, ob der Sprecher die Äußerung als wahr oder unwahr empfindet. Weinrich betont, dass die strengste Sprachnorm den „Konjunktiv I“ immer dann für die indirekte Rede vorsieht, wenn der „Indikativ Präsens“ über keine Formen verfügt, welche sich deutlich hörbar voneinander unterscheiden. 12 Eisenberg präzisiert die Anwendung des „Indikativs“ und „Konjunktivs“ allerdings noch weiter, indem er zwischen faktiven und nicht-faktiven Verben unterscheidet, welche Indikatoren für den richtigen Moduseinsatz sind. Nach dieser
6 Vgl. Duden. Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. Hrsg. von der Dudenredaktion. 7. Völlig neu erarb. und erw. Auflg. Mannheim, Leipzig, Wien: Dudenverlag 2006. S. 1052.
7 Vgl. Ebd.
8 Duden: Die Grammatik. S. 534.
9 Zifonun, Gisela, u. a.: Grammatik der deutschen Sprache. Band 3. Hrsg. von Hans-Werner Eroms, Gerhard Stickel, Gisela Zifonun. Berlin, New York: Walter de Gruyter & Co. 1997 (= Schriften des Instituts für deutsche Sprache. Band 7.3). S. 1755-1756.
10 Vgl. Zifonun, G.: Grammatik der deutschen Sprache. S. 1756.
11 Eisenberg, Peter: Grundriß der deutschen Grammatik. 3. überarb. Aufl. Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH 1993. S.130.
12 Vgl. Weinrich, H.: Textgrammatik der deutschen Sprache. S. 261.
5
Logik meinen faktive Verben all jene, die den „Konjunktiv Präsens“ in „dass-Sätzen“ nicht akzeptieren und nicht-faktive all diejenigen, die ihn akzeptieren. 13 Wenn ein Verb den „Konjunktiv“ nicht akzeptiert, so bedeutet dies, dass der Sprecher die Wahrheit in diesem „Komplementsatz“ voraussetzt. 14 Die Verdeutlichung dieses Unterschieds zeigen die folgen Beispielsätze nach Eisenberg.
„Wer äußert ››Karl versteht, daß Egon bleiben will‹‹ muß voraussetzen, daß Egon tatsächlich bleiben will, andernfalls kann er das Verb ‚verstehen‘ hier nicht verwenden. Wer äußert, ››Karl hofft, daß Egon bleiben will‹‹, setzt die Wahrheit des Komplementsatzes nicht notwendig
15 voraus und kann deshalb statt des Ind ebensogut den Konj setzen.“
Demnach kann man im Falle des nicht-faktischen Verbs hoffen auch sagen: „Karl hofft, dass Egon bleiben wolle“.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Duden-Grammatik, die jedoch nicht mit den Termini faktive und nicht-faktive Verben operiert. Die Duden-Grammatik betont dabei, dass das Anzeigen der Indirektheit mithilfe des „Konjuktivs I“ nicht notwendig ist, wenn die indirekte Rede mit typischen redeanführenden Verben 16 in dass- oder Interrogativnebensätzen angewendet wird. Ebenso gilt dies laut Duden-Grammatik für Verben des Denkens, Hoffens und Glaubens. 17 Folglich wird der „Konjunktiv I“ in der indirekten Rede keinesfalls automatisch in die indirekte Rede übertragen. Vielmehr ist der „Konjunktiv I“ an die nicht-faktiven Verben in Komplementsätzen gebunden, tritt also nach Eisenberg bei faktiven Verben nicht in Erscheinung. Er kann bei nicht-faktiven Verben auch ohne Bedeutungsverlust gegen den „Indikativ“ ausgetauscht werden. Sobald aber Verben eingesetzt werden, die sowohl eine nicht-faktive als auch faktische Deutung haben, dient der „Konjunktiv“ bei ihnen dazu, die nicht-faktive Variante anzuzeigen. 18 Eisenbergs Auffassung zur Bindung des „Konjunktivs“ an die „Nicht-Faktivität“ wird von anderen Grammatiken, wie beispielsweise der Duden-Grammatik, geteilt, allerdings wird dies inhaltlich anders begründet. Unterscheidend ist hier der Gebrauch anderer Fachtermini, wobei Zifonun ebenfalls mit den Termini „Faktivität“ und „Nicht-Faktivität“ operiert, jedoch nicht mit „faktiven“ und „nicht-faktiven“ Verben. 19 Zudem hat die Abhängigkeit von der „Nicht-Faktivität“ nach Eisenberg den Vorteil, dass dies eine allgemeiner gefasste Regel ist und dass der Begriff der „indirekten Rede“ allein schon gegen eine generelle Verbindung mit dem „Konjunktiv I“ spricht. Begründet dadurch, dass sich die „indirekte und direkte Rede“ allein schon durch grammatische Mittel voneinander unterscheiden. 20 Mit der Einführung der Fachtermini scheint der Umgang mit dem „Konjunktiv I“ in der „indirekten Rede“ für den Sprecher im ersten Augenblick etwas umständlicher, jedoch bietet Eisenbergs Konzept eine übersichtlichere Einordnung der Verben, welche den „Konjunktiv I“ unbedingt verlangen oder es jedoch freigestellt ist, ob dieser zur Anwendung kommen muss.
13 Vgl. Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. S. 130.
14 Ebd.
15 Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. S. 130.
16 Zum Beispiel sagen, behaupten oder fragen
17 Vgl. Duden: Die Grammatik. S. 539.
18 Vgl. Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. S. 132.
19 Vgl. Zifonun, G.: Grammatik der deutschen Sprache. S. 1743-1787.
20 Eisenberg, P.: Grundriß der deutschen Grammatik. S. 132.
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Arbeit zitieren:
Eric Sebastian Pfürstinger, 2007, Der Konjunktiv im Deutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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