Anmerkung 2007:
Dieser Essay entstand zu Beginn meines politikwissenschaftlichen Studiums. Obwohl ich immer noch der Meinung heute bin, dass ein demokratisches Gemeinwesen einer Diktatur vorzuziehen ist, können Diktaturen durchaus gute Seiten haben. Diktatur, und darin lag bei der Niederschrift dieses Essays ein Denkfehler, habe ich mit Hitlers 12jährigem Regime gleichgesetzt. Diktatur bedeutet aber erst einmal, dass eine Monopolisierung der Macht vorliegt. Viele Modelle von Gemeinwesen hatten ein solches Charakteristikum: Kaiser Augustus, Karl der Große, Napoleon usw. Sie alle monopolisierten Macht. Nur muss hier der historische Einzelfall herangezogen werden. Die Ausformung des Gemeinwesens unter der Person eines Herrschers kann nicht allein durch ein Wort wie Diktatur (oder andere ähnliche Begriffe) beschrieben werden. Es muss der Einzelfall untersucht werden - das Wirken der Einzelperson. Und dabei kann man erkennen, dass Augustus oder Napoleon durchaus positiv auf das Gemeinwesen Einfluss hatten. Nicht der Fakt der Machtmonopolisierung allein, darf dazu verleiten, die Diktatur eines einzelnen als grundsätzlich zu verteufelndes anzusehen. Die politikwissenschaftliche Forschung hat auf diesem Wege zahlreiche Theorien entwickelt. Letztlich kann auch eine Demokratie eine Diktatur, oder nach Alexis de Tocqueville (1805-1859), eine „Tyrannei der Mehrheit“ sein.
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Essay 2000/2001:
Hat eine Diktatur auch gute Seiten?
Das ist eine Frage, die ich zunächst und ganz pauschal mit einem kräftigen „nein“ beantworten will. Schon aus dieser vorweggenommenen Entscheidung heraus, würde ich mir solch’ eine Frage nie stellen, weil ein „nein“ immer herauskommen würde. Da kann mich einer fragen, weshalb ich jedes Mal ein „nein“ entgegne! Dem komme ich mit dem Argument, in Form folgender Frage: “Was hat die 12jährige Diktatur der Nationalsozialisten in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts angerichtet?“ Auf Grund des Wissens über diese Diktatur ist für meine Begriffe unumstößlich klar, dass keine Diktatur gute Seiten haben kann. Mag sein, dass es ein paar ganz, ganz, ganz kleine positive Aspekte in einer Diktatur gibt, aber diese von einem Monstrum an Negativem überlagert werden und damit absolut unbedeutend sind und damit auch unrelevant, wenn man allgemein die Frage zu verorten sucht, ob eine Diktatur auch gute Seiten habe, denn die Frage impliziert auch den Eindruck, dass man unbedingt nun auf Zwang etwas Gutes finden müsse, da jede Sache auf der Welt Gutes und Schlechtes an sich habe. Diesem Argumentationsgang will ich aber nicht folgen und lehne ihn auch kategorisch ab, weil er unlogisch ist, das heißt, weil er den objektiven Blick auf eine Diktatur verzerren würde, obwohl jeder weiß, was Diktaturen bedeuten können und vor allem, was sie nachweislich angerichtet haben. Man schaue sich nur im 20. Jahrhundert um und werfe einen Blick auf Hitlers Diktatur. Der gesamte Argumentationsgang dieser Niederschrift beinhaltet die Antwort auf die Frage wie folgt: Ich finde, um es zu wiederholen, an einer Diktatur keine guten Seiten (das ist meine ganz persönliche und subjektive Einstellung zu der zu beantwortenden Frage), somit muss ich auch keine auf Zwang finden und hier darlegen; begründet habe ich das oben schon. Vielmehr möchte ich meine Entscheidung, dass es an einer Diktatur keine guten Seiten gibt, hier an einem Vergleich, beruhend auf einigen (!) fachspezifischen Aspekten und meinen persönlichen Empfindungen, vornehmen, wobei Demokratie und Diktatur gegenüber gestellt werden sollen. Jedes Detail kann aber nicht ausgelotet werden. Fest steht, um mit der Begründung meiner gegebenen Antwort zu beginnen, dass es keine Staatsform oder Gesellschaftsordnung gibt, die vollkommen ist.
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Aber im Verlauf der (staatsrechtlichen) Entwicklung hat sich die Demokratie, vor allem aber gegenüber der Diktatur, als erstrebenswerte alternative Gesellschaftsordnung herauskristallisiert. Demokratie fußt auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit, d.h., dass auch Minderheiten die Möglichkeit zur Verwirklichung ihrer Ziele haben, indem sie zu Mehrheiten werden können auf Grund des inneren Dialogs der politischen Akteure mit beziehungsweise in der Gesellschaft. In einer Diktatur ist dieser Prozess nicht möglich und vollständig lahmgelegt, da die Entscheidungen von einem kleinen Gremium (zum Beispiel: ZK der SED in der DDR) oder von einer Einzel-
person (zum Beispiel: „Führer und Reichskanzler“ Hitler im 3. Reich) getroffen werden. Das ist mein Hauptkritikpunkt, den ich hier ins Feld führe, dass eine Diktatur keine Konsensgesellschaft ist, sondern auf vorbestimmter Ausrichtung aller Bürger der Gesellschaft auf ein Ziel beruht, welches das diktatorische Regime ansteuert. Das ist schlecht, weil nicht nur Minderheiten dadurch am Partizipationsprozess nicht teilnehmen können, sondern weil die gesamte Gesellschaft damit uniformiert und vereinheitlicht wird und dadurch jeglicher fruchtbarer Dialog der Menschen ausgemerzt ist und somit eine Herausbildung einer verbindlichen Entscheidung, fußend auf dem konstruktiven Dialog aller Glieder der Gesellschaft und unter Berücksichtigung vieler Einzelinteressen, absolut unmöglich ist.
Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt hat einmal gesagt: „Wer den Kompromiss nicht will, taugt nicht für die Demokratie!“ In dieser pragmatischen Aussage dieses bemerkenswerten Politikers finde ich nur Bestätigung dafür, dass eine Demokratie auf Konsens vieler Gruppen und Einzelinteressen beruhen muss und genau diese Prämisse in einer Diktatur nicht gewährleistet und erfüllt ist. Das heißt auch ganz deutlich, dass es eine sogenannte „Allheillösung“ für alle, wie sie in Diktaturen immer gern propagiert wird, nie und nimmer geben kann, denn eine Minderheit sieht immer einen Nachteil in einer staatlich getroffenen Entscheidung, auch wenn diese vom größeren Teil der Bevölkerung getragen wird und diejenige Minderheit sich gerade deswegen, weil sie den Nutzen für den größeren Teil der Bevölkerung erkennt und anerkennt, der Entscheidung anschließt und somit Kompromissfähigkeit zeigt und damit die Demokratie wiederum
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Arbeit zitieren:
Daniel Fischer, 2001, Hat eine Diktatur auch gute Seiten? - Demokratie vs. Diktatur, München, GRIN Verlag GmbH
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Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
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