INHALT
1. Einleitung 3
2. Wilde Hunde auf dem Bilder-Spielplatz
Tarantinos Welt 4
3. Kill Bill Die Handlung 6
4. Rache in Gelb-Rot Die Welt von Kill Bill 8
5. Inhalt der Sequenz 11
6. Analyse der Sequenz 11
7. Anhang: Sequenzprotokoll 20
Quellen 23
01 - EINLEITUNG
Wenn es für einen angehenden Cineasten relativ schwierig ist sich für einen Film, über dessen Ästhetik er gerne schreiben würde, zu entscheiden, dann sollte man meinen dass es für zwei noch schwieriger sei. Doch in unserem Fall fiel die Entscheidung schnell und einstimmig: Kill Bill sollte es sein.
Die Arbeit an der Idee für diesen Film begann für den Regisseur Quentin Tarantino und seine Hauptdarstellerin Uma Thurman schon während der Dreharbeiten zu Pulp Fiction, bei dem sie 1993 zusammenarbeiteten. Damals entwickelten die beiden während Drehpausen die Figur einer Braut, die sich auf einem gnadenlosen Rachefeldzug befindet: die Geburtsstunde von „The Bride“. Und so findet sich auch in Pulp Fiction ein Dialog, in dem Mia Wallace (Thurman) Vincent Vega (John Travolta) von der Idee zu einer Fernsehserie erzählt, in der es unter anderem um „the deadliest woman in the world with a knife“ gehen sollte. Diese Frau sollte einer Truppe von fünf Leuten mit speziellen Fähigkeiten angehören. Aus dem Messer wurde dann schließlich ein Schwert und aus der Truppe eine Liga von Profikillern, als sich Thurman und Tarantino Jahre nach den Dreharbeiten zu Pulp Fiction wieder trafen. Dabei erinnerten sie sich an ihre damalige Idee und Tarantino entschied sich sie endlich aufzugreifen. So heißt es dann auch im Abspann von Kill Bill: „Based on the character of ‚The Bride’ created by Q & U“. Anderthalb Jahre schrieb Tarantino dann an dem Drehbuch zu Kill Bill, seinem bis dato aufwendigsten Film und 155 Drehtage später war er fertig. Ins Kino kam er 2003 und 2004 in zwei Teilen: Volume 1 und Volume 2.
In dieser Arbeit soll eine Sequenz aus Volume 2 analysiert werden, genauer gesagt der Beginn des neunten Kapitels des Films: „ELLE and I“. Als Einführung dienen zwei Kapitel über die Arbeit und Stilgebung Quentin Tarantinos – sowohl im Bezug auf Kill Bill, als auch sein Gesamtwerk. Eine Inhaltsangabe der Handlung von Kill Bill und der zu analysierenden Sequenz dient dann als Hinführung zur Analyse selbst. Schließlich findet sich im Anhang noch ein Sequenzprotokoll.
02 – WILDE HUNDE AUF DEM BILDER-SPIELPLATZ
– TARANTINOS WELT
Viele Menschen haben sich schon gefragt was Quentin Tarantinos Erfolgsgeheimnis ist. Manche sehen in ihm einen genialen Regisseur und einen noch genialeren Drehbuchautor, andere meinen dass er sich einfach gut verkaufen kann. Dritte beschweren sich darüber, dass er nur zwei Arten von Geschichten zu erzählen hat: Nummer eins - Böse Jungs unter sich, und Nummer zwei - Liebespaar gegen den Rest der Welt. Aber alle sind sie sich in einem Punkt einig: dieser Mann kann Geschichten erzählen, wie kein anderer. Video Kid, “Fan who turned his fantasies into reality“ (Sunday Times), Oscar-Preisträger, Regisseur – Popstar: all das ist das “Label” Tarantino.
Seine Kindheit verbrachte Tarantino vor dem Fernseher, seine Jugend im Kino und die ersten Schritte seines erwachsenen Lebens in einer Videothek. Eine traurige Geschichte, könnte man meinen. Nicht wenn die Resultate davon Kill Bill (2003/2004), Jackie Brown (1997), Pulp Fiction (1994) oder Reservoir Dogs (1992) sind. In seinen Filmen kreiert Tarantino eine eigene Welt, ja ein eigenes Universum, mit eigenen Gesetzen und Verhaltensregeln, Traditionen, Popkultur und Geschichte. Quentin Tarantino macht keinen Umweg über die Realität, wieso denn auch, die Welt der bewegten Bilder ist als Spielplatz groß genug für ihn und viel zu sehr vertraut, um sie zu verlassen.
Aber was sind nun die Besonderheiten von Tarantinos Stil? Wodurch unterscheiden sich seine vier Filme von tausend anderen? Das Spiel mit den verschiedenen Genres verhilft Tarantinos spannenden Erzähltechnik in einer ähnlichen Art und Weise wie es die Sprünge auf der Zeitachse tun. Sie erlauben einen Tempo- und Rhythmuswechsel und ermöglichen in jeder, auch der kleinsten Sequenz, neues Image und eine neue Welt zu kreieren. Abgesehen davon würde jeder Versuch Tarantinos Geschichten in chronologischer Erzählweise aufzubauen diese komplett ruinieren.
Das Erzählen steht im Vordergrund, nicht so sehr die Geschichte selbst, könnte man meinen. Aber die Geschichte drängt sich durch ihre unglaubliche physische Realität
dem Zuschauer doch noch auf, denn das Blut fließt und der Schmerz ist sichtbar – ein weiterer Bruch mit manchen Genres.
Seine Charaktere sind klar gezeichnet, es sind Archetypen, die wir alle kennen und lieben, oder mindestens kennen, aus Filmen, Serien, Songs oder früheren Tarantino Filmen, denn Tarantino zitiert nicht nur gerne und gekonnt andere, sondern auch sich selbst. Er bricht mit diesen Arche- und Stereotypen. Sie sehen zwar so aus und sie handeln auch nach den „Regeln“ – Killer töten und Räuber rauben aus – aber sie benehmen sich nicht wie die Stereotypen „Killer“ oder „Gangster“. Sie reden anders – eine weitere Spezialität des Hauses: virtuose Dialoge. Und natürlich werden sie in Situationen gezeigt, die dem Image des jeweiligen Stereotyps nicht im Geringsten entsprechen. „Ich mag es Genrefiguren zu nehmen und sie in alltägliche Lebenssituationen zu stecken, wegen dem komischen Effekt“ – sagte Tarantino in einem Interview zum zehnjährigen Jubiläum von Reservoir Dogs 1 .
Wie zum Beispiel in der Szene, in welcher The Bride in Kill Bill aus ihrem Grab entkommt, in dem sie lebendig begraben wurde, und nach dieser hochdramatischen Erfahrung, total verdreckt und eine Staubwolke nach sich ziehend, in einem Diner an der Theke platz nimmt und mit einem zuckersüßen Augenzwinkern den Kellner höflich um einen Glas Wasser bittet. Gleich danach überquert sie eine Wüste und stellt sich ihrer Erzfeindin und beweist einmal wieder, dass sie die „deadliest woman with a knife“ ist.
Tarantino zeigt seinen Zuschauern die innere Welt gewalttätiger Menschen, in seinen Filmen gibt es keine Trennung zwischen Gut und Böse. Über die mögliche fehlende Identifikation der Zuschauer mit seinen Charakteren sorgt er sich nicht, unter anderem auch deswegen, weil er seine Charaktere mit Schauspielern besetzt, die jenseits von ihren Rollen schon längst zu vertrauten, geliebten Gesichtern geworden sind. „Für mich ist Gewalt eine rein ästhetische Sache“ sagt Tarantino und seine Filme beweisen es. Sie mögen aus Blut, Gewalt und schwarzem Humor bestehen, als „Cinema of Cool“ oder „Kino der Grausamkeit“ bezeichnet werden, ihren Kultstatus haben sie so oder so verdient.
1
aus den Special Features des DVD Release von
Reservoir Dogs
Die Besonderheit seiner Filme liegt eindeutig in der von Tarantino kreierten Welt, in der alles möglich ist, vieles einem bekannt vorkommt und doch anders erscheint. Tarantino zeigt den Zuschauern nicht nur seine Welt auf einer Leinwand, er reserviert einem auch ein Plätzchen darin, denn seine Kamera ist lebendig, ist kein Gerät, das etwas einfängt um es weiter zu geben, sondern vielmehr ein Augenzeuge, der dem Zuschauer später im Kino seinen Platz überlässt.
03 KILL BILL – DIE HANDLUNG
Während Profikillerin Beatrix Kiddo (Uma Thurman) sich routiniert auf die Ausführung ihres nächsten Auftrages vorbereitet erfährt sie etwas, was ihr Leben für immer verändern wird: sie ist schwanger. Kiddo führt ihren Auftrag nicht aus und taucht in El Paso, Texas unter. Dort lernt sie den Besitzer eines Plattenladens kennen, den sie ein paar Monate später, kurz vor der Geburt ihres Kindes, heiraten will. Während des Probelaufs für die Hochzeit holt Beatrix aber ihre Vergangenheit ein. Mit leisen Tönen seiner Flöte kündigt sich Bill (David Carradine) an – der Mann vor dem Beatrix flüchtete. Er ist der Vater ihres ungeborenen Kindes und Anführer der DiVAS, der „Deadly Viper Assassination Squad“, zu der Beatrix auch gehörte. Aber er kommt nicht allein, er hat Kiddos ehemalige Arbeitskollegen mitgebracht und sie haben alles andere vor als zu gratulieren. Sie wollen sie tot sehen und überfallen die Hochzeitsgesellschaft. Alle ihre Mitglieder werden getötet, doch eine Kugel aus Bills Waffe versetzt Beatrix, die Braut im weißen Hochzeitskleid, „lediglich“ in ein Koma, aus dem sie erst vier Jahre später erwacht. Sie glaubt, ihr Kind hätte das Massaker nicht überlebt und schwört tödliche Rache. Ihr ultimatives Ziel: „to kill Bill“.
Der Weg der Rache führt sie zunächst nach Okinawa, Japan wo sie den legendären Schwertmacher Hattori Hanzo (Sonny Chiba), der vor Jahren geschworen hat nie wieder ein Schwert anzufertigen, überredet, diesen Schwur für die Rache an Bill, seinem ehemaligen Schüler, zu brechen. Hanzo gibt ihr nicht nur das beste Schwert, dass er je angefertigt hat, mit auf den Weg, sondern auch einen wertvollen Ratschlag: „Revenge is never a straight line. It’s a forest.“ Um sich in diesem Wald nicht zu verlaufen fertigt Beatrix auf ihrem Flug von Okinawa nach Tokio eine Todesliste an.
Auf ihr stehen 01) O-Ren Ishi, alias Cottonmouth (Lucy Liu) 02) Vernita Green, alias Copperhead (Vivica A. Fox) 03) Budd, alias Sidewinder (Michael Madsen) 04) Elle Driver, alias California Mountain Snake (Daryl Hannah) 05) Bill
In Tokio liefert sich Beatrix dann auch gleich eine regelrechte Schlacht mit O-Ren Ishi, die dort zur Anführerin der Unterwelt aufgestiegen ist, und ihren Gefolgsleuten, den sogenannten „Crazy 88“ im „House of Blue Leaves“. Trotz massiven Widerstandes hinterlässt The Bride ein Blutbad ohne gleichen, das kaum einer von O-Rens Anhängern, und sie selbst ebenso wenig, überlebt.
Vernita Green, die inzwischen mit ihrer Familie in Pasadena, Kalifornien, lebt, wird kurz darauf vor den Augen ihrer kleinen Tochter von Beatrix getötet – obwohl sie Green davor noch ein faires Duell nach Sonnenuntergang angeboten hatte, Green sie aber weiterhin angriff. Kiddos nächstes Ziel ist El Paso, Texas. In einem Trailer, einsam in einem Wüsten-Canyon gelegen, lebt dort Budd, der Bruder von Bill, der durch diesen allerdings vorgewarnt wurde. Das Blutbad von Tokio war von ihm nicht unbemerkt geblieben.
So gelingt es Budd Beatrix zu überwältigen und eine Texanische Beerdigung für sie auszurichten. Er begräbt sie bei lebendigem Leibe auf einem kleinen Friedhof. In ihrem Grab besinnt sich Kiddo auf das Training, das sie vor Jahren, auf Bills Initiative, bei ihrem Meister Pai Mei (Gordon Liu) in einem Kloster in den chinesischen Bergen erhalten hat. Durch eine geradezu unglaubliche Kraftanstrengung schafft sie es durch Meter von Erde aus ihrem Grab auszubrechen und sich erneut auf den Weg zu Budd zu machen. Der hat sich inzwischen mit Elle Driver verabredet um das Hanzo-Schwert, welches er Kiddo abgenommen hat, an sie zu verkaufen.
Beatrix erreicht Budds Trailer rechtzeitig um Drivers Ankunft bei ihm zu beobachten. Ihr wird ungewollt sogar Arbeit abgenommen, denn Elle tötet Budd bei der Geldübergabe mit einer schwarzen Mamba. „Black Mamba“ war Kiddos Codename bei den DiVAS. Gerade als sich Elle mit ihrem Geld und dem Hanzo-Schwert auf den Weg machen will stürmt Kiddo den Trailer und die beiden blonden Amazonen liefern sich einen rücksichtslos brutalen Kampf mit allen Mitteln – den beide überleben.
Arbeit zitieren:
Anastasia Korablev, Ralf Döbele, 2006, ELLE and I, München, GRIN Verlag GmbH
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