Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Entwicklung des Erziehungsbegriffes in der abendländischen Bildungstradition 4
2.1. Die Antike 4
2.1.2. Platon. 4
2.1.3. Aristoteles. 5
2.1.3. Verbreitung des Christentums. 6
2.2. Das Mittelalter. 7
2.2.1. Die Scholastik 8
2.2.2. Thomas von Aquin 9
2.3. Die Neuzeit. 9
2.3.1. Die Renaissance 10
2.3.2. Die Aufklärung - das Konzept der Moderne 10
2.3.3. Die Romantik 12
2.3.4. Die Reformpädagogik 13
2.3.5. Die Moderne im 20. Jahrhundert. 13
2.4. Zusammenfassung. 15
3. Die Postmoderne 17
3.1. Was macht die Postmoderne aus? 17
3.2. Die Problematik der Postmoderne. 19
4. Konsequenzen für die Pädagogik: 21
4.1. Probleme einer Pädagogik in der Postmoderne. 21
4.2. Chancen einer Pädagogik in der Postmoderne. 22
5. Bibliographie. 25
2
1. Einleitung
Seit Beginn der siebziger Jahre hat sich das postmoderne Denken auch in der pädagogischen Theorie und Reflexion ausgewirkt. Dies führte allerdings nicht zur Begründung einer neuen Richtung pädagogischer Theorie, sondern es wurden solche Auflösungstendenzen innerhalb der Pädagogik festgestellt, dass sich mittlerweile die Stimmen häufen, die von einem Ende der Erziehung 1 sprechen.
Ist dieses Ende wirklich gekommen? Und was genau soll beendet werden? Um diese Frage fundiert beantworten zu können, ist es wichtig, zunächst die Entwicklung des Bildungsbegriffes, wie er auf abendländischem Boden gewachsen ist, nachzuvollziehen. So möchte ich im ersten Teil dieser Arbeit die Entwicklung der Pädagogik in Europa grob skizzieren, bevor ich im zweiten Teil darauf eingehen werde, in wie fern dieser Bildungsbegriff von postmodernen Strömungen heute in Frage gestellt wird. Zum Schluss wird die Frage zu beantworten sein, ob die Pädagogik im Zeitalter der Postmoderne noch eine Zukunft hat und wenn ja, wie diese aussehen kann. Die wesentlichen Merkmale des Erziehungsbegriffes der abendländischen Bildungstradition werden im nachfolgenden Zitat von Hahn treffend zusammengefasst: Sie entsprechen dem dreifachen Ursprung unserer europäischen Kultur aus griechischer
Philosophie, römischem Recht und christlicher Religion. Daraus entspringt: - das rationale
Denken, - das individuelle Recht des freien Bürgers, - die Verantwortung der Person vor Gott
und die Verantwortung der Person in ihrer Zuordnung zu ihren Mitmenschen. Das ist es, was
nach gemeinsamer europäischer Überzeugung Wert und Würde des Menschen ausmacht. 2
Wenn ich in den nun folgenden Unterkapiteln diesen dreifachen Ursprung der abendländischen Kultur und seine Auswirkungen auf die Pädagogik näher ausführen werde, bin ich mir bewusst, dass dies im Rahmen dieser Arbeit nur sehr skizzenartig geschehen kann. Dennoch hoffe ich, deutlich machen zu können, welche geschichtlich gewachsenen Postulate von der Postmoderne in Frage gestellt werden und was dies für Auswirkungen auf das heutige Bildungsverständnis hat.
1 Siehe den programmatischen Titel des Buches Das Ende der Erziehung von Giesecke.
2 Hahn 1987, zitiert in Rapp-Wagner 429.
3
2. Die Entwicklung des Erziehungsbegriffes in der abendländischen Bildungstradition
2.1. Die Antike
So lange es menschliche Kultur gibt, hatten Menschen den Wunsch, ihr angesammeltes Wissen tradieren, so dass man Bildung und Erziehung auch als Urphänomene menschlichen Daseins bezeichnet. 3 Erst in der Antike aber finden wir schriftliche Aufzeichnungen, die tieferen Einblick in das menschliche Denken geben. Anhand der bekannten Philosophen Platon und Aristoteles, so wie die zum Anfang unserer Zeitrechnung beginnende Ausbreitung des Christentums, möchte ich die wesentlichen Grundgedanken des antiken Bildungsbegriffes darstellen.
2.1.2. Platon
In der Kaiserzeit gelangte das hellenistisch-römische Bildungswesen zur Ausbreitung über das gesamte römische Weltreich und trug durch sein Eindringen in alle Provinzen wesentlich zu deren Romanisierung bei. Kernstück aller antiken Philosophie ist, dass das Denken als maßgeblich angesehen wird - und nicht Macht, Laune oder Bedürfnis - wenn der Mensch zu Erkenntnis gelangen und ein glückliches, tugendhaftes Leben führen will. 4 Diese Grundidee antiker Philosophie wurde im Lauf der abendländischen Bildungsgeschichte immer wieder aufgenommen, abgeändert und neu diskutiert.
Für Platon (427-348/47 v. Chr) ist der denkende Menschen eingebunden in eine vorgegebene kosmische und religiöse Ordnung - eine Ordnung, die das europäische Weltbild bis zum ausgehenden Mittelalter prägen sollte. Platon sah die Struktur dieser Weltordnung repräsentiert in der griechischen polis, in der der Bürger Glied einer politischen Gemeinschaft ist und an deren Leben er aktiv und verantwortlich teilnimmt. Der Staat wird somit zum Lebensraum für den philosophischen Menschen. 5 Dennoch grenzt Platon sich von der Nützlichkeitslehre der so genannten Sophisten ab, in dem er wehrt sich gegen die Vorstellung weher, dass Bildung unter dem Primat der Politik zu stehen habe. Für ihn hat Bildung einen Wert unabhängig von ihrer Nützlichkeit für die Gesellschaft und dient letztendlich dazu, den Menschen zu seinem eigentlichen Menschsein zu führen. Um dieses Ziel zu erreichen,
3 Jaeger 2.
4 Weimer 16.
5 Jaeger 14.
4
müssen alle Aspekte des Menschseins angesprochen werden, weshalb für Platon auch körperliche Ertüchtigung, Dichtung und Musik zur Erziehung gehören und sogar die Grundlage aller Geistesbildung darstellen. 6
Durch sein bekanntes Höhlengleichnis wird Platon zum Schöpfer der Ideenlehre, d.h. der Vorstellung, dass jede Sache auf der Erde ein ewiges und vollkommenes Urbild im Jenseits hat. Der Mensch muss nun diesen Urbildern durch die Vernunftherrschaft seiner Seele nacheifern. 7
2.1.3. Aristoteles
Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) ist der bedeutendste Schüler Platons und Lehrer und Erzieher Neros. Seine Schriften über Logik, Metaphysik, Ethik und Politik haben die Philosophie entscheidend geprägt und waren die wichtigste Grundlage für das Werk Thomas von Aquins. Während Platos Denken sich durch metaphysische Tiefe auszeichnet und die erste große utopische Theorie der Geschichte entwirft, sind für Aristoteles gerade der nüchterne Wirklichkeitssinn, sowie der ungeheuer weit gespannte Geist des Forschens und Materialsammelns charakteristisch. 8
Für Aristoteles ist das wichtigstes Ziel der Erziehung die Bildung des Menschen zum Staatsbürger. Sinn und Zweck findet der Mensch für Aristoteles daher nur vom Ganzen her, ist er vom Staat losgelöst, kann er nicht wirksamer sein als eine Hand, die vom Körper abgetrennt ist. Im Unterschied zu Platon, der die Philosophie als eine Einheitswissenschaft auffasst, die alle Bereiche menschlichen Wissens umfasst, geht Aristoteles von einem Konzept von Einzelwissenschaften als eigenständige Disziplinen aus. 9 Er betont das natürliche Lernen (naturam sequi), durch das das Gute im Menschen automatisch ans Licht gebracht wird, wie er meint. Erziehung macht sich also den Umstand zu Nutze, dass der Mensch von Natur aus auf Wissen ausgerichtet ist und nur entsprechend gelenkt werden muss.
Aristoteles beschäftigte sich außerdem mit dem Wesen der Dinge, das heißt mit der Frage nach der Grundlage allen Seins. Er stellt zehn Kategorien auf, mit denen jedes Ding zu beschreiben ist. Dabei betont er die Einzigartigkeit einer jeden Sache unabhängig von ihrer Nützlichkeit. Er bezieht dies auch auf den Wert einzelner Unterrichtsfächer, die über ihre
6 Jaeger 801, 822.
7 Rapp-Wagner 33-8.
8 Rap-Wagner 37.
9 Weimer 12.
5
momentane Nützlichkeit für den Schüler hinausgeht 10 - ein Argument, das bis heute verwendet wird, um den Lateinunterricht an Schulen zu rechtfertigen. Die Grundannahme des Wertes einer jeden Sache unabhängig von ihrer Nützlichkeit übertrug er schließlich in seiner Ethik auf den Menschen.
Bekannt wurde Aristoteles weiterhin durch seinen Grundgedanken, dass die Vernunft auf Nichtwidersprüchlichkeit angelegt ist. Darunter verstand er, dass etwas, was wahr ist, nicht gleichzeitig falsch oder etwas gutes nicht gleichzeitig böse sein kann, wenn es unter ein und demselben Blickpunkt betrachtet wird. Dieser Satz vom Widerspruch wurde zum Kernstück der Logik. 11
2.1.3. Verbreitung des Christentums
Mit dem Christentum verbreitete sich in Europa ein ganz neues Menschenbild, das auch Auswirkungen auf die Erziehung haben musste. Zentrum des christlichen Menschenbilds, wie es im Neuen Testament vorgestellt wird, ist die Botschaft, dass der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist, aber durch seine Sünde von ihm getrennt wurde. Gott verstößt den Menschen aber nicht, wie er es gerechterweise tun könnte, sondern neigt sich in Gnade zu ihm herab, in dem er in Jesus Christus selber Mensch wird. Jesus trägt als der Sohn Gottes am Kreuz die Sünde der Welt, so dass Gott Gnade und Gerechtigkeit vereinen kann und den Menschen mit offenen Armen aufnimmt, der im Bewusstsein seiner Schuld zu ihm kommt. 12 Die individuelle Würde jedes einzelnen Menschen, die darin begründet ist, dass Gott ihn liebt und seinen Sohn für ihn geopfert hat, geht weiter als der Wert, den die aristotelische Philosophie für den Menschen annahm und musste auch Konsequenzen für den Bildungsbegriff haben. So wird in der frühen Kirche der Einzelne mehr in den Blickpunkt der Erziehung gerückt und individuelle Förderung je nach Begabung angestrebt. Weil im Christentum ein Buch das Zentrum bildet, wird die Alphabetisierung zu einer wichtigen Vorraussetzungen für die Verbreitung des Evangeliums.
Neben der Betonung der Würde des Menschen kann aber nicht verkannt werden, dass im Christentum des nun folgenden Mittelalters besonders die dunklen Züge des gefallenen Menschen betont werden, nämlich seine Verderbtheit, Sündhaftigkeit und Ohnmacht. Er ist
10 Auch beim Nützlichen soll man die Kinder nicht nur eben um des Nutzens willen unterrichten, etwa in der
Grammatik, sondern weil sich daraus noch viele andere Lehrgegenstände entwickeln können, (...) ebenso ist das
Zeichnen nicht nur dazu da, dass man beim Kauf einer Ware nicht betrogen werden , (...) sondern, damit man
einen Blick für die Schönheit der Körper erhalte. Denn überall bloß den Nutzen zu suchen, gehört sich für die
Großgesinnten und Edlen am allerwenigsten. Aristoteles 254.
11 März 80, Weimer 14.
12 März 64.
6
seiner Umwelt ausgeliefert und kaum in der Lage, sein Leben selber zu gestalten. Erst in der Renaissance und der Reformation wird die Individualität, Schönheit, Gottähnlichkeit und Kreativität des Menschen wieder stärker hervorgehoben. 13 Als das römische Weltreich in den Wirren der Völkerwanderung und innerem Zerfall unterging, verstand sich die Kirche als Retterin antiker Geisteskultur und übernimmt die geistige Führung und Formung der germanischen Völker. Auf diesen geistigen Boden gründete dann die mittelelterliche Kultur ihre weitgehend einheitliche religiöse und ethische Lebensgestaltung. 14
2.2. Das Mittelalter
Durch das ganze Mittelalter hindurch zog sich die Frage, in welchem Verhältnis Religion und Wissenschaft (vor allem die Philosophie) zueinander stehen sollten. Dabei wurde der Wissenschaft nur bedingt eine eigene Identität zugestanden, vielmehr wurde von ihr verlangt, sich der Religion unterzuordnen und ihre Magd zu sein. Ziel aller mittelalterlichen Pädagogik war es, dem Menschen zu helfen, ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen und seinen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. 15
Unter Karl dem Großen bekam das Bildungswesen in Europa einen neuen Aufschwung. Er gründete die königliche (später kaiserliche) Palastschule, in der er die gelehrtesten Männer seiner Zeit versammelte. Diese Einrichtung bildete den Kern von Karls Bildungsbesterhebungen und war Vorraussetzung für die karolingische Renaissance des Frankenreiches. Von hier aus kam es zur Gründung weiterer Schulen mit staatlichen Mitteln. Dennoch war auch Karl noch weit davon entfernt, das kirchliche Bildungsmonopol in irgendeiner Weise in Frage zu stellen. Als nach seinem Tod das Frankenreich in drei Teilreiche zerfiel, erlahmte das kulturpolitische Engagement schnell, worin eine wichtige Ursache für den relativ späten Beginn einer allgemeinen Volksbildung in Europa gesehen werden kann. 16 Während weiter Phasen des Mittelalters waren die Menschen daher zum größten Teil Analphabeten und selbst die Ausbildung der Geistlichkeit war oft nicht angemessen. So wird zum Beispiel berichtet, dass Bonifatius in Bayern Priester traf, die die Gläubigen in nomine patriae 17 tauften, weil sie offensichtlich das Lateinische nur sehr
13 März 64-8.
14 März 71.
15 März 65.
16 Weimer 24.
17 Im Namen des Vaterlandes.
7
Arbeit zitieren:
Elisabeth Weise, 2005, Von Plato bis postmodern - Über Entwicklung und Zukunft abendländischer Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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