GLIEDERUNG
1. EINLEITUNG 3
2. DAS GEDANKENEXPERIMENT DES CHINESISCHEN ZIMMERS 5
2. 1 DIE UNTERSCHEIDUNG VON SEMANTIK UND SYNTAX. 7
2.2 INTENTIONALITÄT. 9
2.2.1 Intrinsische und abgeleitete Intentionalität. 10
2.3 UMWELTBEZUG UND LERNFÄHIGKEIT. 11
3. FAZIT. 13
4. QUELLEN 15
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1. Einleitung
Unter der Bezeichnung der Künstlichen Intelligenz werden in den Kognitionswissenschaften und in der Informatik Versuche unternommen, durch Computer Tätigkeiten nachzubilden, die wenn Menschen sie tun würden eine gewisse Intelligenz erfordern würden. Von einigen ForscherInnen werden diese Modelle als Hilfsmittel gesehen, um intelligentes Verhalten nachzuahmen und dieses zu erklären. 1 Diese Theorie der schwachen, artifiziellen Intelligenz sieht in dem Computer ein wirksames Instrumentarium, um Hypothesen zu überprüfen und präzise Formulierungen auszugeben. Im Gegensatz dazu steht die Theorie der starken, künstlichen Intelligenz. Demnach sind Computer nicht nur ein Instrument, sondern sie werden selbst zu einem Geist, der kognitive Zustände hat und in der Lage ist zu verstehen, indem sich das Programm zur Hardware des Computers wie der Geist zu dem Gehirn verhält. Damit wäre der Mensch durch technische Roboter ersetzbar, da auch geistige Tätigkeiten nur ein Ausführen von Operationen darstellen. 2
John Searle greift diese Unterscheidung in seinem Aufsatz „Geist, Gehirn und Programm“ 3 auf und wirft dabei die Frage auf, ob Computer wirklich denken können und somit nicht nur menschliche Intelligenz simulieren, sondern gar zu einem Duplikat werden können. Er wendet sich mit seinem Aufsatz gegen die starke Theorie der künstlichen Intelligenz und die These, dass geistige Zustände des Menschen identisch sind mit den inneren Zuständen eines Computers. 4 John Searle versucht diese Behauptung durch das Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers zu widerlegen, um so zu beweisen, dass der Turing-Test 5 kein ausreichendes Kriterium für die künstliche Intelligenz ist.
1 Tichy, Matthias: Auf der Suche nach dem Subjekt in der Maschine - Zu John Searles Kritik am Computermodell des Denken, in: Zeitschrift für philosophische Forschung, Band 41, 1987, S.429.
2 Bader, Werner H.: John R. Searles Chinesisches Zimmer: Das Höhlengleichnis der Artificial Intelligence?, in: Leidlmair, Karl /Neumaier, Otto (Hg.): Wozu künstliche Intelligenz?, S.61.
3 Searle, John R.: Geist, Gehirn, Programm, in: Zimmerli, Walther Ch. (Hrsg.): Künstliche Intelligenz: philosophische Problem, Stuttgart 1994, S.232-265.
4 Ebd., S.232-233.
5 Der Turing-Test wurde 1950 von Alan Turing in dem Artikel „Computing Machinery and Intelligence“ aus der Zeitschrift „Mind“ vorgestellt. Dieser war als Kriterium zur Beantwortung von Fragen gedacht, um herauszufinden, ob eine Maschine denken kann. Demnach gibt es eine Person, die Fragen stellt, eine Person und einen Computer, die beide die Fragen beantworten. Die fragende Person muss durch Fragen feststellen, welche der beiden Personen ein Computer ist und welche ein Mensch. Diese Fragen und Antworten werden über eine unpersönliche Art und Weise, durch Tastatur und Bildschirm übertragen. Falls die Person während des Tests nicht in der Lage ist den wirklichen Menschen herauszufinden, gesteht man dem Computer zu, dass dieser denken kann und somit den Turing-Test bestanden hat. Penrose, Roger: Computerdenken - Des Kaisers neue Kleider oder die Debatte um Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und Gesetze der Physik, Heidelberg 1991, S.5-7.
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Die zentrale Frage ist dabei, ob nur durch den Ein- und Ausgabemodus des Computers wirklich von einem Verstehen gesprochen werden kann und somit die Maschine als denkendes Wesen auftritt, das kognitive Zustände besitzt.
In meiner Hausarbeit werde ich mich genauer mit John Searles Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers auseinander setzen. Ich werde zunächst die zentralen Argumente herausarbeiten und auf dieser Grundlage versuchen die Unterscheidung zwischen Semantik, das heißt dem Verstehen und Syntax, der formalen Analyse darzustellen. Um die fehlende Semantik bei Computern zu begründen, werde ich mich dann mit der Unterscheidung zwischen abgeleiteter und intrinsischer Intentionalität auseinandersetzen. Ich möchte dabei die Behauptung aufstellen, dass der Computer im Gegensatz zum Menschen keine intrinsische, sondern nur eine abgeleitete Intentionalität besitzt und somit nicht verstehen kann. Ich werde dabei versuchen den Kritikpunkt an John Searles Gedankenexperiment, dass ein fehlendes Verständnis in Bezug auf die Außenwelt nicht auch ein fehlendes Verständnis in Bezug auf die Innenwelt mit einschließt, versuchen mit einzubeziehen.
Zum Abschluss werde ich auf das Problem des fehlenden Umweltbezugs und die fehlende Lernfähigkeit genauer eingehen, da es meiner Meinung nach eine wesentliche Voraussetzung ist, warum Computer nur auf einer syntaktischen und nicht auf einer semantische Ebene verstehen können und somit auch keine intrinsische Intentionalität habe. Diese drei Punkte sind für mich die wesentlichen Unterschiede, die zwischen dem menschlichen Intellekt und den Fähigkeiten des Computers bestehen. An Hand dieser aufeinander aufbauenden Argumentationsstränge werde ich versuchen herauszuarbeiten, warum nicht von einer graduellen Differenz zwischen Mensch und Maschine, sondern von einer grundsätzlichen Unterscheidung gesprochen werden muss.
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2. Das Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers
Das Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers von John Searle war Teil des 1980 veröffentlichten Artikels „Minds, Brains and Programs“ in der Zeitschrift „The Behavioral and Brain Sciences“. 6 Durch dieses Experiment und durch seine weiteren Ausführungen versuchte er die These zu widerlegen, dass Computer wirklich Menschen nachahmen können und somit geistige Zustände besitzen. Es ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Gedankenexperimente in Bezug auf die Künstliche Intelligenz und wird bis heute sehr stark diskutiert und kritisiert.
Einen Teil dieser Einwände greift John Searle direkt in seinem Artikel auf und versucht diese auch zu widerlegen, wodurch weitere Diskussionen angeregt wurden. Im folgenden Teil meiner Hausarbeit werde ich allerdings nur teilweise auf Kritikpunkte eingehen, da dies den Rahmen der Arbeit überschreiten würde. Ich werde versuchen das Gedankenexperiment, trotz einiger Kritikpunkte, als Hilfsmittel zu nehmen, um die sich anschließende Interpretation weiterzuentwickeln.
In Zentrum dieses Gedankenexperimentes ist ein abgeschlossener Raum, der nur über einen Eingabe- und Ausgabeschlitz mit der Außenwelt verbunden ist. In diesem Zimmer befindet sich eine Person mit einer Sammlung chinesischer Schriften. Ihre Muttersprache ist Englisch und sie kann weder Chinesisch sprechen, noch sich auf Chinesisch unterhalten. Daher kann die Person in dem Zimmer Chinesisch nicht schreiben und die chinesische Schrift ist für sie nicht lesbar. Sie ist nicht einmal in der Lage die chinesischen Schriftzeichen von japanischen Schriftsymbolen zu unterscheiden. 7
Dann wird ein zweiter Stapel chinesischer Schriften, zusammen mit Anleitungen in englischer Sprache in das Zimmer von außen hingereicht. In diesem werden durch Regeln, die formalen Symbole des ersten chinesischen Textes in Verbindung zu den Symbolen des zweiten chinesischen Textes gesetzt. Da die Person die englische Sprache spricht, versteht sie die Anleitungen. Die Anweisungen machen allerdings keine Angaben über die Bedeutung der Schriftzeichen, sondern beziehen sich nur auf die formale Ebene, das heißt auf die äußere Gestalt der Schriftzeichen. 8
Als letztes bekommt die Person einen dritten Stapel mit chinesischen Schriften und dazu weitere, englische Anleitungen in das Zimmer gereicht. Diese Anleitungen setzen den dritten
6 Searle, John: Minds, Brains and Programs, The Behavioral and Brain Sciences 3, 1980, S.417-457.
7 Searle, John R.: Geist, Gehirn, Programm, in: Zimmerli, Walther Ch. (Hrsg.): Künstliche Intelligenz: philosophische Problem, Stuttgart 1994, S. 234.
8 Ebd., S. 235.
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Arbeit zitieren:
2006, Das chinesische Zimmer oder warum Computer nicht denken können, München, GRIN Verlag GmbH
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