Gliederung
1. Einleitung 3
2. Alfred Hitchcock „Vertigo“ 4
2.1 Filminhalt 4
2.2 Charakterdarstellungen 5
3. Die Rolle der Frau 8
3.1 Die Frau als Idealbild 8
3.2 Die Frau als Projektionsfläche 10
4. Die Rolle des Mannes 13
4.1 Die Höhenangst von John Ferguson 13
4.2 Der Tod von Madeleine und Judy 14
5. Fazit 16
6. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
„Spannung ist wie eine Frau. Je mehr der Phantasie überlassen bleibt, desto größer wird die Erregung. Die perfekte Frau mit Geheimnis ist die, die blond ist, scharfsinnig und nordisch. Eine Frau mit Geheimnis ist eine Frau, die auch eine gewisse Reife besitzt und deren Handlungen mehr sagen, als Worte. Jede Frau kann zu so einer Frau werden, wenn sie sich zwei Dinge merkt: Sie soll erwachsen werden und den Mund halten.“ 1 Das Zitat von Alfred Hitchcock lässt auf sehr eindrückliche Weise auf sein Frauenverständnis schließen. Besonders in seinem Film „Vertigo“, welcher zu den komplexesten und berühmtesten Filmen von Hitchcock zählt, wird dieses deutlich. So veranschaulicht der Film auf eindrückliche Weise die verschiedenen Formen der Unterwerfung der Frau unter die symbolischen Konstruktionen von Geschlechtern. Dies wird besonders deutlich dargestellt durch den männlichen Voyeurismus und Fetischismus. Dabei steht die unterschiedliche Facettierung von Scotties Traum von Judy und Madeleine im Vordergrund. Schon zu Beginn des Films wird dessen weitere Thematik deutlich. Ein anonymes Frauengesicht bildet den Fokus der Betrachterin/des Betrachters, zunächst die Lippen und anschließend die Augen rücken in den Bildmittelpunkt. Das Bild der Frau wird damit genauestens untersucht und ins Blickfeld gerückt.
In meiner Hausarbeit möchte ich mich daher mit dem Thema: Die Frau als Bild und Projektionsfläche im Film „Vertigo“ von Alfred Hitchcock auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob der hauptsächlich aus einer männlichen Perspektive erzählte Film auch einen weiblichen Blick zulässt. Damit bleibt zu klären, ob der Frau nur eine passive Rolle zukommt oder ob sie auch aktiv eingreift. Mir ist dabei jedoch wichtig aufzeigen, dass Hitchcock bewusst mit tradierten Geschlechterrollen spielt und diese in komplexe Konstruktionen führt, dass er aber zugleich Geschlechterbilder reproduziert. So ist der Film von einem wichtigen Gegensatz beherrscht: zum einen von dem männlichen Versuch, die Frau und ihre Form zu kontrollieren und zum anderen dem gegenübergestellt von der männliche Schwäche.
1 Spoto, Donald: Alfred Hitchcock. Die dunkle Seite des Genies, München 1986, S.474.
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In meiner Hausarbeit möchte ich mich zunächst den Inhalt des Filmes und dessen Charaktere vorstellen. Auf dieser Grundlage werde ich mich dann mit den Geschlechterbildern des Films auseinandersetzen. Dabei werde ich zunächst die Rolle der Frau genauer analysieren und dieser dann die Rolle des Manns gegenüber stellen. Ich konzentriere mich auf einige zentrale Szenen, um an Hand dieser das dargestellte Geschlechterverhältnis zu analysieren.
2. Alfred Hitchcock „Vertigo“
2.1 Filminhalt
Der Polizist John Ferguson (gespielt von James Stewart), welcher von seinen Freunden Scottie genannt wird, muss wegen Höhenangst vorzeitig pensioniert werden. Er wird aus diesem Grund von seinem ehemaligen Schulfreund Gavin Elster (Tom Helmore) beauftragt, dessen Ehefrau Madeleine (Kim Novak) zu beschatten. Diese bildet sich ein, von dem Geist ihrer Urgroßmutter Carlotta Valdez besessen zu sein und ist aus diesem Grund stark selbstmordgefährdet. Scottie kann seinen Auftrag nur teilweise erfüllen. Er verliebt sich in Madeleine und muss miterleben, wie sie sich vor seinen Augen das Leben nimmt, indem sie sich von einem Glockenturm stürzt. Scottie erkrankt aufgrund dieses traumatischen Erlebnisses und wird von seiner alten Freundin Midge (dargestellt von Barbara Del Geddes) gepflegt, welche immer noch in ihn verliebt ist. Nach seinem Krankenhausaufenthalt findet er durch eine scheinbar zufällige Begegnung die Verkäuferin Judy (Kim Novak), die der Verstorbenen sehr ähnlich sieht. Scottie versucht nun das Bild einer Toten in Gestalt einer anderen, lebenden Frau zum Leben zu erwecken. Als Judy der Verstorbenen perfekt ähnelt, erkennt Scottie durch einen Zufall, dass Madeleine und Judy ein und dieselbe Person sind. Judy Barton wurde von Gavin Elster beauftragt seine Frau zu spielen. Die wirkliche Madeleine wurde vorher von Elster umgebracht und schließlich vom Turm geworfen, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Um Madeleines Tod zu rekonstruieren, zwingt Scottie Judy mit ihm an den Ort des Geschehens, den Glockenturm, zurückzukehren. Bei einem Streit und durch das plötzliche Auftreten einer Nonne fällt Judy vom Turm. Diesmal ist Judy bzw. Madeleine wirklich tot.
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2.2 Charakterdarstellungen
a) Scottie
Scottie ist die Hauptfigur des Films und leidet unter akuter Höhenangst. Dies wird schon in der Anfangssequenz deutlich, als er nicht in der Lage ist, seiner Arbeit als Polizist nachzugehen und daher in den Ruhestand gehen muss. Die Höhenangst wird durch eine Spirale symbolisiert und findet sich in vielen Bildelementen wieder, wie zum Beispiel im Vorspann als Ornament, welches in einem anonymen Frauenauge entsteht, von diesem ausgehend den ganzen Bildschirm einnimmt und somit auch den Zuschauer in seinen Bann zieht.
Damit schafft Hitchcock schon zu Beginn des Films eine Verbindung zwischen der Frau und der Höhenangst von Scottie. So befindet sich die Spirale auch in den zu einer Rolle hochgesteckten Haaren von Carlotta und Madeleine. Desweiteren ist auch die Treppe des Glockenturms spiralförmig, wodurch dieses zentrale Element noch weiter verstärkt wird. Scotties Höhenangst kann somit auch als Angst vor der Weiblichkeit gedeutet werden. Unter der Vorgabe die hilflose und leicht verletzbare Madeleine beschützen zu wollen, erkundet Scottie ihr gesamtes Leben. Doch diese Verfolgungen dienen in erster Linie dazu, die unbewussten Phantasien von Scottie gegenüber der Frau und ihrem Körper darzustellen.
Nach dem angeblichen Tod Madeleines streift Scottie durch San Francisco auf der Suche nach blonden Frauen in grauen Kostümen. Er trifft auf Judy vor dem Blumenladen, in der er auch Madeleine gefolgt war und versucht nun, sie nach seinem Idealbild umzuformen. b) Madeleine
Madeleine ist die Frau von Gavin Elster und scheint akut selbstmordgefährdet zu sein. „Sie besitzt eine sehr erotische Ausstrahlung aus einer Mischung von Anmut, Geheimnisvollem und Verwundbarkeit.“ 2 Dies wird vorallem in der Szene in Ernies Restaurant deutlich, als Scottie Madeleine zum ersten Mal erblickt. Die Kamera nähert sich Madeleine, die mit Elster an einem Tisch isst, behutsam von hinten. Ihr Rückendekolleté ist weit ausgeschnitten und wird zusätzlich durch die hochgesteckten Haare betont. Die Bedeutung dieses Moments wird durch die einsetzende, sanfte Musik verstärkt. Der Raum ist komplett in roten Farben gehalten und bildet daher einen Gegensatz zu Madeleines smaragdgrüner Robe. „Grün steht für die phantasmatische
2 Wood, Robin: Hitchcock’s films revisited, New York 1989, S. 114.
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Arbeit zitieren:
2005, Die Frau als Bild und Projektionsfläche , München, GRIN Verlag GmbH
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