GLIEDERUNG
1. Einleitung 3
2. Die erste Phase des Krieges und das Verschwinden der Bilder. 4
3. Die zweite Phase des Irakkriegs. 6
3.1 Die Fotos von Abu Ghraib 7
4. Der Umgang mit den Fotos aus dem Irakkrieg 10
4.1 Die Fotografie als moralisches Dokument 10
4.2 Die symbolische Ebene der Fotografie. 11
5. Die indexikalische Ebene der Fotografie. 14
6. Fazit 15
7. Quellen 17
2
1. Einleitung
„Es ist keine militärische Aktion bekannt, die in ähnlich hohem Maße detailliert und zeitnah der Weltöffentlichkeit vermittelt wurde wie der dritte Golfkrieg.“ 1 Mit diesen Worten kommentiert Andrea Szukala die Bedeutung des Irak-Krieg als Medienereignis. Diese Veränderung der medialen Inszenierung des Krieges hatte verschiedene Gründe. Zum einen war es durch den verstärkten Einsatz von Kameras in Drohnen, Satelliten und Flugzeugen möglich, die Situation im Irak sehr genau zu dokumentieren. Zum anderen gab es ein neues System der Berichterstattung. Während des vorherigen Golfkrieges durften nur wenige JournalistInnen an der Front fotografieren bzw. filmen und mussten dann die Fotos mit den restlichen FotografInnen die in den Hotels zurück blieben, teilen. Beim dritten Golfkrieg kam es allerdings zum so genannten „Embedding“ der ReporterInnen. Die wesentliche Veränderung bestand darin, dass die FotografInnen und JournalistInnen einer bestimmten Truppeneinheit zugeordnet wurden und von dieser aus über die militärische Lage im Irak berichteten. 2 Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht weiter auf die Probleme dieser Art von Berichterstattung hinweisen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache das, durch das „Embedding“ der JournalistInnen die wesentliche Vorraussetzung für eine 24h-Echtzeitübertragung geschaffen.
Doch welche Bilder und damit verbundenen Informationen sind wirklich in den Gedächtnissen der Menschen hängen geblieben? Zunächst schien es, dass wie auch in den vorherigen beiden Golfkriegen die Bilder vom Krieg verschwanden. Durch einen hochtechnologisierten Krieg und die schnelle Einnahme der Hauptstadt machte es den Anschein, dass wenige Fotografien über den Krieg hinaus im öffentlichen Gedächtnis hängen bleiben würden. Diese Situation änderte sich jedoch schlagartig mit dem 28.4.2004, als zum ersten Mal Bilder der Folterungen von Abu Ghraib auftauchten. Plötzlich wurden die Fotografien durch die Medien in vielfältiger Art und Weise benutzt moralische, juristische und psychologische Ebenen der Fotografien zu eröffnen.
1 Szukala, Andrea: Medien und öffentliche Meinung im Irakkrieg in: Aus Politik und Zeitgeschichte,
Heft 24/25, 2003, S.25.
2 ebd., S.27.
3
In meiner Hausarbeit möchte ich mich daher mit der Fragestellung auseinander setzen, wie mit der Fotografie als Dokument durch die Medien während des Irakkrieges umgegangen wurde. Dabei werde ich mich zunächst mit den Bildern aus der ersten Phase des Krieges näher beschäftigen und versuchen herauszuarbeiten warum es zu einem Verschwinden der Fotografien kam.
Diesem einführenden Teil meiner Hausarbeit möchte dann die zweite Phase des Krieges gegenüberstellen. Denn durch die Veröffentlichung der Folterfotografien bestand plötzlich ein mediales Interesse an dem Irakkrieg. Dabei werde ich zunächst die Bilder der Folter analysieren, um dann auf dieser Grundlage aufzuzeigen, dass es zum einen eine moralische Auseinandersetzung mit der Fotografie als Dokument gab und dass diese Positionen besonders stark durch die Medien vertieft wurden. Beispielhaft werde ich mit Hilfe von Susan Sontag 3 versuchen diese Position genauer herauszuarbeiten. Zum anderen gibt es aber ebenso auch im Sinne von Bernd Hüppauf 4 eine symbolische Ebene der Folterfotos. Diesen zwei Betrachtungsweisen der Fotografien möchte ich dann im letzten Teil meiner Hausarbeit die indexikalische Ebene hinzufügen und so hinterfragen, inwiefern die symbolische Ebene der Fotografie bei der Betrachtung der Bilder wirklich Sinn macht.
2. Die erste Phase des Krieges und das Verschwinden der Bilder
Der Irakkrieg kann in zwei wesentliche Phasen eingeteilt werden, die durch einen unterschiedlichen Umgang mit dem Foto als Dokument charakterisiert werden. Bernd Hüppauf beschreibt die erste Phase des Krieges wie folgt: „Der moderne technologisierte Krieg ist abstrakt und hat dem Bedürfnis nach Anschaulichkeit und Konkretheit wenig zu bieten.“ 5 Er bezeichnet so die während dieser Phase des Krieges wirkende Virtualisierung und Entpersonalisierung, indem keine Identifikationsmöglichkeit gegeben ist.
Diese These lässt sich besonders auf die zu dieser Zeit entstanden Fotografien übertragen. Betrachtet man die Fotos aus der ersten Woche des Krieges so kann man
3 Sontag, Susan: Endloser Krieg, endloser Strom von Fotos, Süddeutsche Zeitung, 24.5.2004.
4 Hüppauf, Bernd: Foltern mit der Kamera, in: Fotogeschichte, Jg.24, Heft 93, 2004, Heft 93.
5 Ebd., S.51.
4
eine Gemeinsamkeit erkennen: es ist fast nichts zu erkennen. Die Bilder zeigen in schlechter Auflösung verschwommene Panorama- und Horizontaufnahmen, die zeitlich und geographisch schwer zu lokalisieren sind. Dies änderte sich zwar teilweise in der zweiten Woche der Kriegsberichterstattung durch auftauchende Panzer, Explosionswolken aber auch die Darstellung einiger Truppeneinheiten. Für die Betrachterin/den Betrachter blieb der Krieg jedoch nicht real, da kein genauer Ort, keine genaue Zeit und keine personalisierte Handlung festgestellt werden konnte.
Die Fotos entsprachen so austauschbaren Bildern, die an elektronische Gewaltspiele aber nicht an einen wirklichen Krieg erinnerten. 6 Die amerikanische Regierung erhoffte sich durch die Veröffentlichung der Bilder, dass es durch die Inszenierung der technischen Überlegenheit auch zu einem schnellen Ende des Kriegs kommen würde. Der gesamten Welt sollte eine Woche lang 24 Stunden am Tag in Fernsehberichterstattungen der eingebetteten JournalistInnen, durch Pressekonferenzen und durch Schaltungen zwischen den Standorten der stetig wachsende Fortschritt der militärischen Intervention gezeigt werden 7 . Ebenso sollte auch der irakische Feind durch diese Inszenierung eingeschüchtert werden. Denn die Herrschaft über die Bilder entsprach der Herrschaft über das Land.
Indem der Krieg somit als sauber, schnell und effizient dargestellt wurde, machte es den Anschein, als ob es keine Toten gibt. Der irakische Feind war schlecht ausgerüstet, klein und daher hoffte man ein schnelles Ende herbeiführen zu können, nachdem die Armee von Saddam Hussein besiegt worden war. Die Fronten und das damit verbundene Herrschaftsverhältnis waren klar unterteilt in Herrscher und Beherrschte. Die AmerikanerInnen als militärisch überlegene Einheit und die unterlegene irakische Armee. Abschließend lässt sich also feststellen, dass es während der ersten Phase des Irakkrieges durch eine fehlende Personalisierung und damit verbundene Anschaulichkeit, eine verstärkte Virtualisierung und eine fehlende emotionale Provokation zu einem Verschwinden der Bilder im Gedächtnis der Öffentlichkeit kam. 8 Das Interesse der Medien war zwar in den Anfangswochen noch relativ groß. Jedoch wurde in folgenden Wochen und Monaten immer weniger über den Irakkrieg berichtet. Beispielhaft dafür kann in diesem Zusammenhang die Berichterstattung des Spiegels
6 Ebd., S.52.
7 Rötzer, Florian: Wartainment- Der Krieg als Medienereignis, in: Kunstforum international, Band
165, 2003, S.50.
8 Hüppauf, Bernd: Foltern mit der Kamera in: Fotogeschichte-Beiträge zur Geschichte und Ästhetik
der Fotografie, Jg.24, Heft 93, 2004, Heft 93, S.51.
5
Arbeit zitieren:
2005, Was zeigen die Fotos aus dem Irakkrieg? Die symbolische Ebene der Folterfotos von Abu Ghraib, München, GRIN Verlag GmbH
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