Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arbeitsdefinition
3. Terroristisches Kalkül
3.1. Terrorismus als symbolische Gewalt
3.2. Ressourcen der Terroristen
3.3. Substituierbarkeit von Angriffszielen
4. Bedrohung durch den Terrorismus
4.1. Terrorismus als Existenzbedrohung
4.2. Massenvernichtungswaffen
4.3. religiös motivierter Terrorismus als neue Bedrohung
5. Gegenmaßnahmen
6. Konklusion
7. Literatur
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1. Einleitung
Seit dem 11. September, seit der „neuen Welle“ des Terrorismus, geht das Phantom eines neuen Begriffes von Krieg durch die Welt. Eine neue Ära der Bedrohung wurde ausgerufen und man war nicht nur von Seiten der Politik sondern auch der Gesellschaft gerne bereit tief schürfende Eingriffe in die Grundfesten der demokratisch-freiheitlichen, westlichen Gesellschaftsordnung auf sich zu nehmen um diesen scheinbar überall lauernden Feind, diesen unberechenbaren, unsichtbaren, fatalen Einhalt zu gebieten.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit eben dieser Bedrohung der internationalen Sicherheit, dem internationalen Terrorismus jüngster Zeit, versucht seine innewohnende Logik aufzudecken, ihn damit analytisch gehaltvoll und greifbar zu machen um daraus Implikationen abzuleiten welche helfen Sicherheitsprobleme aufzeigen zu können. Die Ausführungen von Waldmann (2005), seine Ansicht des Terrorismus als symbolische Gewalt, bilden zu großen Teilen theoretische Grundlage der vorliegenden Arbeit. Auch wenn die Termini des ‚internationalen Terrorismus’ und der ‚internationalen Sicherheit’ im Text nicht immer explizit aufgegriffen werden, bilden sie doch den Leitfaden an dem sich die Arbeit orientiert. Auf eine Beschreibung und Analyse einzelner, terroristische Gruppierungen (Geschichte, Struktur, Größe, Bedrohungspotenzial, Führer, etc.) wurde aus Platzgründen verzichtet, wissend, dass dies der nächste logische Schritt einer umfassenderen Analyse sein muss.
2. Arbeitsdefinition
Unter Terrorismus ist eine Gewaltstrategie zu verstehen welche aus einer extremen Position der Schwäche heraus operiert. Ziel der Gewalt ist es Angst und Schrecken zu verbreiten. Angst und Schrecken können zum Selbstzweck, als Druckmittel oder Botschaft bestimmt sein. Das Agieren aus dem Untergrund, ein weitere grundlegende Eigenschaft resultiert aus der erwähnten Konfliktasymmetrie.
Terrorismus ist kein isoliertes Phänomen und kann Teil einer umfassenderen Gewaltstrategie sein. 1 Übergänge oder Verschmelzungen mit anderen Phänomenen wie z. Bsp. dem
1 So gibt es einige Beispiele bei welchen Terrorismus nur ein Standbein, nur eine Strategie neben anderen parallel ablaufenden darstellt. Die Hisbollah hat z. Bsp. terroristische Zellen aber auch quasi reguläre Kampfverbände, betreibt einen eigenen Fernsehsender und Krankenhäuser.
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Guerillakrieg oder sozialen Bewegungen sind durchaus möglich. Staatsterror oder auch staatliche Terrorismus soll hier nicht unter den Begriff des Terrorismus fallen. Er ist für die internationale Sicherheit von geringerem Interesse, richtet sich eher nach innen als nach außen. Analysetechnisch bestehen schwerwiegende Qualitätsunterschiede
(Konfliktasymmetrie, Opfer, Symbolik, usw.) so dass er hier im Sinne einer gehaltvollen Analyse nicht gleichgesetzt wird.
3. Terroristisches Kalkül
Oft wird von Terroristen behauptet sie seien Fanatiker, Fehlgeleitete. Implizit wird damit die Vorstellung verbunden, Terroristen seien psychisch abnorm. Diese wurde lange Zeit versucht zu bestätigen jedoch ohne Erfolg. Die Erkenntnisse aus den Studien lassen eher den Schluss zu, dass Terroristen weniger oft Neurosen oder Psychosen aufweisen als die durchschnittliche Bevölkerung, sind nicht gewalttätiger oder soziopatischer o.ä. als andere. Im Gegenzug scheint es eher plausibel von starken Nerven, stabilen Psychen, einem konstruktiven Gruppenverhalten und Ähnlichem auszugehen da dies Voraussetzungen für den Extremfall ‚Leben als Terroristen’ darstellen. Wenn Terroristen psychisch gesunde Menschen sind, sollte ihr Handeln dessen sie sich bewusst sind und mit dem sie ein hohes Risiko eingehen einer gewissen Rationalität nicht entbehren.
3.1. Terrorismus als symbolische Gewalt
In der Arbeitsdefinition wurde darauf hingewiesen, dass Terroristen aus einer extremen Position der Schwäche heraus operieren. Diese Position legt ihnen gewisse Beschränkungen auf, Agieren aus dem Untergrund, beschränkte Zielwahl, keine Aussicht auf physische Vernichtung des Gegners, Verfolgung. Überhaupt liegt ihre Schwäche darin ein Druckmittel bei der Hand zu haben das ihren Forderungen Gewicht verleiht. Sie sind weder Feldherren, politische Machthaber oder Wirtschaftsgewichte. Sicherheit konstituiert sich durch zwei Komponenten, der objektiven und der subjektiven oder umgekehrt: Unsicherheit herrscht wenn eine der beiden Komponenten fehlt. Zu schwach um eine wirkliche Gefahr darzustellen,
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müssen sie auf die Seite der subjektiven Gefahr ausweichen und verbreiten damit vielmehr das Gefühl von Gefahr als wirkliche Zerstörung.
Somit ist es in erster Linie Ziel der Terroristen Angst und Schrecken zu verbreiten. Die Zerstörung die dazu führt ist nur Mittel zum Zweck. Diese Grundform des terroristischen Kalküls ist allen Terroristischen Aktionen eigen. Darüber hinaus gibt es aber noch erweiterte Formen welche von Organisation zu Organisation unterschiedlich ausgeprägt sind. Ein zweites Ziel kann es sein mit den Aktionen Sympathien ein zu werben um Unterstützung zu erhalten oder Botschaften zu vermitteln im Sinne von: „Hier steht jemand und kämpft!“, „Ihr seid nicht allein!“. Will man nur Angst und Schrecken verbreiten so sind den Zielen terroristischer Aktionen wenige Beschränkungen auferlegt. Alles was verunsichert ist legitim. 2 Um Sympathien zu erhalten braucht es aber ein positives Bild in der Bezugs- oder der potenziellen Unterstützergruppe 3 , das legt den Terroristen gewisse Beschränkungen in der Zielwahl auf. Allzu fatale und wahllose Anschläge können an dieser Stelle kontraproduktiv
2 Man könnte im Hinblick auf den internationalen Terrorismus vermuten, dass sich dieser kaltblütiger und mit einem breiteren Repertoire an Mitteln manifestiert da er durch seine breiten, kaum erfüllbaren, diffusen Ziele und der geringeren Wahrscheinlichkeit Angehörige der eigenen Bezugsgruppe zu treffen dem Zwang auf Unterstützer und Machbarkeit acht zu geben entzieht. Des Weiteren um sich weltpolitisch einen Rang der Aufmerksamkeit zu ergattern aber auch unter viel größerem Erfolgsdruck, was die Schwere und Spektabilität der Anschläge angeht, steht.
3 Diese beiden Gruppen müssen nicht identisch sein. So kämpfte die RAF für die unterdrückten Massen also das Proletariat, sie selbst entstammten aber der mittleren und gehobenen Mittelschicht.
4 In Anlehnung an die Ausführungen in Waldmann (2005) welcher Terrorismus in erster Linie als Kommunikationsstrategie auffasst und die indirekte Wirkung terroristischer Aktionen herausstellt.
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Arbeit zitieren:
Peter Meißner, 2006, Internationaler Terrorismus als Problem der internationalen Sicherheit, München, GRIN Verlag GmbH
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