Gliederung
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung. 2
1.2 Gang der Untersuchungen. 3
2 Betriebswirtschaftliche Ansätze und Religion 5
2.1 Neoklassische Erklärungen für religiöses Verhalten 5
2.2 Die Ökonomie der Religion und die Neue Institutionenökonomik 6
2.3 Mentale Modelle, Ideologien und Religion 7
2.4 Interpretation der Religion als Unternehmen im Markt. 10
2.5 Religiöse Gemeinschaften im Blick der Club-Theorie 11
3 Möglichkeiten und Grenzen der Übertragung von BWL auf Religion. 13
3.1 Übersicht über Abdeckung bestehender Modelle 13
3.2 Kritik und Anregung weiterer Forschung 14
4 Ausblick 16
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Abkürzungsverzeichnis
NIÖ Neue Institutionenökonomik
USA United States of America
- II -
1 Einleitung
Religion ist einer der wichtigsten Bestandteile der Kulturgeschichte des Mensches - seit Menschengedenken und in jeder Kultur findet sie ihren Platz 1 und hat neben kulturellen, politischen und geografischen Entwicklungen auch die ökonomische Sphäre durch ein religiöses Weltbild zum Thema Wirtschaft stark beeinflusst 2 . Über diese historische und normative Bedeutung hinaus, „most scholars came to view contemporary religion as little more than a fossil, and an uninteresting one at that.” 3 Doch spätestens seit den 90er Jahren des 20sten Jahrhunderts haben sich Ökonomen vermehrt mit der deskriptiven Erforschung über die Entstehung und das Bestehen von Religionen aus betriebswirtschaftlicher Sicht beschäftigt.
Dieses Feld der Untersuchungen „economics of religion“ ist dabei, nicht zuletzt wegen der namentlichen Ähnlichkeit, von dem Feld „religious economics“ abzugrenzenletzteres ist der normative Ansatz von Religionen, auf ökonomische Fragestellungen Antworten zu geben. 4 Dennoch kann der religiöse Glaube in keiner der beiden Strömungen als Wirtschaftsgut deklariert werden 5 , viel mehr gibt der Güterbegriff Anhaltspunkte für die Interpretation der Religion als das religiöse Gut. Ein subjektiv empfundenes Bedürfnis des Menschen wird durch den „Erwerb“, durch Investition von Zeit und unter Umständen Geld, und dem Konsum des Gutes befriedigt. Dabei kann dieses sowohl aus materiellen als auch immaterielle Komponenten bestehen, sodass religiöse Dienstleistungen „wie die Bereitstellung von Gottesdiensten oder das Angebot religiöser Weltdeutung, Bestandteil des“ 6 religiösen Gutes seien können.
1 “Religious phenomena are to be found in all cultures which we know from the history of mankind.”, vgl. Albert, Hans (1997): The conflict of Science and Religion: Religious Metaphysics and the Scientific World View as Alternatives, in: Journal of Institutional and Theoretical Economics, Band 153, Nr. 1, S. 216.
2 Vgl. Brinitzer, Ron (2001): Mentale Modelle und Ideologien in der Institutionenökonomik - Das Beispiel Religion, in: Prinz, Aloys/Steenge, Albert/Vogel, Alexander (Hrsg.): Neue Institutionenökonomik: Anwendung auf Religion, Banken und Fußball, Münster, S. 135.
3 Iannaccone, Laurence R. (1994): Progress in the Economics of Religion, in: Journal of Institutional and Theoretical Economics, Band 150, Nr. 4, S. 738.
4 Mehr zu Thema „religious economics” unter anderem in Neusner, Jacob (1999) und Wilson, Rodney (1997).
5 Die gängigste Interpretation des religiösen Glaubens in der Wirtschaftstheorie, ist die des erstrebenswerten Geisteszustand, der einer nutzenstiftende Nachfrage, die mit Religion beantwortet wird. Vgl. Azzi, Corry/Ehrenberg, Roland (1975), S. 28. Darüber hinaus kann der Glaube auch als „human capital“ angesehen werden, welches unter Nutzwert-Maximierung „investiert“ wird. Vgl. Durkin, John T. Jr./ Greely, Andrew M. (1991), S. 180f.
6 Brinitzer, Ron (2001): Mentale Modelle und Ideologien in der Institutionenökonomik, S. 137.
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In diesem Sinne kann der religiöse Glaube, als Geisteszustand interpretiert werden, der durch dieses religiöse Gut, oder auch die „religiösen Erfahrung“ genannt, erreicht wird. Die Produktion dieses Gutes ist dabei gekennzeichnet durch „joint consumption and joint production and distribution of individual products“ 7 , in dem Sinne, dass die der Glaube für das Individuum auch durch den Glauben Anderer in der religiösen Gemeinschaft bedingt ist. Somit ist es zum einen ein nur kollektiv zu erreichendes Produkt, was nicht durch Rivalität gekennzeichnet ist, was auf ein Club-Gut hinweist, zum anderen ist aber auch die Exkludierbarkeit nicht voll gewährleistet, wodurch es den Charakter eines öffentlichen Gutes gewinnt. 8 Dies wäre der Fall, wenn man den Nutzenwert (z.B. unendliche Seeligkeit) des Individuums rein durch die Erreichung des Geisteszustandes sehen würde - dann wäre die Erreichung grundsätzlich von der Religion als Institution (Kirche, Gottesdienste, Klerus und Mitglieder) getrennt.
Dieser Ansatz könnte dann aber nicht das Entstehen von Religionen an erster Stelle erklären. Damit sollte oben genannte Annäherungen vor allem dazu dienen, zu illustrieren, wie einfach es ist, betriebswirtschaftliche Ansätze auf einzelne Inseln des Phänomens Religion zu übertragen, wie schwierig es aber auch ist, aus dem Schablonenkasten der Wirtschaftstheorie ein stimmigen Ansatz zu konstruieren.
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Dementsprechend kann es auch keinesfalls der Anspruch dieser Arbeit sein, einen vollständigen Ansatz zur Übertragung von betriebswirtschaftlicher Theorie auf die Religion zu liefern, auch allein deshalb, weil der Stand der Forschung das nicht ermöglicht 9 . Vielmehr soll das Ziel dieser Arbeit sein, bestehende Ansätze vorzustellen und diese in einer Übersicht zusammen zufassen. Dieser Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber da es bisher in der Literatur keine Quelle gibt, die auf die Mehrheit der Ansätze eingeht, soll dass im Rahmen dieser Arbeit geschehen und dadurch der deskriptive Teil an quantitativer Bedeutung gewinnen. Darauf aufbauend wird dann eine Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Übertragung von ökonomischen Ansätzen angeregt, die in einer kritischen Analyse des Nutzens münden soll.
7 Ben-Ner, Avner (1997): Comment - Religious Institutions and the Economics of Religion, in: Journal of Institutional and Theoretical Economics, Band 153, Nr. 1, S. 150.
8 Vgl. ebenda, S. 154f.
9 Mehr zur Forschung im Gliederungspunkt 1.2 Gang der Untersuchungen.
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Um dennoch dem Thema, unter der in der Einleitung erläuterten Diskrepanz zwischen religiösen Glauben und wirtschaftlichen Gut, Rechnung zu tragen, werden bei der Vorstellung der Ansätze im ersten Schritt nachfrage-basierte Erläuterungen (aus der Sicht des Konsumenten also religiöser Glaube) und erst im zweiten Schritt angebotsbasierte Erläuterungen (institutionalisierte Religion) vorgestellt.
1.2 Gang der Untersuchungen
In den letzten Jahrzehnten hat die betriebswirtschaftliche Theorie den Rahmen Ihres Erkenntnisobjekts schrittweise auf neue Bereiche erweitert. Klassisch war die Analyse lediglich auf die Geschäfts- und Unternehmenswelt beschränkt und widmet sich mittlerweile auch Bereichen wie Gesundheitswesen, Kriminalität, Bildung, Sucht, Wahlen und letztlich auch der Religion. 10 Ursprüngliche Gedanken gehen dabei sogar schon auf Adam Smith zurück, dessen Theorie auch auf Religion angewendet wurde, 11 doch wirklich konkret wurde die Erforschung erst durch Azzi/Ehrenberg (1975) und in den 90er Jahren des 20sten Jahrhunderts vor allem durch Iannacone (1991, 1994), Ensminger (1994) und Schlicht (1995). In diesem Zusammenhang sollte auch gesagt werden, dass die Forschung vor allem in Deutschland durch das in Tübingen publizierte Journal of Institutional and Theoretical Economic, und damit verbundenen das 14th Seminar on New Institutional Economics, welches einen Impuls für die Forschung in diesen Bereich lieferte, 12 stark vertreten ist. Die Forschung ist dennoch weiterhin relativ jung und realistisch betrachtet hält sich das Interesse der wissenschaftlichen Gemeinde auch weiterhin auf niedrigem Niveau.
Dies ist nicht zuletzt damit zu begründen, dass neue Erkenntnisse aus den Ansätzen begrenzt sind - damit soll aber nicht impliziert werden, dass die Forschung in dem Bereich sinnlos ist. Zum einen kann „Institutional economics […] benefit from looking at religion“ 13 zum anderen sind die Untersuchungen relevant, weil das Phänomen Religion konstanter Bestandteil unserer Geschichte war und wohl auch bleiben wird, auch wenn sich das Bild über die Zeit wandelt. Islamischer Fundamentalismus nimmt
10 Vgl. Iannaccone, Laurence R. (1994): Progress in the Economics of Religion, S. 737.
11 Vgl. Anderson, Gary M. (1988): Mr. Smith and the Preachers: The Economics of Religion in the Wealth of Nations, in: Journal of Political Economy, Band 96, Nr. 5, S. 1066-1088.
12 Informationen zum Seminar im Journal of Institutional and Theoretical Economics, Band 153, Nr. 1, S. 291-293.
13 Schlicht, Ekkehart (1994): Editorial Preface - Views and Comments on Economics and Religion, in: Journal of Institutional and Theoretical Economics, Band 150, Nr. 4, S. 736.
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Andreas Richter, 2005, Der religiöse Glaube als Wirtschaftsgut, München, GRIN Verlag GmbH
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