INHALTSANGABE
INHALTSANGABE 2
EINLEITUNG. 3
DEFINITION VON „GENIE“ UND „WAHNSINN“ 5
DER ANFANG VOM WAHNSINN 6
DER BEGRIFF „SCHIZOPHRENIE“ 7
WAHNSINN UND NORMALITÄT BEI IVAN BEZDOMNYJ 7
DER WAHNSINNIGE UND GENIALE MASTER 9
BEZDOMNYJ , MASTER UND DIE FOLGEN DES WAHNSINNS. 12
WAHNSINNIGE NEBENFIGUREN DES ROMANS 14
DIE BEDEUTUNG VON STRAVINSKIJ UND DER NERVENKLINIK 15
ABSCHLUSS. 16
LITERATURVERZEICHNIS : 18
EINLEITUNG
An seinem Roman „Master i Margarita“ arbeitete M.A. Bulgakov seit 1928 bis zu seinem Tod mehr als zehn Jahre lang. Im Laufe dieser Jahre existierte dieser Roman nur in Form eines Manuskriptes, der allmählich von seinem Autor abgeändert und somit vervollkommnet wurde. Dieses Meisterwerk war der Höhepunkt seiner schöpferischen Arbeit. Alles, was M.A. Bulgakov in seinem Leben erfahren hatte, ob Glück oder Leid, all seine Gedanken und Offenbarungen, seine ganze Seele und Talent flossen in seinen Roman mit ein. Für „Master i Margarita“ war es ein langer Weg, bis man schließlich Ende der sechziger Jahre dieses große Werk allen Menschen präsentieren durfte. Einige der Gründe dafür, warum die Behörden die Veröffentlichung dieses Romans immer wieder ablehnten, waren die untraditionelle Darstellungsweise der literarischen, künstlerischen Welt in der Sowjetischen Zeit, die in diesem Roman für damalige Zeit fragwürdigen Anspielungen und versteckte Kritik an der sowjetischen Gesellschaft.
In seinem Roman berührt Bulgakov solche große Themen wie die Liebe, der Glaube, die künstlerische Freiheit, die Gesellschaft usw. „Master i Margarita“ ist einer der meist diskutierten, kritisierten und analysierten Romane der klassischen Literatur, da er dem Leser so ungewöhnlich und rätselhaft einerseits und so tiefgehend und lehrreich andererseits erscheint. Dieses Werk wurde und wird immer noch von unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet und gedeutet. Da ist einerseits die interessante und spannende Figur des Master, die immer wieder unter die Lupe genommen wird, genauso wie Pilatus, der nicht weniger wichtig ist. Die Auseinandersetzung mit dem Thema des Guten und des Bösen und damit dem Glauben an Gott und Satan nimmt eine zentrale Stellung im Roman ein. In meiner Arbeit werde ich mich auf ein besonderes, sehr interessantes und wichtiges Thema dieses Romans fokussieren. Es ist der Zusammenhang zwischen dem Phänomen des Genies und dem des Wahnsinns, die Abgrenzung zwischen etwas „Normalem“ und etwas „Krankem“. Es ist ein wichtiger Gedanke, welcher leider wesentlich weniger Beachtung unter allen Kritikern findet als viele andere breit diskutierte Themen des Romans.
Dieser Aspekt umfasst einerseits die Identifikation und die Auseinandersetzung eines Künstlers mit seinem eigenen „Ich“, seine Ziele und Wünsche, die er mit seinen Werken in Verbindung bringt, und andererseits die Konfrontation eines Künstlers mit seinem Umfeld, die Reaktionen von Außen und die sich daraus ergebenen Folgen für den Künstler. Die zwei Figuren des Romans, die ich unter diesem Aspekt näher betrachten möchte, sind Master und Ivan Bezdomnyj. Es sind die beiden Personen, die eine Identitätskrise erleiden, die mit der Krankheit Schizophrenie in Berührung kommen, und die mit dem eigenen „Ich“ und mit ihrem Umfeld in Konflikt geraten. Wodurch entsteht dieser Konflikt? Wie wird er von diesen beiden Hauptfiguren bewältigt? Sind es wirklich Master und Bezdomnyj, die krank sind oder leben sie in einer kranken Gesellschaft?
Die Bedeutung von Doktor Stravinskij und seiner berühmten Klinik darf natürlich in diesem Zusammenhang auch nicht außer Acht gelassen werden.
Mit diesen Fragen und anderen Gedankengängen werde ich mich im folgenden Text auseinandersetzen.
DEFINITION VON „GENIE“ UND „WAHNSINN“
Bevor man Wahnsinn, Genie und Normalität in Zusammenhang mit Bulgakovs Roman und seinen Hauptfiguren bringt, sollte man die Begriffe „Wahnsinn“ und „Genie“ etwas genauer definieren.
Genie 1 (franz. génie, v. lat. genius) heißt übersetzt der Schöpfergeist, die Schöpfungskraft, bedeutet die außergewöhnliche Begabung, welche Originelles hervorbringt. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant definiert Genie als das Talent, welches der Kunst die Regel gibt oder als die angeborene Gemütslage, durch welche die Natur der Kunst die Regel gibt (vgl. Kritik der Urteilskraft § 46, S.178 ff.) Der schöpferische Geist kennt hiernach kein Regelwerk, keine Vorschriften zur Produktion von Kunstwerken, sondern er setzt im begeisterten, nicht bewusst gesteuerten Schaffensprozess selbst neue Regeln und Maßstäbe. Die sind - wie das geniale Schaffen insgesamt - weder lehr- noch lernbar. Wahnsinn 1 heißt die Geisteskrankheit, bei der im Bewusstsein des Kranken ein abnormes Ich an die Stelle des normalen tritt. Wahrnehmung, Phantasie und Gefühl sind krankhaft erregt, so dass sich der Kranke Vorstellungen macht, die gar nicht durch Sinnesreize begründet sind. Dazwischen hat er lichte Momente. Die Krankheit verläuft in mehreren Stadien. Zuerst tritt Leidenschaftlichkeit hervor und Vernachlässigung der gewöhnlichen Geschäfte und Personen, Zerstreutheit, Unruhe. Sodann zeigt der Kranke irren Blick, auffallendes Betragen, zweckwidriges Tun. Endlich beherrscht ihn ganz eine fixe Idee, und die Krankheit endet gewöhnlich in Blödsinn. (vgl. Emminghaus: Allgemeine Psychopathologie. Leipzig, 1878)
1 Kirchner, F.: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe. 1907
Arbeit zitieren:
Tatjana Rapp, 2005, Wahnsinn, Genie und Normalität, München, GRIN Verlag GmbH
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