1. Inhalt
1. Inhalt. 2
2. Einleitung 3
3. Die Utopie als Wegbereiter von Darstellungen idealer Staatswesen. 5
3.1. Idealstaat und zeitgenössische Gesellschaftskritik allgemein 5
3.2. Idealstaat in „Utopia“ und zeitgenössische Gesellschaftskritik in England
(Wie sieht hier das perfekte Staatswesen aus? - Vergleich England und heute)
8
3.3. Stilistische Mittel, die auf eine Utopie hinweisen 12
4. „Utopia“ und die Gesellschaft heute. 14
5. Schluss. 16
5.1. Eigene Meinung zu „Utopia“ Kann es einen utopischen Staat überhaupt
geben ? 17
5.2. Was überzeugt an der Utopie dieses Staates, was nicht? 20
6. Resümee 22
7. Literaturangaben. 25
2
Gesellschaftsformationen, vor deren Hintergrund und gegen die sie entstanden [ist], eine ideale Staatsordnung entgegen. Bedingung der idealen Staatsordnung ist deren räumliche Abgeschlossenheit, in der die widerspruchslose Organisation menschlicher Beziehungen möglich ist. Die harmonische Organisation des Zusammenlebens wird durch die Unterordnung individueller Interessen unter das Kollektivwohl erreicht.“ 1
2. Einleitung
Thomas Morus wurde zur Zeit der Renaissance im Jahr 1477 in London geboren. Er war ein enger Berater des englischen Königs und verbreitete den Humanismus in England. Er verfasste viele Schriften, u.a. eine literarische Utopie einer harmonischen Gesellschaft - „Utopia“, welches zu seinem berühmtesten Werk wurde. Morus kritisierte den Protestantismus und weigerte sich, seinem König den Suprematseid zu leisten, was ihn letztlich die Verurteilung zum Tode brachte. Er war Zeit seines Lebens ein sozial engagierter Mensch. So half er in Zeiten der Hungersnot Hunderten von Menschen in ihrer Misere. Auch lag ihm sehr viel daran, in Harmonie mit seiner Familie zu leben. So ließ er seinen Töchtern die gleiche Erziehung zukommen wie seinen Söhnen. Eine von Morus’ Töchtern, Margret, wurde später zu einer der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Diese Charaktereigenschaften werden in der folgenden Arbeit die Ernsthaftigkeit des Autors in seinen Aussagen in dem Werk „Utopia“ stärken.
1 Corinna Mieth
3
Neben seinen staatlichen Aufgaben veröffentlichte er Gedichte und Übersetzungen griechischer Schriften. Richtig publik wurde er jedoch mit seinem Hauptwerk „Utopia“, welches im Jahre 1516 unter dem originalen Titel „De optimo reipublicae statu deque nova insula Utopia“ veröffentlicht wurde.
Das Werk „Utopia“ leitete in seiner Entstehungszeit eine neue Gattung von Literatur ein, dessen gesellschaftskritische Form auch in der folgenden Zeit zahlreiche Denker nachhaltig prägte. In dieser Schrift benutzt Morus den Reisebericht eines Epikureers über eine sorgenfreie Insel zur deutlichen Kritik an den sozialen Verhältnissen im christlichen Europa seiner Zeit.
In der oben genannten Staatsschrift, die einerseits eine Kritik an den Umständen Morus’ Zeit darstellt, andererseits eine übertrieben vollkommene Staatsform präsentiert, hebt sich besonders der Gemeinschaftssinn als Vorraussetzung für einen idealen Staat hervor. Die gedachte Gesellschaft auf Utopia lebt in einem auf dem Gemeineigentum basierenden Staat, der Tugend, Bildung und einem bescheidenen Leben eine hohe Bedeutung zuteil kommen lässt sowie Religionsfreiheit gewährleistet. Die Welt der Utopier steht damit im konträren Gegensatz zu den Umständen des damaligen Europas.
Die Projektion des Idealstaates auf eine unbekannte Insel steht zudem im Zusammenhang mit der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492, weniger als 20 Jahre vor der Veröffentlichung des Werkes „Utopia“. Diese Begebenheit prägte mit großer Wahrscheinlichkeit die damalige Gesellschaft äußerst nachhaltig, denn so konnten die utopisch beeinflussten zu erstrebenden sozialen Ziele der Gesellschaftskritiker, wie Morus einer war, auf diese „Neue Welt“ viel leichter projiziert werden als auf eine alte schon vorhandene.
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3. Die Utopie als Wegbereiter von Darstellungen
idealer Staatswesen
Inwieweit die Gesellschafts- und Staatenform Morus’ „Utopia“ in die Realität umzusetzen ist, wird zentrales Thema dieser Arbeit sein. Zudem soll erörtert werden, inwieweit einerseits der Idealstaat - von dem Morus spricht - die Gemeinschaft fördert, andererseits jedoch gleichzeitig die Individualität und Freiheit des einzelnen Menschen einschränkt. Letztlich wird der Frage nachgegangen, welches Prinzip dieser beiden Formen dem Menschen auf Dauer eher zu Gute kommt und ob ein solch individuelles und ideales Staatswesen denn in der realen Welt überlebensfähig ist.
3.1. Idealstaat und zeitgenössische Gesellschaftskritik allgemein
Es gibt mitunter zahlreiche Auslegungen über den idealen Staat und dessen vollkommene Gesellschaft. In Werken von Francis Bacon oder Tommaso Campanella werden ebenfalls utopische Staatsformen dargestellt, jedoch mit deren eigenen Vorstellungen über ein perfektes Staatensystem. Alle Auslegungen einer perfekten Gesellschaftsform haben jedoch gewisse Grundprinzipien gemeinsam: eine bedeutungsvolle Raumstruktur, die große Wertlegung des Gemeinwohls sowie die Gleichberechtigung aller Bürger. Besonders sind in Morus’ utopischem Staat u.a. ein Zustand von nahezu vollendeter Gerechtigkeit, die Ausschöpfung aller begabten Potentiale eines jeden einzelnen Bürgers, die Abschaffung der Klassengesellschaft sowie eine vorbestimmte Lebensweise mit dominierenden Strukturen, die den Idealstaat und dessen Gesellschaft formen.
Doch zunächst einige definierende Erläuterungen zu den Begriffen Utopie, Idealstaat und Gemeinwohl.
Eine Utopie drückt eine Wunschvorstellung aus, die zwar denkbar und wünschenswert ist, jedoch aufgrund des aktuellen historischen oder
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gesellschaftlichen Hintergrundes entweder nicht oder nur sehr schwierig umzusetzen ist. Die Utopie stellt eine - auch irgendwie gleichsam wunderbare - Welt dar, in der dieses erstrebenswerte Idealbild zur Realität wird, jedoch nur in dieser wunderbaren Realität.
Im Sprachgebrauch wird das Wort Utopie auch als Synonym für eine Vision benutzt, die im Hinblick auf einen vorherrschenden gesellschaftlichen Zustand nicht realisierbar scheint. Semantisch betrachtet leitet sich der Begriff Utopie ursprünglich von den griechischen Wörtern ou/eu und topie ab, einem sogenannten „Nicht-Ort“ oder „Gut-Ort“. Allgemein wird der Begriff utopisch oft auch mit „phantastisch“, „irreal“ oder „undurchführbar“ bezeichnet - es beschreibt einen Ausdruck eines nicht existierenden Umstands. Dieser Ort besteht lediglich als Gedanke oder Idee. Eine Utopie liegt beinahe immer in der Zukunft, manchmal jedoch auch in einer entfernten Gegenwart. So auch „Utopia“ von Morus, die jedoch von sich behauptet, dass in ihr eine bessere Gesellschaft vorhanden sei als die vorherrschende Gesellschaft des damaligen Europas. Dennoch zeichnet sich eine Utopie insbesondere dadurch aus, dass sie zu ihrer Entstehungszeit nicht sofort realisierbar ist 2 . Das vollkommene und beinahe auch phantastische Gesellschaftssystem wird in Morus’ Werk als einer der ersten utopischen Romane praktisch und vor allem humanistisch (aus)gelebt. Diese Form der Utopie - hier eine Sozialutopie - zählt zu ihren wesentlichen Charaktermerkmalen die Einordnung der utopischen Idee in eine literarisch ausgeformte Rahmenhandlung, die zeitlich und/oder räumlich fernab vom aktuellen Geschehen stattfindet 3 .
Utopien sagen oft mehr über die gegenwärtigen Umstände ihrer Entstehungszeit aus als über die Zukunft. Sie reflektieren immer die bestehenden Lebensverhältnisse, das derzeitige Denken der Menschen und die augenblicklichen Ereignisse dieser Zeit. Eine Utopie entwirft daher nicht eine völlig fremde und neuartige Welt, sondern spiegelt die alte ab - nur in idealer Weise.
Die Grundkonzeption der Utopie von einem idealen Staat basiert ursprünglich auf den geschichtlichen und gegenwärtigen Machtverhältnissen, deren Herrschaft mittels Gewalt umgesetzt wurden. Dieses neue Gedankengut einer idealen Gesellschaft zeigte den Menschen in der Zeit der Renaissance nicht nur neue Wege ihres Lebens
2 Josef Niedermeier
3 Josef Niedermeier
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auf, sondern gab der Gesellschaft vielmehr Impulse, sich gegen die alten Denkstrukturen der Zeit entgegen zu setzen 4 .
Diese Art utopischer Literatur unterliegt einer makellosen Staatsordnung, welche mit ihren humanistischen und kommunistischen Prinzipien eine vollendete und zufriedene Gesellschaft zu ermöglichen versucht. Die unvollkommen existierende Staatsform in der Realität wird dann zu einem Gegner, da in solchen Staatsformen selbstsüchtige Eigeninteressen und regierungsgewaltiges Herrschen überwiegen und zu keiner Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse führen 5 . Der Begriff Idealstaat setzt sich aus den Begriffen „Ideal“ und „Staat“ zusammen. Eine Volksgemeinschaft im idealen Staat präsentiert das vollendete Zusammenleben der Gemeinschaft in völliger Harmonie. Der gedankliche Ausgangspunkt der Utopie Morus’ ist die philosophische Auslegung eines idealen Staates, ähnlich dem der Politeia bei Platon, der mittels eines rein logisch und rational theoretischen Denkmodell das ideale Zusammenwirken der Gesellschaft zum Gemeinwohl aller anstrebt 6 . Beide, Platon sowie Morus, legen ihren Schwerpunkt einer erneuerten Gesellschaft auf eine neue gesetzmäßige Anordnung, die das Bestehen und das fortwährende Funktionieren des Volkes sichern soll.
Gemeinsam ist allen idealen Staatsformen, dass ihre Gesellschaft derart von der Außenwelt abgeschirmt ist - so existiert auch der utopische Staat Morus’ auf einer Insel -, damit sich am utopischen Zustand nichts verändern kann. Der Begriff des Gemeinwohls geht zurück auf eine gemeinschaftliche Haltung des einzelnen. Das Synonym Gemeinnutzen beschreibt sehr gut den inhaltlichen Kern dieser Aussage. Wenn die Gemeinschaft einen Nutzen von ihrem Zusammenleben hat, herrscht das Wohl aller vor.
4 Wolfgang Biesterfeld
3 Hiltrud Gnüg
6 Rolf Schwendter
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Arbeit zitieren:
Kai Nellinger, 2007, Morus' Utopia: Der utopische Staat - eine zeitgenössische Gesellschaftskritik, München, GRIN Verlag GmbH
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