Inhaltsverzeichnis:
Einleitung. 3
Zusammenfassung des Buches 4
Frauen im 18. Jahrhundert 4
Der Roman „Geschichte des Fräulein von Sternheim“ 5
Sophie von Sternheim 6
Sophies Tante Gräfin Löbau und das Leben am Hof 7
Der ländliche Adel 9
Ihre Schulgründung, das ländliche Leben und der Aufenthalt in England. 10
Sophie als hinterfragendes und tugendhaftes Wesen. 12
Frauen im Roman 14
Sophie aus der Sicht der Männer. 16
Abschlie ßende Beobachtungen 17
Wieland über den Roman 17
Sophie La Roche über den Roman 18
Sozialkritik des Romans 20
Literaturhinweise : 22
2
Modelle weiblicher Bildung im Roman „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ von Sophie La Roche im Kontext des 18. Jahrhunderts.
„... daß wir nach dem Ebenbild unsers Urhebers geschaffen sein, weil diese Empfindsamkeit für das Wohl und Elend unsers Nebenmenschen die Triebfeder der Wohltätigkeit ist, der einzigen Eigenschaft, welche ein zwar unvollkommenes, aber gewiß echtes Gepräge dieses göttlichen Ebenbildes mit sich führt; ein Gepräge, so der Schöpfer allen Kreaturen der Körperwelt eindrückte, [...]. Das kleinste Sandkörnchen erfüllt seine Bestimmung wohltätig zu sein, und die Erde durch Lockernheit fruchtbar zu erhalten [...]. Die ganze physikalische Welt bleibt diesen Pflichten getreu [...]; nur die Menschen arten aus, und löschen dieses Gepräge aus (= Wohltätigkeit), ...“ 1
Einleitung
In der heutigen Zeit ist es unvorstellbar, sich eine Gesellschaft ohne Frauen vorzustellen. Literatur, Medien, Politik und Wissenschaft werden mehr denn je vom weiblichen Geschlecht geprägt. Das Klischee „die Frau habe zu Hause am Herd zu stehen und sich um die Kinder zu sorgen“ scheint zumindest in unserer Gesellschaft langsam zu verblassen. Frauen heutzutage sind emanzipiert, lassen sich weder unterdrücken noch in eine Rolle hineinpressen. Sie entscheiden frei und unabhängig.
Vor nicht allzu langer Zeit war dies jedoch noch unvorstellbar. Bis ins 20. Jahrhundert gab es nur sehr wenige Frauen, die sich gegen ihre unabhängige Rolle als Frau wehrten. Sophie La Roche war eine dieser Frauen, die als erste deutsche weibliche Autorin im Jahr 1771 mit ihrem erfolgreichen Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ eine ganz neue literarische Wendung zu Gunsten des weiblichen Geschlechts in Gang setzte. Literaturwissenschaftler bezeichnen diesen Roman als Vorläufer von Goethes Werther -und Goethe selbst urteilte: „das ist kein Buch, das ist eine Menschenseele“ 2 . Aber was ist das Besondere an diesem Roman? In der folgenden Arbeit sollen die verschiedenen Modelle und die Funktion weiblicher Bildung dargestellt werden.
1 Seite 214 - Nachwort von Barbara Becker-Cantarino. In: Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Hrsg. Barbara Becker-Cantarino. Reclam. 1983.Stuttgart.
2 Johann Wolfgang von Goethe: www.diegeschichteberlins.de
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Zusammenfassung des Buches
Der Roman erzählt die Geschichte der Sophie von Sternheim, die aus ländlichem Adel stammend, eine Erziehung zum tugendhaften Lebenswandel erhält. Bereits im Alter von 19 Jahren wird sie als Vollwaise zu ihrer Tante in die Stadt gebracht. Dort lernt sie das oberflächliche Hofleben mit seinen Tücken und Intrigen kennen. In ihrer Naivität lässt sie sich mit dem undurchsichtigen Lord Derby auf eine Scheinehe ein. Nur wenige Wochen hält diese Vermählung an, bis Sophie dem Lord überdrüssig geworden ist. Daraufhin bricht sie zu ihrer Brieffreundin Emilia auf und erhält die Möglichkeit, dort unter dem Pseudonym „Madam Leidens“ in einer Gesindeschule zu unterrichten, bis sie zufällig die Bekanntschaft der Engländerin Lady Summers macht. Auf deren Einladung hin reist Sophie nach Summerhall in England. Doch bald wird sie von der Vergangenheit wieder eingeholt, denn durch einen Zufall erfährt Lord Derby von Sophies Anwesenheit und lässt diese aus Angst vor der Aufdeckung seiner Tat entführen. Die Entführung ist für Sophie die größte Herausforderung, die sie fast mit ihrem Leben bezahlt. Am Ende wird sie von Lord Seymour gerettet, der Mann, den sie immer geliebt hat und heiratet ihn.
Frauen im 18. Jahrhundert
Zunächst werden nun folgende Modelle weiblicher Bildung historisch dargestellt. Die Frau steht im 18. Jahrhundert völlig unter der Herrschaft des Mannes. Diese Welt wird von Männern dominiert, welche das Verhalten und Aussehen der Frau bestimmen. Hier hat eine Entfaltung des weiblichen Geistes keinen Platz. Schulen und Universitäten sind nur Jungen vorbehalten, reiche Adelstöchter können Klosterschulen besuchen, Mädchen aus den unteren Ständen bestenfalls eine Sonntagsschule. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird zum ersten Mal an eine öffentliche Mädchenschule gedacht. Der Bildungsgrad hängt sehr stark von dem Umfeld ab, indem eine Frau aufwächst. Die aus dem Adel stammenden Frauen erlernen im Gegensatz zu den Bürgerlichen zumindest neben den häuslichen Arbeiten auch noch Kenntnisse in Lesen und Schreiben sowie in Wissenschaften. Die Bildung der adeligen Frau am Hof dient lediglich der allabendlichen Unterhaltung bei Festen und der Vermählung. Auf dem Land ist die weibliche Bildung meist umfassender. Hier spielt die Stellung der adeligen Frau eine größere Rolle als am Hof, da sie dort mehr Verantwortung übernehmen muss.
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Mit der Verehelichung erfolgt dann durch die vollständige Unterdrückung und geistige Abstumpfung der Frau ein Rückschritt ihrer geistigen Bildung. Alleinstehende Frauen und Witwen ecken in dieser Zeit stark in der Gesellschaft an, sie werden nur selten akzeptiert 3 .
Im folgenden werden die weiblichen Bildungsmodelle und deren Funktion anhand der im Roman vorkommenden Frauen dargestellt. Zusätzlich werden auch männliche Sichtweisen zu diesen Modellen mit einbezogen.
Der Roman „Geschichte des Fräulein von Sternheim“ Die Eltern von Sophie
Sophies Mutter, aus dem alten Adel stammend, erzieht ihre Tochter mit den wichtigsten Tugenden: Edelmut, geistiger Sittsamkeit und einem guten Herzen (Seite 19). Durch ihre Eltern erfährt Sophie das Verhältnis von zwei sich aufrichtig liebenden Eheleuten und deren Respekt zueinander, denn „aus Liebe geschlossene Ehen waren [im 18. Jahrhundert] ungewöhnlich“ 4 . Der bürgerliche Vater Sophies legt Wert auf eine gründliche Erziehung seiner Tochter. Er selbst erteilt ihr - anders als in der Stadt (siehe Erziehung der Knaben von Charlotte auf Seite 80) - unter anderem Unterricht in Philosophie, Geschichte, Sprachen und Musik, denn das Motto des Vaters lautet: „Liebe, Tugend und Wissenschaft führt den Menschen zum Glück“ 5 . Die Gütigkeit, Hilfe und Wohltätigkeit (Gründung eines Armenhauses) ihrer Eltern gegenüber deren Untertanen prägt Sophie nachhaltig (Seiten 40-45f). Als Paar stellen sie die Vollkommenheit des Glücks dar, woraus die makellos tugendhafte Sophie entsteht. Der gutherzige Vater sieht in seiner Frau eine ihm gleichgesinnte Person, er macht hier keinerlei Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nur durch diese Charaktereigenschaft kann er Sophie zu solch einem reinen Wesen erziehen. Er sagt über sie selbst, sie habe eine gute und gesegnete Erziehung und sei von Natur aus gut, deutet jedoch hier schon ihre scheinbare „Naivität und Gutgläubigkeit“ an und warnt davor, dass sie durch keine „Scheintugend hingerissen werden“ solle (Seite 53). Er stellt hier Vermutungen über die bösen Intrigen von Sophies Tante, der Gräfin von Löbau an und glaubt, dass sie ein „schlechtes Herz“ habe (Seite 54).
3 Becker-Cantarino, Barbara: Der lange Weg zur Mündigkeit: Frauen und Literatur in Deutschland. 1500-1800. Metzler. Stuttgart. 1987.
4 Einleitung Seite 7-33 - Sophie von La Roche. Ein Lebensbild in Briefen. In: Ich bin mehr Herz als Kopf. Hrsg. Michael Maurer. C.H. Beck-Verlag. O.D. München. Seite 10.
5 Seite 39 - Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Hrsg. Barbara Becker-Cantarino. Reclam. 1983.Stuttgart.
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Sophie von Sternheim
Das Fräulein von Sternheim stellt in diesem Roman die Verkörperung weiblicher Tugend dar. Sie unterscheidet sich deutlich von den anderen weiblichen Modellen. Sie ist eine sehr ordentliche und zielstrebige Person. Ihre Erziehung ist am Ausgleich zwischen Kopf und Herz orientiert. Vor ihrem Umzug an den Hof geht sie in die Dörfer ihrer Ländereien und beschenkt das Volk (Seite 60). Sie ist ein sehr sensibles, zerbrechliches und bescheidenes Geschöpf - zu sehen bei der Wahl der Stoffe ihrer Kleider, „denn ob sie gleich bei ihrer Bescheidenheit in der Wahl der Stoffe auf das Äußerste trieb,... 6 und dem Heimweh nach ihrem Zuhause „Dieser Staub, [...] ist mir schätzbarer als die ganze Welt... 7 ). Sie gilt auch am Hof als das vollkommenste und tugendhafteste Wesen (Seite 57f). Trotz ihrer für damalige Verhältnisse „geringen äußerlichen Schönheit“ hat sie durch ihre Art und Ausstrahlung viele Verehrer. Das Leben am Hof missfällt ihr, sie kann sich mit den Pflichten und Vorschriften nicht vereinbaren - der Hof legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres der Frau (Frisur, Kleidung, Schönheitspflege siehe Seite 62). Die Frau ist hier nur Vorzeigeobjekt und Gegenstand der Begierde männlicher Lüsternheiten. Ihr außerordentliches Wissen ist am Hof ebenso unerwünscht wie ihre direkte Art. Sophie beginnt schnell, dieses Leben zu hassen, sie merkt selbst, dass sie nicht in die Stadt passt („Ja, dachte ich, in diesem Scherz ist in Wahrheit viel ernst. Ich bin würklich eine Gattung von Gespenstern, nicht nur in diesem Hause, sondern auch für die Stadt und den Hof.“ 8 ). Das einzig Positive am Hofleben sind für sie die vornehme Art und das vorzügliche Benehmen untereinander, denn „der Ton und die Bezeugung sind [...] angenehm, weil die Eigenliebe eines jeden so wohl in acht genommen wird“ 9 . Doch die Oberflächlichkeit dominiert dennoch - die Leute hier sind von jeglicher Tugend der Klugheit am Hof abgekommen und verblendet. Alle müssen sich starr wie Marionetten an die Hofetikette und Sitten halten. Das Leben am Hof dient ausschließlich dem Aufrechterhalten der adeligen Kultur ohne jegliche geistige Bereicherung. Hier zählt nur die Bereicherung an weltlichen Dingen wie Schönheit, Reichtum und Macht (Seiten 78-79). Sophie wird sogar vorgeworfen, die höfischen Frauen aufgrund ihrer vielen Talente und Bildung zu beschämen (Seite 75). Doch am schlimmsten ist für sie der Anblick des in Elend lebenden Volkes.
6 Seite 59 - s.o.
7 Seite 60 - Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Hrsg. Barbara Becker-Cantarino. Reclam. 1983.Stuttgart.
8 Seite 65 - s.o.
9 Seite 67 - s.o.
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Arbeit zitieren:
Kai Nellinger, 2006, Modelle weiblicher Bildung im Roman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" von Sophie La Roche im Kontext des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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